Ein Sommertag

Ein weiterer Nachmittag voller Sonne. Eine Geocaching*-Runde mit sieben Cachefunden in der Nähe von Wettingen im Aargau.

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Komm mit mir auf den Barfußpfad!

[youtube=http://youtu.be/poaUREZMUig]

Viel Spaß!

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Bilder:
undogmatische Appspressionismen (iPhoneArt)

* Geocaching ist eine Outdoor-Schatzsuche in der realen Welt. SpielerInnen dieses Spieles versuchen, versteckte Behälter, Geocaches genannt, mithilfe eines Smartphone oder GPS-Gerätes zu finden, um anschließend ihre Erfahrungen online zu teilen. Mehr auf www.geocaching.com.

Alea jacta est

Wenn ein Würfel fällt, zeigt er Zahlen, die wir uns vielleicht so, vielleicht anders gewünscht haben. Aber weil der Würfel eine klare Sprache redet, gehorchen wir ihm. In der Regel. Ähnlich wie wir der Ampel gehorchen (außer wir sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs und rennen oder radeln – auf eigene Gefahr – über die Straße). Wir gehorchen und vertrauen Dingen, die sich von uns nicht beeinflusssen lassen, ohne uns groß darüber den Kopf zu zerbrechen. Das Leben ist ja so schon kompliziert genug.

Darum vertrauen wir den andern Verkehrsteilnehmenden unterwegs. Anders könnten wir uns nicht angstfrei ins Auto, aufs Fahrrad, in den Zug setzen. Und wir vertrauen den andern Menschen auf der Straße, dass sie uns nicht auf offener Straße umbringen, sonst könnten wir das Haus nicht verlassen.

Worauf ich hinaus will? Das Leben setzt Vertrauen voraus. Anders ist es unerträglich. Vertrauen in unbeeinflussbare Bewegungen, Vertrauen in die Gezeiten des Schicksals,
Vertrauen in die Entscheidungen unserer Mitmenschen und ihr grundsätzliches Wohlwollen (gepaart mit ihren persönlichen Zielen).

Vertrauen wir also Mächten, die wir nicht kennen und nicht beeinflussen können?

Vertraue ich nicht letztendlich vor allem darauf, dass das Leben, das ich lebe, Teil eines großen Gewebes ist, das, wenn es fertiggewoben ist, ein Bild ergibt. Ein ganzes Bild. Mein Lebensbild. Zusammengesetzt aus Scherben, aus bunten Schnipseln, aus Mörtel, aus Blut- und Schweisstropfen, gewoben aus weichen und harten Stoffen … alles so, weil ich mein Leben so webe, wie ich es lebe – und lebe, wie ich es webe. Weil ich jetzt hier bin und weil ich jetzt diese oder eine andere Weggabelung wähle und dort diese eine oder andere Person treffe. Jeder Mensch, den ich treffe, liefert mir ein neues Teilchen, das ich einbaue. Auf meine Weise. So gesehen ist jedes Leben das Stoffwechselprodukt all seiner Prozesse.

(Ach, übrigens, ich habe bei Stelle zwei zugesagt. Die Würfel sind gefallen. Ab Anfang Juli werde ich mich also wieder in den Mahlstrom der Angestellten einspeisen. Ich freue mich auf mein neues Team und die vertraute Arbeitsgeberin und darüber, wie willkommen ich dort bin. Der Umstand, von ihnen angeworben worden zu sein, macht das Ganze noch stimmiger. Einzig an den langen Arbeitsweg werde ich mich gewöhnen müssen. Ein weiteres Stück Gewebe, das auch seinen Platz finden wird.)

Wenn Bilder duften könnten

Kleine ekstatische Glückseligkeit mitten im Alltag: Mit dem Fahrrad bei Sommerwetter dem Liebsten entgegen fahren. Am Waldrand entlang. Später auf holprigen Wegen zwischen frisch gemähten Wiesen. Den Liebsten treffen, der eine fünfundsechzig Kilometer lange Radtour an Aare und Rhein entlang unternommen hat. Gemeinsam einen Geocache* heben. Pause machen. Erzählen. Lachen. Zusammen in den Abend fahren und zuhause ankommen.

Daheim sein. Beieinander. Miteinander. Nebeneinander.

Einziger Haken ist, dass Bilder nicht duften können. Frisch gemähtes Gras, von der Sonne getrocknet … gibt es einen göttlicheren Geruch? Dagegen ist jedes Bild ein kläglicher Abklatsch.

heu-pano

Zwischen Riniken und Remigen über Land …

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Bild:
undogmatischer Appspressionismus (iPhoneArt)

* Geocaching ist eine Outdoor-Schatzsuche in der realen Welt. SpielerInnen dieses Spieles versuchen, versteckte Behälter, Geocaches genannt, mithilfe eines Smartphone oder GPS-Gerätes zu finden, um anschließend ihre Erfahrungen online zu teilen. Mehr auf www.geocaching.com.

Schlaflos

Laut gedacht …

Wo ich hingehöre? Wer kann es mir sagen (und könnte ich mich falsch entscheiden)? Wer schreibt mein Drehbuch und wer trägt die letzte Verantwortung? Kann ich auf diese Fragen überhaupt anders antworten als mit ICH?

Schäfchenzählen rückwärts geht nicht. Seit 4:15 bin ich wach und das Sandmännchen hat sich aus dem Sand, ähm Staub, gemacht … Und sogar die Notfalltropfen wirken nicht. Kopfkino vom feinsten. Mir ist fast schlecht vor Müdigkeit und auch dass der Liebste neben mir tief und fest schläft, ändert nichts an meinem Zustand. Aufgekratzt bin ich. Adrenalin und Cortisol im Überfluss …

Wenn ich könnte, wie ich wollte, ich würde wohl Stelle eins nehmen. Denke ich. Konjunktiv, du Kehrreim meines Lebens! Andererseits hätte ich Stelle zwei auf sicher und der Hilfswerkbetrieb wäre mir von früher vertraut. Dafür wäre der Arbeitsweg sehr lang.

Stelle eins oder zwei – so oder so eine gute Ergänzung zur Selbständigkeit sagt der Verstand und die Abenteuerlust gibt zu Bedenken, dass ich – womöglich – meine Träume dem Sicherheitsdenken opfere, wenn ich eine feste Stelle annehme. Vierzig Stellenprozent oder fünfzig sind ja nicht viel, antworte ich mir. Damit wären die Grundkosten gedeckt und der Stress vom Tisch.

So what?

Wie viel Freiraum brauche ich und bliebe so nicht meine Kreativität auf der Strecke?

Jede unserer Entscheidungen hat Konsequenzen. Für uns, für andere. Wir sind nicht allein. Wie würde mein Leben sich weiterentwickeln? Wie und wohin?

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Nach dem Vorstellungsgespräch in B. fahren wir gestern Nachmittag nach Biel. Wir treffen den Künstler Marc Kuhn, den Schöpfer der Kunstbewegung Col-Art und seine mexikanische Frau Rossana. Es gilt noch einiges an Material und Gedanken zur baldigen Ausstellung im Zweibrücker Prisma auszutauschen.

Wie wir zu viert gemütlich am Bielersee über Kunst, die Welt und das Leben philosophieren, bitte ich Marc zum Jux, mir meine Zukunft aus dem Kakao-Satz zu lesen, denn vor bald vier Jahren hat er Irgendlink und mir aus unsern Handlinien gelesen.

In zehn Jahren …, hebt er an. Nein, den Rest seiner Rede werde ich hier nicht verraten.

Was die Zukunft bringen wird? Leben kann ich eh nur die Gegenwart …

So what?

(Falls jemand heute Abend dem Sandmännchen begegnen sollte, dann schicke er oder sie es bitte zu mir!)

Sehnen, suchen und der Hunger nach Heimat

Sehnen wir uns denn nicht immer nach dem Unerreichbaren? Gibt es ein Leben ohne dieses allgegenwärtige Gefühl von Unzulänglichkeit und Nicht-Genug? [Können andere das? Und wenn ja, wer und wieso? Und wie geht es?]

Was müssten wir schon groß verändern und weiterentwickeln, wenn alles bereits gut genug wäre, alles erreichbar, alles da? Könnten wir leben, ertrügen wir das Leben, wenn alles gut wäre? Ist es nicht letztlich unsere Sehnsucht nach Mehr und nach Besser, welche die Basis für jegliche Evolution ist? Und brauchte es deshalb so etwas ähnliches wie einen Sündenfall? Die Vertreibung aus der Heimat als Katalysator, Heimatlosigkeit als Motor für Entwicklung … [Und der Sinn des Lebens das Finden meiner Heimat in mir?]

Wenn ich meinem gierigen, immer hungrigen Monster Heimatlosigkeit all meine inzwischen gefundenen und benannten Heimaten vorstelle, was dann? Es schüttelt leise den Kopf, grinst ziemlich fies und verdreht ein klein bisschen seine schielenden Augen.
Und das reicht dir?, fragt es. Als wäre nicht all das tausendmal besser als dieses zermürbende innere Gefühl, das dieses Monster in mir nährt, dass ich nämlich nirgends wirklich Zuhause bin. Tauziehen einmal anders. Ich setze mich hin. Ich betrachte mein Monster, das mit mir am Tisch sitzt, seit ich denken kann.
Das sind nicht deine Eltern, die haben dich bloß adoptiert!, war seine erste (verlogene) Einflüsterung, an die ich mich erinnern kann. Da war ich noch in der Unterstufe. Keine Frage, Monster Heimatlosigkeit weiß, wie man Menschen klein kriegt und weich kocht. Doch was ich nicht verstehe: Wozu? Die älteste Frage der Menschheit: Woher und wozu kommt das Leid und hängt es immer an der Sehnsucht mit dran?

Nein, keine Antworten, weder hier noch jetzt noch irgendwann. Jedenfalls keine endgültigen. Und nein, ich kann die Welt nicht retten. Höchstens mich. Mit Heimat-in-mir der Heimatlosigkeit-in-mir (und überall) ein wenig Gegengewicht geben. Ein wenig die Welt verbessern mit der Freude darüber, in mir mehr und mehr sesshaft geworden zu sein und all jene materiellen Dinge, die mir Heimat sind (oder zumindest so tun als ob), immer weniger zu brauchen.

Ist das womöglich Freiheit?
Heimat und Freiheit – sind die zwei überhaupt kompatibel?
Oder ist Freiheit gar nur möglich, wenn ich in mir ganz und gar beheimatet bin?

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weiterhin stellen wir Bilder aus zum Thema „heimatlos“ auf pixartix_dAS bilderblog

beheimatet

Du hast es schon schön!, sagt B. zu mir, Mutter dreier kleiner Kinder, ständig auf Trab, immer in Bewegung, zum Glück meist gut gelaunt und lebensfroh. Weißt du, deine Freiräume … davon kann ich nur träumen!

Soll ich sagen, dass ich mir manchmal erträume, eine Familie zu haben? Dass Hans im Schneckenloch oft vom Gegenteil träumt? Doch wozu? Wem dient, wenn ich das sage? Sie lebt ihr Leben, ich meins und ab und zu kreuzen sich unsere Wege. Es ist jetzt so, wie es jetzt ist. Und im Grunde hat sie recht. Ich habe es schön. Nicht immer, aber oft. Heute zum Beispiel. Im Bett schreiben. Tee trinken. Danach Yoga und spät frühstücken, den Tag nach meinen Vorstellungen gestalten, die Balance finden zwischen konzentrierter Arbeit und all dem andern, was nicht explizit als Arbeit bezeichnet wird. Life-Work-Balance nannten das die Fachleute auch mal. Als ob Work nicht Teil des Lebens wäre [Arbeit soll entstigmatisiert werden, plädiere ich].

Ich mag mein Zuhause. Meine Räume mit meinen Möbeln, meinen Bildern, meinen Büchern – sie sind mir Heimat. Meine Räume sind die Kleider meines Lebens. Ja, auch meine Kleider sind mir Heimat, Schuhe ebenso. Wenn sie gut eingetragen sind, gut eingelaufen, wenn sie Teil meiner äußeren Hülle geworden sind, die ich auch bin. Heimatgefühl entsteht durch Vertrautheit. Heimat sind Menschen, die mich verstehen. Heimat sind wir meine Zeiten mit dem Liebsten, Gespräche, Lachen, Sein.

Heimat sind mir geografisch definierbare, in Koordinaten fassbare Orte – die rote Bank auf dem Hügel über dem Dorf, wo ich aufgewachsen bin, ein Baum auf dem Schulweg zum Gymnasium (ob er noch steht?), Wege, die ich gegangen bin. Orte, die mit prägenden Erlebnissen verknüpft sind, werden mir Heimat. Schafft die Repetition Heimatgefühle? Sind es die Wiederholung, das Ritual – beispielsweise mein Yoga am Morgen –, die in mir Heimat schaffen, die Vertrautheit und Sicherheit des Absehbaren? Sind es die Dinge, die ich tue, die bewirken, dass ich mich beheimatet weiß, in mir drin, in der Umgebung, in der ich mich gerade aufhalte? Gut möglich.

Auch die Sonne hilft, dass ich mich auf der Erde daheim und willkommen fühle – egal wo. Ja, und die Farben des Lichts, genau, Farben! Farben und Bilder – sie sind eine universelle Sprache, die mir Heimat vermitteln können. Und wo ich sie mich nicht ansprechen, erlebe ich Fremdheit, Heimatlosigkeit, Verstörung. Mit Lärm geht es mir ebenso und mit Menschen, die mich nicht verstehen. Verstehen, verstanden werden, mich verständlich machen zu können – das sind meine Schlüssel um Heimat zu finden. Und hier meine ich jetzt nicht ausschließlich die gesprochene Sprache. Jegliche Bild- und Klangsprachen müssen in meine Herzsprache übersetzbar sein, damit ich in ihnen zu Hause sein kann. Sie müssen mich berühren, ansprechen, bei mir ankommen können, sie müssen in mir drin etwas bewirken, erst dann sind sie mir Heimat.

Es ist unser Herz der Seismograph für Heimat. Das Herz und unser Denken. Wie funktionieren unsere Wert- und unsere Weltbilder? Was glauben und was wissen wir, was interessiert uns, was treibt uns vor- und was rückwärts? Was sind uns Kunst und Kultur? Und wie gehen wir mit all diesen Informationen um? Wie begegnen unsere Innenräume der Außenwelt, entsteht dabei Resonanz? Dissonanz?

Mir sind sinnliche Erfahrungen wie Gerüche Heimat, Klänge und Töne, das Berühren ganz besonderer Dinge – das Brot im Ofen, Grillenzirpen, Vogelgezwitscher, ein von meiner Mutter geerbtes Geschirrtuch. Heimat sind mir meine Gedanken, jene im Kopf ebenso wie jene auf dem Papier oder in meinem Rechner. Auch mein Laptop und mein iPhone sind mir heimatliche Inseln, Orte, wo ich gerne meinen Anker auswerfe, um mich zu sammeln. Und um zu arbeiten. Die Brotarbeit ebenso wie die Kür an meinen Manuskripten, an Bildern, an Blogs. Ja, auch meine Blogs sind mir Heimat. Wie viele Heimaten ich habe! Das stimmt mich dankbar.

Eine darf ich nicht zu erwähnen vergessen: die Musik. Eine ganz wichtige Heimat für mich. Unverzichtbar. Ganz bestimmte Songs. Und auch ganz bestimmte Lieder, die ich zum Beispiel als Kind oder in einer Schwitzhütte gesungen habe. Kraftlieder, die mich von innen heraus nähren. In Musik verdichtet sich für mich Heimat am fassbarsten. Heimatlosigkeit ebenso. Nichts kann so ein- und ausschließen wie Musik. Sie markiert durch ihren Stil, wo ich hingehöre und wo nicht.

Dass Heimat durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie definiert sein kann, wissen wir. Und dass definierte Heimat auf einmal nicht mehr gelten kann, wissen wir auch. Immer und überall auf der ganzen Welt werden Menschen vertrieben. Heimat wird zu Nicht-Heimat. Zu Heimatlosigkeit.

Als wir vor einem Monat in Berlin waren, bekamen wir von unsern dortigen Freunden die Geschichte Cioma Schönhaus‘ mit auf den Weg. Ich habe inzwischen seine beiden Bücher gelesen, die er über seine Jugend als junger jüdischer Bursche in Berlin geschrieben hat und über sein Leben als Passfälscher im Untergrund. Auch von seiner erfolgreichen Flucht in die Schweiz und das Leben, das er seither dort „wie im Paradies“ führt, las ich. Mit großer Betroffenheit. Und dankbar, dass er in meiner Heimat auch seine Heimat gefunden hat. Heimat zu finden, nachdem man vertrieben und zur Flucht gezwungen worden ist – kann es ein größeres Geschenk geben?

Über Heimat nachzudenken verändert meine innere Haltung positiv und ich stelle fest, dass ich es wirklich schön habe. Nicht nur, nicht immer, aber auch. Und immer bewusster.

Links:
Cioma Schönhaus im Schweizer Fernsehen
Buch „Der Passfälscher“ bei Perlentaucher
Buch „Der Passfälscher im Paradies“ bei books.ch

Zur Erinnerung:
Aktuell stellen wir auf pixartix_dAS bilderblog Bilder verschiedener Künsterinnen und Künstlern zum Thema „heimatlos“ aus.

Die Wichtigkeit von Tintenklecksen

Neue Schulhefte bekamen wir zu meiner Zeit noch in der Schule. Mit dem vollgeschriebenen Heft gingen wir zur Lehrerin, die aus dem großen Schrank ein neues Heft zog. War er groß? Ich erinnere mich nur noch, wie es roch, wenn er geöffnet wurde, nach Papier und neuen Farbstiften.

Das neue Heft zu öffnen war wie in ein frisch bezogenes Bett zu schlüpfen. Das Fließblatt, wo lag es – in der Mitte, vorne oder hinten? Ich liebte es, dieses jungfräuliche, schneeweiße, makellose Löschpapier zu betrachten. Seine Struktur, wenn ich genau hinsah, war ein wenig unregelmäßig, wie bei handgeschöpftem Papier, was ich aber damals noch nicht kannte. Wenn ich rauhe Hände hatte (die gab es vom auf-den-Bäumen-klettern und Unkrautjäten), war es nicht schön, das Papier anzufassen. Wie von der quietschenden Kreide auf der Tafel bekam ich davon Gänsehaut.

Sofort setzte ich mit dem Füller meinen Namen in die vorgedruckten Linien vorne auf dem Heft, wohl wissend, dass das Heft am nächsten Tag bereits in Einband-Papier stecken würde. Markieren musste ich das Heft dennoch. Später, in der Oberstufe, kritzelte ich alle möglichen Symbole und Slogans auf die Einbände, die damals bei mir bevorzugt aus Paketeinpackpapier bestanden, denn diese ließen sich am besten bemalen. [Was ist wohl aus all meinen liebevoll und kreativ gestalteten Umschlägen geworden? Nahezu künstlerisch, was ich da in langweiligen Geschichts- und Französischstunden erschaffen habe. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt. Sie schönt gern und oft.]

Ich schweife ab. Das Fließblatt. Jungfräulich weiß, um gleich nochmals das Klischee überzustrapazieren. Es war furchteinflößend, respektgebietend, rechthaberisch, besserwisserisch, denn es kam zum Einsatz, wenn ich kleckerte. Lange weiß blieb es nie. Und war erst der erste Fleck drauf, wurde natürlich auch das Fließblatt in meine Ausdrucksmalereien einbezogen. Tintenblau auf weiß. Pointillismus im Kleinformat. [Eine Ausstellung mit Fließpapier – Art Brut einmal anders.]

Der erste Klecks … wie sehr er doch befreit. Wie schön es doch ist, wenn wir uns Fehler erlauben dürfen. Wie erholsam, wenn wir endlich die Last ablegen können, die wie ein schwerer Rucksack an uns klebt, die Last, perfekt sein zu müssen/sollen/wollen (zutreffendes ankreuzen).

Über den Mut zum Scheitern habe ich schon früher gebloggt – er ist nicht einfach so zu finden. Er wird uns nicht in der Schule beigebracht, wächst erst allmählich aus Lebenserfahrung. Doch auch Mut zum Erfolg ist nicht selbstverständlich. Mit ist er nicht angeboren. Erfolgreich zu sein riecht bei mir allzu oft nach spitzen Ellbogen und noch spitzeren Bleistiften, nach Konkurrenz- und Klassenkampf, nach Streber- und Spießbürgertum, alte Anarchistin ich. Erfolg klingt in meinen Ohren nach Gefangenschaft in gesellschaftlichen Rollen und Zwängen.

Erst allmählich, besser spät als nie, werde ich mir bewusst, dass mein Bild von Erfolg ein sehr einseitiges ist. Und dass ich jede Einseitigkeit in meinem Leben mit Gegenargumenten aufwiegen kann. Dass ich jede Waagschale neu, mit neuen Erkenntnissen, füllen kann. Dass ich ganz oft mit meinen Vorurteilen und Programmen falsch liege. Oder eben einseitig. Dass meine Sicht der Dinge immer nur ein Ausschnitt ist. Und deine auch. Ich meine oft genug, besser zu wissen, was andere brauchen. Ich meine, Recht zu haben, auch das noch immer oft genug. Doch darum geht es gar nicht.

Erfolgreich zu sein, heißt auf meine Spur zu kommen, authentisch zu leben, mein Ding zu tun. Und es heißt, dass nur ich die sein kann, die ich bin und zwar so, wie nur ich die sein kann, die ich bin.

Wie Luisa Francia so treffend am 17. Mai 2013 in ihr Webtagebuch schrieb:

mich selber sehend sein

ich will die frau sein die ich bin
ich möchte so sein
so wahrgenommen werden
wie ich geworden bin
ich bin
ich will nicht werden wollen
und ich entziehe mich der wertung

ich spiegle mich in meinem schatten
wir kommen nicht
voneinander los
„auf ewig dein“ die wahre liebe
den schatten spürend sein
ja das ist meins

Quelle: www.salamandra.de

Darin will ich erfolgreich sein: In der Liebe zu mir.

Und wenn ich weiterhin dorthin unterwegs bin, zu mir, und eines Tages oder immer mal wieder, dort ankomme, bei mir, verlieren Besserwissertum, Vergleiche und Rechthabenwollen an Bedeutung. Erfolg um des Erfolges willen ebenfalls.

Ja, das ist meins – schöner als ein neues Fließblatt. [Danke, Luisa.]

Impressionen aus Boulogne # 3

Urban ArtWalk in Boulogne am Samstag, 18. Mai 2013

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Urban ArtWalk in Boulogne am Sonntag, 19. Mai 2013

[Das hier sind Galerien. Angeklickt werden die Bilder groß und man kann sich weiterklicken.
Weitere Impressionen in Text und Bild auch bei Irgendlink]

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Bilder:
Nikon (mit DigiKam frisiert)

Impressionen aus Boulogne # 2

Samstag und Sonntag als Collage …
Boulogne-sur-Mer 2

–  alle Bilder groß durch Draufklick –

Den Samstag am Meer ausklingen lassen …
Boulogne-sur-Mer 3
Statt Postkarten schreiben, welche kreieren …
Boulogne-sur-Mer 4
Sonntags statt la vache qui rit auf dem Brot, le chat qui lit* auf dem Sims …
le chat qui lit 1

le chat qui lit 2

Auf dem Rückweg: Die Geckos an der Autobahnraststätte
Heimwegrast nach Boulogne-sur-Mer 3
[Weitere Impressionen in Text und Bild auch bei Irgendlink]
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Bilder:
1-3; 6: undogmatische Appspressionismen (iPhoneArt mit Gimpunterstützung)
4+5: Nikon (mit DigiKam frisiert)
* heißt: Die Katze, die liest

Impressionen aus Boulogne # 1

Den Impressionen von der Kunstschule École Municipale d’Art, kurz EMA, widme ich hier einen eigenen Artikel. In nächsten Artikeln zeige ich Eindrücke unserer Urban ArtWalks durch die Straßen von Boulogne.
Wie sehr ich es bedauerte, dass ich bei der Führung mit Eve, der Sekretärin, meine beiden Kameras nicht dabei hatte, könnt ihr euch sicher vorstellen.
[Das hier ist eine Galerie. Angeklickt werden die Bilder groß und man kann sich weiterklicken.]


[Weitere Impressionen in Text und Bild auch bei Irgendlink]
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Bilder:
Nikon (mit Gimp und DigiKam frisiert)