Der Bücherverschenktag

Morgen ist es soweit. Morgen ist der Welttag des Buches. Morgen publizieren alle teilnehmenden Blogs einen Beitrag, in dem sie ein vorher definiertes Buch verlosen. Wer dieses Buch gewinnen will, kommentiert einfach den Beitrag. Verlost werden die Bücher am 30.04.2013.
Also, Leute, klickt euch morgen durch die teilnehmenden Blogs (hier oder aufs Logo unten klicken) und kommentiert, was das Zeug hält. Ich selbst werde es wohl genauso tun.
[Leider habe ich die Anmeldefrist verpasst, aber es macht sicher auch als Besucherin und Besucher Spaß, mitzumachen.]

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Der Traum vom Fliegen

Der eine verzaubert uns mit dem Diabolo, der andere am Hochseil, zwei Frauen klettern an der Stange aufwärts als wäre sie watteweich. Dazu viel Jonglage, Seil und Trapez, noch mehr Luftakrobatik und zwischen den Zeilen immer Klamauk und Schalk. Und alles ganz ohne Kitsch und Glitzer. Schließlich das Trio, das mich persönlich am meisten begeistert: eine Frau und zwei Männer, die auf einem roten Polsterteppich durch die Chinesischen Ringe fliegen und gegenseitig aufeinander aufpassen, dass keiner einschläft (ganz am Anfang des Trailers zu sehen: bei 0:03).

Und die Clowns, natürlich! Sie rahmen die ganze Geschichte ein. Denn Circus Monti heißt immer Gesamtkunstwerk und Circus Monti heißt, sich eine (Zirkus-)Geschichte erzählen zu lassen. Die überdimensionierten Bücher machen uns bereits neugierig, während wir – vorgestern Abend war es – unsere Plätze suchen. Einzelne Bücher, pop-ups, werden später vor den jeweiligen Nummern geöffnet und verrate, was wir gleich mit eigenen Augen genießen dürfen. Und das ist jede einzelne Darbietung: ein Genuss für die Augen – und fürs Herz!

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=BA-1SozOVxc&feature=share&list=UU4Kjz2u3D7IhKOnjDpTz4Jw]

Emilia und Gutzi, sie zierlich und klein, er ein langer Lulatsch, träumen – schon beim ersten Auftritt – den ewigen Traum des Ikarus. Mit Papierflugzeugen fangen sie an, später sind es Ballons, noch später kleine Heissluftballons und sogar Gutzi muss als potentielles Flugzeug herhalten, damit Emilia endlich aufsteigen darf. Alle Versuche, die die zwei sympathischen Clowns – zwischen den andern Nummern – unternehmen, scheitern jedoch kläglich. Erst am Schluss, als das ganze Ensemble sich ihrer erbarmt und bei der Umsetzung des Traumes mitanpackt, fliegen die beiden – er als Flugzeug, sie als Pilotin auf seinem Rücken – am Hochseil durch die Lüfte.

Wunderbar poetisch dazu die Musik, die sich wunderbar ins Gesamtkonzept ergießt.

Freundin L. und ich sind hell begeistert. Monti ist für uns beide DER Circus überhaupt. Im Gegensatz zu all den andern Zirkussen bekommen wir hier eine Geschichte erzählt, wir finden Witz, wir sehen köstliche kleine Details, und vor allem begegnen wir großer Leidenschaft am Kunsthandwerk der Zirkuswelt. Andere Zirkusse glitzern und glimmen und sie sind gewiss alle viel dramatischer und womöglich auch professioneller, doch hier finden wir Menschen. Menschen, die mit größter Hingabe und Kunstfertigkeit ihr Können darbieten.

Das Leben … ein einziger großer Zirkus?, frage ich uns auf dem Heimweg. Ist es nicht so, dass wir alle – genau wie diese wunderbaren Artistinnen und Artisten – unsere einmaligen Talente haben und diese auf unsere ganz eigene Weise der Welt darbieten sollten? Und wenn wir alle das tun, was wir am liebsten machen und am besten können und dieses Tun als Teil einer übergeordneten Choreographie begreifen, die wir verinnerlicht haben … Was meinst du? Vielleicht vielleicht wäre die Welt dann …

… ein besserer Ort?

Über das Schreiben

Es geht doch nichts über meine Berner Schreibgruppe. Dass wir damals, vor bald sieben Jahren, beschlossen haben, uns regelmäßig zur Textarbeit zu treffen, war etwas vom besten, das ich je mitentschieden habe. Von der Ur-Besetzung sind zwar nur noch S. und ich an Bord, aber egal …
Gestern Abend. Zu fünft sitzen wir im Wartsaal, unserer Lieblingskneipe im Berner Lorrainequartier, und essen etwas Kleines (schreibt man nach etwas groß oder klein weiter? Muss ich mal nachschauen …). Wir tauschen aus, diskutieren angeregt, lachen und scherzen. S., A. und ich setzen uns kurz draußen hin, um A. beim Rauchen Gesellschaft zu leisten.
R. liest seinen Text als erster vor, denn er muss heute früher gehen. Ich mache mir derweil Notizen und Kringel auf meinen Ausdruck seiner Kurzgeschichte. Schließlich ist er fertig und wartet gespannt auf unsere Rückmeldungen. Wir andern verständigen uns mit Blicken. Okay, dann fang ich eben an.
Zuerst sage ich, was mir am Text gut gefallen hat, was er in mir auslöst, wie ich ihn verstehe, um dann auch jene Stellen zu erwähnen, über die ich gestolpert bin oder die ich nicht ganz verstanden habe … Er fragt zurück, um alles richtig zu verstehen. Eine Formulierung, die ich seltsam finde, mag K. besonders gern. Das kommt zum Glück oft vor. Selten sind wir uns über alles einig und das ist hier gut und richtig so. Jeder Text wird, vom Handwerk einmal abgesehen, persönlich und individuell wahrgenommen und wirkt nie auf alle gleich. Für mich ist diese Runde deshalb so unentbehrlich. Sie ist ein Spiegel für meine Texte.
Als zweitletzte teile ich Ausdrucke eines bereits neu geschriebenen Ausschnittes aus Loch im Eis aus. Besonders bin ich auf die Feedbacks von S. und K. gespannt, die meine neue Figur noch nicht kennen, weil sie das letzte Mal nicht dabei waren, als ich das erste Kapitel vorstellte. Sie reagieren positiv, sehen auch schon, wie Alessa tickt und geben Tipps, wie meine Antiheldin noch mehr Profil bekommen könnte. S. stellt fest, dass er bei einem bereits gut geschriebenen, leicht überarbeiteten Text viel mehr ankritzle als bei einem rohen Text. Dort melde er eher gröbere Kanten, die ihm auffallen, zurück, hier jedoch seien es eher kleine, feine Dinge, die ihm auffielen.
Ich bin sehr dankbar über alle diese feinen, wohlwollend-kritischen Schleifspuren, die meine Schreibfreunde an meinem Text hinterlassen. Wie war das doch gleich, vorhin beim Essen? Wir hatten über Kritik und Kritikfähigkeit diskutiert und wie ein Mensch auch dadurch der geworden ist, der er ist, wie er im Laufe des Lebens mit seinen alltäglichen Schleifsteinen umgegangen ist. Solche haben wir alle immer und überall. Angefangen hatte diese hochspannende Diskussion mit der simplen Frage, ob wir jemandem sagen würden, dass er eine feuchte Aussprachen hat. Wem eher, wem gar nicht und wem unbedingt.
Als Schlussbouquet las A. das letzte Kapitel ihres ansonsten noch ungeschriebenen, philosophischen Märchens vor. Ich war hell begeistert, hatte ich den Plot doch das letzte Mal bereits gehört. K. und S. waren sich über die Kernstelle uneinig. S. fand sie unverzichtbar, K. zu stark und zu missverständlich. Ich überlegte, während die beiden diskutierten, wie man die Stelle für beide passend neu schreiben könnte, als ich begriff: Es muss nicht immer zum Kompromiss kommen. Bleib dir treu, A., denn wenn dieser Text schon bei uns solche Emotionen auslösen kann, dann ist der Text auf gutem Weg. Auch Kontroversen dürfen sein. Sollen sogar. Es muss nicht immer alles weichgespült und kantenlos geschliffen werden. Ein Text darf reiben.
Wie wir am Ende des Abends als letzte Gäste unsere Texte wegpacken und die Zeche bezahlen, richte ich liebe Grüße von Irgendlink aus. Erwähne dabei, dass er mir den Tipp gegeben habe, für einmal einen aus einem Buch abgeschriebenen Text mitzubringen. S. fand die Idee super, meinte jedoch, dass wir sicher auch bei einem fertig lektorierten Text Unstimmiges und zu Optimierendes fänden.
Was da manchmal zwischen zwei Buchdeckeln daher kommt …!, seufzt er.
Später auf der Autobahn, die Scheibenwischer auf der schnellsten Stufe, grinse ich wie blöd vor mich hin und bin einfach nur froh. Froh, so tolle Menschen zu kennen, die meine Schreibleidenschaft teilen.

Von Hochsitzen und Tiefpunkten

Wie es sich wohl lebt, so auf einem Hochsitz? Und was sich da oben wohl so alles anstellen lässt? Irgendlink und ich phantasieren drauflos, während wir – grün, blau und waldbraun geniessend – von Hochsitz zu Hochsitz pilgern. Endlich Frühling. Über zwanzig Grad. Langes T-Shirt reicht längst.
So viele Bilder wie gestern habe ich schon lange nicht mehr gemacht. Ein letztes noch, sage ich mir, denn wir sind auf dem Rückweg zum Auto. Da, diese morastige Grube zwischen Wiese und Straßenrand! Ein Fußabdruck, ein Schuhprofil – könnte das nicht sogar ein Straßen & Wege-Bild für die aktuelle pixartix-Serie werden?
Ich setze meine Fuß auf den Morast, fast wie einen Stempel, und hebe bereits den zweiten. Leider kann ich meinen rechten Fuß nicht mehr rechtzeitig bremsen, denn der linke ist bereits schuhtief versunken. Dem rechten gelingt es, sich schnell wieder aus dem Dreckloch zurückziehen, während der linke tiefer und tiefer gezogen wird. Das iPhone in der linken Hand, mit geöffneten Fotoprogramm, bildet von alleine ab, was geschieht (das letzte Bild unten).
Nur dank Irgendlinks beherzter Rettungsaktion, beschrieben und bebildert auch in seinem Blog, konnten ich und (noch fast wichtiger) mein iPhone das Abenteuer relativ unbeschadet überstehen. Barfuß zurück zum Auto. Barfuß Autofahren … damit kann man eh nie früh genug im Jahr anfangen!
Tja, um Höhe- und Tiefpunkte herum kommt eben niemand.
(das ist eine Galerie: Bild 1 anklicken und so weiter …)


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Neues aus Mietzenhausen

Heute mal wieder ein kleines Rätsel …
Sie …
IMG_3558_mietz
plus Faktor x gleich …
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x 25 gleich …
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Wer hat eine Idee, was Faktor x (= y mal z) sein könnte? Nein, diesmal gibt es keine Preise zu gewinnen … just 4 fun … 🙂
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Literatur einmal anders

Gestern Abend in der Galerie Prisma. Wir genossen Literatur. Texte von Tucholsky. Doch für einmal nicht in Form einer klassischen Lesung, sondern als literarisches Cabarett.
Texte und Lieder, die Tucholsky für und über Frauen (und Männer) geschrieben hat. Interpretiert wurden die Texte und Lieder von Silvia Bervingas (als Margot Müller im vorletzten saarländischen Tatort bekannt geworden) und Helmut Hofmann (Piano). Eine geniale Vorstellung!
Er telefoniert (vorher):

IMG_3514_smSie telefoniert (mitten in der Vorstellung):

IMG_3508_be_smIch schreibe (nach der Vorstellung):
Das Rauschen der Stimmen
Kanon aus Wörtern
neue Melodien
so noch nie gewesen
immer ähnlich
nie gleich
Wörterrausch
und Champagner im Blut
Gespräche sprudeln
und gewinnen an Tiefe
die reden,
verlassen in Wortbooten das Ufer
spülen dem offenen Meer zu
die Paddel im Boot
lassen sie sich treiben
Kontrolle wie lose Seile
spröde Seile, die genauso lange halten,
wie wir sie nicht überstrapazieren
ungefragt zerreißen sie sonst
und nun ist da Meer – uferlos
wir alle mittendrin
Gespräche zerrinnen durch die Ritzen
Stimmen
verstummen
unbestimmt
(verstimmt oder stimmig)
akustischer Leerraum
kurz
Stille
nun wieder Fülle
Wörter tanzen erneut
ich ersehne das Ufer
Mein Kopfkissen. Das Bett.
Bin ich müde!
Lass uns heimgehen, Liebster!

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nur ein Pünktchen

Jede Farbe hat ihren Code, damit sie nicht zu verwechseln ist. So ist zum Beispiel #ffffff weiß, total weiß. Exakt dieses Weiß hier, das Weiß hinter diesem Wort. Wäre ein d an zweiter Stelle, wäre das Weiß bereits ein bisschen bläulich. Nur minim. Und wäre gar an sechster Stelle noch ein d, wäre das Weiß ein wenig grünlich. Kaum sichtbar, und doch nicht mehr ganz weiß.
Dagegen stehen sechs Nullen für black as black can. Mit einem d an zweiter Stelle kippt das Schwarz aber bereits ein klein bisschen ins Rote. Wird auch die sechste Stelle wieder zu einem d, wird das Schwarz ein klein wenig… rate mal? Nein, nicht grün, nicht blau, sondern violett. Aber was heißt da schon violett? Violett gibt’s Tausende. Und jedes ein bisschen anders. Und rot auch. Gelb und grün, blau und braun … nein, keine Farbe gibt’s nur einfach so.
Mich macht das Farbenmischen auf Gimp glücklich. Mit der Maus fahre ich über die Farbfläche und sehe nicht nur die Veränderung der Farbe im Anzeigefeld, sondern auch eine Veränderung des Zahlencodes. Dass Zahlen und Farben dicht zusammengehören, ist mir als Synästhetikerin (siehe Wiki) schon als Kind klar gewesen – es erstaunte mich nur, dass die Menschen in meiner Umgebung das nicht ebenso sahen. Seit ein paar Jahren erst weiß ich, dass es doch noch andere Menschen gibt, die ebenfalls Farben, Zahlen und sinnliche Wahrnehmungen wie Gerüche oder Geschmack miteinander verbunden erleben. Dass ich nicht die einzige Spinnerin bin, die Zahlen schmeckt und riecht und farbig sieht, war sehr beruhigend, zugegeben. Und die Entdeckung der Farbcodes, die ich im Zusammenhang mit meinen Bildbearbeitungsprogrammen und dem aktuellen Webseitenbau machen durfte, macht mich glücklich.
Schnitt.
Zu Besuch bei einer Freundin. Wie ich heute durch die schon beinahe lau zu nennende Frühlingsnacht zurück zum Auto gehe und die Stadtlichter unter mir betrachte, die das Dunkel erhellen, trifft mich auf einmal die Erkenntnis: Ich bin ein Farbcode – einer von vielen. Du auch. Sie und er ebenfalls. Alle ein Farbtupfer. Ein kleines Lichtlein. Ich kann nicht 006500 sein, wenn du es schon bist. Und du nicht, wenn ich es bin. Du deine, ich meine Farbe. Alle zusammen die ganze Farbpalette.
Nenn mich hoffnungslos romantisch, doch solche Gedanken machen mich froh. Und Farben sowieso.
Wie 006500 aussieht? Guck hier …

immer weiterschreiben

Eignet sich Schreiben als Betäubungsmittel gegen Schmerz? Eignet sich Lesen als Stimulans*?
Genau genommen gibt es im Leben doch nur zweierlei: Lebenswichtige Notwendigkeiten und Stimulantia*. Doch selbst diese zwei sind eins, denn alles hängt mit allem zusammen.
Ohne atmen, essen, trinken, schlafen und ausscheiden würden wir physisch sterben. Körperpflege klammere ich hier mal aus. Oder ein. Sie ist bereits, wie alles andere, wie alles, was wir außerdem tun, Zugabe, die einzig und allein dazu dient, uns das Leben angenehmer und erträglicher zu machen, unser Lebenszeit zu füllen und uns, dank dieser Handlungen, die Lebensnotwendigkeiten zu ermöglichen. Puffer. Stimulanzia.
Darum bewegen wir uns, darum arbeiten wir an unsern Projekten und darum pflegen wir soziale Kontakte. Diese drei Stimulanzia stehen als Beispiele für grundlegende Stimulanzia. Jegliche Form des Selbstausdrucks – Kunst und Kultur aller Art wie Literatur oder Malerei – ist ebenfalls einzig Stimulans. Um nicht nur physisch zu überleben.
Selbst eine schlichte To-Do-Liste ist bereits ein Stimulans. Und falls es sich dabei um die Einkaufsliste für die lebenswichtigen Lebensmittel handelt, mischen sich hier Notwendigkeit und Stimulans, denn alles hängt zusammen.
Gestern Nacht, vor dem Einschlafen, im Briefsteller von Schischkindie Mützenfalterin hat das Buch hier wunderbar besprochen – schier unerträgliche Kriegsbeschreibungen gelesen.
Weit weniger als die Hälfte aller Menschen auf dieser Erde leben so behaglich wie ich, dachte ich, ins Dunkel starrend. Der größte Teil der Menschen meines Landes lebt luxuriöser als ich.
Je nachdem, in welche Richtung ich schaue, bin ich also reich oder arm.
Je nachdem wie ich denke, könnte ich verzweifeln ob meiner fragilen Lebensperspektiven oder könnte ich vor lauter Freude über den geplanten Neuanfang abheben. Sich selbständig zu machen, ist zwar ein leiser, alter Traum, doch daran kleben noch immer viele Ängste. Kann ich das? Werde ich mich im Wettbewerb behaupten können? Werde ich Aufträge bekommen? Werde ich davon leben können? Vor allem letztere Frage spukt durch meinen Kopf – und dann diese: Was brauche ich zum Leben wirklich? Werde ich von dem, was ich als Selbständige verdienen werde, meine Notwendigkeiten bezahlen können. Das Dach über dem Kopf, die Krankenversicherung und die sprichwörtliche Butter auf dem Brot und werde ich mir auch weiterhin meine Lieblingsatimulantia leisten können, als da wären zum Beispiel Schokolade (weniger die Menge als die Stückgröße der bitteren schwarzen Köstlichkeit, die langsam auf der Zunge zergeht, ist entscheidend) und Bücher?
Eins werde ich hoffentlich immer können: Schreiben. Auch eine Stimulans, natürlich. Und wohl nur eine andere Form von Denken – notwendig und stimulierend.
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* Ich verwende das Wort in Ein- und Mehrzahl hier bewusst losgelöst von seiner pharmazeutischen/medizinischen Bedeutung

neulich im Weinrebenpark

Weil Freundin M. (1) auch heuer wieder ein Jahr älter geworden ist, aber an ihrem Festtag – dazu Ostersamstag – arbeiten musste, besuchten wir sie einfach an ihrem Arbeitsort in Dietikon/ZH, nämlich in Bruno Webers Skultpurenpark, auch Weinrebenpark genannt. Dort, wo ich vor vielen Jahren ebenfalls eine Zeitlang gearbeitet hatte. Ein schöner Nachmittag, der in einen gemütlichen Abend bei ihr zuhause überging …
Bereits früher habe ich hier und hier über den Weinrebenpark berichtet und Bilder eingestellt. Den unten gezeigten Wassergarten kannte ich so – mit See – noch nicht, er wurde erst im letzten Sommer eingeweiht. Der daran angrenzende Wassergartensaal ist ein wahres Bijou für Augen und Sinne und kann für Feste gemietet werden


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Meine Räder und ich

Seit Tagen steigen Erinnerungen hoch. Zum Beispiel an die Sache mit Ostern. Wie war das gleich gewesen, früher? Eier suchen gabs bei uns nicht. Meine Mutter hat uns ja auch nie Märchen erzählt. Das sind doch Märchen, ich erzähl euch doch keine Lügengeschichten. Ab und zu las sie eine Kindergeschichte aus einer Zeitschrift vor. Das wars schon. Gut, dass ich schon sehr früh lesen konnte. Und alles zu lesen begann, was mir in die Finger kam.
Karfreitag habe ich während meiner Ausbildungszeit gerne meditativ und auch gerne alleine verbracht. Ich fuhr zum Beispiel mit meinem bordeauxroten Rennrad an den Hallwylersee – hin und zurück dreißig Kilometer. Womit wir bei meinem Fahrrädern wären …
Hach, mein rotes Rad, mein erstes eigenes Rad! Meine Räder waren nicht einfach Fahrräder. Nicht einfach nützliche Dinge, mit denen man von A nach B fuhr. Nein, so wie auch meine Autos Persönlichkeiten sind und waren, waren und sind das auch meine Räder. Jedes schrieb mit mir ein Stück Lebensgeschichte.
Fahren lernte ich auf dem roten Kindervelo meiner Schwester. Ich war wohl sieben oder acht. Unsere Straße war dazu wie geschaffen, ein wahres Kinderparadies. Samt Wald. Ein Biotop für Kinder. Radfahren, Rollschuhlaufen, Federballspielen, im Wald Baumhütten bauen … ja, das war alles wirklich gut und schön. [Neben allem andern Scheiß.]
Mit zwölf kam ich in die Oberstufe. In die Bezirksschule im Nachbarort. Wohin ich mit dem alten Rad meiner Mutter fuhr. Als ich es zu benutzen begann, war das gute Teil schon über zwanzig Jahre alt. Es hatte eine Sturmey Archer-Dreigang-Schaltung, einen zweifarbigen Ledersattel und einen schweren, dunkelgrünen Rahmen. Altmodisch wie sonst was. Für eine Zwölfjährige war so ein Teil unglaublich peinlich. Andererseits (und wenn ich ganz ehrlich bin) habe ich das Teil geliebt. Ich trug es auf wie eins jener alten Kleidungsstücke, die wie angegossen sitzen und trotzdem längst von allen andern in die Kleidersammlung geworfen worden wären. Natürlich moserte ich rum und wünschte mir ein eigenes neues Fahrrad. Was aber nicht so einfach war, weil das Geld fehlte.
Schließlich begann meine Schwester nach ihrer Konfirmation mit der Lehre und kaufte sich vom ersten Lehrlingslohn und dem Konf-Geld ein Mofa. Ich besuchte nun bereits das zweite Jahr der Bezirksschule und durfte ab sofort ihr vier Jahre altes Fahrrad auftragen. Ein Durchschnittsmodell, wie auch meine Mitschülerinnen sie trugen fuhren. Goldmetallic der Rahmen. Warum sie damals nicht das alte Mutterrad hatte benutzen müssen, frage ich mich heute zum ersten Mal. Vermutlich hatte sie sich erfolgreicher als ich dagegen gewehrt? Das konnte sie nämlich viel besser als ich. Doch ich, ich träumte – trotz hübschem goldenem – noch immer vom eigenen neuen Fahrrad.
Ein Jahr später wurde mein Traum wahr, denn ich gewann bei einem Wettbewerb ein nigelnagelneues Velo. Dumm nur, dass ich inzwischen erfolgreich meine Mofaprüfung abgelegt und sich mein Traum vom eigenen neuen Fahrrad in den vom blauen Mofa gewandelt hatte. Längst hatte ich auch auf Mofas von Kollegen und Kolleginnen einschlägige Erfahrungen gesammelt. Mein Vater half mir, meinen Traum zu verwirklichen. Er verhandelte mit dem Zweirad-Händler im Nachbardorf, der schließlich mein gewonnenes Fahrrad in Zahlung nahm und mir gegen einen Aufpreis ein quietschblaues Mofa, ein Puch Maxi, verkaufte. Das gleiche wie meine Freundin U.. Fast alle aus meiner Klasse kamen inzwischen mit dem Mofa in die Schule. Nach der Schule fuhren wir ab und zu in die nahen Hügel und kurvten herum. Ein Mofa war für uns das Synonym für Freiheit.
Viele Jahre, auch als ich schon in A.und noch später in B. zur Schule ging, fuhr ich mit meinem Maxi durch die Welt. Treu und zuverlässig brachte es mich ans Ziel. Doch auf einmal erwachte der Traum vom Fahrrad wieder. Freundin D. hatte sich beim Fahrradhändler W. im Oberdorf einen pinken Renner spritzen lassen. Boah, so ein geiles Teil! Zwar nicht in pink, aber so ein Renner war doch genau das, was ich mir immer gewünscht hatte! Außerdem jobbte ich ja in den Schulferien immer und hatte mir inzwischen etwas zusammengespart. Für gute Noten kam auch immer was dazu und so konnte ich bald zum Velo-W. gehen und mir mein eigenes Traum-Velo zusammenstellen. Bordeauxrot musste er sein, der Rahmen meines „Halbrenners“ – damals meine Lieblingsfarbe. Dazu hatte er einen schwarz ummantelten Rennlenker, feine Spritzschutzbleche und einen feinen Gepäckträger, auf den ich einen ebenso feinen Gitterkorb – ein Geburtstagsgeschenk meines Bruders M. – klemmte. Okay, so ein Korb auf einem Renner mag ein Stilbruch sein, doch ich musste und wollte mit dem Rad ja zur Schule und hatte immer viel zu schleppen. Oder ich fuhr mit meinem Rad an Karfreitag an den Hallwylersee oder mit der Jugendgruppe an die Aare. Das Mofa stand nun hinten in der Garage, nicht mehr vorne, und wurde immer seltener gebraucht.
Als ich nach meinem ersten Arbeitsjahr – als sozialpädagogische Praktikantin – als Zweiundzwanzigjährige für ein weiteres Praktikum ein Jahr ins Tessin fuhr, nahm ich nur das rote Fahrrad mit. Auch später, als ich nach Bern zog, um Buchhändlerin zu werden, kam mein rotes Rad mit und erkundete mit mir diese Stadt, die mir viele Jahre später wieder Heimat wurde.
Irgendwann kam der Tag, da mein rotes Rad starb. Die genauen Umstände habe ich vergessen. Es war, so meine ich mich zu erinnern, geklaut und kaputtet worden und wurde später wiedergefunden. Die Reparaturen hätten mehr gekostet als ein neues Rad, doch weil ich als Buchhändlerin nur wenig verdiente und das Wenige für eine Reise sparte, konnte ich mir kein teures Markenrad kaufen. Also musste ein günstiges Stadtfahrrad her. Das Teil hielt nicht lange, ich erinnere mich kaum an seine Farbe und es war oft kaputt. Wenige Jahre später wurde es von einem schönen neuen türkisfarbenen Citybike mit breiten Reifen, die auch auf ungeteerten Wegen und im Wald etwas taugten, abgelöst. Inzwischen war ich das erste Mal verheiratet, lebte in der gleichen Gegend wie heute und arbeitete zuerst im Kinderheim und später in der örtlichen Buchhandlung. Das Bike war damals mein Alltags- und Freizeitmobil. K. und ich verbrachten unsere Freizeit oft auf den Sätteln unserer Stahlrosse. Daran hat sich bei mir bis heute nichts geändert. Nur dass auch mein türkisses Pferdchen eines Tages seinen Dienst aufgab. Ich vererbte es einer Organisation, die ausrangierte Räder reanimiert und nach Afrika schickt. Der Gedanke, dass mein altes Rad noch immer irgendwo lebt, macht mich noch heute froh.
Mein aktuelles (Marken-)Fahrrad habe ich vor elf oder zwölf Jahren in T. gekauft, als ich mit meinem zweiten Mann im Berner Oberland gewohnt hatte. Dieses silberfarbene Rad mit blauen Teilen da und dort hat längst seine Marke überlebt. Zugegeben, es ist in die Jahre gekommen und längst trägt und fährt es nicht mehr nur Originalteile. Noch nie war ein Rad so lange bei mir. Dem Liebsten-sei-Dank, der es immer wieder zum Laufen bringt.
Heute Nachmittag – nach einem regionalen GeocacherInnentreffen in der Nähe meiner Wohnung – radelten wir beide noch ein wenig an die nahe Reuss.
Einfach drauflos.
Über Stock und Stein. Waldwege.
Ab und zu schieben, wo der Weg zu schmal, der Wald zu dicht ist.
Bei jeder Verzweigung entscheiden, wo lang wir fahren wollen.
Wie im richtigen Leben.