Weil Du mir so fehlst – Geschichten von Leben und Tod | Schreibwettbewerb

Gerne weise ich euch auf einen Wettbewerb hin, bei dem ich wohl mitmachen werde.

»Da ist das Loch. Mitten in uns. Der geliebte Mensch verschwunden, und wie aus einem Vulkan schleudern aus unserem schwarzen inneren Krater heiße Gefühle hinauf.

WettbewerbslogoManchmal so eruptiv, dass man sich festhalten möchte und dass die Tränen verdampfen. Andere werfen mit Kraft in den Abgrund ihr ’Warum’, hoffend auf Echo. Aber nichts fällt, es bleibt wolkenleicht vor der Stirn, verhängt die Gedanken und denkt gar nicht daran hinabzustürzen. Einige von uns werden deshalb wütend, andere können nur noch: einatmen – ausatmen. Nichts weiter.«

Es gibt soviele Schattierungen der Trauer, erzählt uns davon. Erzähle wie Du es erlebt hast und auch was Dir half. Vielleicht ist Deine Geschichte für andere Trost.

Start ist am Totensonntag den 26. November 2017 bis Frühlingsanfang 20. März 2018

Hier lang geht es zu den Teilnahmebedingungen.
Weitere Infos gibt es hier: Bitte → klicken.

+++

Gerne teilen und weitererzählen!

So Gedanken

Wieso macht meine Orchidee, die früher weiße Blüten getragen und danach jahrelang nicht geblüht hat, dieses Mal violette Blüten?

+++

Manchmal würde er liebend gerne sein Leben mit jemandem tauschen, der im Sterben liegt, aber gerne leben will. Sagt er, seufzend. Er lächelt. Die Hoffnungen sterben wie die Fliegen und dieser Kaffee hier schmeckt bitter.

+++

Sie wollte ihn retten. Vielleicht wollte sie aber nur sich selbst in ihm retten?

+++

Wenn die Staatsformen die Betriebssystene einer Gesellschaft wären, wer wäre dann für die Updates und wer für die Erkennung der Bugs zuständig?

+++

Eigentlich ist Bloggen wie bauen. Ein Hochhaus. Es wird immer höher und höher und hat nach und nach immer mehr Fenster, durch die von außen hineingeschaut werden kann. Und von innen heraus.

+++

Was sehen wir wirklich?

Zusammenhängend

Jedes menschliche Organ und jeder einzelne Körperteil macht von Natur aus genau das, was es am besten kann: Es sorgt dafür, dass die Dinge, die es am besten kann, getan werden: Blut von A nach B pumpen zum Beispiel oder Säfte produzieren, die Nahrung in ihre Einzelteile auflösen können. Von Natur aus.

In eine Mauer eingelassener rostfarbener Metallring zum Befestigen von Ketten oder Seilen
Ein fester Halt

Jeder Teil für sich hat keine Ahnung des großen Zusammenhangs, kann einfach nur tun, was zu tun ist. Jeder Teil kümmert sich einfach nur um sich selbst – nicht aus egoistischen Gründen, sondern weil es ein Teil des Ganzen ist. Manche Teile sind von Natur aus schwach. Oder sie fallen aus, weil etwas fehlt, etwas zu viel da ist, etwas beschädigt wurde … Gründe gibt es viele. Fällt nun ein Teil aus, organisiert jemand (ich vermute mal ein paar Teilchen im Hirn, die das können) ein Notfallszenario. Nach einer bestimmten Zeit helfen alle anderen Teile des Organismus mit, dass jener Teil, der ausgefallen ist, kurz-, mittel- oder langfristig ersetzt oder zumindest entlastet wird. Vielleicht wird ja dieser Teil wieder heil, vielleicht auch nicht. Und nein, wie genau das wirklich geht, weiß ich nicht.

Was ich aber weiß: So ein Körper ist echt genial. Er kann bis zu einem gewissen Grad ausgefallene Organe und Körperteile kompensieren. Bei manchen Blindgewordenen wird zum Beispiel das Gehör viel besser als es vor der Erblindung war. Dennoch sind Ohren nicht besser als Augen und der Darm ist nicht besser als die Milz. Natürlich sind manche Organe im Gesamtkontext wichtiger als andere, überlebenswichtig, manchesind das nicht (meine Finger zum Beispiel, dank derer ich diese Zeilen hier tippen kann). Alles hat seinen Platz im Ganzen. Und auch wenn so ein Körper echt klasse ist: den perfekten Körper gibt es nicht. Weder den fürs Auge perfekten, noch was alle Funktionen betrifft. Jeder Körper, – was sage ich? – jeder Mensch, hat Schwachstellen, egal jetzt mehr physischer oder mehr psychischer Art. Das erfahren wir alle tagtäglich.

Und wir erfahren auch, dass in jedem lebendigen Körper eine Seele lebt, die ebenfalls von Mensch zu Mensch unterschiedlich funktioniert. Sie ist es, die letztendlich des Menschen Lebendigkeit ausmacht und dessen Taten motivieren kann.

Wie gesagt: wirklich genial, dieser Mensch! Trotz der Schwachstellen, die eben einfach zu seiner Natur gehören. Die Natur ist weder gut noch böse, in sich ganz, so gesehen vollkommen und doch kein perfekt funktionierendes Räderwerk. Sie ist einfach, wie sie ist. Und wir sind mit all unseren Schwächen und Stärken Teil von ihr, Natur.

Stichwort Vererbung. Stichwort Prägung. Kein Mensch hat das perfekte Umfeld und niemand von uns hat das perfekte Erbgut. Das ist gut so, auch wenn wir uns danach sehnen, dass es anders wäre. Gut ist es, weil wir nur so lernen können, sorgsam mit uns umzugehen. Mit uns und mit unseren Ressourcen. Denn das kann niemand besser als wir selbst – wie unsere Organe und Körperteile. In Bezug auf uns sind wir die besten. Und weil wir das – zumindest theoretisch – wissen (in meinem Utopia lernen wir das von klein auf und wir lernen auch von Anfang an, liebevoll mit uns umzugehen) dehnen wir diese Erkenntnis auch auf alle anderen Lebewesen aus. Wir wachsen (idealerweise) mit dem Verständnis dafür und der damit verbundenen Empathie auf, dass wir alle verbunden sind.

So verstehe ich die Gesellschaft als Ganzes oder auch eine regionale Gesellschaft oder Gruppe wie ein Körper. Auch in ihr hängt alles zusammen, ist alles verbunden, sind alle von allen abhängig. Und auch in ihr, in jeder Gesellschaft, gibt es Schwachstellen. Die sind nicht einfach schlecht. Die sind einfach. Es liegt in der Natur der Sache.

Daran musste ich denken, als ich neulich einen Blogartikel von Frau Rebis gelesen habe. Wegpunktzufälle heißt er. Darin erzählt sie von einer eintägigen Radtour, bei welcher sie nach einer bestimmten Anzahl Kilometern – inspiriert von Irgendlinks Kunststraßenkonzept – fotografiert hat, was dort war. Egal, wie sogenannt schön oder unschön dieser Punkt sich ihr gerade präsentiert hat. Anders als Irgendlink hat sie ihre Bilderbereits nach fünf Kilometern aufgenommen und zwar in alle vier Himmelsrichtungen.

»Was bedeutet das überhaupt: das Gute, das Ungute, das Schöne, das Lichte? Sind dies nicht selbsterschaffene Kategorien? Ist ein Bild per se wohltuend, oder mache ich es mir zu einem solchen? Kommt das Licht der Dinge von ihrem äußeren Anblick her? Oder kann ich es ein Stück weit selbst erschaffen?
Wenn ich doch versuchte, auch in einem jeden Unbedeutenden – und sogar im vemeintlich Hässlichen – etwas aufzuspüren, das mich stärken könnte?«

So fragt Frau Rebis. Fragen, die ich mir selbst auch so ähnlich – auch in Bezug auf das Menschsein und die Welt – gestellt habe. Warum ist schwach zu sein für die meisten Menschen etwas Schlimmes? Macht mich nicht meine Schwäche anderen gegenüber sensibel und menschlich?

Vielleicht ist es ja eine unserer Lebensaufgabe, uns mit unserer Schwäche – will heißen, mit jenem, das wir als schwach definieren – anzufreunden und das vermeintlich Starke mit anderen Augen zu betrachten? Die Dinge sind ja so oft nicht das, was wir im ersten Augenblick über sie denken.

Genug ist nicht genug | #Depression | #notjustsad

»Das Minimumgesetz, von Carl Sprengel 1828 veröffentlicht, besagt, dass das Wachstum von Pflanzen durch die im Verhältnis knappste Ressource (Nährstoffe, Wasser, Licht etc.) eingeschränkt wird. Diese Ressource wird auch als Minimumfaktor bezeichnet.« Sagt Wiki. Eine Lektion unseres Biologie-Lehrers, die ich bis heute nicht vergessen habe.

Besteht also Mangel an einer oder mehrerer Ressourcen, ist es ganz und gar wirkungslos, wenn eine der bereits reichlich vorhandenen Ressourcen aufgefüllt wird. Gut gemeint, sorry, aber wirkungslos.

Die Minimumtonne mit zwei angeschriebenen Dauben. Auf der kürzesten steht Selbstwertgefühl, auf einer langen Partner- und Freundschaftsliebe
Quelle: Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Minimum-Tonne.svg)

»Jeder Boden ist anders mit Nährstoffen versorgt und benötigt eine spezielle Behandlung. […] Ich will euch etwas für das Thema Düngen sensibilisieren und euch helfen, Düngefehler zu vermeiden. Falsche Düngung belastet die Umwelt und unsere Gesundheit. Das Thema ist komplex, ich habe jedoch versucht, mich kurz zu fassen. Warum düngen? Unser Gemüse verbraucht im Laufe des Jahres einen gewissen Teil der Nährstoffe im Boden. Wenn wir das Gemüse auf den Beeten verrotten lassen würden, wäre alles ok und wir müssen nicht düngen.* Aber wir essen es ja auf und entnehmen so dem Boden die Nährstoffe. Und genau diese entnommenen Nährstoffe müssen wir durch Düngung nachfüllen.« Diese weisen Zeilen lese ich auf parzelle94.de, einer Seite für Gartenspaßhabende.

Der Garten und das Gärtnern sind für mich ja schon immer gute Metaphern für das Leben gewesen. Setzen wir nämlich im zitierten Text für Boden das Wort Mensch ein und für Düngen das Wort Fürsorge oder Selbstfürsorge, liest sich der Text fast wie ein Artikel aus einer psychologischen Fachzeitschrift.

In obiger erlaubterweise auf Wiki abgekupferten Grafik habe ich zwei der Dauben meiner Selbstbeobachtung entsprechend beschriftet. Heute Morgen, unter der Dusche, hatte ich nämlich auf einmal die Erkenntnis, wie treffend doch das Gesetz des Minimums sich auch auf meine Psyche übersetzen lässt. Ich empfange zurzeit nämlich viel freundschaftliche Unterstützung und Ermutigung, kann sie aber kaum annehmen. Irgendwie logisch, denn solange jene Dauben – die mit der Selbstwertschätzung und mit der Selbstliebe – noch immer so kurz sind, kann ich alles andere gar nicht fassen. Folglich lecke ich, ich tropfe, ich laufe aus.

Mutmachendes tut natürlich trotzdem gut. Gestern habe ich zwei ermutigende Blogartikel gelesen, die ich gerne hier verlinke.

Den ersten hat Herr Bock geschrieben, über die gutbürgerliche Fassade, die es zu wahren gilt. Dafür gehts → hier lang.

Den zweiten schrieb Nora Fieling. In ihrem Text »Depression: Denk doch mal (NICHT) positiv …« erzählt sie, wie uns Betroffene all das Gutgemeinte, was andere Menschen uns um die Ohren hauen an Tipps mit auf den Weg geben, erdrücken kann. Die wiederkehrende Floskel Denk halt positiv! in ihrem Text lässt sich gut mit Sätzen wie Du musst nur genug glauben!, Bete zu Gott (oder wem auch immer)! oder Meditiere halt mehr! einfügen. Kurz gesagt alles, was mit der inneren Haltung zu tun hat – mit unserer aktuell aus der Sicht der anderen falschen inneren Haltung, wohlverstanden –, setzt uns nur zusätzlich unter Druck, statt zu helfen. (Das Wort Depression kommt vom Wortstamm her aus dem Lateinischen. Deprimere bedeutet niederdrücken.)

Natürlich hat eine Depression mit einer bestimmten inneren Haltung zu tun und es ist auch nichts dagegen einzuwenden, dass wir an dieser Haltung arbeiten (bis sie uns nicht mehr von innen her auffressen kann), wenn es uns dazu gut genug geht. Und ja, ich finde Verhaltenstherapie eine gute Sache. Aber …

Wenn wir nämlich aus Gründen bereits in der Scheiße hocken, ist eben dieses Du musst nur genug an dich (wahlweise an die Positive Kraft, an Gott, an Whatever) glauben, dann geht es dir bestimmt bald wieder besser! nicht einfach nur wirkungslos, sondern auch immer mal wieder kontraproduktiv. Weil es, wie gesagt, noch mehr Druck aufbaut, Leistungsdruck, Heilwerdeleistungsdruck.

Vermutlich versteht man das wirklich nur, wenn man selbst schon (mehr als einmal) richtig schwer depressiv war. Übrigens: Etwas mehr als 11% aller Menschen sollen, so sagen die Statistiken, einmal im Leben einen leichten bis schweren depressiven Schub erlebt haben/erleben. Davon werden allerdings zum Glück nur etwa die Hälfte chronisch depressiv.

Wir alle sind eben wie Gartenböden, die je nach Pflanzen, die auf ihnen gewachsen sind (mit oder ohne unseren Einfluss), unterschiedlich ausgelaugt werden. Und nicht alle haben es von Natur aus so mit der Selbstfürsorge …

Von einmalig an Depressionen Erkrankten und Geheilten geht zuweilen der Anspruch aus, dass dieses Einfach-wieder-Heilwerden doch gar nicht soo schwierig ist. Für chronisch Depressive sind solche Erwartungshaltungen aber wie Ohrfeigen und setzten uns massiv unter Druck.

Ich will damit niemandem zu nahe treten, der gerne gute Erfahrungen teilt. Gewiss nicht. Denkt einfach daran, dass gute Erfahrungen nicht ungefragt ausgeteilt werden sollten. Bitte fragt vorher nach.

Was Betroffenen denn am meisten hilft? Eine Frage, die mir immer mal wieder gestellt wird. Und natürlich kann ich sie nur für mich selbst beantworten:

Alles, was mein Vertrauen in mich und in mein Leben – mein Handeln, meine getroffenen Entscheidungen, meine Gedanken – stärkt, hilft mir. Alles mit entgegengebrachte Vertrauen. Alles, was mir den eigenen Wert vermittelt. Alles mit folgendem Subtext: Ich höre dich, ich sehe dich, ich nehme dich ernst. Ich fühle mit (ohne dabei mitleidig, überheblich, besserwisserisch zu sein).

Statt Probier doch dies und das aus!,
besser Ich glaube, du weißt selbst am besten, was du brauchst und was dir gut tut!

So kann die zu kurze Fassdaube aus der obigen Grafik vielleicht langsam ein bisschen länger und stärker werden.


* Es lebe die Buntbrache …!

Morden Frauen anders?

Wir sind ein Netzwerk. So steht es in der Seitenleiste eines Blogs, dem ich nun schon eine ganze Weile folge. herlandnews.com heißt es und berichtet aus feministischer Sicht aus der Welt der Kriminalliteratur. (Wir sind) Frauen, die an unterschiedlichen Orten der kriminalliterarischen Buchproduktion wirken, heißt es weiter in der Seitenleisten. Wir verstehen uns als politisch, feministisch, gottlos, aufbrechend, gegen rechts, antikapitalistisch, antipatriarchal und erfolgreich.

Wer, wie ich, gerne Krimis liest, erkennt schnell, dass es auch in diesem Genre viel frischen Wind braucht. Frauen als Ermittlerinnen gibt es zwar schon eine Weile – in Filmen ebenso wie in Büchern –, doch sehr oft müssen Frauen auch dort doppelt so tough, doppelt so sportlich, doppelt so engagiert und mindestens dreimal so erfolgreich sein wie Männer um mithalten zu können. Männliche Ermittler dürfen gerne mal versoffene, unter versifften Bedinungen lebende, polygame und bindungsunfähige Zeitgenossen sein, doch Frauen mit den gleichen Eigenschaften haben einen schwierigeren Stand, werden nicht ernst genommen, belächelt. Unterschwellig ist also auch die Krimiwelt noch immer eine Männerdomäne, in der Frauen mehrheilich die Ausnahmen, die Eindringlinge sind.

Cover von Die LieferantinDabei lese ich wirklich sehr gerne Krimis, in welcher Frauen eigenständige Rollen spielen – egal ob auf der Seite der Gesetzesbrecherinnen oder der der Ermittlerinnen. Zoe Becks Lieferantin, das ich neulich gelesen habe, macht es vor und ja, es funktioniert.

»Unbedingt lesen! Fesselnd, unterhaltsam und sehr klug.«
Anja Goerz, Radio Bremen

Besprechungen gibt es zuhauf, weshalb ich es bei einem herzlichem Lesetipp belasse.

Natürlich ist es aber nun auch in der literarischen Frauenkrimiwelt nicht so, dass wir Frauen uns alle in den gleichen Topf werfen lassen. »Längst ist nachgewiesen, dass die Unterschiede in Fähigkeiten und Neigungen innerhalb eines Geschlechts wesentlich größer sind als zwischen den Geschlechtern«, schreibt Gudrun Lerchbaum in ihrem Artikel Ich bin halt eine Emanze auf  herlandnews.com – sehr, sehr lesenswert auch dieser Artikel!

Und das definitiv nicht nur für Frauen!

Bewusstes Sein im Raum

Wie ich neulich bei einem abendlichen Waldspaziergang über dem einen Satz meditierte – das ’Jetzt’ ist schön –, fing eine kleine Erkenntnis in mir an zu reifen. Keine Neue, aber eine, die es bisher vom Kopf noch nicht wirklich bis ins Herz geschafft hatte: Die Dinge, die Ereignisse, die Erfahrungen wirken auf mich und in mir so, wie ich sie bewerte. Wenn ich sie grundsätzlich willkommen heiße, mit ihnen Frieden schließe, lässt es sich leichter mit ihnen leben. Natürlich ist es im schön besonnten Herbstabendwald einfacher, Schönheit zu sehen als auf der vollen Autobahn. Schönreden bringt nichts. Doch im Raum, den ich betrete, im Leben, das ich lebe, kann ich häufig selbst und bewusst entscheiden, wie die Dinge auf mich wirken dürfen. Nein, nicht immer, denn das Unbewusste ist oft stärker, die in mir abgespeicherten Muster sind nicht selten wirksamer als meine bewusste Entscheidung. Und Veränderungen geschehen langsam. Doch mein Bewusstsein schafft sich, nimmt sich Raum. Raum ermöglicht Bewusstseinsschritte.

Naturraum wirkt anders als gebauter Raum. Wald anders als Dach-überm-Kopf. Beides brauche ich dennoch, um mich wohlfühlen zu können.

Und ja, auch Kunst braucht Raum. Wie zum Beispiel hier in einer alten Lemberger Fabrikhalle, die demnächst in Lofts umgebaut werden soll.

Dazu diese kleine Galerie -> Bilder anklicken zum Vergrößern und weiterklicken <

Und weil wir nicht immer nur in Häusern sein mögen, haben wir am Samstag und gestern die Wanderschuhe geschnürt und sind in die Wälder und durch die Felder gezogen. Ja, Raum weitet das Bewusstsein, keine Frage!

Collage mit Bildern vom Wandern. Himmel, Wolken, Schuhe, Wiese, Bäume, Gras mit Regentropfen und ein Selfie mit Irgendlink und mir

Mein Minitraumhaus und was die Gehirnforschung erkannt hat

Anders zu leben hat mich immer interessiert und auch immer auszuprobieren gereizt. Vielleicht weil ich schon als junge Frau gemerkt habe, dass ich mir vom Leben mehr erhoffe als Arbeiten zu gehen um Dinge zu besitzen (auch wenn sich das durchaus gut anfühlen kann und uns eine Art Sicherheit vermittelt, die uns eben ein gutes Gefühl gibt).

Immer aber hat mich das, was hinter dem Vorhang ist, mehr interessiert als das Offensichtliche.

Das vermeintlich Offensichtliche, Vordergründige hat mich sogar oft eher verwirrt und überstimuliert als genährt. Fassaden, Maskeraden und Verkleidungen stossen mich geradezu ab. Warum das so ist, kann ich aber nicht genau sagen. Möglicherweise weil ich in meinem Leben bereits viele krasse Diskrepanzen zwischen Außen und Innen, zwischen Aussage und Handlung gesehen habe.

Nun ja, mit Diskrepanzen lebe ich ja selbst. Obwohl ich ein gewisses Maß an Comfort nicht missen, träume ich zuweilen dennoch davon, noch einfacher zu leben als ich es bereits tue. Und seit es Tiny Houses gibt – seit sich die Minimalismusbewegung auch aufs Wohnen ausgebreitet hat –, verfolge ich diese Trends aufmerksam. Obwohl ich ja wenig von Trends und Hypes halte.

Tiny Houses? Das sind, wie der Name sagt, kleine Häuser, oftmals auch mobile, die – ähnlich wie Wohnwägen – auf kleinstem Raum alles bieten, was wir zum Leben brauchen. Das Spannende daran: Diese Bewegung fokussiert immer mehr die Entwicklung autarker Kreisläufe (Wasser- und Strom-Kreisläufe, die sich selbst erhalten) und eine immer natürlichere Bauweise (zum Beispiel hier → klicken).

Innenraum eines Minihauses

Obwohl ich also manchmal von ganz viel Platz träume, sehne ich mich manchmal auch nach Reduktion. Vielleicht auch, weil ich weiß, dass ich mit dem Luxus von sehr viel Raum nicht gut umgehen könnte. Nicht solange so viele andere Menschen zu wenig von allem zum Leben haben. Was vielleicht auch einer der Gründe ist, warum mich anders zu leben schon immer angesprochen hat. Anders leben heißt für mich unbedingt auch nachhaltiger und bewusster zu leben, den eigenen ökologischen Fußabdruck klein zu halten, innen und außen mehr in Übereinstimmung zu bringen. Zufriedener werden, im Bewusstsein, dass es eben nicht die Dinge sind, nicht der Besitz, nicht das Haben, nicht das Wollen ist, das uns glücklich macht. Im Gegenteil sei sogar das Habenwollen eine Folge von Unzufriedenheit. Sagt jedenfalls Hüther sinngemäß in einem Interview, das ich auf Utopia gefunden habe. In diesem Text erklärt Dr. Gerald Hüther – ausgehend von der Gehirnforschung, der er sich ausgiebig widmet –, wie unsere innere Haltung unser Verhalten beeinflusst. Zwar geht es in diesem Text vordergründig um Nachhaltigkeit und um unser Verhalten im ökologischen Kontext, doch letztendlich plädiert er vor allem für eine positive innere Lebenshaltung – basierend auf unserem Selbstbewusstsein von Würde. Von einem respektvollen Umgang mit uns selbst in Würde.

Weil: Wer glücklich ist, kauft nicht.

 

Mein Sommer war groß

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viele Brombeeren gegessen habe wie diesen Sommer, wilde Brombeeren meine ich, aus dem Wald. Brombeeren, die niemand gesät hat und die nicht für mich gewachsen sind, auch nicht für sonstjemanden. Sie wuchsen einfach so. Weil es in ihrer Natur liegt.

Collage mit Fotos aus Tomaten, Zucchini, Brombeeren und ApfelkuchenUnd wann habe ich je so viele Tomaten gegessen wie in den letzten Wochen? Und Zwetschgen? Und Zucchini? Und ach, die Äpfel darf ich nicht vergessen!
Und wann habe ich je so viel gebadet, in Flüssen, Seen und einmal auch in der Nordsee? Wann habe ich so oft an einem gemütlichen Feuer gesessen und die Sterne am Himmel betrachtet? Ich fühle mich von diesem Sommer reich beschenkt. Offenbar war ich oft genau dort, wo das Wetter genau so sommerlich war, wie ich es am liebsten mag (nun ja, zuweilen war es sogar mir zu heiß). Wenn andere über Regen klagten, war ich oft genau dort, wo es sonnig war.

Kurz und gut: Ich hatte einfach Glück. Und was noch besser ist als Glück zu haben: Zu merken, dass ich Glück habe. Hatte. Habe.

Vielleicht geht es mir auch einfach grad so gut, weil ich endlich akzeptieren kann, dass ich im Grunde nichts anderes als eine menschliche Buntbrache bin.

Buntbrache? Buntbrachen sind Landstriche, die nichts anderes zu tun haben als da zu sein und das, was wächst, wachsen und in sich leben zu lassen. Alle – Pflanzen, Tiere und die Erde – haben etwas davon.

Auf einer Webseite über Buntbrachen las ich soeben:

»’Weisst du, wenn ich die vielen Blumen und Insekten, besonders den Schwalbenschwanz (Schmetterling) sehe, dann sind das für mich Ferien!’ Das war die erste Buntbrache, die in unserer Region angesät wurde. Damals wurde die junge Bauernfamilie belächelt oder negativ kritisiert. Dies in der Meinung, man kann doch nicht wertvolles Ackerland so ’vergammeln’ lassen.«

Quelle: Naturregion.ch

Vielleicht sollten wir alle ein bisschen mehr von dieser Buntbrachenmentalität verinnerlichen. Um Platz für all die Dinge zu schaffen, die Raum brauchen, und vielleicht könnten wir alle so wieder ein bisschen mehr Biotope für Ideen sein.

Warum wir das Echte erkennen sollten

Gestern hat Gerda Kazakou meinen Wollknäuelball, den ich im letzten Artikel abzuwickeln angefangen habe, aufgefangen und in ihrem Blog am roten Faden weitergestrickt. Herzliche Dank! Und herzliche Leseempfehlung – inklusive Kommentarstrang.

Gerda fragt sich unter anderem, wo die Grenzen zwischen echt und nicht mehr echt verlaufen. »Wieso ist das Foto eines Wolkenbergs ’echter’ als seine elektronische Bearbeitung? Kann das künstlich Bearbeitete nicht auch den Anspruch auf Echtheit erheben?«

Die einen machen Echtheit an den Gefühlen, die ein Kunstwerk in ihnen auslöst fest, vom Grad des Berührtwerdens durch das Kunstwerk, andere denken, dass Echtheit möglichst viel mit der Realität zu tun haben muss, wieder andere werden von Dingen, die sie echt wahrnehmen an frühere Erlebnisse und Erfahrungen erinnert und erkennen darum darin deren Echtheit.

[Achtung, ab hier paddeln wir ohne Schwimmwesten in philosophischen Gewässern. Und wie es solcherlei Flüsse so an sich haben, ist eine Diskussion nie abschließend. Viele meiner nachfolgenden Gedanken sind außerdem eher metaphorisch als nur ausschließlich wörtlich zu verstehen.]

Sich Gedanken über die Echtheit von Kunst zu machen geht nicht ohne uns dem Begriff Hyperrealismus (wenigstens ein bisschen) anzunähern. Hyperrealismus zeigt die sogenannte Wirklichkeit in einer bisweilen viel zu heftigen, überzogenen, überzeichneten Echtheit. Hyperrealistische Werke – Bilder ebenso wie Skulpturen und anderes – sollen so aussehen wie echt, karikieren zuweilen das Echte sogar ein wenig und stellen damit auch die Frage nach dem Wesen der Dinge. Was durchaus in einem ironischen und/oder existentialistischen Kontext geschehen kann. In einem kommerziellen selbstverständlich auch. Ist sie damit überhaupt noch echt? Kann Überzeichnetes denn echt sein? Und Fiktion? Ist aber letztlich nicht fast jedes Kunstwerk ansatzweise fiktiv oder hinkt zumindest der Realität (zeitlich z.B.) hinterher? Und wie kann ein Werk da überhaupt den Anspruch auf Echtheit erheben?

Ron Mueck sagt in Art (Das Kunstmagazin, 5/2003):

»Ich wollte etwas machen, dem ein Foto nicht gerecht werden würde. […] Obwohl ich viel Zeit mit der Oberfläche verbringe, ist es doch das Innenleben, das ich einfangen möchte. […] Meine Arbeiten sind mein Statement.«

Ron Mueck war mir bis heute Morgen unbekannt, doch inzwischen, da ich auf Wikipedia ein wenig mehr über ihn und seine Kunst erfahren habe, teile ich Frau Mützenfalterins Faszination für seine Skulpturen. Oder vielmehr für die Idee, die ich darin ahne. (Link zum heutigen Artikel auf dem Mützenfalterin-Blog).

Wie sieht es denn nun mit dem Abbild eines Kunstwerks aus? Mit Fotografien überhaupt? Mit Bildern? Mit allem, was wir ausdrücken, egal mit welchen Mitteln? Vom Moment an, wo wir einen Ausschnitt und ein Medium gewählt haben und beginnen die Realität zu beschneiden, interpretieren wir sie ja bereits. Mit jedem Kunstwerk, mit jedem Bild – in Worten oder Bildern, aus Stein, Keramik oder was auch immer – interpretieren wir den einen ausgewählten Ausschnitt. Und ein Ausschnitt, eine Interpretation kann ja wohl nicht das Echte sein?

Nun … ich glaube ja eh nicht, dass letztlich das Kunstwerk an sich echt oder unecht ist*. Jedenfalls nicht primär und wenn, dann nur bedingt. Ich wage hier die These, dass die Frage nach der Echtheit in der Kunst einzig der oder die Kunstschaffende selbst in Bezug auf ihre/seine Werke beantworten kann. Was will sie, was will er? Was quillt aus seinem, aus ihrem Inneren? Was motiviert sie oder ihn? Wo liegt der Fokus? Auf der Arbeit, dem Prozess, dem Fluss, dem Entwickeln im Werden und im Sein? Oder geht es ihm oder ihr nur darum gesehen, gelobt, bestaunt zu werden? Es gibt für mich definitiv unterschiedliche Arten, Kunst zu erschaffen. Und es gibt sie auch heute noch, die echten KünstlerInnenseelen (dazu mein Essay von 2009).

Die und der Kunstschaffende, der echte Kunst schafft, ist gemäß meiner These nicht primär auf Wirkung bei den Betrachtenden bedacht. Ähm, nein, irgendwie anders. Hm, schwierig zu erklären. Denn natürlich wirkt und soll auch wirken, was wir kreieren. Aber wir kreieren, wenn wir echte Kunst kreieren, nicht um des Publikums willen, wir tarieren die Wirkung nicht vorsätzlich nach optimaler Wirkung aus. Verkaufbarkeit darf nie zentral sein. Wir kreieren, weil das, was da geschaffen werden will, von innen nach außen geboren werden will. Weil uns der Prozess nährt, uns befriedigt, uns begeistert. Wir erschaffen aus Leidenschaft.

Nun ja, ich weiß es ja. Das hier sind meine ganz persönlichen Maßstäbe. Ausgehend von den Dingen, die sind, wie sie sind. Ob wir sie nun benennen oder auch nicht. Auch ein ruhender Vulkan ist ein Vulkan. Er wird durch seine Beschaffenheit definiert, nicht durch den Namen, den ich ihm gebe. Auch nicht durch die Häufigkeit seiner Eruptionen. Wie eben das Wesen der Echtheit.

Ja, Echtheit hat viele Qualitäten – für mich vor allem nährende, wohltuende – und gerade in einer Zeit, wo wir nicht immer wissen und überprüfen können, was gefälscht/gefaked ist und was echt, finde ich es wichtig, dass wir nicht aufhören, nach dem Echten Ausschau zu halten. Selbst wenn sie Fiktion sein sollte, wie Kai es vermutet, den ich im letzten Artikel zitiert habe. Denn, wie gesagt, auch Fiktionen können durchaus echt sein.


* Hier ist echt oder falsch nicht so gemeint, dass dieses Bild an der Wand ein gefälschtes Picasso-Bild ist oder eben ein von ihm gemaltes.

Erkennen wir das Echte noch?

»Das Echte ist eine Fiktion, eine idealisierte Vorstellung vor dem Hintergrund unseres Weltbildes. Es ist nur individuell erkennbar.« So twitterte Kai gestern als Beitrag zu meiner Frage nach dem Echten.

Meine Frage ausgelöst hatte eine Werbemail, die mit dem Titel Absolut echt aussehen köderte. Außerdem hatte ich am Abend zuvor auf zdf zwei unterschiedliche SOKO-Folgen gesehen, die beide von gefakten Persönlichkeiten handelten.

Erkennen wir das Echte noch und wollen wir es überhaupt?

Was denn das Echte sei, wurde nach meinem obigen Tweet gefragt. Ehrlich gesagt fand ich ja die Frage viel einfacher zu beantworten als es andere Twitternde offenbar empfanden: Echt ist absolut, nicht relativ, hatte ich denn auch irgendwo geschrieben und ja, davon bin ich im Grunde auch überzeugt.

Echt ist doch einfach, was ist, wie es ist, hatte ich zuerst antworten wollen, aber den zu erwartenden endlosen Diskussionen darüber, ob denn das, was sei, wie es sei, wirklich sei, wie es sei, mochte ich mich dann doch nicht aussetzen und den Fragen danach, was denn schon sei, wie es sei. Und ob es das überhaupt noch gebe.

Ist also wirklich, wie Kai schrieb, nur individuell erkennbar was echt ist? Und nur vor dem jeweiligen persönlichen Hintergrund? Ist es also wirklich mit der Echtheit so ähnlich wie mit der Wahrheit, die letztlich relativ ist, individuell, von unserer Wahrnehmung beeinflusst und persönlich?

Während der Begriff Wahrheit für mich eher mit Werten, mit Unmateriellem, mit Richtlinien und Lebensgrundlagen verbunden ist, assoziiere ich beim Begriff Echt eher Diesseitiges, Sichtbares, Materielles, Zwischenmenschliches. Aber natürlich gibt es für mich deutlich Schnittmengen bei diesen Begriffen. Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit als menschliche Charakterzüge zum Beispiel.

Der Berg ist echt, keine Frage. Er ist.
Der See ist echt; und der Fluss auch.
Das Waldstück dort drüben auf dem Hügel ist echt.
Aber ist auch der Baum, den der Bauer auf die Wiese gepflanzt hat, echt? Ist er echt, obwohl er nicht von allein gewachsen, sondern bewusst gesetzt, vielleicht sogar gepfropft worden ist?
Macht ein menschlicher Eingriff in die Natur, in das Wesen anderer Wesen Echtes unecht?
Geht es nicht vielmehr um das Wesen an sich, dieses Ur-Echte in allem und gibt es dieses Ur-Echte überhaupt, wo doch alles – selbst ein kleines Kind – schon auf die eine oder andere Weise verbogen und geformt worden ist? (Man denke an die überlieferten Menschenversuche, als beabsichtigt wurde, herauszufinden, welches die Originalsprache der Menschen* sei.)
Aber – andersrum – kann denn nicht auch Geformtes, Kunstvolles, echt sein?
Ungekünstelte Kunst – ja, geht das denn überhaupt?

So gelangen wir zu Wirkung und Motivation. Wirkung zielt nach außen, Motivation kommt aus dem Innern, aus der Quelle. Denn das Innen ist für mich die Quelle der Echtheit.

Ich bin echt, wenn ich nicht darüber nachdenke, wie ich wirke und wenn ich keine Energie in meine Wirkungsabsicht verschwende. Wenn ich nicht wirken will. Wenn ich ohne Goldwaage spreche und schreibe, ohne Absicht und ohne Hintergedanken. Wenn ich einfach nur sein will, nein, noch nicht mal das: Wenn ich einfach bin. Unverstellt.

So gesehen bin ich natürlich nicht immer echt. Manchmal schütze ich mich und sage nicht immer alles und auch nicht immer genau das, was ich auf dem Herzen habe. Ich wäge ab, denn ich weiß, dass viele Menschen mit zu viel Echtheit und Offenheit nicht wirklich gut umgehen können. Darum beschneide ich mich, denke im Voraus über Sätze nach, die ich besser nicht so sagen sollte, wie ich sie denke und fühle. Weil sie missverstanden, weil sie gegen mich verwendet werden könnten.

Und natürlich bin ich auch mir selbst gegenüber nicht immer ganz echt. Ebenfalls um mich zu schützen. Weil manche Selbsterkenntnisse weh tun. Oder weil ich das, was da draußen geschieht, von mir fernhalten muss, weil es zu sehr weh tut, wenn ich mich damit auseinandersetze. Schmerzbegrenzung, Schadensbegrenzung sozusagen.

Manipulation, Irreführung, Absicht und Vorsatz sind für mich einige Synonyme für Unechtes. Gekünstelt, geschraubt, geschwollen, geziert, gezwungen, manieriert, süßlich, theatralisch, trügerisch, unnatürlich schlägt das Woxikon an Synonymen vor, und erfunden, falsch, gefälscht, getürkt, imitiert, künstlich kitschig, kopiert, nachgeahmt, nachgebildet, nachgemacht, synthetisch, unrichtig, unwahr ergänzt Ein-anderes-Wort.

So weit so gut. Hier also das Echte, dort das Unechte. Aber was tun wir nun mit jenen Dingen, die nur so aussehen, die nur so tun und die daher kommen wollen und sollen als seien sie echt, wie es mir ja die erwähnte Werbemail schmackhaft machen wollte?
Und warum bevorzugen manche Menschen eine Rolle statt der Echtheit? Was ist der Reiz des Fakes? (Warum muss ich jetzt bloß an Fasnacht/Karneval/Fasching denken?)

Jaja, ich weiß: Buisness, Schein vor Sein, Macht, Einfluss, Glitzerwelt, Konsum ankurbeln und Bedürfnisse wecken … oder ist die Antwort gar noch einfacher? → Weil es möglich ist.

Ob nun absolut oder relativ: Ich wünsche mir einfach, dass wir das Echte auch weiterhin erkennen können und vom Falschen unterscheiden. Uns zuliebe.

.


* Historische Versuche mit Menschen: Einer Geschichte[2] von Herodot (ca. 490-424 v. Chr.) zufolge, unternahm Pharao Psammetich I. (regierte 664–610 v. Chr.) in Ägypten einen Versuch, die Ursprache der Menschheit zu erfahren.[3] Er gab einem Hirten zwei neugeborene Kinder und befahl, diese so aufzuziehen, dass sie niemals ein gesprochenes Wort vernehmen sollten. Er wollte auf diese Weise herausfinden, in welcher Sprache die Kinder zuerst ein Wort sagen würden. Nach ca. zwei Jahren streckten die Kinder bittend die Hände aus und sagten „Bekos“. Dies hieß in der Sprache der Phryger „Brot“. Der Pharao schloss daraus, dass die Phryger eine noch ältere Rasse als die Ägypter wären. Herodots Geschichte ist allerdings wohl eher dem Reich der Märchen und Sagen zuzuordnen als der Wahrheit.
Das Experiment wurde im 13. Jahrhundert von dem italienischen Chronisten und Franziskaner-Mönch Salimbene von Parma verwendet, um Kaiser Friedrich II. zu verunglimpfen.[4] In dessen Darstellung allerdings starben die Säuglinge frühzeitig mangels Zuwendung.
(Quelle: Wikipedia)