Der nächste Artikel

Irgendwann wird er vielleicht doch noch geschrieben, dieser neue Artikel. Heute vielleicht. Jetzt womöglich.

Aber worüber lohnt es sich zu schreiben – in einer Welt, wo sich alles ständig ändert? Über das Alltagsleben und die viele Arbeit? Soll ich etwas Sofasophisches herzspinnen, mit Fallmaschen dazwischen? Oder über die wiedererlangte Gesundheit und die Parabeln, die mir dazu einfallen, fachsimpeln? Über das Auto gar, das ich heute besichtigen und vielleicht kaufen werde – von privat?

Scheint mir alles ein bisschen zu banal. Und Bücher besprechen mag ich zurzeit eh auch nicht.

Und über politische, soziale und gesellschaftliche Fragen nachdenken tu ich eh ständig, können andere aber besser drüber schreiben.

So bleibt mir ein klitzekleiner Hinweis. Dass es bei Pixartix wieder rund läuft nämlich.

Wie jetzt, du kennst Pixartix, das Bilderblog, nicht? Guck einfach mal rein. Schon seit Tagen zeigen wir neue Bilder, doch heute hat Frau Lakritze den neuen „Drei Bilder“-Zyklus eröffnet. Wir dürfen gespannt sein.

Häutung vielleicht

Diese Schicht, die ich im Blick auf die Welt da draußen aus Zorn und Wut und mit Trauer als Mörtel um mein Herz gepackt habe, ist verkrustet, verdorrt, von mir abgefallen.
Aufgeweicht, von Tränen weggespült worden.
In der Umarmung des Liebsten hat sie sich in Luft aufgelöst.

Egal wie. Hauptsache weg.

Weich wieder.
Schwach sein zu dürfen.
Dem Fieberfeuer, dem Feuerfieber nachzugeben.
Schlafen.

Ich setze mich neu zusammen.

Meinem Körper geben, was er braucht. Mir geben, was ich brauche. Vitamine. Berührung. Frische Luft. Liebevoll gemeinsam gekochte Mahlzeiten.

Ruhe. Als könnte ich die Welt ein bisschen anhalten. Illusion nur, wenn auch nicht die schlechteste.
Ein bisschen bunt mich zu fühlen mit dir, in all dem Grau.

Anders fasten

Vor zwei Tagen habe ich bei Frau Rebis gelesen, wie wichtig es ist, nicht zu erstarren ob all des Umbruchs um uns herum.

„Doch, ja, wir leben hier weiter. […] sind viel bewusster als sonst dankbar für das, was wir haben, gestalten unsere Tage bunt und farbenreich, begegnen einander. Und das alles ist wichtig. Sich der Lähmung nicht hingeben. Und sich um sich selbst kümmern, scheinen die Befindlichkeiten noch so nichtig zu sein. Wenn ich selbst nicht hell bleibe, kann ich nicht nach außen strahlen. Niemandem würde das nützen.“

Quelle: gestreift-beruehrt-geteilt.blogspot.de

Sie hat so recht.

Ich neige zu Extremen. Erstarre ich nicht, verliere ich mich dafür in höchst leidenschaftlichen Aktionismus. Mache dies, mache das, will und will die Welt noch immer retten und merke dabei kaum, wie ich mich immer näher an ein Ich-kann-nicht-mehr manövriere. Mein Körper sagt schon seit Tagen – seit Wochen, wäre ich ehrlich – dass ich ruhiger treten soll. Ein Fieberfeuer bremst mich aus und die Ärztin schreibt mich krank. Die ganze Woche soll ich mich auskurieren.

Ich neige zu Extremen. Ich gebe mich mit Haut und Haar hin. Ganz oder gar nicht. Obwohl ich so viel Lauwarmes in meinem Leben kenne. Tue. Habe. Ambivalenzen überall.

Tagelang habe ich alles über die Flüchtenden aus Syrien gelesen. Kaum etwas anderes gedacht und gefühlt. Mich erinnert an die Zeit, als ich im Flüchtlingszentrum gearbeitet habe. An die Gespräche mit den Geflüchteten. An ihre Erfahrungen. Und schließlich räume ich im Fieberrausch meine Schränke aus. Verpacke. Liefere ab. Spende. Überlege, im Dorf eine Hilfsmittelsammlung anzuleiern. Oder zumindest im Haus. Oder doch nicht. Und ich lese auf Twitter, was andere tun. Was andere können. Was andere schaffen. Wo Hilfe nötig ist. Was schon erreicht wurde. Und ich lese auch auf FB. Ich teile da und dort. Retweete. Verlinke. Vernetze. Und ich leide. Ich leide mit. ich leide körperlich. Ich bin, so scheint es mir jetzt, wieder einmal besessen vom Leid anderer, weil ich es lösen möchte und nicht kann. Und weil es mir das eigene Leid erträglicher macht.

Doch auf einmal geht gar nichts mehr. Wie ein Ballon mit Loch sacke ich in mir zusammen.

Hochsensibilität ist Segen und Fluch. Ich sehe und nehme wahr, was andere nicht sehen und spüren. Aber ich kann so verdammt schlecht priorisieren, kann mich schlecht abgrenzen, bewerte alles gleich wichtig. Was es im Grunde ja auch ist. Weil jeder Mensch gleich wichtig ist.

Heute aber, heute – morgen vielleicht auch und vielleicht die ganze Woche? – heute faste ich Nachrichten, Krautreporter, Twitter, FB und Co.. Nennt mich egoistisch. Egal.

***

Und ganz allmählich tauchen wieder eigene Wörter auf. Und ich verstehe: Mich interessiert nicht das Abbild, sondern die Interpretation. Dieses Da. Dieses Jetzt.

Eine Geschichte ist das, was bleibt, wenn der Wasserstand sinkt. Das Schwere. Die Schicht da, die Insel, die sich nicht wegspülen lässt. Wörter sind Sandkörner. Erdklumpen die Sätze.

Patchwork mal wieder

Am Morgen, wenn ich aufgewacht bin, wecke ich auch gleich mein smartes Telefon und lasse mich von ihm über alle möglichen Dinge informieren. Ich spaziere durch die virtuelle Welt.

Dabei lese ich …

  • Und ich lese meine Lieblingsblogs auf dem WordPress-Reader. Damit lassen sich übrigens auch Nicht-WordPress-Blogs abonnieren.

Wofür lebst du?
Gesicht – überklebt mit eine Post-it, auf dem steht: Wofür lebst du?
= Heute habe ich bei Der Emil ein echt geniales Projekt gefunden. Die Erinnerungsguerilla. Mehr Infos gibt es, wenn du aufs Bild nebenan klickst oder auf diesen Link → hier. Ich werde sicher mitmachen. Wann und wie wird sich noch zeigen. Aber angefixt bin ich definitiv. Das ist Kunst, wie ich sie mag.

= Bei Mützenfalterin durfte ich auch heute wieder sehr nährende Gedanken über die Zukunft unserer Demokratie lesen. Lest selbst → hier klicken. Besonders hängen geblieben bin ich beim Hinweis darauf, dass es sogenannte KarriereverweigererInnen gibt. Darüber gibt es hier → klicken zu Haus Bartleby ← mehr.

= Bei der Schweizer Bloggerin Sunnechind (Sonnenkind) las ich heute über Möglichkeiten in der Schweiz, Güter für Flüchtlinge aus Eritrea, Syrien und andere Länder gemeinsam zu sammeln und nach Calais zu transportieren. So werde ich heute endlich meine Schränke ausmisten. Und später Seifen, Zahnpasta, Zahnbürsten und so weiter kaufen gehen. Was immer Menschen brauchen können. Ich will endlich nicht nur reden und schreiben, sondern endlich auch handeln. [mehr …]
#HilfefürCalais.
Schöne Decken für Kinder auf der Flucht zu nähen, überlasse ich, mangels Nähtalent, lieber andern. Wobei ich die Idee und das Projekt echt genial finde.

= Bei Canela, allerdings auf FB, habe ich schon vor ein paar Tagen einen wunderbaren Beitraglink gesehen, den ich mir heute endlich in Ruhe richtig anhören und ansehen konnte. Über das Gedächtnis der Bäume. Nein, keine Esoterik. Trockene Wissenschaft. Wer keine Zeit hat für den ganzen Beitrag, höre sich doch wenigstens Minute 7 bis 8 an: Über das Netzwerk des Waldes, das raffinierter und sozialer ist als jedes Internet. Ich gestehe: Das Sozialverhalten der Bäume hat mich sprachlos gemacht. Auch kann man heute nachweisen, dass Bäume Schmerzen leiden und Mitgefühl empfinden. Und dass sie sich gegenseitig unterstützen. Was ich immer schon ahnte und spürte, hat nun auch die Wissenschaft erkannt.

Waldfilm
Draufklicken zum Film

Alles hängt zusammen. Die Bäume zeigen uns wie!

  • Danach lese ich neue Tweets in meiner Timeline und besonders jene meiner Lieblingstweetles. Ich erfahre, was in Ungarn geht oder eben nicht. Informiere mich. Lese und fühle. Folge Links. Verlinke weiter. Retweete. Freue mich über die spürbare Solidarität.

+++

Zwar nicht heute Morgen, aber gestern Abend las ich in LIEBEN von Karl Ove Knausgård, wie er am 60. Geburstag seiner Mutter eine Rede hält. Eine sehr feine Rede.

„Es gibt einen Film von Frank Capra, in dem es genau darum geht. It’s a Wunderful Life von 1946. Es geht darin um einen guten Menschen in einer amerikanischen Kleinstadt, der am Anfang des Films in einer tiefen Krise ist und alels aufgeben will, was er hat. Dann greift ein Engel ein und zeigt ihm, wie die Welt ohne ihn gewesen wäre. Da erst ist er im Stande, zu erkennen, welche Bedeutung der für andere Menschen hat. Ich glaube nicht, dass du den Beistand eines Entels benötigst, um zu verstehen, wie wichtig du für uns bist. […] Du lässt allen umd dich herum genügend Platz , um sie selbst zu sein.“ So redet Knausgård zu und über seine Mutter. Eine schöne Hommage.

Mutter werde ich zwar mit fünfzig nicht mehr, aber vielleicht werde ich ja mal Leihgroßmutter, wer weiß? Das wäre ich wohl gerne … die weisen* Haare dazu hab ich ja nun. (*… ja, das muss so.)

Fällt mir der Film ein, den ich gestern auf Arte geschaut habe: Clara geht für immer.
Ein Film voller Leidenschaft in allen Facetten, äußerst überzeugend gespielt. All diese unendlich schönen und unendlich schweren Seiten der Liebe zwischen Mutter und Sohn (Clara als Mutter), Mutter und Tochter (Clara als Tochter) und zwischen Schwestern. Dramatisch, ehrlich, berührend.
[Zur Geschichte: Die 43-jährige Theaterschauspielerin Clara (Jeanne Balibar) bekommt eine vernichtende Diagnose: unheilbarer Lungenkrebs. Um sich einen qualvollen Tod zu ersparen, sucht sie eine Klinik in der Schweiz auf, um begleitete Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. – Die Schauspielerin und Sängerin Jeanne Balibar überzeugt in der charakterstarken und komplexen Rolle der krebskranken Clara.]
Triggerwarnung: Sterbehilfe. Krebs.

Und jetzt werde ich mal meine Schränke ausräumen.

Respekt und so Sachen

Ich habe Respekt vor Menschen, die in größeren Zusammenhängen denken können. Frau Meike zum Beispiel. Diesen Artikel gestern, den ich auf Twitter verlinkt habe, müsste Pflichtlektüre sein.

Bitte lies ihn: Die Enden der Skala (hier klicken). Wie Übervölkerung Seximus auslösen kann und zu kurzes Denken und Fehlinformationen uns in eine Einbahnstraße führen, aus der es vielleicht kein Zurück mehr gibt.

Auf dem Weg zur Arbeit denke ich über diesen Text nach. Denke darüber nach, dass und wie wir Menschen uns vielleicht eines Tages selbst ausrotten. Weil es noch nicht mal mit dem Umdenken klappt, geschweige denn mit dem Umhandeln. Unser Körper, so sinniere ich unterwegs, unser aller gemeinsamer Körper ist die Erde. Oder unsere Mutterbrust. Aber so wie wir damit schindludern, nun ja … ihr wisst es selbst.

Tendenziell verliere ich ob all des Schrecklichen, das ich um mich herum und in der Welt wahrnehme, den Blick für das Gute, für die Details, für die Schönheit. Aber nein, das kann es auch nicht wirklich sein, denn das fördert ja meine Absicht, die Mitwelt zu einem besseren, lebenswertvolleren Ort zu machen, auch nicht.

Vollgepackt mit Post aus dem Kasten, öffne ich die Schulhaustüre. Ein paar Kinder sitzen an den Tischen im offenen Foyer und scherzen miteinander. Einige brüten über Heften, einige grüßen mich.

Respekt!, denke ich. Wie es der Welt geht, wie es unseren Mitmenschen geht, wie es mir selbst geht, hängt davon ab, wie viel Respekt ich-du-er-sie-es von den andern bekomme/bekommt und diesen entgegenzubringen fähig ist.

Doch wie bringt man einem Kind Respekt bei?, frage ich mich, während ich die Bürotür aufschließe. Manche haben ihn, manche nicht. Respekt kommt von Rücksicht und äußert sich darin, dass wir unsere Mitmenschen und unsere Mitwelt aufmerksam wahrnehmen und behandeln, freundlich mit allen umgehen, aufrichtig sind und aufmerksam sind auf deren Bedürfnisse und deren Belastungsgrenzen. Und dass wir uns unseres Handelns im Kontext mit unseren Mitmenschen und unserer Mitwelt, dass wir uns der Wechselwirkungen bewusst sind. Mit uns selbst mit drin, denn Respekt fängt bei mir an. Schließt mich ein. Ich bin Teil meiner Mitwelt.

Wechselwirkungen also, mich als Teil des Ganzen wahrnehmen, wissen. Das kann aber nur funktionieren, wenn alle mitmachen. Oder viele. Wenn viele in großen Zusammenhängen denken. Wenn viele Verantwortung übernehmen.

Demokratie gut und schön, aber nicht immer handelt die Mehrheit richtig. Nicht, wenn sie gleichgültig geworden ist, nicht, wenn sie verstummt ist und wegschaut. Nicht, wenn sie Affe spielt – Siehtnix, Hörtnix, Sagtnix.

Bevor ich ins Büro gefahren bin, war ich zuerst für eine Stunde im Chefbüro im Nachbarort – den Chef bei seiner Abschlussarbeit für die Weiterbildung coachen. Sein Büro ist auch in einer Schule, einer Grundschule. Wie ich vom Parkplatz zum Büro gehe, höre ich hinter mir die Stimme eines Mädchens, eine singende, eine glücklich singende Stimme. Ich drehe leicht den Kopf und sehe sie. Vielleicht fünf oder sechs Jahre alt. Mit dem Trottinett auf dem Weg zum Kindergarten. Selbstversunken. Eins mit sich und der ganzen Welt. Ich gestehe, dass ich sie um ihre Leichtigkeit beneidet habe. Und ich habe ihr ganz fest gewünscht, dass sie sich viel davon bewahren kann. Dass sie ihr Lied nie verliert, und nie die Lebensfreude. Aber dass sie Verantwortung übernimmt. Dass sie mitfühlt und mitdenkt. Und dass sie in Zusammenhängen denken lernt.

Human meint human. Eigentlich.

Es ist ja nicht so, dass es zu anderen Zeiten sehr viel anders wäre als jetzt. Nur halt anderswo. Weiter weg. Wo man besser wegschauen kann. Ich jedenfalls.

Und nun geht das grad überhaupt nicht mehr. Nicht bei mir. Und obwohl ich weiß, dass ich im Moment – hier wo ich bin – nicht viel ausrichten kann, außer Haltung zu zeigen, fühle ich mich schuldig. Nicht, weil ich Kriege angezettelt habe. Aber weil ich Teil dieser Gesellschaft bin. Schuldig? Oder nennen wir es wohl besser mitverantwortlich.

Ich sitze da und stelle mir vor, wie sich diese Familie wohl fühlt, von der gestern die Kaiserin (→ hier) gebloggt hat. Das Kleinkind, das körperlich behindert, mit den Eltern und seinem Geschwister auf der Flucht war. Wochenlang vielleicht. Wie sich das Kind fühlt, wie es denkt, was es denkt, was es sieht, wenn es morgens in diesem Moabiter Flüchtlingslager aufwacht. Was fühlt die Mutter? Was der Vater?

Es gelingt mir nicht, diese vielen flüchtenden Menschen als Masse zu sehen. Ich sehe Menschen. Einzelne Menschen. Viele einzelne Menschen, die genau so wie ich denken, fühlen, hungrig & durstig sind, bedürftig, müde, sich zurückziehen wollen …

Wenn dann andere Menschen in unserer Zeit und in unseren Ländern so tun, als hätten sie mit alledem nichts zu tun, kommt mir die Galle hoch.

Eine tolle Antwort auf einen solch ignoranten Kommentar hat hier Liisa geschrieben:
„Dass sich heute Clans um Ölquellen schlagen, viele Länder Dikatoren haben, etc. etc. sind in den allermeisten Fällen Folgen kolonialen Verhaltens von Europäern, das bis in die Jetztzeit – nur mit anderen Mitteln und heute (meist) nicht mehr so bezeichnet – fortgesetzt wird. Es sind die Folgen davon, dass wir (Europäer, Deutsche, US-Amerikaner, etc.) Waffen in diese Länder bzw. an Diktatoren verkauft haben, und uns daran Jahr für Jahr goldene Nasen verdienen.

Sie haben recht, dass die Vergangenheit, bzw. Teile davon nicht der einzige Grund sein sollte, warum wir Menschen in Not heute helfen, aber es ist einer von diversen Gründen. Weitere Gründe sind z.B. die Menschenrechte, die nicht nur für privilegierte Weiße/Reiche gelten, sondern für alle Menschen und dass man Menschen in höchster Not nicht die Tür vor der Nase zuschlägt.“
(Quelle: Kommentar von Liisa Charming Quark)

Schnitt.

Vor ein paar Tagen. Zwei Zwölfjährige haben sich geprügelt.  Einer ist auf den andern los. Hat ihn getreten. Tage später hat jener, der zugeschlagen und getreten hat, den andern um Verzeihung gebeten. Der andere hat ihm verziehen. Im echten Leben. In dieser Welt.

Allen Menschen Frieden – ja, das wünsche ich mir, seit ich denken und wünschen kann. Allen. JAWOHL, ALLEN! Auch wenn dieses verdammte ALLEN auch jene meint, die Kriege anzetteln.

Nein, es ist nicht so, dass es zu anderen Zeiten sehr viel anders wäre als jetzt. Leider nicht. Ich wünsche mir für mich, dass ich in mir endlich Frieden mit dieser Welt voller Kriegsherde machen kann. Nicht resigniere und verbittere, sondern bereit zu handeln. Dass ich meine Kraft nicht in die Empörung und das Entsetzen, nicht in die Hilflosigkeit und Verzweiflung stecke, wie ich es im Moment leider tue, sondern dass ich sie für Mitgefühl und Handeln-bei-Bedarf einsetzen kann.

Mach doch auch mit beim Crowdfunding #Blogger für Flüchtlinge – Menschen für Menschen: Jetzt spenden: Bitte hier → klicken!

screenie Blogger für Flüchtlinge

Das doppelte Rheinfelden

Kurz nach drei Uhr stehen Freundin E. und ich auf dem gleichen Bahnhof, wo ich sie vor knapp zwei Tagen abgeholt habe. Eine wunderbare Zeit mit nährenden Gesprächen und viel zu kurzen Nächten haben wir zu zweit zusammen verbracht. Mit schönen Spaziergängen, lecker Essen und Trinken. Die feine Flasche Wein.

Urban ArtWalk Brugg | © by Sofasophia
Ein großes Geschenk ist solche Offenheit. Mein Herz ist weit, weich, dankbar und tut ein bisschen weh, wenn ich an den nahen Abschied denke.

Nun fährt sie also gleich zurück, nach Hause, nordwärts. Doch warum steht auf dem Ticket nicht die gleiche Abfahrzeit wie auf der Bahnhofsanzeige? Vier Minuten Unterschied? Ein Fehler bei der Deutschen Bahn, die das Ticket ausgestellt hat? Also wirklich! Ich checke mit meiner Bahnapp, wann der Zug, den wir hier erwarten, in Basel ankommt. Auch diese Zeit stimmt nicht mit den Zeiten auf E.s Ticket überein. Seltsam das. Auf einmal, es ist schon ein paar Minuten später, begreife ich: Wir sind am falschen Bahnhof!

Rheinfelden Schweiz und Rheinfelden Deutschland sind nämlich wie Lotte und Luise, bekannt als das doppelte Lottchen. Erich Kästner lässt grüßen. Doppelte Grenzorte gibt’s noch mehr hier in der Gegend. Auch Laufenburg und Basel gibt es ja sozusagen zweimal. Und nun das!? Ich hätte es wissen müssen!

Genau jetzt fährt E.s Zug ab. Aber nicht hier, sondern drüben, auf der anderen Seite, im andern Ort, auf der anderen Seite des Rheins. Mist aber auch! Hätte ich doch! Hätten wir doch! Dass ich das nicht gemerkt habe? Dass ich nicht mal geguckt habe?! Ich ärgere mich furchtbar. Freundin E. ist nur ganz kurz konsterniert, dann sofort lösungsorientiert. Wo kann ich den Zug, oder dann den nächstbesten, denn erwischen?

Mit dem Zug, der bald kommt, könnte sie zwar nach Basel Schweiz fahren, aber sie hat ja keine gültige Fahrkarte und müsste dort eh umsteigen, den Bahnhof, das Land wechseln und so weiter …

Wir gehen zurück zum Auto. Ich bitte meine Kartenapp, mich zum badischen Bahnhof Basel zu navigieren. Sie tut es, ob gern oder nicht ist mir egal. Schließlich sind wir dort. Keine Ahnung, was das neue Ticket kosten wird. Das Superbilligticket ist nun hinfällig und irgendwie finde ich das echt doof. Solche Geldverluste tun mir, auch wenn es andere trifft, immer furchtbar weh.

Doof ist auch (und ich gestehe, dass ich weit weniger gelassen bin als Freundin E.), doof ist auch, dass es keinen einzigen freien Parkplatz in der Ein- und Aussteigebucht am Badischen Bahnhof gibt. Ich kann das Auto also hier nicht stehen lassen. Eine Buße muss heute nicht auch noch sein, wo ich doch vorhin schon bei Dunkelorange über eine Kreuzung gebrettert bin.

Schweren Herzens lasse ich also meine liebe Freundin ziehen. Sie ist unglaublich zuversichtlich. Das wird schon!, sagt sie. Irgendwann werde ich daheim ankommen. Gut ist doch auch, dass es erst beim Heimweg passiert ist, das Malheur, und dass wir doch so viel Zeit zusammen hatten! Aber verflixt ist es ja schon, sagt sie nun. Auch diesmal ist U. krank geworden und konnte nicht dabei sein. Und auch diesmal gab’s bei mir eine Zugpanne.

Später, von daheim aus, rufe ich sie an. Sie sitzt bereits im Zug und wird mit diesem sogar früher als mit der billigen Verbindung daheim sein. Und das Sahnehäubchen: Beim Aufpreis war die Bahn mal wieder kulant und hat ihr nicht den ganzen Fahrpreis verrechnet. Hut ab, Deutsche Bahn!

Gute Fahrt, liebe E.!

Leerstellen & Leerschläge

Apostroph Dass mich Deppenapostrophe nerven, die viele Menschen vor ein Genitiv-S setzen (Anna’s Garten), habe ich ja schon am einen oder andern Ort bekannt. Diesen Apostroph gibt es nämlich in der deutschen Sprache nicht. In unserer Sprache ist der Apostroph ein Stellvertreter für einen ausgelassenen Buchstaben (drum ist ja Hans‘ Garten möglich).

Sorry, aber manche Regeln müssen einfach sein. Punkt.

Dass nun aber zum Deppenapostroph auch immer öfter der Deppenleerschlag kommt, dieser Leerschlag da, wo eigentlich ein Bindestrich hinkommt (Motor Inspektion statt Motor-Inspektion oder Motorinspektion), finde ich bedenklich.

Und ja, zu viel Leerschläge werden auch im falschen Umgang mit Bindestrichen gemacht. Wenn nämlich der Bindestrich als Gedankenstrich (Halbgeviertstrich, der ein bitzeli länger ist als der Bindestrich) verwendet missbraucht wird, sieht das dann so aus: Motor – Inspektion.

Riesengroßes Autsch.

Die ersten beiden Unsitten sind der englischen Sprache abgekupfert. Haben sich wie Schlingpflanzen in unsere Sprache eingefressen. So willkommen mir multikulturelles Gut im zwischenmenschlichen Bereich ist, so intolerant bin ich bei der Sprache. Nennt mit spießig, aber für mich gebühren jeder Sprache ihre Regeln.

Konkret: Schreibe ich englisch, verwende ich ein Genitiv-S und es heißt somit Anna’s garden. Kein Thema. Und dann heißt es auch Motor inspection, mit Leerschlag dazwischen.

Warum mir das so wichtig ist? Weil die deutsche Sprache schön ist. Tippfehler sind lässlich und passieren allen. Davon spreche ich nicht. Ich spreche von Sorgfalt. Unsere Sprache ist Teil unserer Umwelt, darum sollten wir ihr Sorge tragen. Sprachschluder ist für mich wie Müll am Strand. Dosen oder Scherben, an denen man sich stößt oder sich gar verletzt. Abgesehen davon, dass sie da nichts verloren haben.

Ich habe nichts gegen Sprachneuschöpfungen und Wortspiele, und ich liebe den kreativen, gerne auch anarchistischen Gebrauch der deutschen Sprache; aber solange wir so tun als würden wir deutsch schreiben, dann sollten wir nicht nur so tun als ob. Das macht nicht Sinn, sondern ergibt Sinn und ist sinnvoll (Sinn machen ist, aber das wisst ihr bestimmt all, eine falsche Übersetzung von to make sense).

Ähm. Wo war ich gleich?

Ach ja, Leerschläge. Und Leerstellen. Am richtigen Ort sind sie absolut notwendig.
Musik ohne Pause? Vergiss es.
Texte ohne Abstände zwischen den Wörtern und auch zwischen den Buchstaben sind unlesbar. Unverständlich.

Tage ohne Pausen machen krank.
Arbeit ohne Ausgleich auch.

Alles ohne Nichts ist tödlich.

Und ich vermute, ganz still und leise, je länger ich als Leserin virtuell mit Irgendlink im kargen, schönen, stillen Lappland unterwegs bin, dass wir nur deshalb so viel Bespaßung und Ablenkung brauchen, weil wir vergessen haben, wo der Ausschaltknopf ist.

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(… jaja, ein bisschen ist das natürlich augenzwinkernd gemeint. Ich kann ja nicht verlangen, dass alle … ja, was überhaupt? … na, ihr wisst schon … aber weh tut’s mir halt schon … )

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Mehr über die Deppenleerschläge gefällig?

Mehr über die Deppenapostrophe gefällig?

EDIT (Nachtrag am Nachtag)

Es ist NICHT meine Absicht, Menschen, denen das Schreiben nicht so leicht fällt, zu nahe zu treten oder gar jemanden zu verletzen.

Ich nerve mich über fehlerhaftes Deutsch vor allem in publizierten Texten von sogenannten und selbsternannten Profis wie WerbetexterInnen, Journis, RedaktorInnen etc.

Weil ich ein Mensch bin

Es ist diese ewige, seltsame, unfassbare Ambivalenz. Zerrissenheit sogar. Oder Hin- und Hergerissenheit. Das Leben auf der Wippe. Es ist dieses Mal so-mal so, das uns vermutlich ganz besonders von den Tieren unterscheidet.

Wie ich immer tiefer in die Schichten von Knausgårds Buch Lieben einsinke und dabei erschrocken feststelle, dass auch andere, außer mir, solche beinahe abstrakten Sinneswahrnehmungen haben, wie er sie beschreibt, werde ich mir bewusst, dass ich vermutlich bisher von Lieben erst einen kleinen Vorgeschmack erhalten habe. Ich liebe weder mich noch andere so vollumfänglich, dass ich einfach jederzeit in der Liebe sein kann. Immer ist mein Lieben verknüpft mit subjektiven Ereignissen, mit Erfahrungen, mit Bedingungen, mit Zusammenhängen. Es ist kein Lieben-an-sich. Kein Lieben um der Liebe willen. Mag sein, dass das furchtbar negativ klingt, furchtbar depressiv sogar. Ist aber nicht so gemeint. Ich bin mir einfach nur, einmal mehr, meiner Beschränktheit, meiner Grenzen bewusst. Und dass ich vermutlich gar nicht anders sein kann als so. Weil ich als Mensch so bin.

Wären da bloß nicht diese unerreichbar hohen Ansprüche an mich. Diese perfekte, losgelöste, den andern ganz und gar meinende, objektive, umfassende Liebe gibt es sie vielleicht unter uns Menschen gar nicht – außer in unseren romantischen Vorstellungen? Selbst als die Mutter eines kleinen Buben, die ich ja mal war, muss meine Liebe mit Bedingungen verknüpft gewesen sein wie, dass mein Sohn wunderbar, herzig, schlau … ist

Mag sein, dass unser Geschmack – alles was uns gefällt – äußerlich von den Umständen neu tariert wird, wenn uns jemand sympathisch ist, den wir im ersten Moment mit unseren bisherigen, inneren Wertmaßstäben nicht attraktiv fanden. Dass wir jemanden auf einmal schön finden, einfach darum, weil er uns sympathisch ist. Und dass sich sodann der Inhalt unseres Schön-Begriffes verändert. Doch sind äußerliche Aspekte denn nicht nicht immer irgendwie trügerisch? Ohne blinden Menschen da mit Vorurteilen meinerseits zu nahe treten zu wollen, doch zuweilen frage ich mich ja schon, ob es vielleicht einfacher ist, Menschen zu mögen, wenn man sie nicht sieht? Ist dafür nicht sogar die Welt der sozialen Medien ein Beweis?

Möglich, dass auf Grund von Stimmen, Texten, Berührungen, die Wahrnehmung eine reinere ist, eine wahrere, eine unabgelenktere, doch ist nicht selbst dann Lieben von subjektiven Faktoren abhängig? [Oh, ich merke schon … das, was ich da schreibe, kann ein anderer Mensch wohl nur schwer verstehen.] Ach. Und Liebe als etwas Universelles zu verstehen ist ja vielleicht gar nicht Sinn eines kleinen Lebens wie meinem. Universelle Liebe ist ja vielleicht nur das Innenfutter für unsere Illusion vom Liebengott?

http://waslesen.ch/wp-content/uploads/2014/04/Lieben.jpgWenn ich Knausgård lese, der noch ziemlich am Anfang des Buches über einen Kindergeburtstag-Nachmittag schreibt, über die Menschen dort und über die Begegnungen und wie er diese hinterher auch gleich wieder aus seinem inneren Speicher löscht und die keine Spuren bei ihm hinterlassen haben, und wie er emotional losgelöst ist von all den Menschen, die er im Grunde liebt, frage ich mich, zuerst entsetzt, dann begreifend, wie das sein kann. Denn ich merke, dass auch ich, wenn ich allein bin und an andere denke, manchmal nichts fühle, wo doch ganz viel Liebe sein sollte. Nicht nichts, aber nicht Wow-Liebe, sondern einfach: Ich bin da. Du dort. Und nun lasst mich doch bitte alle in Ruhe! Diese Verbundenheit, die ich unter allem und von allen zu allem und mit allem ahne, weiß, diese Verbundenheit fühle ich nämlich nicht immer.

Denke ich an Irgendlink, ist da immer, auch nach all den Jahren, dieser kleine Herzhüpfer, dieses kleine Aus-dem-Takt-kommen meines Herzschlages. Immer. Ich halte das für Liebe. Ich halte es für Verbundenheit. Die größtmögliche, die geht. Dieses Das-Beste-für-ihn-wollen ist immer da. Aber zugleich ist da auch mein Wollen. Es soll ihm möglichst gut gehen, doch er soll bitteschön täglich bloggen, möglichst schnell vorankommen (und bitte möglichst ohne Regen und Stress), möglichst viele schöne Pausen haben. Und am liebsten wäre mir, er wäre immer hier bei mir, mit mir.

Aber das alles geht nicht. Nicht alles. Nicht gleichzeitig. Alles, was lebendig ist, ist immer in Bewegung, im Prozess, in der Veränderung, in der Wandlung. Hin und Her. Wieder die Schaukel, siehe oben. Den Nullpunkt gibt es immer nur einen Bruchteil einer Sekunde lang im Vorbeischwingen. Die totale Stille ist immer nur im Jetzt. Nichts kann ich aufhalten. Alles schwingt. Alles fließt. Alles pumpt sich, wie es Irgendlink heute (hier) gebloggt hat, von A nach B und so weiter.

Getriebensein? Ist es das? Ist das die große Verwechslung? Dass wir eigentlich zu sein und zu lieben meinen, es aber mit diesem ewigen Strom verwechseln?

„Denn Sinn ist nichts, was wir bekommen, sondern etwas, das wir geben.
Der Tod macht das Leben sinnlos, weil alles, wonach wir jemals gestrebt haben, mit ihm aufhört, und er macht das Leben sinnvoll, weil seine Gegenwart das wenige, was wir davon haben, unverzichtbar, jeden Augenblick kostbar macht.
Aber in meiner Zeit war der Tod entfernt worden, er existierte nur noch als fester Bestandteil in Zeitungen, Fernsehnachrichten und Filmen, wo er nicht den Abschluss eines Verlaufs markiere, die Diskontinuität, sondern angesichts der täglichen Wiederholung im Gegenteil eine Veränderung des Verlaufs, eine Kontinuität bedeutete, und so seltsamerweise zu unserer Sicherheit und zu unserem Halt geworden war.“

Zitat aus Lieben von Karl Ove Knausgård

Die Erkenntnis, dass ich im Grunde immer wieder bei Null, das es so also gar nicht wirklich gibt, anfange, macht mich demütig. Nichts wirklich zu verstehen, nichts wirklich Wesentliches – nur solange ich darüber nachdenke, ist das Ding wesentlich, für mich – zu leben. Aber vielleicht geht es genau darum? Wegzukommen von diesen großen hehren Zielen. Nicht, dass ich nicht noch immer die ganze große weite Welt retten wollen würde … Aber weiß ich denn wirklich, was sie braucht, um gerettet zu werden? Wovor und wohin?

Ist es da vielleicht für mich nicht besser, mich treiben zu lassen? Mich hinzugeben? Dem Schreiben zum Beispiel. Den Worten. Und zu verstehen, dass Liebe immer subjektiv ist.

Wieder da … oder doch noch nicht ganz?

Als ich  am Montagmittag durchs Dorf Richtung Arbeitsplatz radelte, ertappte ich mich dabei, wie ich die Leute auf der Straße ganz selbstverständlich mit Hej-hej grüßen wollte. Auf dem Weg zur Arbeit, kurz vor dem Büro, ein Anruf meines Chefs. Wann wir uns wo sehen zur Lagebesprechung und so, wollte er wissen. Morgen, elf Uhr?, frage ich. Wie immer? Erst als ich aufgelegt hatte, merkte ich, dass das meine ersten schweizerdeutschen Worte seit Wochen gewesen waren.

Alles wie immer?

Nein, wie immer ist es noch nicht. Wird es auch hoffentlich nicht so bald. Was dieses ‚wie immer‘ auch immer sein soll.

Und heute, im Büro, wie ich mit meiner Arbeitskollegin unser neues Büro fertig einrichte – den Tisch so? Oder doch besser so? Meinen Rechner da? Oder nein, so ist es besser! – spreche ich nach einer kleinen Pause auf einmal hochdeutsch mit ihr. Ganz automatisch. Immerhin nicht englisch.

Bin ich also wirklich schon da?

Schweden 4_Falun_54Genau heute vor einer Woche, um diese Zeit, saß ich mit dem Liebsten am See. Es war ein wunderbarer Abend, einer der schönsten unserer acht Tage in Falun-Udstiggen. Wehmut vor dem bevorstehenden Abschied wollte sich ein klein bisschen vor den Augenblick des Genießens schieben. Am Nachmittag hatten wir ein Interview geführt. Ich wollte ein paar Dinge über die Reise erfahren, die – so dachte ich mir – vielleicht auch andere interessieren.
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Wir hatten nach dem Abendessen einen Spaziergang in der nächsten Umgebung unternommen, im Quartier, am See, am Wald, der immer länger und länger wurde und einmal mehr merkte ich, was ich so sehr mag an Schweden, an Skandinavien. Und was ich eben manchmal in der Schweiz vermisse: Weite.

Mag sein, dass anderes das viel weniger brauchen als ich, doch für mich bedeutet Weite definitiv Lebensqualität.

Enge – im Denken ebenso wie in der konkreten Wirklichkeit des Raumes (wie wirklich diese auch immer ist) – bekommt mir schlecht.

Heute, im Büro, als wir kurzzeitig zu viert hin und her sprachen, Dinge klärten, hätte ich am liebsten gerufen: Seid doch alle mal still. Obwohl … da musste ich eben einfach durch.

Später hat meine Kollegin aus Versehen den Alarm ausgelöst, als sie die Nottüre entriegelt hatte. Was für ein schriller Ton, der doch glatt meinen Tinnitus übertönt hat. Gut, dass Kollege R. den Trick kannte und uns erlöste.

Wenn es so etwas wie Schreiasphalt gibt, über den Irgendlink heute getwittert hat, muss es wohl auch so etwas wie Kreischräume geben?

Schulhausflure zum Beispiel. Ich mag es, dass die Schule diese Woche noch fast leer ist. Nur wir zwei Verwalterinnen und die beiden Schulleiter waren am Morgen da, dazu ein paar Lehrpersonen, die im Laufe des Tages kamen und gingen. In einer Woche schon werden die Flure wieder Kreischflure sein. Nicht, dass ich mich nicht auf die Kids freue …
… aber Stille, Weite, Leerheit sind Qualitäten, die ich nie mehr missen möchte.

Apropos Schweden: Ich habe mit dem zweiten Buch der Knausgård-Biografie angefangen, Lieben,  das in Malmö, Schweden, geschieht. Nach einem zähen Einstieg bin ich nun wieder in diese wunderbar-bildreiche, berührende Sprache voll mit Knausgårds ehrlichen, selbstkritischen Beobachtungen eingetaucht. Und seiner Auseinandersetzung mit dem schwedischen Lebensstil, den er, als Norweger, seltsam findet.

Fremd und vertraut ist mir diese Welt hier. Die dort ebenfalls. Und manchmal frage ich mich, ob man wirklich je irgendwo, geografisch gesprochen, daheim sein kann. Oder ob das nicht eine der größten Illusionen überhaupt ist.