Mir hinterher sein

Ich bin mir auf der Spur. Langsam aber sicher will ich mich wieder einholen.

soso22
Noch mehr Spuren
  • Eben habe ich die Bilder für den nächsten Pixartix-Galerie-Zyklus („Spuren“), der am ersten April beginnen wird, ausgewählt. Endlich etwas zum Abhaken.
  • Bei der bösen Reiseversicherung reklamieren. Noch nicht abgehakt.
  • Rechnungen schreiben für die Kundinnen der letzten zwei Monate. Noch nicht abgehakt.
  • Drei Webseiten updaten. Noch nicht Abgehakt.
  • Recherchen für Fundraising eines Trauerarbeit-Schreibprojektes endlich abschliessen und Fundraising starten. Noch nicht abgehakt.
  • Trauerbuch-Interview-Fragen formulieren für das erste Interview nächsten Donnerstag. Noch nicht abgehakt.
  • Eigenes Buchprojekt (Arbeitstitel: Weiterleben -> Trauerarbeit, Depression, Heilung) weiterführen. Noch nicht abgehakt.
  • Wohnung putzen, insbesondere die Fenster. Noch nicht abgehakt. (Wie lange habe ich eigentlich schon nicht mehr geputzt? Nein, ich will es gar nicht wissen).
  • Die Zeit mit dem Liebsten genießen und auskosten, solange er noch da ist. Immer nur teilweise möglich.
  • Mit Muße Mails beantworten, endlich mal wieder, ohne Zeitdruck. Immer nur teilweise möglich.
  • Lustvoll Blogs lesen und kommentieren, ohne Zeitdruck. Immer nur teilweise möglich.

Baustellen, eine neben der anderen. Im Büro sieht es ähnlich aus. Ich renne mir hinterher. Ich renne ständig. Ich fühle mich gestresst, oft, und nein, ich mag es nicht wirklich, zumal ich alle Arbeiten (na ja, von Reklamieren und Fensterputzen mal abgesehen) gerne mache. Und ja, ich mag meine neue Arbeit. Sehr sogar. Sehrsehr. Nur eben bitte nicht immer so unter Zeitdruck. Wegen der zwei Konzerte in der Schule, die diese Woche über die Bühne gehen durften, gab es noch mehr als sonst zu tun. Für nächste Woche sind die Musikprüfungen endlich auch aufgegleist, eine Kommissionssitzung steht an, undundund …

Ich lösche Feuer, trage die oberste Spitze des wachsenden Berges ab, horte Überzeit.

Reagieren statt Agieren steht auf ein Post-It gekritzelt und klebt neben meinem Laptop. Ein Blogthema, das mich schon lange beschäftigt. Je mehr Dinge von außen kommen, die getan werden sollten und die ich meistens sogar von Herzen gerne tun will, desto mehr befinde ich mich, dennoch, im Reaktionsmodus.

So bleibt die eigene Aktion, die Kreativität, die kreative Energie zurzeit der Traumwelt vorbehalten. Ich träume aktuell sehr lebhaft, sehr bunt, oft krass surreal, sehr schräg zuweilen. In Zeiten von wenig Freiraum, so fällt mir auf, übernehmen die Traumgeister oft das Ruder und färben mein Leben ein.

Gut so.
Gut ja.
Gut ist gut genug.

Bloggen, mal wieder, ja, auch das steht auf meiner Liste. Abhaken?

Parallelen

Gestern hat Irgendlink (hier) bloggenderweise über Paralleluniversen nachgedacht. Ein Thema, das mich auch immer mal wieder streift, mit dem ich hin und wieder gerne flirte. Ich weiß echt nicht so recht, was ich darüber denken soll.

Ich mag den Gedanken, dass ein anderes Wesen, das auch ich bin, oder so ähnlich irgendwie, Seiten von mir lebt, die ich hier auf diese Weise nicht lebe, nicht leben kann. Weil ich zu wenig Zeit habe zum Beispiel oder zu wenig Energie. Womöglich gibt es da ein paar andere Ichs, die auch ich bin (ähm, oder sind?), die viel mutiger, böser, frecher, braver sind als das Ich, das ich hier bin. Wenn oder falls es denn Paralleluniversen gäbe.

Zuweilen überlege ich mir, ob ich in einem Paralleluniversum wohl Bestsellerschundromaneautorin wäre und in einem andern Philosophie- oder Literaturprofessorin? Und manchmal stelle ich mir vor, dass wir unsere Auch-Ichs in unsern Träumen besuchen oder beobachten. Und ich frage mich, ob es unsere Auch-Ichs sind, die unsere Wünsche mitbringen in dieses Ich-Leben hier. Und wie steht es wohl mit unseren Sehnsüchten? Womöglich sind sie auch die, die unseren Hunger nach Mehr und damit unsere latente Unzufriedenheit kreieren.

Erklärungsansätze der etwas anderen Art.

Psychologisch betrachtet ist das Glauben an Paralleluniversen vielleicht ein Krankheitsbild. Flucht vor der Wirklichkeit. Ob Internet ebenfalls eine Art Paralleluniversum ist, oder mein Blog? Alle meine Avatare und Pseudonyme da und dort.

Egal.

Ich kann, zumindest wenn ich wach bin, nur dieses eine Leben leben. Oh, das klingt ja furchtbar moralisch.

Macht nichts, tröste ich mich, eins meiner Auch-Ichs hält bestimmt einen besseren Schlusssatz bereit. Vielleicht bloggt es sogar auch gerade jetzt – falls es woanders auch Blogs gibt.

Nun denn, ihr da draußen, ihr meine Auch-Ichs und alle andern … den Schlusssatz müsst ihr euch heute selbst ausdenken.

Frühlingseidank

Seit Freitag scheint die Sonne.
Medizin für mein Gemüt.

Freitags zum Schloss Böttstein, samstags an die Aare, gestern an den Hallwilersee: Hauptsache raus an die frische Luft, die nach Lust und Leben duftet.

Eine kleine Galerie mit Bildern, die beim Anklicken groß werden.

Sich für sich selbst wehren

Mich für die Ungerechtigkeiten, die anderen geschehen, einzusetzen, ist mir nie schwer gefallen. Ungerechtigkeiten beim Namen zu nennen auch nicht. Aber mich für mich selbst stark machen ist neu für mich.

Ein Telefonanbieter, bei dem ich bereits ein Mini-Angebot für günstigeres Telefonieren zugebucht hatte, unterbreitete mir vor einem halben Jahr ein Rundum-glücklich-Paket, dem ich nicht widerstehen konnte.

Ja – nein – Jein ***

Was ich allerdings nicht wusste, weil es elegant verschwiegen und auf meine Nachfrage nur ausweichend und irreführend beantwortet wurde: Mein vorheriger Anbieter wird nicht einfach ausbezahlt, sondern läuft – wenn ich nicht kündige – weiter. Gut, darauf hätte man selbst kommen können, doch, wie gesagt, wurde auf meine Nachfrage ausweichend und irreführend geantwortet.

Nun denn, ich will hier niemanden mit detaillierten Infos langweilen …

Als schließlich die ersten Rechnungen – parallel, also auch vom alten Anbieter – eintrafen, in einer Zeit außerdem, wo mein Konto gefährlich nah am Gefrierpunkt war, regte sich Wut in mir. Das ist ungerecht! Ich werde ungerecht behandelt. Das lasse ich nicht mit mir machen.

Gut so. Ob ich schlussendlich gewinnen werde, weiß ich nicht, ich habe jedenfalls – trotz Androhung einer Sperre für heute – noch immer Internet. Gutes Zeichen. Mit Mails und eingeschriebenen Briefen mit dem Mailbrief drin – die Mails immer auch an KonsumentInnenschutz-Organen und Ombusstellen – habe ich mich detailreich gewehrt. Immer wieder wurde mir aus Kulanz eine kleine Gutschrift gewährt. Mal schauen.

Nein, es geht echt nicht nur ums Geld. Es geht darum, dass man mich nicht verarschen darf. Nicht einfach so. Nenn es Selbstlliebe.

Auch bei den Flugbuchungen neulich wurde ich mit unlauteren Mitteln (unklare Informationen) über den Tisch gezogen. Statt einer kurzfristigen Reiseversicherung für wenig Geld sitze ich nun auf einer Jahresversicherung für sechzig Euronen. Dankeschön.

Sich wehren oder schweigen? Wie haltet ihr es? Was tut ihr, wenn ihr ungerecht behandelt werdet?

Viele AnbieterInnen machen ihr großes Geld mit all den Menschen, die keine Lust und keine Zeit haben, sich zu wehren. Nicht für sich, nicht mittel- und langfristig für andere. Es ist viel bequemer und ich gestehe, dass ich auch nicht immer so kämpferisch war. Nicht immer die Kraft dazu hatte, vielmehr.

Wie auch immer: Selbst wenn dies alles – das Leben und der ganze materielle Klumbatsch –, was mir oft genug wie ein riesiges Theater vorkommt und eines Tages, wenn der letzte Vorhang fällt, alles (hoffentlich) gut sein wird, will ich doch heute und hier dafür sorgen, dass mein Leben und das meiner Mitmenschen, ein bisschen fairer wird.

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*** Das Bild ist eine Hommage an den Künstler Walter Neiger und sein Bild oui-non ( → hier klicken)

So viele Seiten

So viele andere Seiten gibt es. Und außerdem ist jede Seite von der andern Seite aus eine andere Seite. Sozusagen.

Das Thema, das wir aktuell in unserer virtuellen Bildergalerie Pixartix ausstellen, ist sehr, ähm, nun ja, vielseitig, sozusagen.

Und diesmal hatte ich es wirklich sehr schwer gehabt, mich bei der Beitragsauswahl einzuschränken. Darum zeige ich hier einen Teil jener Bilder, die im Laufe des Auswahlsverfahrens, in den Auswahlordner gesprungen sind.

Viel Spaß mit meinen vielen anderen Seiten …
(groß durch Draufklicken)

Patchwork mal wieder

Eigentlich will ich schon seit Tagen ein paar der Bilder von Peter Padubrin-Thomys zeigen. Am Sonntag,  in Dahn, waren wir sie gucken. Und Dahnspiegeln auch gleich. Das sieht dann so aus:

Dahnspiegeln_gerahmt

12fingerdahn_by_juergenrinckÜber den Zwölffingerdahn gibt es bereits Gerüchte. Dass es ihn wirklich gibt. Dazu Bilder. Zumindest eins. Von mir. Mit Irgendlink drauf und von ihm schön gerahmt. Ich war dabei. Ich habe es gesehen.

Man schaue, staune und zähle. Aber richtig!

Aber das ist es ja eigentlich nicht, was ich bloggen wollte. Sondern die Ausstellungsbilder. Ich durfte nämlich fotografieren. Und ich mache euch liebend gerne auf diese Ausstellung aufmerksam. In Dahn, wie gesagt, in der Rheinland-Pfalz, in den roten Bergen sozusagen, in der Kreisgalerie an der Schulstraße 14.

Und dann Dahn. Wie gesagt. Gespiegelt. Und auf dem Kuckucksfelsen unterwegs. Kletternd, wandernd, still.

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Nun ja. Mit Dahnspiegeln ist es heute nicht getan. Am Abend dieses wunderbaren Sonntags dann die Rückkehr in meine Wohnung in der Schweiz. Bürotage. Viel Arbeit. Die Zeit vergeht im Flug. Die Arbeit macht Spaß. Und ist sinnvoll. Auch wenn ich noch immer vieles überhaupt nicht kapiere, wächst doch das Bild allmählich …

Gestern dann die große Überraschung: Vier Frauen haben ein gemeinsames Datum und einen gemeinsamen Ort gefunden, sich zu treffen. Zwei davon, Ulli und ich, kennen sich bereits. Die andern beiden kennen wir nur per Blog und per Mail. Kerstin Eckisoap (die Quasi-Gastgeberin), die Mützenfalterin (die Initiatorin), Ulli und ich werden ein gemeinsames Wochenende in einem Kloster verbringen. Im Norden. In der Nähe von Berlin. Und nein, nicht um zu beten. Zu arbeiten vermutlich auch nicht. Aber zu erzählen wird es sicher so einiges geben. Und zu hören auch.

Voll krass: Ich habe einen Flug gebucht. Berlin-retour. Mir zuliebe. Die Alternative „Nachtzug“ wäre nicht wirklich günstiger gewesen – preislich vielleicht ein paar Euronen – aber ich wäre unausgeschlafen und quengelig angekommen. Und womöglich mit Kopfweh wegen der Müdigkeit. Nein, das will ich nicht. Wenn schon, denn schon. Manchmal muss frau über ihren Schatten springen fliegen. Und warum auch nicht mal gegen alle Prinzipien verstoßen, die man nicht hat?

Und jetzt? Jetzt bleibt die Vorfreude. Wie ich mich freue! Nur noch neun Mal schlafen.

Sein, einfach.

Gestern. Auf dem einsamen Gehöft liegt Frühling in der Luft . Wir wandern in die Stadt herunter, treffen in der Stadt einen Bekannten, der mir versichert, dass seine Partnerin regelmäßig mein Blog lese (winkewinke, liebe L. und dankeschön!), besuchen danach eine Freundin und wandern wieder hoch.
So einfach. So banal. So schön. So wohltuend.

Alle Bilder werden groß durch Draufklick.

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Küsschen?

Und heute? Heute roch die Erde, die nassgeregnete, nach Gedeih. Von Verderb keine Spur. So zog es uns nach dem Regen raus in Wälder und über Wiesen & Felder…
So einfach. So banal. So schön. So wohltuend.

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Und weil gestern das Jahr der Holz-Ziege begonnen hat (was ich allerdings nichts wusste), gibts ab sofort nichts mehr zu meckern! Und schon gar nicht bei mir und meinem Geisslein (auf meiner neuen Handyhülle).

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Ein Sonntag in Meisenthal

Meisenthal in Lothringen liegt in einer wunderschönen ländlichen Gegend. Bekannter als die hier ansäßige Kunstgruppe Artopie, die an den Dezemberwochenenden zum Kunstbazar Baz’Art geladen hat, ist wohl die ortsansässige Glasmanufaktur Meisenthal.

Doch uns hat der Baz’Art gelockt, da auch einige von Irgendlinks Bildern zum Verkauf stehen. Klasse Atmosphäre und wunderschöne Kunstwerke zum Direktkauf auf engstem Raum. Dennoch toll gemacht!

In einer ehemaligen Gläsereihalle des Internationalen Glaszentrums Meisenthal findet zeitgleich die Kunstausstellung Opération Ho Ho Ho statt. Auch hier hatten wir viel Spaß.

Das Geheimnis neuer Wege

Endlich an den Anfang gehen. Will heißen: ans Ende. Dahin, wo die Reuss zu sein aufhört. Wo sie in die Aare mündet, wo sie Aare wird. Denn wir haben geschummelt, damals, vor ein paar Monaten. Ende Juni haben wir bei unserer Reusswanderung nämlich nicht genau dort angefangen, wo sie wirklich aufhört, die Reuss, sondern ein paar Kilometer südlicher. Es passte eben besser damals. Und es wäre ein Umweg gewesen.

Heute nun, endlich, sind wir gemeinsam zum Wasserschloss gewandert. Das Schloss? Der Zusammenschluss, der Zusammenfluss der drei größten Schweizer Flüsse. Den Rhein, der größte von allen, zu dem die drei hier später werden, nicht mitgezählt, denn er besucht ja nach der Schweiz noch andere Länder.

Item. Die Reuss. Wir nehmen einen Weg, den Irgendlink noch nicht kennt. Wir zeichnen unterwegs, machen Fotos. Bleiben da und dort stehen. Staunen. Lassen uns besonnen. Neun Vögel genießen den blauen Himmel, fliegen Kreise. Immer ein anderer führt an. Kreise fliegen sie, Bögen.
Ästheten seid ihr, denke ich. Ihr mögt das Schöne so sehr wie ich. Wie fühlst du dich, Vogel, da oben? Ja, du; dich meine ich.

Wir verlassen die Zivilisation und tauchen in den Wald ein, in eine andere Welt, eine Wildnis, eine Zwischenwelt, einen Dschungel und mir ist zumute wie vor drei Monaten. Nur der schwere Rucksack am Rücken fehlt.

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auf neuen Wegen

Beim Wasserschloss angelangt, stellen wir fest, dass der Wasserstand der drei Flüsse so tief ist wie selten und dass wir direkt am Fluss, diesmal ist es die Aare, zurückwandern können. Weiter stapfen wir durch den Wald und gehen matschige Wege, die unsere Wanderschuhe ganz schön versauen. Weiter durch den Dschungel. Herrlich.

Hier könnte man das Zelt aufbauen, sagt Irgendlink. Stimmt. Oder schau, hier drüben! Tolle Plätze.

Familiengartensiedlung, an der wir das erste Mal auf der Fluss- statt auf der Straßenseite vorbeiwandern.

Schließlich und endlich wollen wir, es wird dunkel und kühl, wieder nach Hause. Aber nicht auf dem bekannten Weg, nicht heute. Heute sind es neue Wege, die locken. Neue Wege haben einen ganz eigenen Charme.

Ich liebe neue Wege, die mir neue, ungeahnte Möglichkeiten auftun. Wenn ich denn den Mut habe, nicht immer auf den bekannten Straßen zu gehen. Wir finden unerwartet einen Waldweg, der mit Stufen in den Berg gelegt ist und gelangen so vom Unter- ins Oberdorf.

Wer hätte das gedacht?

Nein, da war ich noch nie, obwohl es doch so nahe ist.

Über Berge Richtung See

Zugegeben mit obigem Titel assoziiert man nicht unbedingt Berlin.
Über solche Berge kannst du als Schweizerin ja nur lachen, sagt Irgendlink. Dennoch keuche ich ein bisschen, was allerdings weniger am Prenzlauer oder am Kreuzberg denn am Fahrrad liegt. Bis auf den Kreuzberg fahre ich außerdem mit viel zu tiefem Sattel. Ich sitze auf einem roten Damenrad mit Rücktritt und ein paar wenigen Gängen, die sich allerdings und leider kaum voneinander unterscheiden lassen. Die Reifen sind sehr klein, was mehr Umdrehungen bedeutet, um voran zu kommen. Doch was will ich jammern? Dem geliehenen Stahlroß sollte frau nicht ins Maul schauen. Nachdem wir bei einem Kreuzberger Radladen den Sattel höher gestellt haben, fährt es sich zum Glück schon viel besser, nur wird davon leider der Sattel nicht bequemer.

Unterhalte dich selbst!
Unterhalte dich selbst!

Mit Frau Freihändig essen wir vietnamesisch – lecker, günstig und vegikompatibel – und freuen uns alle sehr über dieses längst fällige Wiedersehen. Später radeln wir übers Bahndreieck am Kreuzberg (heißt das so?) Richtung Norden und lernen dabei den neuen Radweg Berlin-Leipzig kennen. Schön zum Radeln, frisch geteert, keine Autos, Naturschutzgebiet und so. Wieder so eine tolle und notwendige Initiative, die dem Stadtleben mehr Qualität verleiht.

Später gelangen wir in eine Gegend, die ich als sehr künstlich empfinde. Neue Überbauungen, Spielplätze, Sitzgelegenheiten … Nicht hässlich, durchaus mit einer gewissen Ästhetik gebaut. Künstlich empfinde ich, dass hier nichts dem Zufall überlassen worden ist, dem Leben, den normalen Menschen, die nicht mit am Reissbrett stehen. Der gemainstreamte Mensch hat gefälligst hier zu spielen und dort zu hocken, da drüben ist dies und dort jenes … Auch die Natur ist bloß ein weiterer Faktor, der in diesem Konzept seinen fixen Platz zugeordnet bekommen hat.

Wie es wohl in zehn Jahren hier aussieht?

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Unterwegs auf dem brandneuen Radweg Berlin-Leipzig: Eine neue Siedlung wird aus dem Boden gestampft …

Weiter gehts, weiter, weiter, die Zeit drängt. Über den Alexanderplatz zurück auf den Prenzlauer Berg, denn wir sind mit Irgendlinks altem Mainzer Freund J. und seiner kleinen Familie verabredet. Länger als wir dachten, dauert die Fahrt. Rushhour. Und ich kurz vor dem Kollaps. Der Po tut von unten weh. Der Lärm tut von außen weh. Dazu ständig rot und grün. Stop and Go.

Am S-Bahnhof Anhalter
Am S-Bahnhof Anhalter

Endlich vor der Kita. J. stellt uns seine Partnerin A. und sein rotgoldiges Töchterlein M. vor. Nur noch kurz einkaufen und weiter gehts. Zu fünft an den Weißensee. Es regnet. Die Kleine quängelt im Rad-Anhänger, will laufen. Rushhour noch immer. Ich fühle mich kaputt. Erschöpft. Die Tour auf den Gotthard ist ein Klacks, sage ich, gegen einen Tag in einer Großstadt wie Berlin, Radfahren in der Stoßzeit, Autoabgase, Lärm … Drinnen, in der gemütlichen Wohnung, erhole ich mich zum Glück schnell. Wir genießen das Zusammensein, die köstlichste Kürbissuppe der Welt und das süßeste Mädel Berlins.

Nachts dann, vom Weißensee durch die nun ruhigere Stadt zu radeln – es hat sogar zu regnen aufgehört – macht richtig Spaß. Ja, wirklich, ich mag diese Stadt. Sehr. Sehrsehr sogar. Aber leben, nein, leben möchte ich hier doch nicht, Landei ich. 🙂