Dieses Reiseding

Wie man Ferien* macht, haben wir als Kinder nicht wirklich gelernt. Ein bisschen ist es natürlich der Generation und der Ebbe im Geldbeutel meiner Eltern geschuldet. Zudem waren sie, umständehalber, etwa zehn Jahre älter als die Eltern meiner Mitschülerinnen und Mitschüler. Während diese mit ihren Eltern Ferien machten, jäteten wir den Garten. Während die anderen in Spanien oder in Italien, Frankreich, im Tessin, im Bündnerland oder im Wallis waren, kletterte ich auf meinem Nussbaum immer höher. Richtig vermissen kann man nicht, was man nicht kennt. Doch was man in Ferien so machen könnte, drang schließlich doch bis zu mir durch und regte meine Phantasie an. Darüber schrieben die anderen nämlich in ihren Ferientagebüchern, die wir in der Schule führen sollten – ich glaube, das muss in der vierten oder fünften Klasse bei Fräulein S. gewesen sein. Wir mussten den anderen manchmal daraus vorlesen, sagt meine Erinnerung. Doch so sehr ich ansonsten Aufsätzeschreiben geliebt hatte, so sehr hatte ich das Ferientagebuchschreiben gehasst. Ich hatte ja kaum etwas zu erzählen.

In besagten Sommerferien hatten wir, so meine ich mich zu erinnern, genau zwei Tagesausflüge gemacht. Mit dem öffentlichen Verkehr, da wir kein Auto hatten. Zwei Ausflüge, die vermutlich ein Riesenloch in die Familienkasse gerissen hatten. Mit Zug und/oder Postauto konnte man sich an ein vorher gewähltes Wunschziel kutschieren lassen, dort etwas essen und sich wieder zurückfahren lassen. Mit Zug war okay, im Bus bekam ich regelmäßig das große Kotzen. Ich erinnere mich daran, wie wir die italienische Grenze überfuhren, unsere Ausweise zeigen und die Uhren umstellen mussten. Ausweise, die wir eigens für diese Reise hatten ausstellen lassen. Meine erste Identitätskarte!

Luino war das Tagesziel. Vier Zugstunden für ein paar Stunden auf dem Wochenmarkt. Meine erste Grenzüberquerung. Meine erste Wassermelone. Der Höhepunkt meiner Primarschulzeit.

Später, als ich etwa dreizehn oder vierzehn Jahre alt war, nach dem Tod des einen Großvaters und dem entsprechenenden Erbgang, leisteten sich die Eltern einmal eine zweiwöchige Ferienwohnungsmiete im Büdnerland und im Jahr danach nochmals im Tessin. Was man aber so in den Ferien macht, habe ich nicht ganz begriffen. Spazieren vermutlich. Auf Autostraßen. Und ab und zu ein Eis essen. Und natürlich Bücher lesen.

Nun ja, spazieren und Bücherlesen konnte ich auch daheim, im Dorf. So war ich von diesem Feriending dann doch irgendwie desillusioniert. Es war so anders als das, worüber die anderen geschrieben hatte. Und ja, mein geografischer Horizont war damals wirklich sehr winzig.

Meine erste große Reise, dazu mein erstes Mal Meer, erlebte ich als Neunzehnjährige. Mit zwei Freundinnen interrailte ich durch Frankreich und England nach Irland, um dort eine gemeinsame Freundin zu besuchen. Unvergessliche zwei Wochen, die ich mir selbst in den ersten zwei Sommerferienwochen in einer Gemüseabpackerei verdient hatte. Das erste Mal Paris (na ja, Bahnhofwechsel am 14. Juli ist eher so mittellustig) Dublin. London auf dem Rückweg. Und jeden Tag woanders. Am Morgen nicht wissen, wo wir am Abend sein werden.

Ich glaube, damals habe ich diese Art zu reisen derart verinnerlicht, dass die Ungewissheit, was Tag und Tagesziel betrifft, für mich zum Inbegriff für Ferien geworden ist. Natürlich habe ich seither dazugelernt. Ich habe mit Freundinnen und Freunden, mit Partnern ganz unterschiedliche Ferienreisen und Ferieninhalte ausprobiert. Doch als ich das allererste Mal, vor acht Jahren, eine Alleinreise durch Südschweden wagte, war klar: Ich will mich treiben lassen. Ich buchte nur die erste und die zweite Nacht in einem Hotel in Göteborg im Voraus, den Rest meiner Reise ließ ich geschehen, entschied nach Tageslaune, ließ mich von Ort zu Ort treiben. Es war zwar nicht immer einfach, weil ich viel zu viel im Rucksack hatte, doch dieses Gefühl, alles, was ich brauche, bei mir zu haben, steht für mich seither für diese Freiheit, die für mich Ferienzeit bedeutet.

Und seit ich mit dem Liebsten zuerst das Billigstreisen mit Auto und Zelt und später jenes per pedes mit Rucksack entdeckte, weiß ich: Ich mag das. Ich mag das so. Und ich mag es auch, wenn wir uns ein paar Tage an einem Ort niederlassen und von dort aus unterwegs sind.

Dennoch stehen dieses ’Omni mecum porto’-Gefühl (ich trage alles mit mir) sowie das Bedürfnis, mich treiben zu lassen und am Morgen nicht zu wissen, wo ich am Abend bin, für mich für Ferien.


* Ferien nennt man in der Schweiz das, was man in Deutschland Urlaub nennt, nicht nur für Schulkinder.

En #Fitour15 (bis 2.1.16)

Seit zwei Tagen sind wir nun in Fitou (Südfrankreich), fast an der spanischen Grenze, fast am Mittelmeer … Meine Gedanken kommen zur Ruhe.

Wir erwandern uns die Umgebung und genießen es, nichts zu müssen. Wenn wir Lust haben, twittern wir ein paar Bilder und Impressionen. Wer Lust hat, uns dabei zu begleiten, besuche unsere Twitteraccounts. Lesen kann man ohne eigenen Account.

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Habt eine gute erste Rauhnacht … und eine zweite, dritte und überhaupt: Habt es gut!

In den Pyrenäen #1 oder Weil ich Lust habe und Gratis-WLAN …

Gestern waren wir den ganzen Tag unterwegs in die Pyrenäen. Woran ich Tage zuvor nicht im Traum gedacht hätte. Beide sind wir eher knapp bei Kasse, ich noch mehr als er. Doch manchmal geschehen eben doch Wunder und Türen fallen auf, ohne dass wir den Schlüssel dazu haben.

Und auf einmal hatten wir eine winzige, herzige, saugünstige Wohnung gebucht. In den pyrenäischen Bergen, einer Gegend, die Irgendlink noch länger ins Herz geschlossen hat als ich, die mir aber in den letzten Jahren auch ein Stück Heimat geworden ist. Ich kann mein Glück kaum fassen. Ein Geschenk!

Am Abend des 23. Dezember ist fast fertig gepackt. Wir gehen spät schlafen, denn zuvor erledigen wir noch letzte Dinge im Internet in der sicheren Annahme, die nächsten zehn Tage offline zu sein.

Gestern früh ist es wirklich noch pervers früh, als wir aufstehen, das Auto laden und losfahren. Rauhreif das Land. Rauhe Weihe-Nacht. Das passt. Wunderbar halbleer sind die sonst vollen Schweizer Autobahnen und bald fahren wir bei Genf über die Grenze.

– Wieso fährst du eigentlich links, wenn es rechts Platz hat?, fragt der Liebste zwanzig Kilometer südlich von Genf.
– Warum sollte ich? Es hat ja auf beiden Spuren massenhaft Platz. Du weißt doch, ich bin keine von diesen nervenden Dauernd-die-Spur-Wechslerinnen.
– Aber du wusstest schon, dass es ein Rechtsfahrgebot gibt?
– Nö, never heard. … Was ist das denn? … Ein deutsches Gebot vermutlich? Aber wir sind ja hier nicht in Deutschland. Wir sind in Frankreich.
– Keine Ahnung, ob das in Frankreich auch greift, aber bei uns muss man immer rechts fahren, wenn die rechte Spur frei ist. Es ist strafbar, grundlos die linke Spur zu benutzen. Zumal man ja auch andere behindert, die noch schneller fahren wollen. Kurz: Man verwendet grundsätzlich den rechten Fahrstreifen.
– Wie jetzt? Du meinst, bei euch MUSS man rechts fahren?

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Musste ich nahezu 50 werden, um von einem solchen Gebot zu erfahren, nach über fünf Jahren regelmäßigem Autofahren in Germanien? Und auf einmal verstehe ich. Alles. Alle. Alle Deutschen. Denn mitnichten betrifft das Rechtsfahrgebot auf deutschen Autobahnen nur die Straßen.

Ein Land verstehen zu wollen, umfasst viel mehr als nur die Sprache einigermaßen zu verstehen und sprechen zu können. Da sind ganze gesellschaftliche Codes, die es zu verstehen gilt.

Das Rechtsfahrgebot zum Beispiel, so deklamiere ich südwärts fahrend, das Rechtsfahrgebot macht sich in allen Lebensbereichen breit. Es prägt euer Denken.

Heute Morgen, nach dem ersten Frühstück in unserm herzigen Studio in den Pyrenänen, schneide ich das Thema erneut an. Weil ich gegoogelt habe, ob ich womöglich viele Jahre ein Gebot, das auch in der Schweiz gültig wäre, ignoriert habe. Habe ich aber nicht. Sowas gibt es echt nur im Land der unlimitierten Höchstgeschwindigkeit. Ich lese Irgendlink vor, was Wiki zum Thema meint.

– Da siehst du mal, in was für einem restrikiven Land ich lebe!, moniert er.
– Erinnerst du dich an jenen Glaubenskrieg, damals, als wir über Spielregeln diskutierten, M (1), S, du und ich?, frage ich. Und uns nicht einigen konnten, weil wir alle verschiedene Grundregeln voraussetzen?
– Genau. Weißt du was? Daran geht die Welt zugrunde, dass wir alle verschiedene Spielregeln haben.
– Noch schlimmer: jeder meint, seine sei die einzig Richtige! Ist ja wie mit der Schrift auf dem Modem!
– Genau. Wer ahnt schon, dass das französische kleine r aussieht wie eine deutsche oder eine Schweizer Zwei.

Gestern schon hätten wir ins Gratis-WLAN einsteigen können, von dem wir nicht im Traum geahnt haben, dass es uns hier erwartet und das der Grund dafür ist, dass ich nun doch blogge. Gestern habe ich meiner Interpretation der französischen Buchstaben und Zahlen nicht getraut. Deshalb mussten wir bis heute warten. Bis uns der Wohnungsvermieter das handgeschriebene Passwort auf dem Modem per Mail entschlüsselte. Nur weil ich gedacht habe, ich kann das nicht, nicht mehr. Obwohl ich ja in Frankreich gelebt habe und obwohl ich französischen Handschriften normalerweise lesen kann. Aber eben. Doch wer schreibt schon ein 10 Zeichen langes Passwort in Schreibschrift? Na ja, schlimm wars ja nicht, das Offline-sein, zumal Irgendlinks Tagespass ja noch lief, aber es zeigt mal wieder, wie ich manchmal meinem Können misstraue (und obwohl ich alle Buchstaben und Zahlen – wie sich herausstellt – richtig gelesen habe). Und es zeigt, wie sehr ich den Spielregeln anderer misstraue. Da war noch was banales: Unklar war, als wir daheim unsere Sachen packten, ob es Bettwäsche habe in der Wohnung oder nicht. Für einmal beschlossen wir, die Zeile „Bettwäsche geliefert“ wörtlich zu nehmen. Dennoch folgte ich einem Impuls, bevor ich meine Wohnung abschloß, und nahm kurzentschlossen den alten schweren wunderbar warmen Riesenschlafsack, der schon ewig zum eigentlich baldigen Verstau auf dem Dachboden herumstand, mit.

Als wir nun in der Ferienwohnung eingetroffen waren und vom Hauswartspaar in die Wohnung eingeführt wurden, erkannte ich, dass es keine Bettwäsche hatte. Für einen kleinen Aufpreis konnten wir zwar welche bekommen, kein Problem, dennoch begriff ich einmal mehr, wie unterschiedlich Ländercodes und Sätze zu interpretieren sind. „Geliefert“ bedeutete in diesem Fall nicht Standard sondern Möglichkeit. Irgendlink schläft nun also unter einem Leintuch und zwei Wolldecken und ich unter meinem zur Decke geöffneten, warmen Schlafsack. Gut also, wenn man auf seine Intuition hört.

Nun sitze ich hier, in der gemütlichen Wohnung, blicke auf das herzige Bergdorf heraus, das recht hügelig in einer hügeligen, lieblich-kargen Landschaft klebt und hacke diese Zeilen, derweil der Liebste das Dorf erkundet. Später werden wir es gemeinsam erforschen, es uns vertraut machen.

Während die einen sich Orte so vertraut machen, indem sie die kürzesten Wege zum Laden, zur Bäckerei, zur Tanke und zur Apotheke suchen, suchen andere Wege zu schönen Aussichtsorten, wieder andere suchen den kürzesten Weg aus dem Dorf in den Wald. Manche hören auf mit Weitersuchen, wenn sie die wichtigen Wege kennen und bewegen sich dann nur noch in diesen Bahnen, wieder andere versuchen, neue Wege zu finden. Immer wieder andere.

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Und du? Wie machst du dir deine Umgebung vertraut?

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Link zum Blogartikel betreffend Spielregeln: http://sofasophia.wordpress.com/2014/02/16/kleiner-glaubenskrieg-am-spieltisch/
Auch Irgendlink wird über unsere Ferientage in den Pyrenäen wieder live bloggen. Der erste Artikel findet sich hier: http://irgendlink.de/2014/12/25/strasse-je-taime/
Auch seine Tweets sind sehr lesenswert: Twitter-Account
Was Wiki zum Rechtsfahrgebot meint: http://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsfahrgebot
Unser Domizil hier: http://www.france-voyage.com/frankreich-ferienhauser/location-appartement-vernet-les-bains-79032.htm

Les murs et maisons frescesques de Laudun

Geradezu freskesk, murmle ich immer wieder vor mich hin, während wir durch Laudun streifen. Drei Geocaches haben wir bereits gefunden. Das Wetter kippt allmählich. Die Sonne hat sich verzogen. Zaghafte Regentropfen pünkteln den Teer unter unsern Füssen.

Keine Wand gleicht einer andern. Die eine hat Runzeln, die andere Löcher. Die da drüben besteht aus vielen Schichten, die mich an Jahresringe von Bäumen denken lassen.

Ich lese Runzeln und Risse statt Wolkenbilder. Fratzen und Fresken.

Draufklick für groß …

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Silvester in Gaujac

Eine weitere Geocache-Wanderung führte uns heute in die Römersiedlung, Oppidum genannt, bei Gaujac.

Ein hübsches Dorf und eine faszinierende Ruinen-„Landschaft“ auf dem waldigen Hügel.

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Sur le pont d’avignon …

Wir pfeifen es vor uns hin und kichern zwischendurch wie die Schulkinder.
Das ist bestimmt das Lied, woran in dieser Stadt am meisten gedacht wird, behauptet Irgendlink und wir beschließen, es den ganzen Weg durch die Stadt vor uns hin zu summen. Vielleicht wird ja ein riesiger städtischer Flashmob draus?

Eine Stadt voller Kontraste, bunt und laut, schrill, still, dreckig, sauber. Kinder, Alte, Behinderte, Leute wie du und ich, TouristInnen aller Nationen, Einheimische, ein schwarzer Reggae-Troubadour, ein kinderliebender Riesenseifenblasenzauberer auf dem Place du Palais.

Pulsierendes buntes Leben: C’est Avignon!

Heute Nacht 😉

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Weihnachten überleben – ohne Salz

Juhu, geschafft, wir haben Weihnachten überlebt! Und sogar ziemlich schmerz- und stressfrei.

Gut, die Reise, die wir am 24. Dezember südwestwärts unternommen haben, um in einem winzigen Ferienhäuschen in Südfrankreich ein paar schöne Tage verbringen zu können, war nicht ohne. Zwar hat es – trotz Ankündigung  – kaum geregnet, doch dafür windete es heftig. Einmal sogar so stark, dass es uns auf der Fahrbahn mindestens einen Meter nach rechts geschoben hat.

Kurz und gut: wir sind – wenn auch später als gedacht – wohlbehalten hier angekommen. Schade nur, dass der kleine Dorfladen schon geschlossen hatte. Und auch am 25.12. seien alle Läden zu, wie unser Vermieter sagte. Es wird auch ohne gehen, sagen wir. Gehen müssen. Ich hoffe bloß, sage ich zu Irgendlink, dass das Klopapier reicht, denn das haben wir mitzunehmen vergessen. (Eine der Gefahren, wenn zwei Menschen für die Ferien packen …)

Hungrig packen wir unsere Küchensachen aus. Wie war das gleich gewesen am Abend des dreiundzwanzigsten, als wir diskutiert hatten, was alles mit soll? Essig-Öl-Salz & Pfeffer hats bestimmt, den Rest nehmen wir mit. Das hat es doch in jeder Ferienwohnung. Wenn es sogar WLAN und TV hat.

Hungrig suchen wir nach dem Salzglas, um das Pastawasser zu würzen. Vergeblich. Vieles fehlt. Die Küche hier ist minimal ausgerüstet. Doch eigentlich macht das nichts.
Wenn du in den Ferien alles wie zuhause willst, musst du zuhause bleiben, sage ich. Und eigentlich mag ich Improvisation. Also pimpen wir eine Fertigsauce mit viel frischem Gemüse auf und fertig ist ein tolles Menü. Geht doch.

Frisches Brot holt Irgendlink am Morgen in der Boulangerie. Immerhin die hat ein paar Stunden geöffnet. Aber Klopapier gibt es dort natürlich nicht. So fangen wir an, die letzten Blätter unserer zur Neige gehenden Rolle zu rationieren.
Du bekommst von mir zwei Blätter Klopapier für …

Klopapier ist die neue Währung.

Heute Abend können wir zur Kräuterquarksauce Pellkartoffeln kochen, überlege ich beim gestrigen Frühstück. Und auch eine Salatsauce lässt sich improvisieren. Doch was wäre, wenn wir wirklich nichts mehr hätten? Wir philosophieren über menschliches Verhalten in Notzeiten. Über Egoismus und das Teilen. Über gut und böse. Über Grenzen und wie man anders leben könnte.

Später, auf unserer mehrstündigen Geocachewanderung durch das Dorf und zur Burgruine hoch, staunen wir über die Stille. Klein ist das Dorf zwar schon, doch ausgestorben eigentlich nicht. Dennoch sehen wir nicht mehr als zehn Leute auf den Straßen und Wanderwegen. Alle andern sitzen zuhause und beschenken sich gegenseitig mit Dingen. Ab und zu können wir in die Häuser hineinsehen, wir unfreiwilligen Voyeure wir.

Nach der Burgruine wandern wir abwärts Richung Bach, der ausgetrocknet ist. Werden von Hunden verbellt. Klettern um zwei Caches zu finden, die zu einer Rundwanderung gehören, doch den Rest müssen wir ein ander Mal suchen, denn bald wird die Sonne untergehen.

Abends Diaschau. Die Bilderernte des Tages betrachten. Wie reich wir sind! Auch ohne Salz. Und selbst wenn wir kein Klopapier mehr haben, gibt es doch immer noch Taschentücher. Was für ein Glück!

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Die Fernrunde

Morgen, Kinder, wirds was geben! Noch einmal schlafen. Wie ich mich freue! Nein, nein, nicht so wie ihr denkt! Jedem das seine …

Wir lassen Weihnachten nämlich Weihnachten sein und hauen ab. In den Süden. In die Nähe von Avignon, wo wir recht kurzfristig und günstig eine Gîte, ein kleines Häuschen, gemietet haben.

Zehn Tage abtauchen. Im Gepäck der nigelnagelneue eBook-Reader, den mir der Liebste geschenkt hat – nein, nicht zu Weihnachten, wo denkt ihr hin! Wir Weihnachtsmuffel, die wir sind, schenken uns einfach so, hin und wieder, schöne Dinge.

Eine Zeit der Rekonvaleszenz wird es für mich sein, und für beide eine Zeit der Erholung. Ruhe, Natur, Fotgrafieren und Geocachen, Wanderungen, Ausflüge, Nichts-tun und natürlich schreiben und lesen … das ist wie Luft zum Atmen.

Ob ich Blog schreiben werde? Mal sehen. Die Tagesform entscheidet.

Ich wünsche euch allen eine gute Zeit, viel Licht, rauhe, wilde Nächte, ein gutes Zwischen-den-Jahren-tanzen und einen tollen Neues-Jahr-Start, falls wir uns bis dahin nicht mehr lesen sollten.

À bientôt!

Am Meer und anderswo

Eigentlich hatte ich erst ein paar Tage vor unserer Reise in den Norden Muße, mir die Unterlagen zu unserm Feriendomizil, das wir beinahe beiläufig gebucht hatten, anzuschauen. Ein kleines nordisches Holzhaus in direkter Meernähe. Wie sich herausstellen sollte eine gute Wahl!

Zwei Wochen sind leider immer viel zu schnell vorbei. Zwei Wochen mit ausschlafen, Strandspaziergängen, Fahrradtouren, Geocaching, Fotografieren, Philosophieren, Städte erforschen, meinen Cousin und seine Familie in Svendborg besuchen und dort, ganz nebenbei, das beste Bier der Welt entdecken. Kopenhagen erleben. Zwei Wochen ohne Blog. Zwei Wochen nach der eigenen inneren Uhr leben. An den Abenden die zweite und dritte Sarah Lund-Staffel auf DVD genießen. Einen Fernseher zu haben und seinen Freuden und Leiden zu erliegen (z.B. beim ersten Horrorfilm meines Lebens).

Ferien wie im Bilderbuch, wenn ich es mir so recht überlege …

Hier eine kleine optische Zusammenfassung für jene unter euch, die ein bisschen Ostsee-Nordwind um die Ohren mögen …

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Bilder:
Nikon/Gimp &
Appspressionismen (iPhoneArt)

Ohne Leine

Ich lasse mich von der Leine. Ich werde darum eine Weile offline sein. Gut so. Ich freue mich drauf. Vielleicht werden die zwei Wochen genügen, damit ich nachher nicht mehr zurück an die Leine, heißt online, gehen will? Wer weiß.

Ferien nennt sich das bei uns in der Schweiz. Urlaub hier in Deutschland, von wo aus wir morgen nordwärts fahren. Nach Süddänemark. Nach Haderslev. Ferien heißt zwei Wochen nicht arbeiten. Zwei Wochen nicht früh aufstehen müssen. Zwei Wochen nicht und nichts müssen. Nur tun, was ich will. Am Manuskript weiterschreiben und -feilen vielleicht. Womöglich mal wieder einige Bilder aufnehmen? Mal sehen.

Nur tun, was wir wollen. Nichts müssen. Nichts sollen. Nicht mal meinen, bloggen zu müssen.

Und mich erholen. Die Migräne gestern Abend war ein deutliches Zeichen meines Körpers. Mich wieder mehr nach innen wenden, soll ich, sagt er mir. Nicht immer rennen. Nicht immer Erwartungen erfüllen. Nicht immer nett sein. Nicht immer die andern zuerst …

Darum habe ich mich heute ruhig verhalten. Erholung und Alleinsein statt mit Irgendlink und den andern der Col Art-Kunst zu frönen. Und ein gutes Buch lesen.

ewigdeincoverEwig Dein habe ich gelesen. Wäre da nicht die Empfehlung Emils gewesen, der zwei Bücher des Autors Daniel Glattauer gelesen und im Blog empfohlen hat, hätte mich der Titel wohl in die Flucht geschlagen.

Im Supermarkt lernt Judith, Mitte dreißig und Single, Hannes kennen. Kurz darauf taucht er in dem edlen kleinen Lampengeschäft auf, das Judith, unterstützt von ihrem Lehrmädchen Bianca, führt. Hannes, Architekt, ledig und in den besten Jahren, ist nicht nur der Traum aller Schwiegermütter – auch Judiths Freunde sind restlos begeistert. Am Anfang empfindet Judith die Liebe, die er ihr entgegenbringt, als Genuss. Doch schon bald fühlt sie sich durch seine intensive Zuwendung erdrückt und eingesperrt. All ihre Versuche, ihn wieder aus ihrem Leben zu kriegen, scheitern – er verfolgt sie sogar bis in ihre Träume …

(Quelle: www.hanser-literaturverlage.de)

Ein Buch, das unter die Haut geht. Eine Geschichte, die ich sicher nicht so schnell wieder vergessen werde. Und eins ist sicher: Sobald ich die andern beiden Bücher von Glattauer in die Finger bekomme, werde ich sie ebenfalls verschlingen. Der Autor versteht es vorzüglich, seine Figuren so dreidimensional, menschlich und glaubwürdig zu malen, dass ich beinahe damit rechne, ihnen auf der Straße zu begegnen.

Auf dem Rückweg von meinem sonnigen Waldspaziergang kann ich darum der Sitzbank nicht wiederstehen, die – von zwei Birken umrankt – mich geradezu nötigt, die letzten Seiten des Buches zu verschlingen. Books are a girl’s best friend!

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LIebe Leserinnen und Leser, ich sage jetzt auf Wiederlesen bis irgendwann im Oktober oder so und winke euch herzlich zu.