Lasst uns einander Geschichten erzählen

Winterzeit ist Geschichtenzeit, dachte ich, als ich neulich Zoë Becks Geschichte Trümmermusik gelesen habe. Und dass wir uns mehr Geschichten erzählen sollten, die das Leben schrieb, dachte ich ebenfalls. Zumal neue Geschichten anfangen sich in mir zu räkeln. Zweien habe ich in der letzten Woche bereits auf die Welt geholfen. Noch fehlt der letzte Schliff.

Beim Schreiben tauchte die Idee auf, mit euch zusammen, die ihr hier mitlest, eine Art Blogaktion zu wagen. Lasst uns AntiheldInnen-Geschichten schreiben. Geschichten, in denen die Protagonistinnen und Protagonisten eher am Rand als in der Mitte der Gesellschaft stehen. Menschen, wie Nadim aus der Trümmermusik-Geschichte. Menschen, von dort, von hier, von überall.

Mitmachen können alle. Jede und jeder schreibt auf dem eigenen Blog und die Geschichten von Menschen ohne Blog poste ich gerne hier. Natürlich bin ich offen für bessere und andere Ideen.

Was meint ihr?

Wir könnten die Geschichten irgendwie miteinander verknüpfen, mit einem Hashtag und/oder einem gemeinsamen Titel. Und vielleicht wird daraus sogar ein kleines eBook (PDf, epub, mobi), dessen Erlös etwas Gutes erreichen könnte. Ganz unabhängig von Weihnachten, meine ich. MitdenkerInnen sind also herzlich willkommen.

Für einmal öffne ich die Kommentarfunktion, damit wir diskutieren können, wie wir diese Idee umsetzen könnten. Und ob ihr mit im Boot sein möchtet. Und nein, es eilt nicht. Ich denke so an Januar und die Zeit danach. Meldet euch doch trotzdem schon mal.

Ich informiere in einem späteren Artikel darüber, was beim ersten Gedankensammeln herausgekommen ist.

Mein farbiges Wunder

Manchmal gibt es Utopia nicht nur in den Köpfen, manchmal gibt es Utopia sogar in echt.

Mein kleiner Nachsatz unter dem letzten Blogartikel hat bewirkt, dass ich bald einen neuen Druckkopf in meinen Drucker einbauen darf. Und mein Drucker endlich wieder in allen Farben des Spektrums drucken kann.

Vorher und nachher:

Quelle: Farbenlehre nach Goethe aus Wikipedia

Danke, lieber M., für dein Angebot, dich auf einen Tausch einzulassen:
Eine Geschichte von mir gegen Bares von dir.

Die Geschichte, die ich für dich schreiben werde und in der es um Farben, Menschen und Freundschaft geht, ist bereits in meinem Kopf erwacht. Da ist es jetzt nämlich schon wieder viel bunter geworden, obwohl es draußen schneit.


Tauschgeschäfte finde ich übrigens eine richtig gute Sache! Insbesondere in Sachen Kunst.

Die Farbe Rot

Früher habe ich ja immer Originaltintedruckpatronen nachgekauft. Früher habe ich eh selten über ein Was-kostet-das? nachgedacht, wenn ich etwas brauchte. Dass es Alternativen zu den teuren Markenprodukten gibt, habe ich natürlich schon gewusst, aber wer will schon mit Spritzen hantieren und seine Patronen selbst auffüllen? Nicht in erster Linie aus finanziellen Gründen hatte ich einst dann doch damit angefangen, mit meist gutem Ergebnis. Eher stand damals der ökologische Aspekt im Vordergrund, sprich weniger Abfall, mehr Nachhaltigkeit. Heute ist es beiderlei, das mich zum Selbstbefüllen motiviert: Geldersparnis und Ökologie.

Seit der letzte Befüllung druckte mein Drucker kein Rot mehr. Allerdings nicht von Anfang an. Eher schleichend. Ich führte es dennoch auf die Selbstbefüllung zurück. Weil ich aber neulich neue, nicht selbstbefüllte Patronen – ein gutes Generikum, nur halb so teuer wie das Markenprodukt – nachgeladen habe und die rote Farbe noch immer nicht druckt, wusste ich: Am Selbstbefüllen kann es nicht liegen.

Bilder oder Fotos kann ich nun schon eine ganze Weile nicht mehr drucken (na ja, kann schon, sieht aber ziemlich bescheiden aus). Zum Glück muss ich das auch nicht so oft. Aber auch beim Kopieren und Drucken anderer Dinge wie Downloads von Formularen mit ein bisschen Rot in den Logos stelle ich fest, dass das Fehlen von Rot eben wirklich ein Fehlen ist.

Heute Morgen haben der Liebste und ich darum mal so richtig hingeschaut. Wir haben gesuchtmaschint, Tutorials geschaut und am Schluss herausgefunden, dass offensichtlich der Druckkopf kaputt ist. Die wiederholte Düsenreinigung hat nämlich nichts gebracht und an den Patronen scheint auch alles gut zu sein. Anders als bei den Selbstbefüllten wird uns sogar bei den Neuen der Tintenstand angezeigt. Rot sei voll, sagt die Anzeige.

Früher hätte ich jetzt einfach einen neuen Druckkopf bestellt. Heute weiß ich allerdings nicht, womit ich diesen finanzieren würde. Mit Kunst könnte ich zahlen, kein Problem, oder mit Texten. Mit Geschichten. Mit Büchern. Aber sag das mal einer IT-Material-Firma!

Vorhin, am Esstisch, haben wir darüber gesprochen, was man wirklich braucht und warum. In Utopia gäbe es einen zentralen Drucker, spinntisierte ich. Das Druckerhäuschen auf dem Dorfplatz. Alle, die ihn nutzen wollen, würden Sorge zu ihm tragen, würden Papier nachfüllen, würden Tinte nachkaufen.

Im Nicht-Utopia, in dem wir heute und hier leben, hat jede und jeder ihren und seinen eigenen Drucker. Es muss schließlich rasch gehen, alles. Für eine Runde über den Dorfplatz reicht die Zeit nicht.

Weiter stellt sich die Frage, wie dringend ich die Farbe Rot brauche. Nun ja, das ist wirklich eine gute Frage. Natürlich ist die im Drucker fehlende Farbe Rot keine Lebensnotwendigkeit. Wirklich nicht. Sogar schwarzweiß drucken würde ja zur Not gehen. Dann hätte ich halt blasse Logos. Graue Logos. Gelbgrünstichige Logos. Geht. Kein Problem. Erste-Welt-Problem.

Rote Frühlingsknospen mit feinem Spinnenfaden von oben. Im Hintergrund ein unscharfes Haus und ein grünes Gebüsch.
Leihgabe von Pixartix (https://pixartix.wordpress.com/2016/03/24/intermezzo-2-feines-faedchen/)

Stell dir eine Welt ohne rot vor. Und jetzt eine ohne blau. Und nun eine ohne gelb. Eine blasse Welt. Und jetzt stell dir einen Regenbogen ohne rot und violett vor. Und jetzt einen ohne blau. Und nun einen ohne gelb. Geht nicht? Stimmt, geht nicht. Jede einzelne der drei Grundfarben ist so wichtig wie die beiden anderen. Für einmal gibt es keine Dualitäten, keine Rivalitäten. Einfach nur Gleichwertigkeit.

Wie wir zwei so über die Farben sprechen und wie die Welt funktioniert, dieses Nicht-Utopia unserer Tage, realisiere ich, dass Farben für mich weit mehr sind als ein bisschen Bunt im Grau.


Falls jemand hier Lust haben sollte, mir den Druckerkopf zu schenken, schenke ich ihm dafür ein Bild nach Wahl (siehe Pixartix | Sofasophia appt die Welt | Instagram) oder sonst etwas aus meiner Kunst-Kiste (eine eigens geschriebene Geschichte zum Beispiel).
Ganz utopiaesk!
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(Kontakt)

Ausgelesen #20 – Und es schmilzt von Lize Spit

Ein Buch, das von der ersten Seiten an unter die Haut geht, weh tut und das wohl niemanden kalt lassen wird. Wie im Frühling, als ich das Buch Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara gelesen und rezensiert hatte, musste ich auch bei Und es schmilzt von Lize Spit zwischen den Lesezeiten längere Pausen einlegen.

Die zwei Bücher haben übrigens durchaus gewisse Parallelen, geht es doch in beiden exemplarisch um Kinderseelen, die kaputt gemacht werden. Tagtäglich geschieht das. Immer. Irgendwo.

Cover von Lize Spits Buch Und es schmilzt. Es zeigt auf einem weißen Hintergrund den Namen des Buches und der Autorin. Die Buchstaben sind aus schmelzendem Eis, mit darin eingeschlossenen Blüten und Blättern.Wie ein einziges großes Domino!, dachte ich gestern, als ich das Buch zu Ende gelesen hatte. Jemand stößt etwas an, überschreitet Grenzen, missbraucht eines anderen Menschen Gutmütigkeit, Leichtgläubigkeit, Sehnsucht nach Zugehörigkeit und hackt so lebenslang blutende Wunden, die möglicherweise nie mehr verheilen können, in das Leben eines anderen Menschen.

Und oft sind auch jene, die dieses Domino anstoßen, auch nur Menschen, die von anderen Dominosteinen zu Boden geworfen worden sind. Die Missbrauchsspirale ist allzu oft ein Teufelskreis ohne Anfang und Ende. Von Opfer zu Täter ist die Grenze oft fließend.

In ihrem Romandebüt, das mich mehr erschüttert hat als mancher Krimi, erzählt die junge Autorin Lize Spit das Leben ihrer Protagonistin. Eva ist eine hochsensible junge Frau, bald achtundzwanzig Jahre alt, die – sobald das damals möglich war – aus ihrem Heimatdorf in Flamen zum Studium in ihre Landeshauptstadt Brüssel geflohen ist und dort versucht, sich ein Leben aufzubauen, das halbwegs erträglich ist.

Eva deutet als Ich-Erzählerin vieles nur an und überlässt, zumindest in der ersten Buchhälfte, vieles der Phantasie und den Lebenserfahrungen der Lesenden.

Am Anfang des Buches, es ist der 30. Dezember 2015, sitzen wir mit ihr und einer riesigen Gefrierbox im Auto. Eva fährt zu einem Fest. In ihr altes Dorf. So weit, so gut. Dass das alles gar nicht gut ist und dass etwas für die Lesenden noch Unfassbares passiert sein muss, wird bald klar.

In Rückblenden, die auf den Sommer 2002 datiert sind – Eva war damals vierzehn Jahre alt – erfahren wir, von den seltsamen Veränderungen der beiden Freunde Evas. Nur zu dritt hatten sie von Anfang an eine Klasse gebildet. Mehr Kinder waren in ihrem Dorf in ihrem Jahrgang nicht zur Welt gekommen. Die drei Kinder – zwei Jungen und das Mädchen Eva – wurden beste Freunde und nannten sich fortan die drei Musketiere. Doch nun, im Sommer 2002, stecken sie mitten in der Pubertät. Das Thema Mädchen wird für Pim und Laurens auf einmal hochaktuell und sie beschließen mit einem ausgeklügelten Spiel, bei dem Eva die Rolle der Spielleiterin zugewiesen bekommt, ihre (un)heimlichen Lüste zu befriedigen. So rutscht Eva mehr und mehr in eine Rolle, die ihr nicht behagt, doch aussteigen kann sie auch nicht. Was würde ihr sonst noch bleiben?

Ihr Leben ist trist. Mit ihrem größeren Bruder Jolan und der kleineren Schwester Tesje, die immer seltsamere Verhaltensweisen an den Tag legt, versucht sie halbwegs würdevoll – und doch voller versteckter Selbstablehnungsmuster – zu leben. Die Geschwister haben längst erkannt, dass in ihrer Familie einiges schiefläuft. Zum Beispiel trinken die Eltern mehr als ihnen gut tut.

Am Anfang sind da nur diese subtilen Andeutungen, die der fast beiläufig skizzierten Szenerie etwas grotesk Selbstverständliches verleihen. Gezielt nutzt die Autorin für solche Erinnerungen eine dritte Rückblendenebene mit nicht datierten Alltagserlebnissen. Hier lässt sich am jeweiligen Alter der Kinder  ablesen, wo wir uns auf dieser fatalen Zeitachse ungefähr befinden.

Und immer wieder kommen wir zurück in die Gegenwart. Der 30. Dezember nimmt seinen Lauf. Eva erreicht das Dorf ihrer Kindheit. Das Elternhaus zuerst. Auch hier blicken wir mit ihr zurück. Erinnerungen, die zu lesen schier unerträglich sind.

Lize Spit ist das unglaubliche Kunststück gelungen, Evas sehr detailreiche sinnliche und hochsensibel wahrgenommene Sicht auf ihre Wirklichkeit, ihre Fähigkeit, die Absichten anderer zu durchschauen, ihre eigene Verletztlichkeit, in Worte zu fassen. So gut, dass das Lesen je umfassender die ganze Geschichte ausgebreitet wird, umso schmerzhafter ist.

Darum hier eine inständige Triggerwarnung meinerseits: Diese Erzählung handelt von Themen wie Missbrauch, Übergriffen, Suizid, Suizidabsichten, zwanghaften Persönlichkeitsstörungen, Alkoholismus. Das Lesen dieses Buches kann Menschen mit einem feinen Nervenkostüm und die möglicherweise ähnliche Erfahrungen wie Eva machen mussten, sehr aufwühlen und triggern. Darum kann ich es nur eingeschränkt zum Lesen empfehlen.

Ich persönlich finde es dennoch eine großartig gelungene Annäherung an Themen, über die man am liebsten nichts wissen und nicht sprechen möchte.

Kürzestgeschichten II

Sie hat schon als Kind all die wilden Wörter gezähmt, die sich in den Büchern tummelten, die sie las. Schon früh hat sie sich all der unbekannten Wörter angenommen, hat sich ihrer erbarmt und schließlich in ihren Wortschatz aufgenommen, in ihre Familie. Die der Wörter.

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Ja, auch er hatte einige Tattoos. An Orten, an denen niemand sie sehen konnte. Auf der Seele.

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Form folgt Funktion – so weit, so gut, denkt sie. Doch inzwischen ist es oft andersrum. Oft hat die Form, die Fassade, das Äußere viel zu viel Macht und verdrängt das, was zuerst da gewesen ist. Die Ideen, die Gedanken, die Inhalte. Natürlich brauchen die einen Körper, eine Hülle, überlegt sie weiter. Brauchen wir denn nicht alle Strukturen und Formen für all die Ideen in unseren Köpfen? Ja, und wir brauchen auch  Schönheit. denkt sie, wir wollen es ästethisch um uns herum. Und wir wollen diese Welt und das, was in ihr ist, formen, mitformen. Am liebsten nach unseren Vorstellungen.

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Da ist diese Schraube, schier unerreichbar. Und sie sitzt so fest, dass sie sich nicht mehr lösen lässt. Höchstens mit Gewalt. Vielleicht mit Hitze. Ja, auch er hatte solche. In sich drin. Solche Schrauben, die niemand mehr lösen konnte.

Einmal reparieren bitte! | #notjustsad | #Depression

Wäre es doch so einfach wie bei einem Fahrrad! A. seufzt. Reparieren. Und gut ist …
Wir haben über unsere Krankengeschichten gesprochen, letzte Woche, auf dem Weg vom Parkplatz zum Arbeitsplatz. Beide sind wir IV*-Maßnahme-Teilnehmerinnen. Ziel solcher Maßnahmen ist es, festzustellen, ob womöglich eine Berentung angebracht ist oder um – primär – wieder fit fürs Hamsterrad für den Arbeitsmarkt zu werden. Dass ich dem ganzen Prozess inzwischen skeptischer als zu Anfang gegenüberstehe, hat mit den Erfahrungen der letzten Monate zu tun.

Eine GIF-Animation, bei welcher bunte Flächen erscheinen und wieder verschwinden.
Dinge kommen, Dinge gehen. | Die Kunst besteht darin, damit klarzukommen. | Scheitern erlaubt.

Ich stellte und stelle nämlich fest, dass es mir nicht gut tut, ständig unter Beobachtung zu stehen, ’ein Fall’ zu sein. Für mich ist das kein ideales Klima, um gesund oder zumindest wieder belastbarer zu werden. Obwohl ich zum Glück sehr engagierte Bezugspersonen habe, die mich eben nicht als Fall sondern als Menschen behandeln. Das ambivalente Gefühl bleibt dennoch.

Chronisch krank zu sein ist nicht schön.Anders, als wenn man einen Unfall hatte oder eine temporäre Krankheit und dabei immer weiß, dass die Knochen wieder zusammenwachsen werden und der Körper sich wieder erholen wird. Selbstheilkräfte greifen zwar auch bei chronischen Krankheiten, aber wie Herr Bock es in einem aktuellen Blogartikel so genial beschreibt: »Er zündet nicht richtig, zumindest nimmt er das Gas nicht richtig und holpert zwischendurch.« Kann sein, dass das am Druck liegt, unter dem wir in solchen Lebensphasen stehen. Rein biochemisch gesehen, verhindern Druck und Stress nämlich, dass wir all das, was uns  an Nährstoffen zugeführt wird, weniger gut aufgenehmen können. Und ja, das darf ruhig auch metaphorisch verstanden werden. (Ich sage nur Das Gesetz des Minimums.)

Wenn unsere chronischen Erkrankungen eher seelischer, mentaler, psychischer Natur sind und somit für die Umgebung praktisch unsichtbar, ist der Umgang damit – für die Betroffenen und für die Angehörigen – oft noch schwieriger als bei einer körperlich sichtbaren Einschränkung.

Lässt sich denn wirklich alles reparieren? Auch diese Frage müssen wir uns stellen und auch darüber denkt Herr Bock im erwähnten Text nach. Ebenso über die unterschiedlichen Aspekte und Stadien des Kaputtseins, Kaputtgegangenseins, Kaputtgemachtwordenseins. Ursachen. Wirkungen.

Wer ist die Mechanikerin in meinem Leben? Ich? Meine Therapeutin? Wir zusammen als Team? Ich weiß längst, dass ich nicht alles Kaputte an und in mir selbst reparieren kann. Wie beim Auto. Mir fehlen Wissen und Können. Dennoch bin ich die Einzige, die schlussendlich sagen kann, ob eine Reparatur funktioniert hat. Und ich bin die, der bei all den unreparierbaren Stellen die Aufgabe überlassen bleibt, herauszufinden, wie sich am besten damit leben lässt.

»Alles was ich selbst brauche? Ist Zeit. Zeit, damit ich einen Weg für mich finde, die Fehler identifizieren und reparieren kann. Nach und nach. Immer mal wieder testen, probieren, schrauben, weiterlaufen. So läuft das wohl. Dieses Leben«, fasst Herr Bock sein Essay, die Metapher mit der Autowerkstatt, zusammen.

Zeit? Ja. Und Geduld. Und die Unterstützung lieber Menschen. Und Liebe, Selbstliebe. Die vor allem.


Zitate aus »Ab in die Werkstatt« von Markus Bock

*sprich: IiVau = Invalidenversicherung. Schweizer Sozialversicherung für Behinderungen aller Art.

Kürzestgeschichten I

In der Stadt. Er nähert sich einer Fußgängerampel. Rot. Zwei Menschen stehen bereits dort und warten. Als nach fünf Minuten und zig vorbeigefahrenen Autos noch immer kein Grün kommt, fragt er nach. Nein, niemand hat bisher den Knopf gedrückt.

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Gedankenverloren fährt sie mit dem Auto durch die Dörfer. Die Ampel, die sonst immer rot zeigt, zeigt heute grün. Erst als der Autofahrer hinter ihr hupt, merkt sie, dass sie für grün angehalten hat.

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Blick ins Dunkel hinter einer Mauer, die große Lücken hatHätte die da im Kreisel geblinkt und angezeigt, dass sie hinauswill, hätte er nicht angehalten. Und der da, an der Kreuzung, wieso blinkt er denn erst so spät? Zu spät. Er hat ihn ausgebremst.

Wir haben vergessen, dass die anderen womöglich nicht wissen können, wohin wir unterwegs sind.

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Manchmal möchte sie ja – wie bei einem Buch – ihr Leben vorblättern um zu erfahren, wie es ausgeht. Wenn sie das Ende mag, wird sie das Buch weiterlesen. Andernfalls würde sie dieses Buch lieber zuklappen und wegwerfen.

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Dieses sinnlose Warten darauf, dass der Drucker endlich druckt, wenn man den falschen ausgewählt hat. Einen, der weit weg, in einem anderen Land, steht.

Weil Du mir so fehlst – Geschichten von Leben und Tod | Schreibwettbewerb

Gerne weise ich euch auf einen Wettbewerb hin, bei dem ich wohl mitmachen werde.

»Da ist das Loch. Mitten in uns. Der geliebte Mensch verschwunden, und wie aus einem Vulkan schleudern aus unserem schwarzen inneren Krater heiße Gefühle hinauf.

WettbewerbslogoManchmal so eruptiv, dass man sich festhalten möchte und dass die Tränen verdampfen. Andere werfen mit Kraft in den Abgrund ihr ’Warum’, hoffend auf Echo. Aber nichts fällt, es bleibt wolkenleicht vor der Stirn, verhängt die Gedanken und denkt gar nicht daran hinabzustürzen. Einige von uns werden deshalb wütend, andere können nur noch: einatmen – ausatmen. Nichts weiter.«

Es gibt soviele Schattierungen der Trauer, erzählt uns davon. Erzähle wie Du es erlebt hast und auch was Dir half. Vielleicht ist Deine Geschichte für andere Trost.

Start ist am Totensonntag den 26. November 2017 bis Frühlingsanfang 20. März 2018

Hier lang geht es zu den Teilnahmebedingungen.
Weitere Infos gibt es hier: Bitte → klicken.

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Gerne teilen und weitererzählen!

Ausgelesen #19 – Der Fall Kallmann von Håkan Nesser

Mit Der Fall Kallmann legte der vielseitige schwedische Autor Håkan Nesser eine Sozialstudie der etwas anderen Art vor. Wir befinden uns in einer kleinen Stadt im mittelschwedischen Binnenland, die K. genannt wird, und schreiben das Jahr 1995.

Eugen Kallmann unterrichtete an einer Gesamtschule Schwedisch und galt in seinem Kollegium als Einzelgänger, doch seine Schülerinnen und Schüler verehrten ihn. Einzig Igor, einem Lehrer für Mathematik und Physik, sowie Ludmilla, der Beratungslehrerin, gelang es hin und wieder einen kleinen Einblick in Kallmanns Gedankengänge zu bekommen. Doch auch diese blieben sehr fragmentarisch. Eines Abend im Mai findet der Schüler Charlie seinen Lehrer Kallmann am Fuße der steilen Treppe eines verlassenen Hauses tot auf.

Zum Weiterlesen bitte → hier klicken.

Ausgelesen #18 – Neues aus der Schweizer Krimiküche

Die beiden Autorinnen Mitra Devi und Petra Ivanov haben sich zusammengetan und den Psychothriller Schockfrost geschrieben.

Schockfrost

Die Londoner Psychiaterin Frieda Klein, erschaffen vom Autorenpaar Nicci French, hat jetzt eine Schweizer Kollegin. Sarah Marten. Wie Frieda behandelt Sarah ihre PatientInnen in der eigenen Praxis und erarbeitet daneben Gutachten für die Behörden. Ebenfalls wie Frieda hat auch Sarah diesen einen Klienten, der sie vor der Welt beschützen will. Doch hier hören die Ähnlichkeiten auch schon auf, denn Sarahs neuer Klient leidet immer wieder an paranoiden Psychosen. Seine Ängste richten sich auf ein manipulatives Netzwerk, das – wie wir im Laufe der Geschichte erfahren werden – nicht nur aus der Luft gegriffene Grundlagen hat.

Zusammen mit ihrem fünfzehnjährigen Sohn Dave lebt Sarah Marten am Stadtrand von Zürich. Ihren neuen Klienten verdankt sie Kaspar, ihrem Exmann, der an einer Klinik als Psychiater praktiziert. Über seine wahren Gründe für die Überweisung schweigt er sich allerdings aus.
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Zeitgleich ist von Petra Ivanov Erster Funke – Wie alles begann erschienen. Für Fans ein Muss!

Erster Funke | Petra Ivanov

Mit Erster Funke hat Petra Ivanov ein Prequel vorgelegt, das die Fragen beantwortet, wo und unter welchen Umständen sich ihr Ermittlerduo Regina Flint und Bruno Cavalli kennengelernt haben.

Dass sich Regina und Cavalli – niemand nennt ihn Bruno – vor ihrem ersten gemeinsam gelösten Fall schon mal getroffen haben, wird im ersten Roman Fremde Hände, der 2005 erschienen ist, angedeutet. Auch in späteren Büchern wird diese Begegnung in den USA hin und wieder erwähnt. Doch was ist damals wirklich geschehen?
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