Sein

Über Menschen und ihre Geschichten Erkenntnisse über das Leben zu gewinnen, Dinge zu verstehen, Zusammenhänge endlich zu sehen, ist mir die liebste Art des Lernens.

Mit Frauen am Tisch zu sitzen, zuzuhören, selbst zu erzählen, zu essen, das nahe Kloster und den wunderbaren Klosterkräuter- und Gemüsegarten zu genießen, gemeinsam durch eine Kleinstadt namens Tangermünde und an der Elbe entlang zu spazieren, ist eins. Dies mit Frauen zu tun, die ich bisher nur von ihren Blogs und aus unzähligen Mails kannte, ist etwas anders. Irgendwie surreal. Irgendwie verrückt. Die virutelle Welt ist auf einmal ganz real geworten.

Wir – die Mützenfalterin, Kerstin und ich – sitzen in Kerstins Wohnzimmer, das Kaminfeuer brennt, und trinken ein Glas Rotwein.


Ich bin ganz da. Ich höre. Ich fühle. Ich rieche. Ich spüre. Ich teile. Ich bin ganz offen. Auf einmal sehe ich uns von außen zu. Sehe dieses Wunder der Gemeinschaft. Staune. Bin einfach nur dankbar, hier so ganz und gar ich sein können zu können und zu dürfen. Als würden wir uns schon ewig kennen, kommt es mir zuweilen vor.

Nach einer Kopfwehnacht mit einer Migräneattacke am Samstagmorgen hatte ich kurz mit dem Liebsten telefoniert. Er meinte mit weisem Augenzwinkern, das ich vor mir sah ohne es zu sehen, dass mein Kopfweh um 10 Uhr vorüber sei.

Sich selbsterfüllende Prophezeiung? Voraussicht? Orakel oder Wahrsagung? Egal. Es hat gewirkt. Im Laufe des Tages haben sich schließlich auch die letzten Reste des tagelangen, wetterwechsel-hormon-aufregungsvorfreude- und vollmondbedingten Kopfwehs gänzlich verkrümmelt.

Wunderbar tief habe ich heute Nacht geschlafen, geborgen und wohlig in Kerstins Bett. Wir haben, da wir nur zu dritt waren, gestern schon das Kloster verlassen, das zwar sehr gemütlich war, für Kerstin aber natürlich ein Hin und Her zwischen Zuhause und uns bedeutet hatte. Ihr Partner hatte uns das Feld geräumt. Alles hat gepasst. Im Nachhinein muss ich sogar den gemeinsam erlittenen Kopf- und Zahnschmerzen etwas positives abgewinnen. Gemeinsames Leiden schafft eine neue Ebene des Verstehens. Nein, Schmerz adelt nicht, Leid noch weniger – so meine ich es nicht. (Ach, ihr wisst schon.)

Nur zu dritt? Das „nur“ bezieht sich auf Ulli, die mit Grippe im Bett liegt und leider nicht hierher fahren konnte. Sie war dennoch in unserer Mitte, wie es auch viele andere Menschen, unsere Partner und auch mal andere Bloggende waren.

Konkurrenzlose, liebevolle Verbundenheit.

Immer wieder sprechen wir über unsere Ideale, darüber wie die Welt sein sollte, könnte. Wie es sich besser leben ließe. Wir venetzen Vergangenes mit Gegenwärtigem, Erlebtes, Erfahrenes verorten wir in der Zeitachse und erkennen Parallelen.

Spannend ist dieses Treffen auch aus kultureller Hinsicht: Eine Ossi, eine Wessi und eine Schweizerin, alle praktisch gleich alt. Alle drei in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten groß geworden. Vieles, was ich nicht verstehen kann und es dennoch verstehe. Zumindest annähernd.

Ich freue mich nun auf einen sonnigen Sonntag und auf all das, was wir gemeinsam noch erleben werden.

Wie es wohl dann sein wird, heute Abend, wenn ich mich in mein Schweizer Bett fallen lassen werde? Das ist aber noch gaaanz weit weg. Die Zeit dehnt sich aus und fast ist es mir, als wäre ich schon ganz lange hier.

Ich wünsche uns allen hier und dort und euch allen, die das hier lesen, einen wunderbaren Sonntag, allein und/oder mit andern.

Auf das Leben!

 

Die Reise

Ich sitze auf Platz B. Nicht Fenster, nicht Gang. Am Fenster eine deutsche Frau, die die Bunte liest und die Armstütze annektiert hat.

+++ Wir rollen aufs Flugfeld. Stehen nun da. Bereit.

+++ Rechts von mir, am Gang, eine junge Frau, Schweizerin, die ein Gesundheitsheft studiert. Schlanke Frauen, Rezepte, Diäten.

+++ Nun fliegen wir. I love it

+++ Pinkeln. Lesen. Essen. Dösen.

+++ Landeflug. Es geht abwärts. Kaugummi hilft immer. Das Land kommt näher.

+++ Unten. Immer wieder neu ein kleines Wunder, wie sanft so ein schweres Metallteil auf der Erde aufsetzen kann. Das Liftfahrgefühl hat ein Ende, das ich am Landeflug so mag. Wir rollen zur Landebahn.

+++ Die im Glashaus sitzt. Nach dem ich die Überfliegerin war, vorhin, sitze ich nun am Ende von Gleise vier. Im geheizten Wartehäuschen, das zwar auch schon bessere Tage gesehen hat, aber bezaubert mit Rundumverglasung und Wärme. Hier ist es nicht so schön wie daheim. Es hat sogar ein wenig geregnet, als wir aus dem Flugzeug gestiegen sind. Grauverhangen der Himmel. Aber morgen! Morgen wird’s auch hier schön. Hier und bei Kerstin.

+++ Herrliche Szene vorhin am Billettautomaten, ähm, sorry, Fahrkartenautomaten natürlich. Alle meine MitüberfliegerInnen wollten offenbar mit dem Zug in die Stadt. Gruppenweise standen sie an, diskutierten über die Knöpfe, die zu drücken seien, über Tarife, über dies über das. Köstlich. Und gänzlich stressfrei.

+++ Ich habe nach Brandenburg gelöst und werde kurz nach halb drei dort sein. Viertel vor acht bis viertel vor drei: sieben Stunden Reisezeit. Nun ja, das ist es mir wert.

+++ Ich bin müde und entspannt. Vorfreudig auch, ja, aber die Nervosität ist von mir abgefallen. Ich bin hier bei mir. Und dieses Häuschen hier kommt mir gerade recht.

+++ Bald kommt der Zug. Vorher will ich noch bloggen. Tagespass und deutsche SIM-Karte-sei-Dank ist das kein Problem.

Wenn eine eine Reise tut

Wie lange bin ich nicht mehr so früh aufgestanden? Und wie lange bin ich schon nicht mehr so früh morgens Zug gefahren? Und wie anders ist es, wenn man frühmorgens um acht nach Basel-Flughafen fährt, als wenn man perversfrühmorgens um halb acht ins Büro fährt und dazu anderthalb Stunden Weg hin und am Abend wieder anderthalb Stunden zurück hat.

Bin ich froh, dass das vorbei ist.

Basel. Nordwärts fahre ich.

Noch nordwärtser fliege ich danach. Berlin-Schönefeld ist mein erstes Ziel. Mit dem Zug nach Brandenburg oder was anderes in der Richtung. Von dort schließlich mit dem Privattaxi called Kerstin the Eckisoap ins Kloster. Oder so.

Am Abend kommt Frau Mützenfalterin dazu und morgen die Vierte im Bunde, Ulli vom blauen Café Weltenall.

Das kann ja heiter werden. Lustig und ernst. Ich hoffe auf feine Gespräche, gemeinsames Lachen, Kichern, Tratschen und Schweigen. Und auf tiefes Verstehen. Ja. Das ist so ene Ahnung und Hoffnung, die ich habe. Und es ist auch das, was mich bereits jetzt mit diesen drei Frauen, von denen ich erst Ulli persönlich kenne, verbindet. Viele Mails haben wir alle schon getauscht, viele Herzgedanken, wie das nur Frauen können, die schon vieles erlebt, erlitten und erkannt haben.

Frauenpower ist etwas Wunderbares. Etwas Nährendes.

Na ja, Frauen können leider auch anders. Können sich gegenseitig mit Zickenkriegen und dergleichen mehr, mit Vergleichen, mit Eifersüchteleien bis aufs Blut zerstören. Nicht nur Frauen, nein, aber zuweilen haben Frauen diese ganz fiese Art drauf, die ich bei Männern so noch nie gesehen und erlebt habe. Darin unterscheiden sich die Geschlechter auch, finde ich. Und ja,  natürlich machen sich auch Männer gegenseitig fertig, wenn es sein muss.

Warum eigentlich?

Nein, darauf suche ich keine Antwort. Nicht jetzt jedenfalls.

Jetzt will ich einfach nur genießen. Die Reise, so gut es mit meiner ganzen Nervosität überhaupt geht, die ich in mir habe. Genießen auch mit all der Vorfreude. Wie es wohl sein wird? Meine erste Bloggerlive-Begegnung – die mit Mösiö Irgendlink vor bald sechs Jahren – war jedenfalls sehr nachhaltig. 🙂

Gleich Rheinfelden. Bald Basel. Umsteigen.

Kurz nach zwölf lande ich in Berlin. Drückt mir die Daumen, dass alles klappt. Hach, ich Landei …

Winke-winke!

So und nicht anders. Jetzt.

Manche Geschichten, glaube ich, wollen einfach erzählt werden. Sollen. Müssen sogar.
Anders gesagt: Warum habe ich den Nelken- und nicht den Buchenweg genommen?
Warum so und nicht so?
Wäre ich, hätte ich nicht.
Wäre ich nicht, hätte ich.

Sie steht hinter ihrem kleinen quietschgrünen Kleinwagen und versucht mit der rechten Hand den Kofferraum zu öffnen. Mit der linken hält sie sich am Auto fest. Ihr Stand ist wackelig, dennoch zögere ich kurz, doch schon mache ich – fast reflexartig – ein paar Schritte auf sie zu. Ich spreche sie  an, um sie nicht zu erschrecken, bevor ich ihr beim Öffnen des Kofferraums helfe. Ein Klapprollator liegt darin. Wir ziehen ihn gemeinsam heraus. Sie sagt mir, wie es am besten geht. An den Rädern, nämlich, sie lege ihn immer so hin, damit sie ihn gut einhändig herausziehen könne. Leichtes Teil. Was es nicht alles gibt!, denke ich und klappe das Teil vor ihr auf. Sie nimmt meine Handreichung dankbar an, obwohl sie alles selbst kann.

Den habe ich im Internet bestellt. Zuerst habe ich alle miteinander verglichen, sagt sie nun. Lächelt schelmisch. Ich habe alle Daten runtergeladen. Das war der leichteste und er ist mit diesen großen Rädern auch geländegängig.

Damit können Sie sogar über holprige Wege wandern, sage ich. Sie lacht weise und nickt. Ihr Wangen sind von der Anstrengung gerötet. Mit ihren weißen Locken und der roten Jacke wirkt sie wie eine liebe Großmutter aus dem Bilderbuch. Eine moderne Großmutter. Keine Spur von Senilität. Wach. Herzlich. Lebendig ist sie. Und lebensfroh. Ich frage, ob ich den Kofferraum schließen soll.

Ja gerne, und ich muss noch zur Beifahrerseite, die Einkäufe rausholen. Ich trete einen Schritt zurück, um sie an mir vorbei zu lassen, doch schließlich biete ich ihr an, die Einkäufe auf den Rollator zu stellen. Warum eigentlich nicht gleich hineintragen? Sie sucht den Schlüssel in der Jackentasche und sagt: Ja gerne. Es ist kein Bitten und keine Peinlichkeit in ihrer Stimme. Sie nimmt einfach ein Geschenk an, weil sie merkt, dass ich das gerne mache und weil sie weiß, dass sie es auch selbst kann. Mir gefällt das.

Ich trage die beiden Taschen ins Haus und stelle sie in den Flur. Als hätte ich das schon immer gemacht. Oder jedenfalls schon oft.
Sie haben eine Katze?, frage ich. Katzenfutter liegt oben auf dem Einkaufskorb. Zwei sogar. Und wie auf Stichwort kommt ein riesiger, rot-weißer Moudi, ein zehnjähriger Kater, aus dem Haus. Er kommt sofort auf mich zu, lässt sich liebkosen, umkreist mich eins ums andere Mal.

Wir plaudern über Katzen und über das Älterwerden. Ob sie eine Hüftoperation gehabt habe, frage ich. Gestürzt sei sie, im Garten. und die Ärzte hätten sie aufgegeben.
Ein riesiger Gehirntumor, sagt sie und zeigt auf ihre Stirne. Hier. Das kann man nicht operieren. Ich bekam also einfach nur Chemo und Bestrahlungen. Ein Arzt meinte, ich werde nie wieder gehen können und für immer ein Pflegefall bleiben, selbst wenn der Tumor nicht mehr wachsen werde. Aber mein Schwiegersohn der hatte Beziehungen. Er ist Dr. bio-chem und der hat dann einfach nicht aufgehört zu forschen und so habe ich ein Medikament zusätzlich zur Bestrahlung bekommen. Und auf einmal war der Tumor weg. Und nun trainiere ich. Ich kann alles wieder alleine machen. Ich gebe einfach nicht auf.

Kurz habe sie im Pflegeheim in unserm Dorf gelebt, das ich immer mal wieder von außen betrachte und über all die Geschichten nachdenke, die darin wohnen. Ein Heim und seine Menschen mit ihren Geschichten.

Wir verabschieden uns herzlich, nennen zuvor aber noch unsere Namen, sagen: Auf ein ander Mal! und mein Herz ist froh und dankbar, als ich heimwärts bummle.

So viele Seiten

So viele andere Seiten gibt es. Und außerdem ist jede Seite von der andern Seite aus eine andere Seite. Sozusagen.

Das Thema, das wir aktuell in unserer virtuellen Bildergalerie Pixartix ausstellen, ist sehr, ähm, nun ja, vielseitig, sozusagen.

Und diesmal hatte ich es wirklich sehr schwer gehabt, mich bei der Beitragsauswahl einzuschränken. Darum zeige ich hier einen Teil jener Bilder, die im Laufe des Auswahlsverfahrens, in den Auswahlordner gesprungen sind.

Viel Spaß mit meinen vielen anderen Seiten …
(groß durch Draufklicken)

Alles für die Katz‘

Sonntagmorgen. Wir liegen im Hochbett. Gemütlich ist es unter den warmen Decken. Zeitlos. Unten die über Nacht abgekühlte Restwohnung. Kalt. Ungeheizt. Beide haben wir keine Lust, aufzustehen.

Mietze
Sie kann auch anders.

Die Katze hört, dass wir wach sind und macht sich bemerkbar. Sie kennt ihre Bedürfnisse und meldet sie an. Hunger. Wenn sie nur zum Pinkeln raus müsste, könnte sie. Die Katzenklappe ist ja auf.
Ähm, ist sie auf? Ich habe sie jedenfalls gestern Nacht nicht zugemacht, sage ich. Der Liebste ist sich allerdings nicht sicher, ob er sie womöglich vor dem Zubettgehen doch zugemacht hat. Zumal er sie am Tag zuvor versperrt hat, damit nicht wieder andere Tiere reinkommen. Also: zu oder offen? Muss Mietze also nur aufs Klo oder hat sie richtig schönen Hunger und nervt deshalb so herum?

[Nervt sie herum? Tja, Wahrnehmungen sind mal so, mal so. Für den gleichen Sachverhalt.]

Und ja, Katzen sind eigentlich ganz schön toll und haben uns was wichtiges voraus: sie werten ihre Bedürfnisse nicht. Sie haben sie einfach. Und sie melden sie einfach bei jenen an, die sie ihnen erfüllen können. Sie wissen: Futter bekommt man in der Regel vom Persönlichen Personal, das sich manchmal wichtig Herrchen nennt. Wie also mitteilen, dass man Hunger hat, wenn das PP kein Kätzisch verstehen will? Ein bisschen Hin und Her gehen, das mag er nämlich nicht und tut dann was dagegen. Eine sehr einfache Strategie. So einfach, dass es schon wieder genial ist.

Wir denken darüber nach, warum Menschen, insbesondere sogenannt erwachsene, es nicht ähnlich machen. Warum sie sich mit ihren Bedürfnissen zuweilen so schwer tun. Scham empfinden. Sich schwach und unkuhl fühlen, wenn sie auf einmal bedürftig sind.

Mietze lebt eigentlich nur hier, weil sie weiß, dass wir ihr Futter geben, sagt Irgendlink. Sie ist eigentlich wild, undomestiziert. Und das weiß sie auch.

Und sie weiß genau, dass wir es auch wissen.

Sein, einfach.

Gestern. Auf dem einsamen Gehöft liegt Frühling in der Luft . Wir wandern in die Stadt herunter, treffen in der Stadt einen Bekannten, der mir versichert, dass seine Partnerin regelmäßig mein Blog lese (winkewinke, liebe L. und dankeschön!), besuchen danach eine Freundin und wandern wieder hoch.
So einfach. So banal. So schön. So wohltuend.

Alle Bilder werden groß durch Draufklick.

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Küsschen?

Und heute? Heute roch die Erde, die nassgeregnete, nach Gedeih. Von Verderb keine Spur. So zog es uns nach dem Regen raus in Wälder und über Wiesen & Felder…
So einfach. So banal. So schön. So wohltuend.

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Und weil gestern das Jahr der Holz-Ziege begonnen hat (was ich allerdings nichts wusste), gibts ab sofort nichts mehr zu meckern! Und schon gar nicht bei mir und meinem Geisslein (auf meiner neuen Handyhülle).

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Die Zeit, das Leben und ich

Unter der Dusche ein Gedankenblitz: mich als Kind, wie ich immer dachte: Wartet nur, wenn ich endlich groß bin, kann ich machen, was ich will. Ein großer Gedanke war das. Einer, der bald mein Kehrreim war, je älter ich wurde und je öfter mein Dürfen-was-ich-will eingeschränkt wurde von Verboten, von Geboten, von elterlicher Neugierde. Doch statt zu erzählen, was ich vorhatte, erfand ich immer öfter Halbwahrheiten. Von meinem ersten Freund zum Beispiel wussten meine Eltern nichts. Ich gehe mit meiner Freundin in die Stadt!, sagte ich vielleicht, wenn ich ihn am Mittwochnachmittag besuchen wollte. Oder Wir haben eine Klassenfête, wenn ich ihn am Samstagabend treffen wollte. So richtig kontrollieren konnten sie mich ja nicht. So ohne Handy wie ich damals war. Ich und wir alle. Von Handys träumten damals höchstens ein paar Visionäre und verrückte Spinner. Wir nicht. Auch nicht von Internet und von Facebook und Konsorten. Noch nicht mal von Karriere träumten wir. Damals war noch vielmehr möglich, es würde dann schon irgendwie werden. Und irgendwas kommen. Obwohl – so richtig an alle Möglichkeiten glaubte ich schon damals nicht. Und schüchtern war ich auch. Bin es noch immer. Oft jedenfalls. Aber ich würde ja bald einmal groß sein und dann konnte ich endlich tun, was ich wollte. Und ich würde es ihnen zeigen, den Erwachsenen. Ja, dieses Erwachsensein schien mir das Maß aller Dinge. Wenn ich dann endlich die Schule und die Ausbildung abgeschlossen haben würde. Ja, wenn ich dann endlich …

Meine Erwachsenen sagten immer: Genieße das Kindsein, solange du noch kannst. Bitterkeit schwang leise mit und manchmal auch eine leise Drohung. Was ich nie verstand, denn Erwachsensein war doch das Ziel …?

Unter der Dusche also, heute Morgen nun, auf einmal dieses Paradoxon mit allen Fasern spürend:
Das Kind will groß und frei sein zu tun und zu lassen, was immer es will. Die/der Erwachsene sehnt sich nach der Narrenfreiheit ihrer/seiner Kindheit.

Ich jedenfalls tue es. Oft. Ich will das Kind-in-mir nicht verlieren. Nie.

Und doch … manchmal nerve ich mich, ganz ehrlich, über diese Neue Infantilität, die ich ganz oft in unserer Gesellschaft spüre. In meiner Generation und in der nächsten, nachwachsenden. Ob es dafür wohl psychologische Bezeichnungen gibt? Und eine pathologische Diagnose? Oder ist es einfach bloß eine Zeitgeist-Erscheinung?

Viele Erwachsene sind nie wirklich erwachsen geworden. Versteht mich richtig: ich meine nicht jenes Erwachsensein, das sich an Krawatte oder Deuxpièces messen lässt; nicht Anzug und nicht Highheels meine ich. Ich meine innere Reife, inneres Wachstum, wachsende Weisheit. Es geht mir um das Abstreifen jener kindischen Weltsicht, die glaubt, dass ich der Mittelpunkt der Welt bin und sich alles um mich dreht; in der negativen Form, dass ich an allem Schuld bin, sowohl am Streit meiner Eltern als auch am Erdbeben in Südafrika und sogar an Frau Meiers Sturz auf dem Glatteis.

Ich wünsche mir für uns ein Erwachsensein und ein Erwachsenwerden im Sinne eines erweiterten Blicks auf die Welt. Auf das Geschehen in ihr. Auf die gesellschaftlichen Entwicklungen. Erwachsensein im Sinne von Mitverantwortung tragen und von Mitgefühl empfinden.

Die Zeit und ich
Die Zeit und ich

Sogar das Kind-in-mir kann das, denn von Kindern – den inneren, den eigenen und fremden – können wir viel lernen. Ich werde es mir nicht nehmen lassen, auch in Zukunft quer über matschige Felder oder durchs Unterholz zu streifen und wann immer möglich lieber Umwege statt direkte Wege zu nehmen (es sei denn, eines Tages versagen meine Beine mir diesen Dienst).

Und ich will mir auch bis ans Ende meiner Tage meine Meinung selbst bilden und sie sagen, wenn ich es für angebracht halte. Ich will dem Kind-in-mir Raum geben für Übermut, für Luftsprünge, für Tränen, für Wut, für Empörung. Kinder können all diese Emotionen oft viel besser und viel unmittelbarer ausdrücken und loswerden. Ich will, dass das Kind-in-mir und die Große, die ich auch bin und immer mehr werde, Freundinnen sind. Sich gegenseitig unterstützen. Miteinander statt gegeneinander unterwegs sind.

Und ich will bis ans Ende meiner Tage mit Gedanken, mit Worten, mit Metaphern und Bildern jonglieren, spinnen, weben, leben. Erwachsen und kindlich, verspielt und weise will ich sein.

Bin ich. Werde ich.

Lesen. Auch dazwischen.

Mein Sonntag in Bildern …

Keine-r stirbt schöner
Keine und keiner stirbt schöner | | Danke, liebe Filomena, für deine wunderbaren Vorfrühlingsboten.

 

Spuren im Schnee
Krähen legen Spuren im Schnee

 

Sonnengeschichte
Wolkengeschichte & -geschiebe eines Sonntagssonnenuntergangs

 

Was auf Bildern nicht sichtbar ist,
steht zwischen den Zeilen
und zwischen den Pixeln.

Dazwischenlesen – glücklich, wer es gelernt hat.

Doch viel wird Interpretation bleiben.
Dein Versuch, meins in deine Codes zu übersetzen,
deins in meine.

Verstehen?
Wer versteht sich darauf?

Das Herz ist keine Maschine.
Mehr als eine Pumpstation*.
Es hört und liest.

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* Herzlichen Dank an Glumm für diese Metapher.

A Winter’s Tale

Wunderbarer, zehn Kilometer langer Spaziergang mit dem Liebsten auf den Wülpelsberg zur Habsburg hoch.

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Daheim erwartet uns das unerwartete Geschenk einer lieben Fee. Die Karte dazu kann ich euch nicht vorenthalten.

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© aller Pics: Sofasophia

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