Heute mal wieder ein kleines Rätsel …
Sie …

plus Faktor x gleich …

x 25 gleich …

Wer hat eine Idee, was Faktor x (= y mal z) sein könnte? Nein, diesmal gibt es keine Preise zu gewinnen … just 4 fun … 🙂
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Literatur einmal anders
Gestern Abend in der Galerie Prisma. Wir genossen Literatur. Texte von Tucholsky. Doch für einmal nicht in Form einer klassischen Lesung, sondern als literarisches Cabarett.
Texte und Lieder, die Tucholsky für und über Frauen (und Männer) geschrieben hat. Interpretiert wurden die Texte und Lieder von Silvia Bervingas (als Margot Müller im vorletzten saarländischen Tatort bekannt geworden) und Helmut Hofmann (Piano). Eine geniale Vorstellung!
Er telefoniert (vorher):
Sie telefoniert (mitten in der Vorstellung):
Ich schreibe (nach der Vorstellung):
Das Rauschen der Stimmen
Kanon aus Wörtern
neue Melodien
so noch nie gewesen
immer ähnlich
nie gleich
Wörterrausch
und Champagner im Blut
Gespräche sprudeln
und gewinnen an Tiefe
die reden,
verlassen in Wortbooten das Ufer
spülen dem offenen Meer zu
die Paddel im Boot
lassen sie sich treiben
Kontrolle wie lose Seile
spröde Seile, die genauso lange halten,
wie wir sie nicht überstrapazieren
ungefragt zerreißen sie sonst
und nun ist da Meer – uferlos
wir alle mittendrin
Gespräche zerrinnen durch die Ritzen
Stimmen
verstummen
unbestimmt
(verstimmt oder stimmig)
akustischer Leerraum
kurz
Stille
nun wieder Fülle
Wörter tanzen erneut
ich ersehne das Ufer
Mein Kopfkissen. Das Bett.
Bin ich müde!
Lass uns heimgehen, Liebster!
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nur ein Pünktchen
Jede Farbe hat ihren Code, damit sie nicht zu verwechseln ist. So ist zum Beispiel #ffffff weiß, total weiß. Exakt dieses Weiß hier, das Weiß hinter diesem Wort. Wäre ein d an zweiter Stelle, wäre das Weiß bereits ein bisschen bläulich. Nur minim. Und wäre gar an sechster Stelle noch ein d, wäre das Weiß ein wenig grünlich. Kaum sichtbar, und doch nicht mehr ganz weiß.
Dagegen stehen sechs Nullen für black as black can. Mit einem d an zweiter Stelle kippt das Schwarz aber bereits ein klein bisschen ins Rote. Wird auch die sechste Stelle wieder zu einem d, wird das Schwarz ein klein wenig… rate mal? Nein, nicht grün, nicht blau, sondern violett. Aber was heißt da schon violett? Violett gibt’s Tausende. Und jedes ein bisschen anders. Und rot auch. Gelb und grün, blau und braun … nein, keine Farbe gibt’s nur einfach so.
Mich macht das Farbenmischen auf Gimp glücklich. Mit der Maus fahre ich über die Farbfläche und sehe nicht nur die Veränderung der Farbe im Anzeigefeld, sondern auch eine Veränderung des Zahlencodes. Dass Zahlen und Farben dicht zusammengehören, ist mir als Synästhetikerin (siehe Wiki) schon als Kind klar gewesen – es erstaunte mich nur, dass die Menschen in meiner Umgebung das nicht ebenso sahen. Seit ein paar Jahren erst weiß ich, dass es doch noch andere Menschen gibt, die ebenfalls Farben, Zahlen und sinnliche Wahrnehmungen wie Gerüche oder Geschmack miteinander verbunden erleben. Dass ich nicht die einzige Spinnerin bin, die Zahlen schmeckt und riecht und farbig sieht, war sehr beruhigend, zugegeben. Und die Entdeckung der Farbcodes, die ich im Zusammenhang mit meinen Bildbearbeitungsprogrammen und dem aktuellen Webseitenbau machen durfte, macht mich glücklich.
Schnitt.
Zu Besuch bei einer Freundin. Wie ich heute durch die schon beinahe lau zu nennende Frühlingsnacht zurück zum Auto gehe und die Stadtlichter unter mir betrachte, die das Dunkel erhellen, trifft mich auf einmal die Erkenntnis: Ich bin ein Farbcode – einer von vielen. Du auch. Sie und er ebenfalls. Alle ein Farbtupfer. Ein kleines Lichtlein. Ich kann nicht 006500 sein, wenn du es schon bist. Und du nicht, wenn ich es bin. Du deine, ich meine Farbe. Alle zusammen die ganze Farbpalette.
Nenn mich hoffnungslos romantisch, doch solche Gedanken machen mich froh. Und Farben sowieso.
Wie 006500 aussieht? Guck hier …
immer weiterschreiben
Eignet sich Schreiben als Betäubungsmittel gegen Schmerz? Eignet sich Lesen als Stimulans*?
Genau genommen gibt es im Leben doch nur zweierlei: Lebenswichtige Notwendigkeiten und Stimulantia*. Doch selbst diese zwei sind eins, denn alles hängt mit allem zusammen.
Ohne atmen, essen, trinken, schlafen und ausscheiden würden wir physisch sterben. Körperpflege klammere ich hier mal aus. Oder ein. Sie ist bereits, wie alles andere, wie alles, was wir außerdem tun, Zugabe, die einzig und allein dazu dient, uns das Leben angenehmer und erträglicher zu machen, unser Lebenszeit zu füllen und uns, dank dieser Handlungen, die Lebensnotwendigkeiten zu ermöglichen. Puffer. Stimulanzia.
Darum bewegen wir uns, darum arbeiten wir an unsern Projekten und darum pflegen wir soziale Kontakte. Diese drei Stimulanzia stehen als Beispiele für grundlegende Stimulanzia. Jegliche Form des Selbstausdrucks – Kunst und Kultur aller Art wie Literatur oder Malerei – ist ebenfalls einzig Stimulans. Um nicht nur physisch zu überleben.
Selbst eine schlichte To-Do-Liste ist bereits ein Stimulans. Und falls es sich dabei um die Einkaufsliste für die lebenswichtigen Lebensmittel handelt, mischen sich hier Notwendigkeit und Stimulans, denn alles hängt zusammen.
Gestern Nacht, vor dem Einschlafen, im Briefsteller von Schischkin – die Mützenfalterin hat das Buch hier wunderbar besprochen – schier unerträgliche Kriegsbeschreibungen gelesen.
Weit weniger als die Hälfte aller Menschen auf dieser Erde leben so behaglich wie ich, dachte ich, ins Dunkel starrend. Der größte Teil der Menschen meines Landes lebt luxuriöser als ich.
Je nachdem, in welche Richtung ich schaue, bin ich also reich oder arm.
Je nachdem wie ich denke, könnte ich verzweifeln ob meiner fragilen Lebensperspektiven oder könnte ich vor lauter Freude über den geplanten Neuanfang abheben. Sich selbständig zu machen, ist zwar ein leiser, alter Traum, doch daran kleben noch immer viele Ängste. Kann ich das? Werde ich mich im Wettbewerb behaupten können? Werde ich Aufträge bekommen? Werde ich davon leben können? Vor allem letztere Frage spukt durch meinen Kopf – und dann diese: Was brauche ich zum Leben wirklich? Werde ich von dem, was ich als Selbständige verdienen werde, meine Notwendigkeiten bezahlen können. Das Dach über dem Kopf, die Krankenversicherung und die sprichwörtliche Butter auf dem Brot und werde ich mir auch weiterhin meine Lieblingsatimulantia leisten können, als da wären zum Beispiel Schokolade (weniger die Menge als die Stückgröße der bitteren schwarzen Köstlichkeit, die langsam auf der Zunge zergeht, ist entscheidend) und Bücher?
Eins werde ich hoffentlich immer können: Schreiben. Auch eine Stimulans, natürlich. Und wohl nur eine andere Form von Denken – notwendig und stimulierend.
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* Ich verwende das Wort in Ein- und Mehrzahl hier bewusst losgelöst von seiner pharmazeutischen/medizinischen Bedeutung
neulich im Weinrebenpark
Weil Freundin M. (1) auch heuer wieder ein Jahr älter geworden ist, aber an ihrem Festtag – dazu Ostersamstag – arbeiten musste, besuchten wir sie einfach an ihrem Arbeitsort in Dietikon/ZH, nämlich in Bruno Webers Skultpurenpark, auch Weinrebenpark genannt. Dort, wo ich vor vielen Jahren ebenfalls eine Zeitlang gearbeitet hatte. Ein schöner Nachmittag, der in einen gemütlichen Abend bei ihr zuhause überging …
Bereits früher habe ich hier und hier über den Weinrebenpark berichtet und Bilder eingestellt. Den unten gezeigten Wassergarten kannte ich so – mit See – noch nicht, er wurde erst im letzten Sommer eingeweiht. Der daran angrenzende Wassergartensaal ist ein wahres Bijou für Augen und Sinne und kann für Feste gemietet werden
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Meine Räder und ich
Seit Tagen steigen Erinnerungen hoch. Zum Beispiel an die Sache mit Ostern. Wie war das gleich gewesen, früher? Eier suchen gabs bei uns nicht. Meine Mutter hat uns ja auch nie Märchen erzählt. Das sind doch Märchen, ich erzähl euch doch keine Lügengeschichten. Ab und zu las sie eine Kindergeschichte aus einer Zeitschrift vor. Das wars schon. Gut, dass ich schon sehr früh lesen konnte. Und alles zu lesen begann, was mir in die Finger kam.
Karfreitag habe ich während meiner Ausbildungszeit gerne meditativ und auch gerne alleine verbracht. Ich fuhr zum Beispiel mit meinem bordeauxroten Rennrad an den Hallwylersee – hin und zurück dreißig Kilometer. Womit wir bei meinem Fahrrädern wären …
Hach, mein rotes Rad, mein erstes eigenes Rad! Meine Räder waren nicht einfach Fahrräder. Nicht einfach nützliche Dinge, mit denen man von A nach B fuhr. Nein, so wie auch meine Autos Persönlichkeiten sind und waren, waren und sind das auch meine Räder. Jedes schrieb mit mir ein Stück Lebensgeschichte.
Fahren lernte ich auf dem roten Kindervelo meiner Schwester. Ich war wohl sieben oder acht. Unsere Straße war dazu wie geschaffen, ein wahres Kinderparadies. Samt Wald. Ein Biotop für Kinder. Radfahren, Rollschuhlaufen, Federballspielen, im Wald Baumhütten bauen … ja, das war alles wirklich gut und schön. [Neben allem andern Scheiß.]
Mit zwölf kam ich in die Oberstufe. In die Bezirksschule im Nachbarort. Wohin ich mit dem alten Rad meiner Mutter fuhr. Als ich es zu benutzen begann, war das gute Teil schon über zwanzig Jahre alt. Es hatte eine Sturmey Archer-Dreigang-Schaltung, einen zweifarbigen Ledersattel und einen schweren, dunkelgrünen Rahmen. Altmodisch wie sonst was. Für eine Zwölfjährige war so ein Teil unglaublich peinlich. Andererseits (und wenn ich ganz ehrlich bin) habe ich das Teil geliebt. Ich trug es auf wie eins jener alten Kleidungsstücke, die wie angegossen sitzen und trotzdem längst von allen andern in die Kleidersammlung geworfen worden wären. Natürlich moserte ich rum und wünschte mir ein eigenes neues Fahrrad. Was aber nicht so einfach war, weil das Geld fehlte.
Schließlich begann meine Schwester nach ihrer Konfirmation mit der Lehre und kaufte sich vom ersten Lehrlingslohn und dem Konf-Geld ein Mofa. Ich besuchte nun bereits das zweite Jahr der Bezirksschule und durfte ab sofort ihr vier Jahre altes Fahrrad auftragen. Ein Durchschnittsmodell, wie auch meine Mitschülerinnen sie trugen fuhren. Goldmetallic der Rahmen. Warum sie damals nicht das alte Mutterrad hatte benutzen müssen, frage ich mich heute zum ersten Mal. Vermutlich hatte sie sich erfolgreicher als ich dagegen gewehrt? Das konnte sie nämlich viel besser als ich. Doch ich, ich träumte – trotz hübschem goldenem – noch immer vom eigenen neuen Fahrrad.
Ein Jahr später wurde mein Traum wahr, denn ich gewann bei einem Wettbewerb ein nigelnagelneues Velo. Dumm nur, dass ich inzwischen erfolgreich meine Mofaprüfung abgelegt und sich mein Traum vom eigenen neuen Fahrrad in den vom blauen Mofa gewandelt hatte. Längst hatte ich auch auf Mofas von Kollegen und Kolleginnen einschlägige Erfahrungen gesammelt. Mein Vater half mir, meinen Traum zu verwirklichen. Er verhandelte mit dem Zweirad-Händler im Nachbardorf, der schließlich mein gewonnenes Fahrrad in Zahlung nahm und mir gegen einen Aufpreis ein quietschblaues Mofa, ein Puch Maxi, verkaufte. Das gleiche wie meine Freundin U.. Fast alle aus meiner Klasse kamen inzwischen mit dem Mofa in die Schule. Nach der Schule fuhren wir ab und zu in die nahen Hügel und kurvten herum. Ein Mofa war für uns das Synonym für Freiheit.
Viele Jahre, auch als ich schon in A.und noch später in B. zur Schule ging, fuhr ich mit meinem Maxi durch die Welt. Treu und zuverlässig brachte es mich ans Ziel. Doch auf einmal erwachte der Traum vom Fahrrad wieder. Freundin D. hatte sich beim Fahrradhändler W. im Oberdorf einen pinken Renner spritzen lassen. Boah, so ein geiles Teil! Zwar nicht in pink, aber so ein Renner war doch genau das, was ich mir immer gewünscht hatte! Außerdem jobbte ich ja in den Schulferien immer und hatte mir inzwischen etwas zusammengespart. Für gute Noten kam auch immer was dazu und so konnte ich bald zum Velo-W. gehen und mir mein eigenes Traum-Velo zusammenstellen. Bordeauxrot musste er sein, der Rahmen meines „Halbrenners“ – damals meine Lieblingsfarbe. Dazu hatte er einen schwarz ummantelten Rennlenker, feine Spritzschutzbleche und einen feinen Gepäckträger, auf den ich einen ebenso feinen Gitterkorb – ein Geburtstagsgeschenk meines Bruders M. – klemmte. Okay, so ein Korb auf einem Renner mag ein Stilbruch sein, doch ich musste und wollte mit dem Rad ja zur Schule und hatte immer viel zu schleppen. Oder ich fuhr mit meinem Rad an Karfreitag an den Hallwylersee oder mit der Jugendgruppe an die Aare. Das Mofa stand nun hinten in der Garage, nicht mehr vorne, und wurde immer seltener gebraucht.
Als ich nach meinem ersten Arbeitsjahr – als sozialpädagogische Praktikantin – als Zweiundzwanzigjährige für ein weiteres Praktikum ein Jahr ins Tessin fuhr, nahm ich nur das rote Fahrrad mit. Auch später, als ich nach Bern zog, um Buchhändlerin zu werden, kam mein rotes Rad mit und erkundete mit mir diese Stadt, die mir viele Jahre später wieder Heimat wurde.
Irgendwann kam der Tag, da mein rotes Rad starb. Die genauen Umstände habe ich vergessen. Es war, so meine ich mich zu erinnern, geklaut und kaputtet worden und wurde später wiedergefunden. Die Reparaturen hätten mehr gekostet als ein neues Rad, doch weil ich als Buchhändlerin nur wenig verdiente und das Wenige für eine Reise sparte, konnte ich mir kein teures Markenrad kaufen. Also musste ein günstiges Stadtfahrrad her. Das Teil hielt nicht lange, ich erinnere mich kaum an seine Farbe und es war oft kaputt. Wenige Jahre später wurde es von einem schönen neuen türkisfarbenen Citybike mit breiten Reifen, die auch auf ungeteerten Wegen und im Wald etwas taugten, abgelöst. Inzwischen war ich das erste Mal verheiratet, lebte in der gleichen Gegend wie heute und arbeitete zuerst im Kinderheim und später in der örtlichen Buchhandlung. Das Bike war damals mein Alltags- und Freizeitmobil. K. und ich verbrachten unsere Freizeit oft auf den Sätteln unserer Stahlrosse. Daran hat sich bei mir bis heute nichts geändert. Nur dass auch mein türkisses Pferdchen eines Tages seinen Dienst aufgab. Ich vererbte es einer Organisation, die ausrangierte Räder reanimiert und nach Afrika schickt. Der Gedanke, dass mein altes Rad noch immer irgendwo lebt, macht mich noch heute froh.
Mein aktuelles (Marken-)Fahrrad habe ich vor elf oder zwölf Jahren in T. gekauft, als ich mit meinem zweiten Mann im Berner Oberland gewohnt hatte. Dieses silberfarbene Rad mit blauen Teilen da und dort hat längst seine Marke überlebt. Zugegeben, es ist in die Jahre gekommen und längst trägt und fährt es nicht mehr nur Originalteile. Noch nie war ein Rad so lange bei mir. Dem Liebsten-sei-Dank, der es immer wieder zum Laufen bringt.
Heute Nachmittag – nach einem regionalen GeocacherInnentreffen in der Nähe meiner Wohnung – radelten wir beide noch ein wenig an die nahe Reuss.
Einfach drauflos.
Über Stock und Stein. Waldwege.
Ab und zu schieben, wo der Weg zu schmal, der Wald zu dicht ist.
Bei jeder Verzweigung entscheiden, wo lang wir fahren wollen.
Wie im richtigen Leben.
Kopfkino
Kino in meinem Kopf. Zurzeit laufen zwei Filme, die Wort für Wort das Leben schrieb.
Der eine ist der ARD-Film Der Preis der Blue-Jeans aus der Doku-Reihe Billigprodukte und ihre Folgen, den ich vor einigen Tagen gesehen habe. Es geht darin um Jeans und wie diese zum Beispiel im Billigland China produziert werden. Die ersten Eindrücke, die das Filmteam in der ersten chinesischen Fabrik, sind noch knapp erträglich. Obwohl das Stoffzuschneiden und -nähen im Akkord nur unter bedingt menschenwürdigen Bedingungen abläuft. Doch je länger der Film und die Recherchen dauern, desto schlimmer wird es. Die genähten Jeans werden nun mit chemisch fragwürdigen Bleichmitteln behandelt, mit Fräsen kaputtet und mit Sandstrahlern bearbeitet, damit sie auch schön grunge aussehen. Und das in den meisten Fällen mit nur geringem oder gar keinem Schutz für Haut, Lungen und Ohren der Arbeiter und Arbeiterinnen. Bestialischer Lärm. Die befragten Arbeiter und Arbeiterinnen, wobei die Männer bei gleicher Arbeit mehr verdienen als die Frauen, zucken die Achseln. Es könnte schlimmer sein. Ich fühle mich gesund. Man gewöhnt sich daran. Sie bewohnen Löcher, Massenunterkünfte ohne jegliche Privatsphäre. Immer brennt Licht in den Unterkünften, wegen der Schichtwechsel. Dusche? Vergiss es! Zwei Eimer Wasser müssen reichen, um die ganzen Chemikalien abzuwaschen.
Dafür wird jede Jeans im Laufe des ganzen Prozesses ungefähr zwanzig Mal – mit starkem Waschmittel – gewaschen, damit auch ja alle Gifte ausgespült werden. Sonst kann man die Hosen nämlich nicht nach Deutschland liefern. Obwohl Deutschland das bessere Abwassersystem hätte. Das bessere? China hat nicht das schlechtere, China hat gar keins. Die ganzen Färbe- und Bleichmittel fließen, bestensfalls von ein paar Gittern gefiltert, von der Fabrik ins Abwasser. Und von dort ins Meer.
Die Leute wollen nicht mehr viel zahlen für ihre Jeans. Sagt der deutsche Händler. Sagt der chinesische Zwischenhändler. Die Leute wechseln ihre Jeans nach einer Saison. Dennoch muss die Qualität stimmen. Die Konkurrenz ist groß. Der deutsche Händler sagt, dass China handeln müsste. Bessere Arbeitsbedingungen schaffen. Gewässerschutz veranlassen. Wir, sagt er, wir können nichts dafür. Wir richten uns nach dem Markt. Und selbst wenn wir mehr für die Jeans verlangen und China bezahlen, bekommen nicht die FabrikarbeiterInnen mehr Geld. Das verschwindet im Zwischenhandel. Später sagt er, dass, falls China zukünftig mehr Geld wolle, sie halt nach Afrika wechseln müssten. Doppelmoralischer und zynischer geht’s nicht.
Wenn Menschen und Gewässer so schlecht behandelt werden wie in China, wie werden da wohl Tiere gehalten? Ich mag gar nicht dran denken.
Während ich den Film schaue, fällt mir jener Film ein, den Irgendlink neulich geschaut hat – auch auf ARD. Über Amazon, das wir alle kennen und lieben, weil es so schön billig ist, zuverlässig auch, und uns alles liefert, was das Herz begehrt. Wir erfuhren, wie auch in Deutschland und Frankreich Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten und leben. Von Zeitarbeitfirmen aus Spanien und andern „armen Ländern“ geködert, um in großen Hallen Material zu verpacken. Bewacht von Sicherheitsdiensten. Untergebracht in Massenunterkünften. So weit weg ist China gar nicht …
Müßig zu sagen, dass wir nichts mehr bei Amazon bestellen.
***
Der zweite Kopfkinofilm ist ein selbst gedrehter, selbst erlebter. Nachdem ich gestern Freundin M. (2) zum Bahnhof begleitet hatte, fuhr ich – weil es draußen für ein paar Stunden wie Frühling war – mit dem Rad eine kleine Runde. Ich fühlte mich wohl, ahnte den kommenden Lenz und genoss die Sonne.
Doch wie ich mich auf dem letzten Stück meines Heimweges dem Dorfkindergarten näherte, fielen mir schon von weitem Menschen auf, die dort standen … Und Blumen, die an den Zaun gelehnt waren. Kerzen. Je näher ich kam, desto schrecklicheres schwante mir. Eine Gedenkstätte. Errichtet von Menschen, die eines gestorbenen Menschen gedachten. Kinderschrift auf Briefen und Karten. Mein Herz trommelte wie wild. Ein Kind, hier verunglückt? Eine Frau, die ich um Auskunft bat, bestätigte meinen Verdacht. Ein 5 jähriger Bub sei hier unter den Muldenlastwagen gekommen. Im Krankenhaus sei er einige Stunden später gestorben.
Zehn Sekunden früher über die Straße und er würde noch leben, denke ich. Seine zwei Gschpänli vor ihm hätten es geschafft. Er nicht mehr. Sagt sie.
Ich schiebe das Fahrrad nach Hause. Tränen in den Augen.
aufgelöst
Liebe Leserinnen und Leser
Ihr seid einfach wunderbar. Dass ich euch so einen langen Artikel wie den letzten zugemutet habe, ist ja eins, doch dass ihr auch noch so angeregt mitdiskutiert und mitgerätselt habt, freut mich echt total.
Vier Leserinnen und Leser haben mir die richtige Lösung gemailt:

Der Autor heißt Philip Roth und das Buch Nemesis*
Gewusst haben dies
– Karin Träumerleswelt, die das Buch ihrer Tochter geschenkt hat (und – wer weiß? – das Buch vielleicht und hoffentlich auch noch lesen wird?),
– Uwe Heckmann, der das Buch gleich nach Erscheinen gelesen hat,
– mb aka Frau Haushundhirsch, die das Buch vor einer Weile gelesen hat und last but not least,
– Anhora, die das Buch lesen will, wenn sie meine doch etwas detailreiche Buchbesprechung vergessen haben wird …
++++++++++++++++++++++
Erster und zweiter Preis:
Signierter Kurzgeschichtenband „Nachtfalter“, worin ich mit zwei Kurzgeschichten vertreten bin (auch drei Jahre nach Erscheinen noch knackig und gruselig).
Dritter und vierter Preis:
Eine Touchnote-Kunstpostkarte, die von A-Z auf dem iPhone gestaltet worden ist und direkt von dort aus zu euch nach Hause flattern wird.
Ich werde jetzt alle vier Namen auf Zettel schreiben – noch mehr Trommelwirbel bitte! – und ziehen ….

(leider ist der Fokusmotor meines iPhones kaputt (Wackelkontakt) – drum die Unschärfe, nix für ungut)
And the Winners are …
1. Preis: Anhora
2. Preis: Karin Träumerleswelt
3. Preis: Frau Haushundhirsch mb
4. Preis: Uwe Heckmann
Nochmals großes Dankeschön fürs Mitmachen und eure Lesetreue!
Herzliche Grüße, Sofasophia
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* weitere Rezensionen auf …
text-und-zeit.de
egotrip.de
Damals, im Sommer …
Endlich ist es Frühling. Hier jedenfalls. Zögerlich erst. Der kühle Wind und die trotz Sonne kühlen Temperaturen verstärken meine Sommersehnsucht nur umso mehr.
Sommer ist für mich draußen sein. Ist Wald, ist schwimmen im See, ist Sonne am blauen Himmel, ist abends am Feuer sitzen und viel weniger Textilien auf dem Leib (keine Schals, Mützen, Stirnbänder, Handschuhe, keine warmen Schuhe, keine langen Unterhosen …). Sommer ist Salate, ist unterwegs sein, ist Lachen … Wieso im Sommer mehr gelacht wird? Bestimmt hat das mit der Sonne zu tun, die sich doch sehr direkt auf die Laune auswirkt.
Teil 1 meiner heutigen Buchbesprechung
Sommer kann aber auch ganz anders sein. Im jüdischen Viertel in Newark, es war im Sommer 1944, war die Hitze schier unerträglich. Seit Wochen über dreißig Grad und auch nachts kaum Abkühlung. Und genau hier fängt das Buch, das ich vorstelle an. Es wird in erster Person Singular erzählt. Die Erzählstimme gehört einem der zwölfjährigen Jungs, die ihren Sommer, mangels Ferienhaus am Meer, in der Stadt verbringen. Zwei Monate Schulferien. Was kann man da schon anderes tun, als, sich mit den andern Jungs täglich auf dem Sportplatz zu treffen und Baseball zu spielen? Trotz der Hitze. Dass es dafür eine Aufsicht braucht, ist den Schulen und der Stadtregierung klar. Der Junglehrer Bucky, 23 Jahre alt und wegen seiner starken Kurzsichtigkeit ausgemustert, übernimmt den Job gerne und mit größter Hingabe – er ist außerdem auf jeden Cent angewiesen. Aus armem Haus stammend lebt er mit seiner Großmutter, seiner letzten Verwandten, in einer winzigen alten Wohnung und spart für einen neuen Ofen. Auf dem Sportplatz bringt er den Jungs Werte wie Zähigkeit, Fairness, Ausdauer, Technik und die Notwendigkeit. Immer wieder Pausen einzulegen bei. Seine Freundin Marcia, Tochter eines Arztes und aus besserem Haus stammend, verbringt ihrem Sommer in einem Camp außerhalb der Stadt. in den Bergen Pennsylvanias. Die beiden vermissen sich sehr und telefonieren regelmäßig.
Die Geschichte beginnt damit, dass wir von vereinzelten Poliofällen in andern Quartieren Newarks erfahren, doch schon bald rückt die Epidemie näher. Da damals die Ursachen für Kinderlähmung noch weitestgehend unbekannt waren, konnte nicht wirklich effizient gegen diese schreckliche Krankheit und ihre Ursachen vorgegangen werden. Und natürlich gab auch gerade diese Unwissenheit allen möglichen Theorien zu Ansteckungswegen Vorschub. Als die ersten beiden Buben aus seiner Gruppe sterben, erträgt Bucky es kaum. Er besucht die Hinterbliebenen und fängt bei der Trauerfeier damit an, seinen Gott der Liebe zu hassen. Wie kann ein guter Gott so etwas schreckliches wie Krankheiten, wie diese Krankheit im speziellen, die Kinder umbringt oder zu Krüppeln macht, zulassen, erschaffen gar? Seine Fragen und Zweifel wachsen stetig, auch die Selbstvorwürfe, die vagen Schuldgefühle, die Frage, was er ändern, verbessern könnte.
Teil 2
Je weiter der Sommer fortschreitet, desto mehr Jungs werden krank. Bucky fühlt sich zusehends hilfloser, und als ihn Marcia überredet, den Job zu schmeißen und zu ihr ins Camp zu kommen, weil einer der Leiter in den Krieg eingezogen worden ist, lässt er sich – zwar gegen seine Gefühle – überreden, zu ihr zu fahren. Seine Großmutter überlässt er der Obhut lieber Nachbarn. Trotzdem fühlt er sich sehr gespalten. Seine Kündigung erscheint ihm wie Fahnenflucht und er fühlt sich wie der größte Feigling dieser Welt.
[Darf ein Mensch sein eigenes Glück, sein eigenes Leben über das Wohlergehen seiner Gesellschaft stellen?, frage ich mich im Fahrwasser von Buckys Gedanken zu seinem Aufbruch in die Berge. Als wäre das Wohlergehen der Gesellschaft von ihm allein abhängig? Ist das denn nicht maßlose Selbstüberschätzung? Und wie sieht es mit der Verantwortung für die allfälligen Konsequenzen aus, wenn wir uns für unser Glück entscheiden?]
Bucky schämt sich seiner Tat. Schon in der ersten Nacht beschließt er, zurückzufahren, sich der Stadt und den Aufgaben, vor denen er davongelaufen zu sein glaubt, zu stellen.
Er muss dorthin, wo er gebraucht wird. Er muss zurück, um sich wieder in die Augen schauen zu können.
[Ich frage mich, ob nicht beides einzig der Aufrechterhaltung des eigenen Selbstbildes – nenn es Egoismus – dient, oder könnte gar Altruismus so aussehen?]
Bucky bleibt im Camp und genießt mit äußerst ambivalenten Gefühlen die Arbeit mit den Jungs, den Schwimmunterricht, die nächtlichen Ausflüge im Kanu mit Marcia auf eine kleine lauschige Insel … Er genießt vordergründig diese beinahe paradiesische Welt, die er noch nie zuvor erlebt hat, derweil in seinem Kopf Peiniger am Werk sind, Ankläger, die aufs Gröbste auf sein Gewissen einreden.
Nach einer Woche erkrankt ein junger Betreuer an Polio. Das Paradies wird zerstört und Bucky ahnt schreckliches. Er lässt sich auf Polio untersuchen und trägt den Erreger tatsächlich mit sich herum. Wie lange schon, lässt sich nicht feststellen. Die Krankheit bricht bei Bucky allerdings erst nach einer Weile aus. Inzwischen sind auch andere, unter anderem Marcias kleine Schwester, im Camp erkrankt und es wird umgehend geschlossen.
Teil 3
1971 | Arnie, einer der jungen Baseballspieler, die damals an Polio erkrankt sind, ist inzwischen Architekt, glücklich verheiratet und hat Kinder. Er hat sich mit dem Leben versöhnt und baut behindertengerechte Häuser – eine boomende Branche in den frühen Siebzigern. Eines Tages erkennt er seinen ehemaligen Lehrer Bucky auf der Straße, woraus sich ein angeregter Austausch entspinnt. Bucky erzählt Arnie seine Geschichte so schonungslos es nur geht. Er lässt nichts aus. Nicht, dass er seine geliebte Marcia nicht geheiratet hat, obwohl sie ihn unbedingt und auch als Krüppel als ihren Mann wollte. Wie naiv! Das hatte er ihr doch nicht antun dürfen. Sie gehörte an die Seite eines gesunden Mannes.
So versagte Bucky sich damals, aus Liebe zu ihr, die Liebe seines Lebens. Glück gibt es in Buckys Welt nur für die andern, schließlich war er doch schuld am Tod seiner Jungs, er war schuld daran, dass sich viele angesteckt und reversible Schäden davongetragen hatten. Er allein …
Die Hölle ist in seinem Kopf. In unseren Köpfen.
Doch Arnie, der Atheist, fordert Bucky, den Gotthasser heraus:
Ist nun Gott schuld oder Sie?, fragt er ihn zum Beispiel sinngemäß. Manchmal klagen Sie darüber, dass Gott nicht Liebe sein kann, wenn er diese Krankheit geschaffen hat. Er habe an allem Schuld, sagen Sie. Dann wieder, dass allein Sie schuldig sind …
Buckys Verhalten – sein Hader, seine Fragen, seine Anklagen, seinen Blick auf das Leid der Welt und die Bürde, die er sich aufgeladen hat, um alle andern reinzuwaschen – ist mir nicht fremd. Seine Bitterkeit macht mich betroffen und ich kann sie nachvollziehen.
Selbstanklage entspringt einer Allmachtsphantasie, blitzt es durch mein Hirn. Die Schuld, das Leid, den Schmerz der Welt zu tragen, kann niemand (nein, auch Jesus nicht). Weil alles ganz anders zusammenhängt, anders als wir denken, ahnen, spüren, wissen, zu wissen meinen. Und ich, nein, ich weiß es natürlich auch nicht. Und nein, ich wage keine Spekulationen. Aber an Gerechtigkeit glauben, nein, das kann ich schon lange nicht mehr – nicht an die von uns definierte und erhoffte jedenfalls. Doch ob der Weg, für den sich Bucky entschieden hat, dieser Weg der Selbstbestrafung, wirklich das Wahre ist? Und wie ist das gleich mit Schuld? Ist eigentlich – um mal die „real-fassbare Schuldfrage“ abhaken zu können – die Ansteckung dieser vielen erkrankten und gestorbenen Menschen wirklich auf den noch nicht ausgebrochenen Virus in Buckys Körper zurückzuführen? War er nicht einfach einer der vielen, die infiziert worden sind? Die Inkubationszeit ist ja bei Polio sehr unterschiedlich und es gibt immer wieder Träger ohne Symptome – er ist also gewiss nicht der Einzige, bei dem die Krankheit erst verzögert ausgebrochen ist. Für Argumente wie diese ist Bucky allerdings nicht empfänglich. Wie auch, es hätte ja sein destruktives Selbstbild zerstört. Und sein ganzes Selbstbestrafungskonzept wäre sinnlos geworden …
Wie gesagt, an Gerechtigkeit mag ich nicht mehr glauben. Nicht an menschliche jedenfalls, nicht an irdische. Aber wer weiß …? Ob wohl deshalb das von mir vorgestellte Buch den Namen einer griechischen Göttin trägt, jener, die für Gerechtigkeit und Rache verantwortlich ist? Und der Autor, wer kennt ihn?
>>> Bitte im Kommentar nur Andeutungen auf die Antworten machen. Lösungen gerne per Mail an mich, damit möglichst viele mitraten können … Ich verlose mal wieder eine kleine Überraschung … <<<
Hinter dem Vorhang
Ein Stück für zwei.
Der Vorhang öffnet sich. Auf der Bühne, gut ausgeleuchtet, Sofasophias Wohnzimmer. Nichts Böses ahnend hängt die Protagonistin auf dem Sofa und tippt in ihre externe iPhone-Tastatur. Xenö* betritt von rechts das Zimmer, schielt dreist auf das Display und liest mit. Erst nach einigen Minuten erwacht Sofasophia aus ihrer Schreibtrance und schaut Xenö verwundert an. Sprachlos. Xenö ist wieder da. Und sie ahnt es bereits: Kein Weg führt an ihm vorbei, wenn er auftaucht. Wer ihn kennt, weiß, wovon ich rede. Nur Unkraut ist zäher.
Sofasophia: Du?
Xenö: Wenn’s erlaubt ist!
Sofasophia: Ist es zwar nicht …
Xenö: Das (er zeigt aufs iPhone) willst du bloggen?
Sofasophia: Warum denn nicht?
Xenö: Viel zu zynisch ist das, böse, gemein … passt doch nicht zu dir. Du bist doch viel zu nett …
Sofasophia: Das sagt ja der Richtige! Außerdem: Das ist schließlich eine Satire!
Xenö: Wirklich?
Sofasophia (wird ein bisschen rosa im Gesicht): Hm … Glaub schon. Was geht’s dich an?
Xenö (schnappt sich das iPhone, das Sofasophia aufs Sofa gelegt hat und liest vor):
Täglich lese und kommentiere ich mich durch zig Blogs, durch zig literarische und künstlerische Stoffwechselprodukte toller Menschen. Täglich lese ich unzählige tolle und weniger tolle fremde Gedanken. Und täglich füge ich da und dort einige meiner Gedanken dazu, als Ermutigung, als Rückmeldung, als Dankeschön. Ich lasse mich von andern Texten und Bildern inspirieren, doch vor allem lenke ich mich damit ab. Von mir weg. Ablenkung betäubt so schön. Ich muss, während ich bei andern bin und von Blog zu Blog reise, nicht selbst denken, ich muss nicht meinen eigenen Mist karren, sondern darf mich mit den Themen anderer befassen. Maßvoll nur, denn es sind ja immerhin die Gedanken anderer.
Kommt mir nicht zu nahe! Lasst mich mit eurem Mist in Ruhe! Ich will es gar nicht so genau wissen.
Nein, so sage ich das natürlich nicht. Ich bin ja nett. Ich bin freundlich. Und ich schreibe freundliche Kommentare. Ich verhalte mich moderat, adäquat, angepasst und unauffällig. Schließlich will ich gemocht werden. Schließlich will ich auch nette Kommentare erhalten, wenn ich schon so viele nette Kommentare schreibe. Schließlich will ich viele Like-its, denn ich verteile ja auch viele.
Obwohl. Wenn ich ehrlich bin, wächst mir die Kommentarmoderation so langsam über den Kopf. Da gibt es nämlich noch die besonders lieben Leute, die einen Kommentar gleich nochmals kommentieren. Und darauf muss doch auch reagiert werden. Oderrr? Ich will doch niemandem das Gefühl geben, dass ich seine Mühe nicht wertschätze. Honorieren. Reagieren. Danken. Eine Hampelpuppe ist nichts gegen mich.
Ob ich die Kommentarfunktion wieder ausmachen soll? Obwohl ich doch im Grunde gerne diskutiere?
Wie viel ist echt von dem ganzen Karsumpel in der Blogosphäre? Diese ganze Nettigkeit – wie ehrlich ist sie? Wie viele Mitleid-Kommentare und -like-its verteile ich, verteilen wir, statt dem Blogger oder der Bloggerin zu sagen, dass ihr heutiger Text eigentlich, na ja, doch ziemlich langweilig geschrieben ist? Wie kritisch sind wir und wie manipulierbar? Wie nett sind wir wirklich?
Xenö: Und so was willst du bloggen? Damit verlierst du doch alle deine Stammleserinnen und -leser!
Sofasophia: Und? Wahrheit hat ihren Preis – heißt es doch so schön. Und darum bin ich jetzt ganz ehrlich zu dir, Xenö. Hau ab!
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* Mehr zu Xenö in meinem alten Blog „Sofasophien“: bitte hier klicken (von unten nach oben zu lesen).



