Mut zur Pause

Es war heiß, doch keine Geschichte hat verdient, so anzufangen. Nun ja, immer noch besser als mit „Es regnete“ anzufangen – selbst wenn es das tat (also regnen) – oder mit „Ich träumte“.

Dennoch. Dass es heiß war, spielte womöglich nur eine untergeordnete Rolle. Heiß konnte es ja immer sein und fast überall. Zudem ist ein winterlich überheizter Büroraum so unangenehm wie ein sommerlich schwüler Platz in einer großen Stadt. Und natürlich gilt das ebenso für Regen – sogar wenn du drin bist – und für Träume.

Angenehm oder unangenehm hängt nicht zwingend davon ab, wie es wirklich ist, da draußen, sondern davon, wie wir etwas wahrnehmen. Und wie wir es annehmen. Wie wir uns diesem Es, diesem Etwas, diesem Zustand, diesem Umstand hingeben können. So wie alles, was wir wahrnehmen (fast immer) in eine unserer Wahrnehmungsschubladen fällt. Wobei wir manche Dinge natürlich auch mal so mal so wahrnehmen.

Regenwandern, hitzewandern, regenradeln, hitzeradeln – vielleicht sind die Umstände, die uns das Wetter beschert, doch nicht ganz so nebensächlich, nicht ganz so leicht dem gewünschten Vorankommen unterzuordnen?

Das Wetter, so philosophierten Irgendlink und ich heute vor einer Woche, kurz bevor wir nach 20 Tagen Rheinwandern (ab Quelle in den Bergen) den Bodensee ereicht hatten, das Wetter ist das einzige, das wir Menschen nicht wirklich beeinflussen können. Da: Der Fluss im Wort, der Einfluss. Ja, den Fluss, den Rhein, haben wir beeinflusst, ihn gezähmt und ihn darum zum immer wieder Überschwemmen gezwungen, weil ihm die Mäander fehlen, die seinen Überfluss relativieren könnten. Wir haben ihn zwischen Deiche – zwischen Doppel- und Dreifachdeiche – gezwängt, aber das Wetter? Das Wetter, nein, das haben wir nicht im Griff.

Ja, ich bin eine Schönwetterwanderin und -radlerin, dennoch lehrt mich das Wetter Demut. Nun ja, ich übe noch. Ich hadere schnell, weil es mir unangenehm ist, wenn ich allzu sehr schwitze, allzu sehr nass vom Regen werde.

Vielleicht ist es eine Frage der Haltung? Nein, nicht vielleicht. Es IST eine Frage der Haltung (und ja,  klar, eine gute Ausrüstung hilft, aber sie wirkt sich nur bedingt auf die Haltung aus und ersetzt diese keineswegs).

Unterwegs zu sein, fordert Mut. Und ja, es macht auch Mut, den eigenen Rhythmus zu finden und ihm entsprechend Pausen zu machen. Sich selbst zuliebe das eigene Tempo zu finden. Um der Ruhe willen, die dabei in uns wachsen kann.

Frau Rebis radelt mit ihrem Sohn von ihrem Zuhause in Süddeutschland nach Berlin. Sieben Tage sind die beiden bereits unterwegs. Frau Rebis twittert und bloggt. Und ja, auch sie macht Pausen, Denkpausen, in denen sie sich schreibend mit Fragen des Lebens auseinandersetzt, die uns alle – als Reisende ebenso wie als Alltagsmenschen – angehen und berühren.

Hier lang → geht’s zu ihrem Blog, das ich allen, die bewusst unterwegs durchs Leben sind, gerne zu lesen empfehle. Frau Rebis twittert hier.

Bank im Wald, an WaldwegZwei Räder an Straße, Lichtung, Pause - im Hintergrund HügelBeide Bilder sind von Frau Rebis, freundlich ausgeliehen.

Auch der Emil ist unterwegs – er pilgert zu Fuß auf den Spuren der Jakobspilger von Görlitz südwärts Richtung Vacha, auf der Via Regia, wie der Ökumenische Pilgerweg auch heißt. Damit erfüllt er sich zwei schon lange gehegte Wünsche: das Fernwandern zum einen, das Pilgern auf Jakobswegen zum andern. Hier → lang gehts zu seinem Blog. Und hier twittert der Emil und ich freue mich sehr, auch ihn als Leserin begleiten zu dürfen. Es ist sehr ermutigend zu sehen, wie er sich mit dem Wandern auseinandersetzt und vorankommt auf seinem inneren und äußeren Weg.

Tafel aus Stein mit dem Satz "Hör auf das, was du weißt, statt auf das, was du fürchtest." -Richard BachPause im Regen in einem Hütchen, mit Bank. Der Rucksack zum Trocknen auf der Bank, das braune Cape hängt an der Wand.Beide Bilder sind von Der Emil, freundlich ausgeliehen.

Unterwegs zu sein, fern der persönlichen Komfortzonen, ist eine Herausforderung, die ich je länger je mehr wertschätze. Es geht ums Vorankommen – innen und außen –, nicht primär um das Ziel an sich. Und ja, fast nebenbei geht es auch darum, sich selbst besser kennenzulernen, zu reifen, zu verstehen, in Kontakt mit sich und seiner Umgebung zu sein, zu bleiben, zu kommen. Dazu wechselt die Umgebung stetig, mal ist sie vertraut, fremd, lieblich, lärmig, wunderschön, garstig … vieles können wir im Voraus recherchieren, doch ein Faktor wird immer unberechenbar bleiben: das Wetter.

Für heute waren eigentlich Regenfälle angesagt gewesen, den ganzen Tag; hier jedenfalls. Doch als Irgendlink und ich heute um halb zwölf losgeradelt sind – er, um zurück zum Rhein zu gelangen und mit ihm weiter Richtung Norden zu fließen, ich, um ihm auf dem ersten Stück zu begleiten – war der Himmel zwar grau, aber trocken. Und ist es noch. Für mich definitiv die Schublade „angenehmes Radelwetter“.

Ja, ich gestehe es, ich bin froh, wenn die Menschen, die ich mag, wohlbehütet – will heißen unfallfrei und trocken, aber auch nicht allzu sonnenverbrannt – durch den Tag kommen, den sie draußen, unterwegs in der Natur, den Elementen ausgesetzt, verbringen.

Irgendlinks Reise am Rhein könnt ihr weiterhin hier (→ klicken) verfolgen.

Drei Flüsse werden einer. Im Vordergund Irgendlink mal links, mal rechts, dank Bildaufnahmetechnik als Panorama

Ankommen zu wollen?

Dieses weiße Blatt – nun ja, kein Blatt, ein Feld, ein Fenster, eine Fläche, ein Spiegel vielleicht sogar –, es sagt, es ruft, es befiehlt: Schreib. Und ich, ich zögere. Schaue diese weiße Fläche an. Und fühle mich leer. Nein, nicht leer, wortlos, nein, auch nicht … desorientiert womöglich.

Nicht, dass ich die Tastatur und das Schreiben auf ihr verlernt hätte nach den drei Wochen Touchscreen-Schreiberei unterwegs am Rhein, eher ist es so, als wüsste das Herz nichts mehr mit diesem Sesshaftsein hier und dem Laptop und dem Hier- und So-Sein anzufangen.

Viereinhalb, fast fünf Tage bin ich nun wieder daheim und es ist ein Daheim, das ich mag. Ein Dorf, in welchem ich mich wohlfühle. Ein Bett, in dem ich gerne schlafe. Ein Bad, in welchem ich mir gerne die Zähne putze, den Spiegel angrinse, die Dusche benutze. Eine Wohnküche, in der ich gerne koche und am Tisch sitze, essend, lesend. Doch, ja, aber … hm, ja, da ist ein Aber. Eins, das sich mir noch nicht so richtig zeigt. Und ich weiß nicht, was es mir sagen will.

Derweil lese ich weiter im Buch von Rachel Joyce, das den schönen Titel Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry trägt. Vor unserer Wanderung habe ich es zu lesen angefangen und nun wandere ich wieder weiter mit Harold, der nach vielen Nächten in Pensionen damit angefangen hat, draußen zu übernachten und dabei – ähnlich wie ich – zu merken beginnt, wie die Natur einen Menschen verändert. Ihn demütiger macht, bewusster, wacher. Noch mehr als ich stellt Harold dabei fest, wie wenig er eigentlich wirklich braucht, um den Weg, den er gehen will, gehen zu können.

Vor ein paar Tagen habe ich über den Kontrast zwischen dem Leben draußen und dem Leben drinnen auf Flussnoten, unserm Rhein-Blog geschrieben. (Dort drüben haben wir in den letzten Wochen über unsere Erlebnisse und Erfahrungen erzählt und dort hat es auch einige wenige Bilder.)

Die meisten Bilder aber haben wir noch nicht gezeigt, selbst noch nicht wirklich angeschaut. So viele Bilder. Ich muss sie erst mal sichten, einige davon auswählen und verkleinern, bevor ich einige hier und auf Flussnoten zeigen kann.

Schreib!, tönt es also, das weiße Blatt, und ich würde gerne. Ich würde gerne dort weitermachen, wo ich – … ja, was? – aufgehört habe? Geht das überhaupt? Immer weiter und immer weitemachen, bloß um …?

Anzukommen?

Wie wichtig ist das Ziel? Und wenn ja, wie sieht es überhaupt aus, mein Ziel? Ist es nicht vielmehr so, dass ich eine Unterwegse bin, eine die geht. Mal schneller, mal langsamer, und dass das Ziel nicht mehr als eine Illusion des Ankommens erzeugt in seiner ganzen Vorläufigkeit? Zugegeben eine erwünschte Illusion, eine wohltuende. Eine, die dem Leben seinen vorläufigen Sinn gibt. Geben kann.

Pause.

Ich erlaube mir inzwischen, häufiger Pausen zu machen als noch vor kurzem. Weil ich sie brauche. Weil ich mich erholen muss. Beim Wandern waren die getrockneten T-Shirts, die getrockneten Socken und Schuhe unsere Pausenmaßstäbe. Was es wohl im Alltag sein könnte? Werde ich mir treu bleiben können im Alltag, mir, meinem wiedergefundenen Tempo und meiner akutellen Gegenwärtigkeit?

Das Gespür für sich selbst. Ich habe es endlich wieder und ich will es nicht mehr verlieren.

Winke-winke bis im August

Die nächsten Wochen wird dieses Blog hier ruhen, dafür geht es woanders weiter.

Noch einmal schlafen, dann geht es los. Irgendlinks Reise fing schon am Dienstag an. Er ist in der Pfalz Richtung Schweiz losgeradelt und hat untewegs gebloggt.

Gestern Abend bin ich ihm spontan entgegen geradelt und habe ihn auf dem Bözberg getroffen. Hach. Und nun sind wirklichwirklich Ferien!

Heute haben wir gewaschen und gepackt und morgen wandern wir los. Ich habe lautes Herzklopfen. Wie es wohl wird? Kommt ihr mit? Wie gesagt: Hier werde ich, wie gesagt, in dieser Zeit nicht bloggen, dafür drüben auf Flussnoten – im Duett mit Irgendlink – über unser Unterwegssein schreiben. Immer mit dem Liebsten an der eine und dem Zauber der Einfachheit auf der andern Seite voranwandernd, mit dem Rhein als Wegweiser.

Leben, träumen & schreiben

Lebst du noch oder träumst du schon? Irgendlink hat in mir was losgetreten, als er letzte Woche seine neu überarbeitete Roadmap bloggte. Was für eine Karte, was für ein tolles Fährtenbuch, in welchem er seine Abenteuer – die erlebten ebenso wie die zu bestehenden – begeschrieben hat. Seine Leitplanke, um im Ideenfluss der Künste nicht zu ertrinken.

Wo Wunsch ist, kann Wirklichkeit werden. Oder andersrum: Jede Wirklichkeit fing klein an, war zuerst eine kleine Idee, ein Wunsch, ein Traum.

Welche Bücher möchte ich gerne schreiben?, fragte ich mich also, als ich über meine eigene noch ungeschriebene Roapmap nachdachte – und über jene Dinge, die in meinem Fährtenbuch erwähnt werden wollen.

Kaum gedacht, standen auch schon ein paar Ideen Schlange. Nun ja, meine angefangenen, eingeschlafenen, an Keine-Zeit-Haben eingetrockneten Projekte möchte ich fertigstellen, natürlich. Jedenfalls, wenn ich sie bei näherer Betrachtung noch gut finde … Noch lieber jedoch möchte ich ein neues Buch schreiben. Ich habe Lust, mich vom biografischen, essayistischen Schreiben zu entfernen und wieder mehr zusammenhängende Geschichten zu schreiben, längere Geschichten, Romane.

Auf einmal stand die Protagonistin vor mir. Sie gleicht mir ein wenig und ist doch ziemlich anders. In etwas aber gleicht sie mir sehr: Sie ist eine Anti-Heldin, eine Hochsensible, die aneckt mit ihrem Gespür. Aber sie ist dennoch eine, die – ja, das muss sein! – ihren Weg geht und Dinge schafft, die womöglich gegen alle Vernunft sind.

Nun ja, zur Krimiautorin fühlte ich mich bisher nicht berufen, darum wird es wohl keine Leichen in meinem neuen, angedachten Buch geben, aber ein paar Abenteuer natürlich schon. [Keine Ahnung, ob ich jemals von meinen zentralen Themen (Tod, Amok, Suizid) wegkomme.]

»Schreib über jene Themen, die dir unter den Nägeln brennen!«, riet mir ein bekannter Schweizer Autor in einem Schreibseminar. Ich kann ja im Grunde nicht anders, denn alles andere wäre gekünstelt und gebastelt und an den Haaren herbeigezogen. Ich kann ja zum Beispiel auch nicht reimen und etwas damit anfangen auch nicht, wozu also sollte ich es versuchen? Das überlasse ich anderen. Also bleibe ich bei meinen zu meinem Fuß passenden Schustersleisten.

Nicht, dass ich mich nicht weiterentwickeln will. Und das Abenteuer des Lebens besteht ja oft genau darin, Grenzen auszuloten und auszudehnen. Doch noch habe ich meine Schreibgrenzen längst nicht ausgereizt, wozu also sollte ich sie schon jetzt ausdehnen?

Da träume ich lieber zuerst ein wenig von meinen Schreibabenteuern, auf dass sie wirkliche Wirklichkeit werden.

Und schon bald träume ich übrigens im Zelt liegend. Übermorgen geht’s los! Wanderst du mit uns mit am Rhein entlang? > flussnoten.de

Wahrscheinlichkeiten und das Dasein

Dieses menschliche Dasein sei ein Gasthaus, sagte Rumi, ein Sufi-Dichter im 13. Jahrhundert. Alles, was und jeder, der uns begegne, sei unser Gast, der uns weiterführen wolle. Schweres sei also ebenso ein Gast wie Freude (klick zum Original).

Ich zitiere die letzten Zeilen:

Begrüsse und bewirte sie alle!
[…]
begegne ihnen lachend an der Tür
und lade sie zu Dir ein.
Sei dankbar für jeden, der kommt,
denn alle sind zu deiner Führung
geschickt worden aus einer andern Welt.

Ich frage mich, ob es »wirklich« so ist, wie es da heißt, also dass uns – dir, mir – alles, was geschieht, zur Weiterführung und Lehre geschickt sei. Und wo sich diese andere Welt befindet, wer sie regiert und ob es für jede und jeden eine andere ist. Und ich frage mich, ob alles letztlich nur durch unsere Interpretation des Lebens wird, was es wird und wirkt, wie es wirkt.

Eben stolpere ich über mein obiges »wirklich«, was ich gedankenlos meist mit »wahr« gleichsetze.

Huch – Wahrheit. Wo ich doch schon sehr lange ahne, dass es DIE Wahrheit nicht gibt. Einzig vielleicht als Synonym von Liebe. Aber auch das ist eher Ahnung denn Faktum.

Dafür glaube ich an die (kleine, punktuelle) Wahrheit der Wahrnehmung unserer persönlichen Wirklichkeit.

Wirklichkeit: Ist wahr, was wirkt?
Wahrnehmung: Ist wahr, was ich für wahr nehme?

Ich nehme aus den Augenwinkeln immer mal wieder die Wahrscheinlichkeit oder Möglichkeit wahr, eines Tages der Illusion in die Augen schauen zu können. Diese Illusion, für die ich das irdisch-materielle Leben im Großen und Ganzen halte.

Darum ist Leben, mein Leben zumindest, vielleicht & letztlich nur in einer Art Konjunktiv, einer Art Möglichkeitsform lebbar.

Fakt ist*, dass sich alles zu allem irgendwie verhält.
Sich nicht zu verhalten ist nicht möglich.**
[Gibt es also letztlich gar keine Neutralität, keine Gleichgültigkeit?]
Außer wenn man tot ist?

Wahrheit
in Relation zu
Wahrscheinlichkeit
in Relation
zu Wirklichkeit

Das eine nicht ohne das andere?
Alles hängt zusammen?

Müsste es in diesem Fall also doch eine letzte Wahrheit geben? Eine aber, die sich nicht um Religionen und Rechthabereien schert und die uns nicht nach bewertet, ob man an sie glaubt oder nicht? Eine, die einfach existiert, weil sie nicht anders kann, weil sie einfach wahr ist? Eine Wahrheit auch, der es egal ist, ob wir sie erkennen oder nicht.***

Geht aber Wahrheit ohne Gefühl?

Und was ist mit dem Begriff »echt« als mögliches Synonym zu »wahr«?


* Oh, ist es wirklich und wahrhaftig so?
** Sagt eigentlich wer?
*** Höre ich da jemanden sagen: Ja, die Wissenschaft! – Mag sein, nur ist die Wissenschaft ja auch nur ein Forschungsgebiet, das die Wirklichkeit Stück für Stück zu erforschen versucht und nie fertig wird, weil alles viel zu groß und viel zu unfassbar ist für uns Menschen.

Das Ding mit den Codes

Es dauerte lange, bis ich endlich damit anfing, die Welt ein bisschen besser als gar nicht zu verstehen. Länger als bei den meisten, vermute ich. Im Lernen bin ich, was vielleicht erstaunen mag, zuweilen eher langsam. (Schreit das jetzt nach einer Erklärung, weil ich einige von euch murmeln höre, dass sie mich genau gegenteilig einschätzen? Nun denn …)

Ich habe wohl eine schnelle bis sehr schnelle Auffassungsgabe und habe eine sicher ebenso schnelle Wahrnehmungs- und Beobachtunsgabe. Damit ist jedoch ein Inhalt, den ich lernen soll, noch lange nicht decodiert, verstanden und verinnerlicht, was für mich ‚etwas gelernt zu haben‘ heißt.

Eher war es bei mir als Kind und junge Frau so, dass ich meine Umwelt mit all den zu lernenden Dingen − Sachwissen ebenso wie soziales Verhalten − zwar sehr differenziert beobachtete und wahrgenommen hatte, dann aber mit all diesen theoretischen und oft genug abstrakten Inhalten, Beobachtungen und Erkenntnissen nicht weitergekommen bin. Weil ich sie nicht verstand und weil ich nicht wusste, wie ich sie anwenden sollte.

Warum verhielt sich dieser Mensch so, warum sagt jener Mensch das so und so? Was mir sehr lange fehlte, war eine passende Übersetzungsmethode für all diese Dinge zwischen den Zeilen der Zeilen. Ironie zum Beispiel verstand ich sehr lange nicht. Oder jedenfalls nur theoretisch. Darüber lachen oder grinsen konnten ich jedenfalls nicht. Wohl verstand ich die einzelnen Wörter, doch im Kontext, in dem sie standen, um ihren ironische Wirkung zu entfalten, bedeuteten sie mir nichts.

Fast alles auf dieser Welt ist irgendwie codiert, vielleicht von einem Kinderlächeln mal abgesehen. Jede Nation, jede Gesellschaft, jede Gruppe hat ihre Codes. Die meisten Menschen werden sehr früh in ihre spezifischen Codes eingeführt (»Guck, so musst du das machen!«) oder haben zumindest irgendwo in ihrer Werkzeugkiste jene Fähigkeit, die mir fehlt, diese Codes zu entschlüsseln. Manche lernen sie vermutlich einfach durch abschauen und nachahmen. Ich war wohl so um die dreizehn oder vierzehn, als ich langsam anfing, dazuzugehören, weil ich endlich die sozialen Codes zu imitieren gelernt hatte. Sie mir zu eigen machen, gelang mir allerdings nie wirklich. Jedenfalls nur sehr punktuell.

Weil, nun ja, weil ich Codes bis heute misstraue. Alles, was der Anpassung an eine Mehrheit dient, ist mir suspekt, weil es impliziert, dass eine Mehrheit ‚richtig‘ denkt und dass dieses Dazugehören wichtig ist. Doch wozu zum Beispiel soll es gut sein, dass alle die gleiche Art Schuhe und Frisuren tragen oder die gleichen Redewendungen benutzen? Kleidervorschriften für Männlein und Weiblein − wozu sollen die gut sein, (von den Modezaren und Supermodels mal abgesehen)? Auch der Sinn der Krawatte hat sich mir noch nicht erschlossen, ein Code, der sich mir nie, weder vom metaphorischen noch vom ästhetischen Standpunkt aus, zu erkennen gegeben hat. Kurz und gut: Jegliche Angleichung und jegliche Normierung an eine Mehrheit habe ich schlicht und einfach nie als für mich sinnvoll erkannt (obwohl sie vermutlich, zumindest evolutionsbiologisch gesehen, das Überleben der Spezies Mensch gewährleistet hat).

Mir fehlte und fehlt dazu etwas, das ich hier mal Übersetzungstool nenne.

Irgendwann fing ich dennoch an, zu ahnen, wie die Welt in sich selbst zusammenhängt, wenn auch nicht von innen heraus, dazu war ich nie genug innendrin. Über ein Ahnen bin ich vermutlich nie herausgekommen.

Ich schaue also heute in dieses Terrarium hinein, in welchem sich die Menschen tummeln. Ich schaue ihnen zu wie damals, als ich noch Rennmäuse hatte, denen zugeschaut habe. Alphatierchen waren und sind mir übrigens, nicht nur bei Mäusen, suspekt. Es sind die Omegatierchen, die mich interessieren, bei Mäusen ebenso wie bei Menschen. Jene Wesen eben, die die Codes nicht kennen, die − mutig oder naiv oder beides − den Konventionen den Rücken drehen. Die, deren geheime Superkraft darin besteht, sich selbst zu sein, weil sie nicht gut sind in Rollenspiel.

Während ich so über dieses mein (latent schwarzweißes) Denken nachsinne, fällt mir eine Aussage ein, die ich sinngemäß vor einiger Zeit von einer grünen Politikerin gehört habe: »Ich wünsche mir gar nicht, dass alle gleich denken wie ich, ich wünsche mir aber, dass wir alle dazu bereit sind, uns mit der Meinung und den Gedanken der anderen ernsthaft auseinanderzusetzen. Das ist meine Vorstellung von Demokratie.«

Ja, das ist auch meine Vorstellung. Nicht nur von Demokratie, auch von Lebendigsein. Es braucht diese Meinungsdiversität und es braucht die reife Auseinandersetzung mit den Problemen dieser Welt. Dazu braucht es keine Gleichmacherei durch Verhaltenscodes und -konventionen, die unter dem Strich eh immer mehr Menschen (und Mäuse) aus- als einschließt.

Und es braucht wohl auch die Erkenntnis, dass wir von den wenigsten Dingen wirklich etwas verstehen. Dass das meiste Wissen, das wir zu haben glauben, bestenfalls Halbwissen ist. Ich wünsche uns, dass Erkenntnis und Bereitschaft wachsen, uns ernsthaft mit den essentiellen Dingen auseinandersetzen zu wollen.

Eine ernste Auseinandersetzung mit einem Thema ist allerdings mehr als die meisten zu leisten bereit sind und ist mehr als eine kleine Suchmaschinenrecherche mit oberflächlichem Durchlesen der ersten fünf Zeilen der obersten drei Suchergebnisse. Eine ernste Auseinandersetzung bedeutet, sich mehrere Seiten zu einem Thema anzuhören, sich im Sinne des Worte auseinander − innerlich also auf verschiedene Stühle − zu setzen, das Thema aus verschiedenen Gesichtspunkten zu betrachten und sich dabei eine eigene Meinung zu bilden, die sich vielleicht sogar von der ersten, spontan gebildeten, total unterscheidet. Und die zu einem späteren Zeitpunkt – wenn die Dinge möglicheweise anders liegen – durchaus eine andere sein darf.

Mehr Platz für den Friedensbaum

Wie ich heute Mittag nach der Arbeit auf meiner Terrasse das Wochenende einläutete, mich an den geschenkten Merci-Schöggeli einer Arbeitskollegin erfreute und gemütlich einige Kapitel meines aktuellen Buches las, hörte ich auf einmal einen Staubsauger an der Haustür brummen.

Wie jetzt, ist unsere Haus-Putzfee gekommen, ohne dass ich sie habe kommen sehen? Wie toll ist das denn! Ich habe sie ja schon ewig nicht mehr getroffen! Die letzten zwei Jahre hat sie immer die Pflanzen auf meiner Terrasse gehütet und gegossen. Doch seit ich meistens dann im Büro bin, wenn sie Treppen, Böden & Waschküche unseres Miethauses putzt, gab es so schon lange keine Gelegenheit mehr für einen kleinen Schwatz mit ihr. Die gebürtige Italienerin und schon viele Jahre Alleinerziehende hat – obwohl es das Leben nicht wirklich gut mit ihr gemeint hat – eine unglaublich positive Ausstrahlung und es macht Spaß, mit ihr zu reden. Sie ist eine starke, eine strahlende Frau, die mit ihrer inneren Kraft scheinbar (oder offensichtlich) jeder Mühsal trotzt. Ich bewundere ihren Mut im Alltag und die Würde, mit welcher sie ihre viel zu oft viel zu gering geschätzte Arbeit macht.

Schnell huschte ich also, nachdem ich den Staubsauger gehört hatte, durch die Wohnung in die Waschküche rüber, wo ich sie hantieren hörte und freute mich sogleich über ihre herzliche Freude, mich zu sehen. Doch ich hatte ja auch einen Hintergedanken. Ob sie vielleicht wieder meine Topfpflanzen …? Aber ja, sie könne ja eh einmal mehr nicht in die Ferien, auch diesen Sommer nicht … (Hach, wäre ich reich, würde ich ihr Ferien schenken. Oder ihre Steuerschulden begleichen. Oder gleich beides!)

Wir gehen wandern, sage ich, mit dem Zelt. Diese Art Ferien kann ich mir leisten. (Aber wir machen das nicht nur so, weil es die billigste Art Ferien zu machen ist, denke ich. Nein, auch weil wir es so mögen. Weil es uns entschleunigt und weil es uns ruhig und einfach macht, weil es uns gut tut, wieder näher am Boden zu leben, auf der Erde zu sitzen und ihr nahe zu sein, auf ihr zu liegen, zu schlafen. Ja, auch das denke ich nur.)

Sie erzählt mir unter anderem von den Schwierigkeiten ihres Sohnes, eine Lehrstelle als Automechaniker zu finden. Für den Sommer 2017. Er sei kein Superschüler, eher schüchtern, eher klein, eher mollig wegen seiner Schilddrüsenerkrankung, und bisher hätten ihn alle Schnupperbetriebe abgelehnt, weil sie ihm diese Lehre nicht zutrauten. Schade.

(Aber vielleicht weiß ja eine/r meiner Aargauer LeserInnen etwas? Es müsste allerdings wohl im Raum Brugg/Baden sein, wegen der Fahrkosten, die möglichst tief sein sollten.)

Friedensbaum Wie auch immer … wir erzählen und erzählen und lachen immer wieder … es tut mir gut mit ihr zu lachen. Lachen gegen all diese Widrigkeiten, die das Leben uns immer mal wieder geboten hat. Nebenbei biete ich ihr einige Merci-Schöggeli an, die ja, wie gesagt, bei mir auf dem Tisch herumliegen. Ich teile Dankbarkeit mit ihr. Darüber freut sie sich und schließlich geht sie wieder an ihre Arbeit und ich an meine. Aufräumen ist angesagt. Und den kleinen Friedensbaum sollte ich auch endlich mal in einen größeren Topf setzen, damit der Frieden wachsen kann.

Zwischenräume

Ich vermute, dass ich nicht die Einzige bin; ich ahne, dass die meisten von uns sie tendentiell vermeiden, diese Räume und diese Zeiten zwischen den Dingen. Wir füllen sie, wenn wir sie nahen sehen, schnell auf. Ich zum Beispiel schütte die Lücken mit Lesen, Filme gucken oder mit Aktivitäten auf dem Handy (wie Bilderbearbeiten, Twittern, Elloen u. a.) auf. Schnell, schnell, damit mich nicht etwa ein Hauch von Leere treffe.

Doch manchmal schaue ich ihnen in die Augen, diesen Räumen zwischen den Dingen, und schreite mitten hinein, mitten in diese Lücke, in dieses Nichts zwischen den Dingen. Schreibenderweise gelingt mir das meistens am besten oder Bilder bearbeitend oder malend. Und auch beim stillen Wandern. Manchmal.

Wenn ich mich in die Zwischenräume gewagt habe, bin ich jedes Mal froh darüber, denn dort geht es mir gut. Oft sogar viel besser als in den fest definierten Räumen, die die Zwischenräume flankieren. Seltsam also, dass ich mich ihnen immer nur mit gewissen Widerständen nähere. Oder so seltsam auch nicht, weil ich weiß, dass mich die Zwischenräume aus dem meist viel zu engen Zeitgewand heben und ich mich nach meinem Besuch in den Räumen zwischen den Dingen ein wenig desorientiert fühle.

Schreiben kann, schreiben muss aber nicht, zwingend dieses Ding sein, das mir den Gang zwischen den Räumen erleichtert.

Schreiben kann, schreiben muss aber nicht, Erlösung sein, doch manchmal ist selbst schreiben nichts anderes als hinkender Aktivismus.

Je älter ich werde, desto mehr ahne ich, dass es eigentlich diese Wanderungen zwischen den Räumen sind, die das Leben lebenswert machen. Es ist die Stille zwischen dem Lärm, dieses Hinfühlen inmitten von Aktionismus. Es sind die Zwischenräume, die alles verändern, das Davor und das Danach; und das Darüber und Darunter auch irgendwie, weil die beiden uns zeigen wollen, woher wir kommen und was uns hält. Die Zwischenräume machen den Unterschied, sie machen aus dem Immer-immer-gleich ein Immer-wieder-anders. Sie verschieben meine Wahrnehmung und machen es möglich, dass ich aus dem Drehen um mich selbst herausgerollt werde und auf einmal, im Gras auf dem Rücken liegend, die Wolkentiere spielen sehen kann, wo vorher nur ein paar Wolken durch den Himmel segelten.

Vielleicht besteht ja die Kunst aller Künste darin, diese Zwischenräume zu erkennen? Die eigentliche Kunst wäre es somit, die im Dialog mit den eigenen Zwischenräume gewonnenen Erkenntnisse auf unsere ART und Weise auszudrücken.

Ich jedenfalls brauche Räume, brauche Luft, brauche Zeit zwischen Dingen. Leerschläge. Lücken. Pausen.

Einen dieser Zwischenräume, ein Zwischenraum zwischen den Zwischenräumen vielleicht sogar, wird hoffentlich unsere Wanderung sein. Mit Irgendlink, diesem ganz besonders für das Lesen zwischen den Räumen begabten Menschen, werde ich in ca. zehn Tagen loswandern. An den Ufern des Rheins entlang soll die Reise führen. Ruhig und im ganz eigenen Tempo. Anfangen wollen wir im Bündnerland, am Tomasee.

Wir werden auf unserem neuen gemeinsamen Blog darüber schreiben. Hier könnt ihr mitwandern → flussnoten.de

Und hier hat Irgendlink gestern auch ein paar Zeilen darüber geschrieben → irgendlink.de

1001. Herzgespinst

Ohne es zu merken habe ich neulich den 1000. Blogartikel des Sofasophia-Blogs geschrieben. Ein bisschen schwindlig macht mich der Gedanken ja schon, dass ich 1000 Artikel innerhalb von fünf Jahren und etwa dreieinhalb Monaten (2040 Tage um genau zu sein) geschrieben haben soll.

1000ArtikelDurchschnittlich habe ich also jeden zweiten Tag gebloggt und pro Artikel durchschnittlich 4,769 Kommentare erhalten, wenn ich meine eigenen abziehe. Wenn ich die Zeiten abziehe, in denen ich – wie jetzt – die Kommentarfunktion ausgeschaltet habe, müssten es pro Artikel mehr als 5 Kommentare sein. Ja, ein klein bisschen macht mich das froh, dankbar und … stolz (das letzte eins meiner Reizwörter).

Zahlen. Manchmal schmeicheln sie uns und unserer Eitelkeit und wir bilden uns ein, das heißt, ich bilde mir ein, dass das was ich das schreibe und schrieb, irgendwie für andere relevant sei. Nur schon irgendwie relevant zu sein klingt nach einer Wichtigkeit, die ich sowohl haben als und nicht haben will. Schrödingers Katze und Shakespeares Hamlet gleich will ich sein und nicht sein zugleich.

Wie sagen die buckligen Verwandten doch so schön, wenn Klein-Hanna den Schlüssel für ihr Eigenheim in Händen hält? Es ist „etwas“ aus ihr geworden. Eine umgangssprachliche Formel für eine erfolgreiche Karriere, die mich immer gestört hat, geschmerzt sogar. Denn so gesehen bin ich ja eigentlich nichts geworden, trotz der vielen schönen Ausbildungen. Zu wenig machte ich mir bisher aus Besitz und Titeln, aus Eigenheim und Karriere.

Wie ich vorgestern Abend mit dem Liebsten nach einem Beinah-Hitzschlag die relative Abendkühle – nur noch 29 Grad war es – genoß, sofasophierten wir wie schon so oft über die Kunst, das Menschsein, das Leben und die Fähigkeit, darin wahrhaftig zu sein. Aus den Anfangszeiten meiner Bloggerei stammt mein Text Die Echte werden, die Echte sein. Schon damals trieb mich die Sehnsucht, dass mein Tun, ob nun im Bereich von Kunst oder von Broterwerb echt, wahr, authentisch sei. In meinem Plädoyer über das Wesen der KünstlerInnenseele dachte ich vor Jahren schon über das Kunstschaffen als solches nach.

In beiden Texten erwähne ich nur am Rand, wie – respektive wovon – wir als Kunstschaffende leben können. Immer schon sah und noch immer sehe ich einen Widerspruch darin, meine Kunst auf meine Art und Weise zu schaffen, echt und wahrhaftig zu sein und das Erschaffene kommerziell zu nutzen. Ich weiß inzwischen, dass die meisten Menschen diese Art zu denken nicht nachvollziehen können.

So sprachen wir zwei also neulich über die Grenze zwischen jenen Kunsterzeugnissen − Bildern und Texten −, die unserem Innersten entspringen und jenen, die wir erschaffen, weil wir wissen, dass wir damit irgendwie erfolgreich sein und Gefallen finden werden; dass wir damit den allgemeinen Geschmack treffen und auf Resonanz stoßen werden.

Meine Fähigkeit und -bereitschaft mich einer breiten Masse anzupassen, um anerkannt oder gesehen zu werden, ist allerdings rasant geschrumpft. Einen Text so und so gestylt resp. gesellschaftscodiert zu schreiben, dies und jenes Thema zu diskutieren, weil es gerade in aller Munde ist, jene Redewendung zu verwenden, weil es alle tun … ich kann es fast nicht mehr tun. Und einfach nur schreiben, damit ich mal wieder etwas geschrieben habe? Nein, auch das geht nicht mehr. Und künstliches Aufbauschen eines Themas schon gar nicht. Keine Ahnung, wo das noch hinführen wird.

Ich fühle mich zuweilen wie ein einst feingeschliefener Stein, der sich zurückverwandelt in seine kantige, ungeschliffene Urform. Obwohl ich zugleich und dennoch das Gefühl habe, nebenbei ein bisschen weiser und ein wenig reifer geworden zu sein und es noch zu werden.

Eine Brücke will ich dennoch bauen. Eine, die Kunst und Kommerz versöhnt, will heißen: Eine Brücke, die wahrhaftige Kunst nicht per se von kommerzieller Nutzung ausschließt. Ich will an meiner Denkerei arbeiten, neubewerten. Weil: es gibt sie ja wirklich, die wahrhaftige Kunst, die auch von einer großen Menge als wahrhaftig, berührend und wertvoll erkannt und anerkannt wird. Umgekehrt ist nicht alles, was laut beworben und gehyped wird, automatisch Bullshit (obwohl ich da misstrauisch bleibe).

Fazit: Nicht immer hat der Kunstkaiser auch wirklich keine Kleider an, manchmal trägt er sogar welche und manche gar aus handgesponnener Seide.

Eitelkeit – dieses Wort muss nun doch nochmals getippt werden. Fast jede Form von Eitelkeit widert mich an, wobei mir bewusst ist, dass ich vielleicht mit Eitelkeit andere Schubladen angeschrieben habe als du. Insbesondere jene Eitelkeit meine ich, wo Talent mit der Fähigkeit, sich gut und gewinnbringend verkaufen zu können, verwechselt wird, insbesondere im Literatur- und Kunstbetrieb. Oft schon bin ich auf Buchwerbung hineingefallen und habe Bücher gekauft oder ausgeliehen, die mir als Bestseller angepriesen worden sind. Nur um enttäuscht festzustellen, dass die hochgepriesene Geschichte für meinen Geschmack viel zu viel Weichspüler und viel zu wenig Knochen am Fleisch hat.

Der Anspruch, in meinen Blogs nur noch Dinge zu publizieren, die in meinem Inneren herangewachsen sind, ist ein hoher. Selbst bei Twitter werden meine Ansprüche an mich (und an das, was ich bei anderen lesen mag) immer höher. [Klar ist letztlich die Tagesform entscheidend. Manchmal finde ich nämlich fast alles doof, kindisch, kitschig, unreif, krank, was ich dort lese (fast wie bei FB) und manchmal finde ich auf Twitter viel Weisheit, Ermutigung und herzlich Humorvolles, dass es mir nachher, nach dem Lesen, tatsächlich besser geht.] Ich vermute, es liegt nicht immer nur am Gelesenen, es liegt genauso oft an mir und meiner Stimmung und an meiner Sehnsucht. Diese Sehnsucht nach wahrer, nach wirklicher Wirklichkeit, nach Wandlung, nach Schönheit und Heilwerden.

Denn das ist es, was ich will mit meinem Leben und mit meinem Schreiben. Immer weiter gehen, die Echte werden und eben auch – selbst wenn ich damit andere vor den Kopf stoße -, keine faulen Kompromisse mehr eingehen. Weder in Sachen Brotjob noch in jenen Lebensbereichen, wo es um meine Herzensanliegen geht, wo es um den Ausdruck geht, um die Kunst, ums Schreiben. Vor allem dort nicht. Und so will ich auch in meinem 1001. Blogartikel und weiterhin über jene Themen schreiben, die mir wichtig sind.

Wenns bei dir oder dir resoniert, schön.
Wenn nicht, auch gut.

Ich danke dir, dass du da bist.