Innen und außen

Es war einmal eine kleine, scharfe, würzige Zwiebel, die sich eines Tages anbot, Teil eines köstlichen Gemüseeintopfs zu werden. Halbe Zwiebel, geapptDa sie aber aktuell die letzte ihrer Art, in ihrem Zwiebel-Tontopf, war, beschloss ihre Köchin, unsere hübsche, kleine Zwiebel zu halbieren. Sie hatte vor, am nächsten Tag mit der zweiten Hälfte der dienstbereiten Zwiebel ein weiteres Gericht zu würzen. Darum also legte sie die kleine halbe Zwiebel, gut verpackt, in eine Dose.

Tage gingen übers Land in welchen die Köchin ihre Gemüsevorräte im Einkaufsladen aufstockte, neue Zwiebeln kaufte, neue Gerichte kochte und das Leben lebte, das sie eben lebte.

Als eines nicht allzu fernen Tages der Liebste unserer Köchin beim Zwiebelschälen mitanpackte, entdeckte er die kleine Dose mit der gut verpackten halben Zwiebel darin. Halbe Zwiebel, geapptStaunend wurden die beiden sogleich der halben Zwiebel gewahr, die die Zeit ihrer Ruhe dazu genutzt hatte, ihr Innerstes nach außen zu stülpen. Groß war die Freude der Köchin und des Kochs darüber, dass die vergessene Zwiebelhälfte die Zeit ihrer Vergessenheit nicht mit Faulwerden verbracht hatte, sondern geradezu über sich selbst hinausgewachsen war, sich weiterentwickelt hatte und dabei nichts von ihrer Schärfe und Würze verloren hatte. Was für eine wunderbare Sauce sich nun aus der halben Zwiebel kochen ließ!

Collage mit Zwiebelfotos

Empathie ist mehr

Ja, Freundin K. hat recht. Natürlich ist meine kleine Darstellung von Empathie, die ich neulich hier teilte, ziemlich einseitig herausgekommen. Empathie ist nämlich auch die Fähigkeit zur Mitfreude. Während Neid, Vergleich zwecks Besserdasteherei, Ab- und Ausbgrenzung ihr Gegenteil sind und Mitfreude verhindern.

Irgendwo stehen wir empathischen Menschen also immer mittendrin, mitten zwischen Mitfühlen & Mitleiden und Mitfreuen & Mitjauchzen. Das ist manchmal ganz schön anstrengend.

Den meisten empathischen Menschen, die ich kenne, fällt zudem geben leichter als annehmen. Mir auch. Doch dieses Jahr lehrt will mich so langsam dieses Annehmen zu lernen – materiell ebenso wie in Form von Fürsorge. Auch wenn es sonst mehrheitlich ein schweres Jahr für mich war, schaue ich doch dankbar dadrauf zurück. Und dass ich Menschen kennen darf, die bereit sind, mir ganz praktisch zu helfen, wenn ich nicht mehr weiterkomme.

Ihr – du, du, du und du – ja, auch ihr seid solche Menschen. Ich danke euch.

Glückwunschkarte mit halber Baumnuss in Herzform in Nussknacker, seitlicher Text mit Glückwünschen.

Hebet’nech Sorg!

Ein Kunstausflug nach Meisenthal – Nachlese

Am letzten Samstag besuchten Irgendlink und ich nach einem schönen herbstwinterlichfrühlinghaften Spaziergang zum Lemberger Wasserfällchen das Städtchen Meisenthal. In der früheren Glasbläsermanufaktur fand auch dieses Jahr eine kleine Kunstausstellung statt.

Anschließend spazierten wir ins Kulturhaus der Künstlergruppe Artopie und genoßen die kreative Vielfalt der Meisenthaler KünstlerInnen. Im Verkaufsbazar, Baz’Artopie, staunten wir über die Fülle und erfreuten uns am Humor in all den vielen kleinen und großen Kunstwerken.

Spaziergang im Lemberger Wald

Impressionen von der Ausstellung in der Glasbläsermanufaktur Meisenthal

Irgendlink zweimal vor roter Fabrikhalle mit den großen, weißen Buchstaben Cou
GIF – Bitte Bild anklicken, falls es nicht automatisch läuft

Impressionen vom Baz’Artopie Meisenthal

Verdichtung

Beobachten, sagt Dürrenmatt, Beobachten ist ein elementar dichterischer Vorgang. Das vermeintlich Beiläufige, Passive ist folglich nicht nur etwas Aktives, sondern etwas sehr Konzentriertes, Wirksames, Zielgerichtetes.

Ich glaube ja, Dürrenmatt hätte getwittert. Nein, hätte er nicht, weil das bestimmt zu kurzlebig für ihn gewesen wäre. Aber ich glaube, seine Art zu beobachten, entspricht der Art vieler Twitternden. Und ich gestehe, dass ich genau diese Art Twitterei mag: Alltagsbeobachtungen, beiläufig Wahrgenommenes in wenige Zeichen zu verdichten, Kürzestgeschichten zu schreiben.

Auch die Wirklichkeit muss geformt werden, will man sie zum Sprechen bringen. Sagt Dürrenmatt auch. Wird Wirklichkeit also erst wirksam, wenn sie in Worte gefasst wird?, frage ich. Ist sie nur dann wirklich, wenn sie eine Form gefunden hat und womöglich  erst dann für uns verständlich, weil in Sprache übersetzt?

Ist letztlich denn nicht jede in Worte gefasste Wirklichkeit – zum Beispiel die Reportage über eine Veranstaltung – immer nur Interpretation; und ist Interpretation noch objektiv? Sind Fakten wirklich Fakten?

Wie objektiv sind, sprechen, schreiben, handeln wir wirklich, sollte das überhaupt unser Ansinnen sein, und sind subjektive Wahrnehmungen weniger wahr als Fakten?

Kurz: Wie verlässlich sind unsere Maßstäbe?

Sind Gefühle, solange ich sie einfach nur wahrnehme, ohne sie zu interpretieren, nicht genauso ehrlich wie ein Litermaß?

Schnitt.

Als ich vor zwei Tagen durch Bern fuhr und kurz bei meinem früheren Wohnhaus anhielt, spürte ich Sehnsucht. Sehnsucht nach dem gelebten, nach dem vergangenen Leben in Bern. Aber halt! Ist Sehnsucht denn nicht bereits Interpretation dessen, was in meinen Eingeweiden vor sich ging, als das Herz höher und farbiger klopfte als sonst und der Bauch ein bisschen vor sich hin murmelte?

Die Erinnerungen trügen. Sie gaukeln vor, dass damals alles ein bisschen einfacher gewesen ist. Sie sprechen von einer Art Unschuld, die ich heute nicht mehr habe. Damals hatte ich weniger verstanden. Weniger Zusammenhänge. Jedes neue Wissen, das ich meinem Lebensarchiv zufüge, vergrößert meine Verantwortung gegenüber dem Leben, der Welt, vergrößert mein Schuldpotential. Je mehr ich weiß, je mehr ich verstehe, desto mehr Last bürde ich mir auf. Mit jedem neuen Wissen wird das Leben schwerer.

Meine Sehnsucht ruft nach Unschuld, nach Nichtwissenwollen, nach Leichtigkeit, nach Nochmalneuanfangenkönnen sogar, obwohl ich vermutlich nicht wirklich so viel anders machen würde. Oder aber ganz viel.

Ich würde wohl weniger glauben, was andere sagen, ja, das würde ich. Und ich würde wohl weniger glauben, was andere glauben. Und ich würde stattdessen mehr glauben, was ich selbst spüre, was ich selbst erkenne, was ich wirklich sehe – außen ebenso wie innendrin. Und ich würde mir mehr trauen.

Meine Leitungen durchspülen würde ich und den ganzen Müll, der herausgeschwemmt wird, kompostieren. Meine Interpretationsfilter würde ich nullen und meine Werte neubewerten. Und den Konjunktiv könnte ich vom Hassfreund zum Schrank machen, in welchem ich meine Gedanken, Erfahrungen und Erkenntnisse archivieren würde. Oder auch nicht.

Aber das Leben wäre endlich wieder beobachtbarer. Jedenfalls, wenn da nicht so viel wäre, das mir die Sicht verstellt.

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Illusion is also a way of reality.

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Herbstblattgold

Heute male ich das Blog bunt an.
Farbe fürs Gemüt.
Farbe fürs Herz und
Farbe für die Seele.

Am Sonntag wanderten wir auf den Linnerberg und gestern spazierten wir durch Laufenburg, wo Irgendlink das geflügelte Wort ’platanische Liebe’ erschuf

Suppenkochereien

Eigentlich wollte ich hier ja mal wieder etwas Geistreiches schreiben, von meinem Buchprojekt erzählen und von der Schwierigkeit, sich auf eine Geschichte einzulassen ohne dabei den Kontakt zur Außenwelt zu verlieren. Doch weil ich dazu jetzt zu müde bin – ich habe heute bei meinem neuen Buchprojekt die 10’000 Wörter-Grenze geknackt – gibt’s heute eins der vielen Bildchen, die in der letzten Woche entstanden sind. Das hier habe ich gestern auf dem Handy gebastelt habe.

Zwei ziemlich ungewöhnlich geformte Karotten mit Armen und einmontierten Gesichtern reden miteinander: Lass uns baden gehen, sagt die eine, die andere: Du Suppenkoch du.

Und jetzt lese ich weiter im Buch des Norwegers Atle Naess: Die Riemannsche Vermutung. Nein, es geht dabei nur sekundär um Mathematik, primär geht es um einen Mathematiker, der versucht eine Biografie über Riemann zu schreiben und dabei zufällig über das Leben und die Liebe stolpert. Ein literarischer, mathematik-philosophischer Genuss.

Mehr Platz für den Friedensbaum

Wie ich heute Mittag nach der Arbeit auf meiner Terrasse das Wochenende einläutete, mich an den geschenkten Merci-Schöggeli einer Arbeitskollegin erfreute und gemütlich einige Kapitel meines aktuellen Buches las, hörte ich auf einmal einen Staubsauger an der Haustür brummen.

Wie jetzt, ist unsere Haus-Putzfee gekommen, ohne dass ich sie habe kommen sehen? Wie toll ist das denn! Ich habe sie ja schon ewig nicht mehr getroffen! Die letzten zwei Jahre hat sie immer die Pflanzen auf meiner Terrasse gehütet und gegossen. Doch seit ich meistens dann im Büro bin, wenn sie Treppen, Böden & Waschküche unseres Miethauses putzt, gab es so schon lange keine Gelegenheit mehr für einen kleinen Schwatz mit ihr. Die gebürtige Italienerin und schon viele Jahre Alleinerziehende hat – obwohl es das Leben nicht wirklich gut mit ihr gemeint hat – eine unglaublich positive Ausstrahlung und es macht Spaß, mit ihr zu reden. Sie ist eine starke, eine strahlende Frau, die mit ihrer inneren Kraft scheinbar (oder offensichtlich) jeder Mühsal trotzt. Ich bewundere ihren Mut im Alltag und die Würde, mit welcher sie ihre viel zu oft viel zu gering geschätzte Arbeit macht.

Schnell huschte ich also, nachdem ich den Staubsauger gehört hatte, durch die Wohnung in die Waschküche rüber, wo ich sie hantieren hörte und freute mich sogleich über ihre herzliche Freude, mich zu sehen. Doch ich hatte ja auch einen Hintergedanken. Ob sie vielleicht wieder meine Topfpflanzen …? Aber ja, sie könne ja eh einmal mehr nicht in die Ferien, auch diesen Sommer nicht … (Hach, wäre ich reich, würde ich ihr Ferien schenken. Oder ihre Steuerschulden begleichen. Oder gleich beides!)

Wir gehen wandern, sage ich, mit dem Zelt. Diese Art Ferien kann ich mir leisten. (Aber wir machen das nicht nur so, weil es die billigste Art Ferien zu machen ist, denke ich. Nein, auch weil wir es so mögen. Weil es uns entschleunigt und weil es uns ruhig und einfach macht, weil es uns gut tut, wieder näher am Boden zu leben, auf der Erde zu sitzen und ihr nahe zu sein, auf ihr zu liegen, zu schlafen. Ja, auch das denke ich nur.)

Sie erzählt mir unter anderem von den Schwierigkeiten ihres Sohnes, eine Lehrstelle als Automechaniker zu finden. Für den Sommer 2017. Er sei kein Superschüler, eher schüchtern, eher klein, eher mollig wegen seiner Schilddrüsenerkrankung, und bisher hätten ihn alle Schnupperbetriebe abgelehnt, weil sie ihm diese Lehre nicht zutrauten. Schade.

(Aber vielleicht weiß ja eine/r meiner Aargauer LeserInnen etwas? Es müsste allerdings wohl im Raum Brugg/Baden sein, wegen der Fahrkosten, die möglichst tief sein sollten.)

Friedensbaum Wie auch immer … wir erzählen und erzählen und lachen immer wieder … es tut mir gut mit ihr zu lachen. Lachen gegen all diese Widrigkeiten, die das Leben uns immer mal wieder geboten hat. Nebenbei biete ich ihr einige Merci-Schöggeli an, die ja, wie gesagt, bei mir auf dem Tisch herumliegen. Ich teile Dankbarkeit mit ihr. Darüber freut sie sich und schließlich geht sie wieder an ihre Arbeit und ich an meine. Aufräumen ist angesagt. Und den kleinen Friedensbaum sollte ich auch endlich mal in einen größeren Topf setzen, damit der Frieden wachsen kann.

En #Fitour15 (bis 2.1.16)

Seit zwei Tagen sind wir nun in Fitou (Südfrankreich), fast an der spanischen Grenze, fast am Mittelmeer … Meine Gedanken kommen zur Ruhe.

Wir erwandern uns die Umgebung und genießen es, nichts zu müssen. Wenn wir Lust haben, twittern wir ein paar Bilder und Impressionen. Wer Lust hat, uns dabei zu begleiten, besuche unsere Twitteraccounts. Lesen kann man ohne eigenen Account.

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Habt eine gute erste Rauhnacht … und eine zweite, dritte und überhaupt: Habt es gut!

Werden und vergehen

Tulpendasein
Tulpendasein

Ein Kehrreim meines Lebens ist das Nachdenken über unseren Platz in dieser Welt. Der Wunsch, der mich dabei durchdringt, ist, dass jede und jeder da sein sollte, wo sie oder er am besten gedeihen kann. Mensch, Tier, Pflanze, Mineral … alles.

Zu wissen oder zumindest zu ahnen, wozu ich da bin – und dies dann auch zu sein, zu tun, zu leben – ist Teil der Basis eines zufriedenen Lebens.

Immer wieder dieses Ahnen in mir, dass es nicht keinen Sinn in allem gibt.

Das Ahnen aber auch, dass die Blüte der Tulpe nicht zur Erquickung menschlicher Augen stattfindet. Und ihr Zerfall auch nicht deshalb so schön ist, weil er uns würdevolles Loslassen lehren will. Und dass die Schönheit auch im Sterben wohnt. Wohnen kann.

Geheimnisse.

Vielleicht liegt eines dieser vielen Geheimnisse des Lebens ja in der Zwiebel verborgen, diesem Ding, das in der Erde überwintert – scheinbar tot. Jeden Frühling neu geboren werdend. Vielleicht kann ja die Zwiebel uns ein wenig mehr Geduld lehren, doch nicht dazu ist sie da.

Nicht sind die Dinge, die Pflanzen, die Steine, die Tiere, die Menschen dazu, das Dasein aller anderer Wesen und Dinge zu erklären – und dennoch ist da diese Verbindung in allem.

Und Erde, Luft, Wasser und Feuer, die alles erst ermöglichen. Vielleicht ist der Schlüssel zu allen Geheimnissen des Lebens ja in der Vielfalt verborgen und in all den Möglichkeiten, in dieser Vielfalt miteinander zu sein – statt gegeneinander.

Mit- und nebeneinander. Inspiration.

Biene und Blüte lehren sie uns. Zeigen uns, wie teilen geht. Wie Hingabe ans Leben geht. Und wie Loslassen.

Tulpenalter
Tulpenalter

Während andere ihre verblühenden Blumen längst weggeworfen haben, lasse ich sie sehr oft sehr lange auf dem Tisch stehen. Nennt mich faul, nennt mich meinetwegen sogar nekrophil, aber ich mag es einfach. Ich mag das Welken. Und wie würdevoll Blumen Abschied nehmen. Wie sich ihre Schönheit offenbaren, indem sie sich ein letztes Mal ganz öffnen. Alles gebend. Alles loslassend.

Und dann träume ich immer mal wieder von einer neuen Alterskultur. Von einer Gesellschaft in der das Lebensalter keine Rolle mehr spielt. Ich träume von einer Gesellschaft in der Altersweisheit eine Gabe ist und in der Augen- und Stirnfalten sowie weiße Haare willkommen sind. Weil wir wissen, dass wir einander brauchen. Und weil wir wissen, dass wir voneinander lernen können. Von alten Menschen zum Beispiel Verantworung füreinander zu tragen. Auf dass diese Qualität niemals aussterbe.

Bildgespinst oder heiteres Osterorakel?

Gestern unterwegs: Rätselbild Nr. 1 … Wie viele wovon?

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Und dann das da … noch so ein Rätsel irgendwie.

 Heute hier so, Rätsel Nr. 3 …

Rheinpfalz
Heiteres Ostereierraten in der heutigen Zweibrücker Ausgabe der Rheinpfalz … Wer findet ihn? Und es?

Noch ein Rätsel? Oder doch keins?

Weies-2
Metaphysisches Gruseln à la Mani Matter im PRISMA heute Morgen