Keine Regel ohne Ausnahme – Liebster-Award again

LIebsterBlog-AwardLang ist es her, dass ich hier herumgetönt habe, man möge mir doch bitte keine Stöckchen und Awards mehr zuwerfen. Nicht aus Arroganz schrieb ich das, denn ich fühlte mich immer sehr geehrt bei Nominierungen und Stöckchenwürfen in meinen Garten; eher bat ich wohl darum, weil ich nicht so gut darin bin, Regeln anderer einzuhalten. So irgendwie.

Dass ich jetzt, nach anderthalb Jahren, doch eine Ausnahme mache, hat zum einen mit den spannenden Fragen zu tun, die mir Zora Debrunner gestellt hat, die unter Demenz für Anfänger über das Leben als Enkelin einer demenzkranken Frau erzählt. Merci beaucoup, liebe Zora. Zum anderen, sagt selbst, was wäre eine Regel ohne Ausnahme? Eben!

Zoras 11 Fragen an mich:

1. Warum hast du angefangen, dieses Blog zu schreiben?
Dies hier ist bereits mein drittes Webtagebuch. Angefangen habe ich 2004, ein knappes Jahr nach dem Tod meines Sohnes, um den Verlust zu verarbeiten und meinen FreundInnen Einblick in meinen Prozess zu geben. Das Schreiben wurde immer mehr zu einer heilsamen Lebensnotwendigkeit und irgendwann wurde aus dem eher biografischen Schreiben auch ein Geschichtenschreiben. Ich habe inzwischen in einigen Büchern Geschichten veröffentlicht und schreibe regelmäßig journalistisch für eine Zeitschrift. Nach den handgestrickten Webseiten der frühen Jahre im Weweweh wechselte ich 2009 zu WordPress. An der Motivation – Alltagsbewältigung/Verarbeitung/Verdauung – hat sich nicht viel geändert, auch wenn noch andere Motive dazugekommen sind. Zum Beispiel so etwas wie ein Training für die Schreibmuskeln, zum Warmbleiben, besonders in weniger kreativen Phasen, ist das Bloggen auf jeden Fall für mich.

2. Wie kommst du zu deinen Texten? Was inspiriert dich?
Das Leben selbst füttert mich mit Schreibstoff, das Leben mit all den Ecken und Kanten, die es mir in den Weg stellt. Mein Leben ebenso wie das meiner Mitmenschen. Die stetige Veränderung meiner Umwelt bietet unendlich viel Denkfutter. Hinschauen, Denken und Schreiben sind für mich fast Synonyme Ich sehe mich als Beobachterin und als eine, die versucht, zu verstehen.

3. Würdest du gerne vom Schreiben leben? Oder, wenn dies bereits der Fall ist: was musstest du unternehmen, damit du vom Schreiben leben kannst?
Oh ja, gerne. Sehr gerne. (Hey, Fee, hast du das gehört!?)

4. Wie sähe dein perfekter Tag aus?
Oh. Äh. Perfekt? Die Perfektionistin-in-mir runzelt die Stirn, weil sie weiß, dass perfekt nicht wirklich geht. Und weil dem allzu Perfekten immer ein bisschen etwas Steriles anhaftet. Nennen wir es: beglückend, friedvoll, mich beschenkt fühlend, okay? Ein solcher Tag also ist es, wenn ich nicht (allzu sehr) ins Depressive abdrifte und am Abend zufrieden mit dem Leben und dem, was war und ist, ins Bett gehe. Dem Liebsten zuflüsternd: Danke, das war ein echt toller Tag an deiner Seite. Dieser Tag hatte genug Momente tiefster Konzentration, genug Pausen, genug Nahrung, genug Luft und Licht. Genug Lachen und Stille. Dieser Tag war wie ein Musikstück, das ich höre und mich dabei wohlfühle.
Ob Ferien-, Frei oder Arbeitstag: Ein guter Tag ist einer ohne Wecker. Ich erwache von selbst, habe gut, tief und genug geschlafen und erfreue mich am Liebsten neben mir. Nach einem gemütlichen Früh- oder Spätstück gehen wir an freien Tagen raus in die Natur (zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Auto …) und genießen Bewegung und Ruhe. Ist es ein Arbeitstag, dann irgendwie so: am PC arbeiten, sprich am neuen Buchprojekt weiterschreiben oder ein bestehendes überarbeite, Bilder bearbeiten etc.. Mails schreiben. Kontakte pflegen. Soziale Medien besuchen. Den Gedanken Raum geben.
Am Feierabend mit einem gemütliche Abendessen – zusammen gekocht – den Tag abschließen und je nach Lust und Laune ab und zu mal ins Kino oder an ein Konzert gehen oder aber daheim gemütlich chillen, sprich lesen (!!!), einen Film schauen, Bilder appen, erzählen und zuhören, Besuch haben/machen etc. Und gerne dürfen an solchen Tagen auch andere Menschen mit dabei sein.

5. Wer hat dich in deinem Leben massgeblich geprägt?
Da muss ich im Plural antworten: Sicher die Eltern und meine Geschwister, dann aber auch nahe FreundInnen und Freunde. Und Ex-Partner. Mein Sohn, sehr. Und natürlich der Liebste. Und ja, auch Menschen wie Luisa mit ihren Büchern, Kursen, Mails und ihrem Internettagebuch.

6. An welches Erlebnis aus deiner Kindheit denkst du gerne zurück?
An meinen ersten Zelturlaub mit meinem zwölf Jahre älteren Lieblingsbruder und seiner heutigen Frau (die beiden sind seit über 40 Jahren glücklich miteinander). Mit dabei waren meine beiden fast gleich alten Geschwister. Wir haben bei Regen im Zelt Monopoly gespielt und unter den Giessbachwasserfällen Eisbecher gelöffelt. Und im Brienzersee gebadet und die Beatushöhlen besucht und … vermutlich habe ich damals den Campingvirus bekommen.

7. Dürrenmatt oder Frisch?
Wieso ‚oder‘? Ich bevorzuge ‚und‘. Würde ich aber ein Buch von Dürrenmatt oder Frisch auswählen müssen, nähme ich wohl eins von Frisch, weil ich von Dürrenmatt fast alle gelesen habe.

8. Welche Gegend magst du am liebsten und warum?
Oh, darf ich nur eine Gegend nennen? Ähm. Ich mag aber doch soo viele! Und eigentlich auch nicht wirklich nur bestimmte Gegenden, eher ganze Landstriche. Ich fange mal mit Südfrankreichs Meerstränden und Bergen an (ich sag nur Pyrenäen). Weiter geht’s in die Alpujarras in Südspanien. Und von da hüpfen wir nach Skandinavien. Sowohl den Süden Schwedens als auch Schwedisch-Lappland mit seiner Kargheit mag ich. Und auch die schwedischen Gegenden mittendrin. Und, ach, die norwegische Westküste, die natürlich auch. Sehr. Überhaupt: Norwegen! Und die Ostsee. Schleswig-Holsteins Küsten. Und die Alpen der Schweiz. Ja, die auch.
Ihr merkt es schon? Ich mag Natur, ich mag Meer, viel Himmel über mir und ich mag Berge, frische Luft, Weite, Aussicht, Weitsicht. Und Wälder, Felder und Wiesen. Und vor allem brauche ich keine Animation, ich brauche Ruhe. Und dann freu ich mich immer sehr auf mein Bett zuhause.

9. Wenn du nicht bloggen würdest (und es kein Internet gäbe), was würdest du dann tun?
Trotzdem schreiben, keine Frage. Habe ich ja auch vorher schon. Nur eben nicht öffentlich.

10. Glaubst du an das Gute im Menschen? Falls ja, warum? Falls nein, warum nicht?
Irgendwie schon. Aber. Das Gute ist ebenso vorhanden wie das Schlechte, Schlimme – so meine These. Vielleicht sind beide sogar aus dem gleichen Garn gehäkelt, denn wir sind alle alles, davon gehe ich aus. Darum sind wir auch in er Lage, Gutes und Schlimmes zu tun, oder – wie ich es lieber nenne – Lebensförderndes und Lebensfeindliches. Alles läuft auf die freie Wahl des Menschen hinaus. Sie unterscheidet uns unter anderem entscheidend vom Tier und darf nienie unterschätzt werden.
Ob wir von Natur aus gut oder schlecht sind, ist eine Frage, über die sich die PhilosophInnen aller Zeiten die Köpfe zerbrochen haben. Ich vermute eben: beides.
Wohl auch weil ich nicht wirklich an Altruismus glaube; ich denke, wir haben eher von Natur aus eine Art Überlebensaltruismus-Programm installiert. Wir Menschen wenden, um überleben zu können, gewisse Strategien an, genannt Sozialverhalten, und lernen, dass wir innerhalb tragender Beziehungen besser leben können, eben nicht nur überleben. So irgendwie ist dann irgendwie dieses Ding namens Liebe entstanden. 😉
Von Natur aus sind wir wohl aber weder gut noch böse, heißt also, wir verhalten uns sowohl lebensfördernd als auch lebensfeindlich, ich denke aber, dass wir von Natur aus, um des Überlebens willen, tendentiell lebensfördernd handeln. Was vermutlich gut ist.

11. Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der bloggen möchte?
Nicht nach rechts und links gucken, während du schreibst. Danach aber, also nach dem Veröffentlichen, immer wieder den Kopf heben und mit denen da draußen, rechts und links, ein paar freundliche Worte wechseln – Kommentare genannt. Dient nicht nur dem Netzwerken, sondern auch der Inspiration.


Da ich nicht gut darin bin, Regeln einzuhalten, siehe oben, werfe ich – wie schon bei den früheren Awards – den Liebsten-Award wie einen Blumenstrauß aus der Hüfte in die Lüfte. Jede und jeder, der in meiner Blogrolle steht, fühle sich bitte angesprochen. Und, ähm ja, bitte auch alle, die ich noch eingefügt habe.

Ich hoffe, mein Strauß findet genau die Richtigen.

Meine Fragen/Themen an euch:

1. Welche Ausdrucksart(en) ist (sind) dir am liebsten und warum?
2. Würdest du auch ohne Internet schreiben und/oder dich selbst ausdrücken?
3. Was inspiriert dich? Was motiviert dich zum Selbstausdruck?
4. Würdest du gerne vom Schreiben/Kunsten leben? Oder, wenn dies bereits der Fall ist: was musstest du unternehmen, damit es so geworden ist?
5. Wie sähe ein Tag in deinem Leben aus, wenn es so wäre, wie du am liebsten leben würdest?
6. Erzähle bitte von jemandem, der in deinem Leben Spuren hinterlassen hat. Welche Spuren sind es und warum sind sie für dich wichtig?
7. Welche Kunstrichtungen sprechen dich als RezipientIn am meisten an (Bücher, Bilder, Theater … etc.) und warum?
8. Dürrenmatt oder Frisch? Hesse oder Brecht? Wenn ja, warum nicht?
9. Wo würdest du wohnen und leben wollen, wenn es weder sprachliche noch finanzielle Grenzen gäbe?
10. Welche Charaktereigenschaften sind dir an dir und/oder an anderen am wichtigsten?
11. Über welche Themen würdest du niemals bloggen und warum nicht?


Und zum Abschluss hier noch die Regeln für diejenigen unter euch, die den Strauß, den ich gleich in die Luft werfen werde. Sie lauten wie folgt:

1. Bedankt euch bei der Person, die euch nominiert hat, und verlinkt sie auf eurer Seite.
2. Kopiert das Award-Logo in diesem Artikel oder holt euch ein zu euch Passendes aus dem Netz und stellt es sichtbar in euren Award-Blogartikel.
3. Beantwortet die 11 Fragen, die euch gestellt wurden und veröffentlicht sie in eurem Award-Blogartikel.
4. Denkt euch 11 neue Fragen für die BloggerInnen aus, die ihr nominieren wollt und stellt die Fragen in euren Award-Blogartikel.
5. Kopiert die Regeln und stellt sie ebenfalls in euren Award-Blogartikel, damit die Nominierten wissen, was sie zu tun haben.
6. Nominiert zwischen 2 und 11 neue BloggerInnen, die ihr gerne weiter empfehlen wollt. Das sollten möglichst solche sein, die noch wenig bekannt sind, aber empfehlenswerte Inhalte bieten.
7. Stellt die neuen Nominierungen auf eurer Seite vor und gebt den jeweiligen BloggerInnen eure Nominierung persönlich bekannt.


Und jetzt! Seid ihr bereit?  Hier ist der Strauß. Ich werfe … 3-2-1-loooos!

Na, gefangen?

Suppenkochereien

Eigentlich wollte ich hier ja mal wieder etwas Geistreiches schreiben, von meinem Buchprojekt erzählen und von der Schwierigkeit, sich auf eine Geschichte einzulassen ohne dabei den Kontakt zur Außenwelt zu verlieren. Doch weil ich dazu jetzt zu müde bin – ich habe heute bei meinem neuen Buchprojekt die 10’000 Wörter-Grenze geknackt – gibt’s heute eins der vielen Bildchen, die in der letzten Woche entstanden sind. Das hier habe ich gestern auf dem Handy gebastelt habe.

Zwei ziemlich ungewöhnlich geformte Karotten mit Armen und einmontierten Gesichtern reden miteinander: Lass uns baden gehen, sagt die eine, die andere: Du Suppenkoch du.

Und jetzt lese ich weiter im Buch des Norwegers Atle Naess: Die Riemannsche Vermutung. Nein, es geht dabei nur sekundär um Mathematik, primär geht es um einen Mathematiker, der versucht eine Biografie über Riemann zu schreiben und dabei zufällig über das Leben und die Liebe stolpert. Ein literarischer, mathematik-philosophischer Genuss.

Nichtstun oder nicht Nichtstun, das ist hier die Frage

Ich gestehe, dass mir Nichtstun nicht leicht fällt. Immer hockt da der leise Innere Zensor, der mich antreibt, etwas Sinnvolles zu tun. Jetzt, mit dem neuen Buchprojekt, würde ich allerdings und sowieso am liebsten immer nur an der Kiste hocken und schreiben. Geht natürlich nicht, weil ich ja auch noch anderes tun muss, soll, will. Oder eben auch mal nichts tun.

Gestern hat mir Irgendlink gezeigt, wie das geht. Und was tue ich, derweil er auf dem Nichtstu-Sofa nichts tut? Ich zeichne. Ihn. Beim Nichtstun.

Skizze. Jürgen mit unter den Kopf gelegten Armen. Gescannt und eingefärbt.
Irgendlink beim Nichtstun. Skizze gescannt, digital nachbearbeitet und eingefärbt.

Heute habe ich den Vorsatz gefasst, jeden Tag mindestens eine Stunde zu schreiben. Am Buch. (Inzwischen habe ich schon mehr als 2000 Wörter.) Oder etwas anderes Kreatives zu tun.

Wenn ich schon nicht Nichtstun kann, dann will ich wenigstens etwas tun, das mir Freude macht und mir ein gutes Gefühl gibt. Ich habe viel zu lange nichts Kreatives mehr getan – weder sinnlos noch absichtlich. Höchste Zeit also, wieder mit Farben und Buchstaben rumzuwerkeln.

[Aber nun gehen wir raus, ziehen dem Autochen die Winterschuhe an und genießen den sonnigen Tag.]

Lebensreisende sein

Inzwischen sind wieder alle Bilddateien auf meiner großen externen Festplatte nach Jahr und Monat geordnet. Zwar hatten sie sich von der kaputten Festplatte retten lassen, aber seither und bis vor kurzem hatten sie unter einem nichtssagenden Namen in nichtssagenden Riesenordnern ohne chronologische Logik gelegen hatten – quasi unerreichbar und unbrauchbar. Endlich wieder Ordnung also?

Ja, schon, aber …. denn auf ebendieser externen Festplatte sind nun sowohl die Originale als auch deren Systembackups sprich Dateikopien gespeichert. Damit habe ich nun die meisten Bilder doppelt. Außerdem liegen da auch Bilder, die im Laufe der Jahre über Downloads von Webseiteninhalten auf meinen Rechnern gelandet sind, in meinen schönen neuen Monatsordnern.

Kurz und gut: Mir bleibt nichts anderes übrig, als auszumisten, als Ordner für Ordner und Jahr für Jahr alle Bilder durchzugehen und die doppelten Bilder zu löschen.

Irgendlinks Softwaretipp das Listen und Ausmisten der Duplikate einer Software zu überlassen, will bei mir nicht funktionieren. Die ganz offensichtlich vorhandenen Duplikate werden vom Programm nicht als solche erkannt und gelistet. Ich werde also händisch − wie gestern − weitermachen, denn ob ich die doppelten Bilder nun in der Anwendung oder im Ordner einzeln anklicke, macht aj keinen großen Unterschied.

Soweit so gut. Gestern Nachmittag habe ich also, nach einem intensiven Arbeitsmorgen an der Schule (mit dem letzten Schulkonzert während meiner Zeit als Musikschulsekretärin) an die ältesten Bilderordner gesetzt.

Die Jahr 2000 bis 2003 waren bei mir eine noch fast digitale-Bilder-freie Zeit. Damals − dies war meine Zeit als Mutter (immerhin drei Jahre lang) − haben wir zwar bereits unsere analog aufgenommenen Bilder zeitgleich mit dem Abziehen- auf CD brennen lassen, doch nur wenige haben es damals dauerhaft auf die Festplatte meines damaligen Laptops geschafft. Eigentlich sind es sogar nur ein paar, doch sie zeigen mich mit meinem damals noch quicklebendigen Sohn und ich schlucke leer.

Mit dem Kauf meiner ersten digitalen Sonyshot im Frühling 2004 stieg meine Bildquantität schlagartig. Nicht, dass die Qualität jener Bilder mit den heutigen, die ich mit dem iPhone oder der Nikon mache, mithalten könnte, dennoch spüre ich hier bereits zuweilen, wie sich mir ein kreativer, experimenteller Weg auftut. Damals arbeitete ich noch mit Windoo und einer (dunkelgrauen) Photoshop-Version. Und schon damals mochte ich es, technische Geräte und Programme auszuprobieren. Das Webseite-Bauen (mit einem simplen halbgrafischen Programm) habe ich mir also ebenso wie das Bildbearbeiten selbst beigebracht. Vor allem über Try & Error. Damals wie heute komme ich mit Bedienungsanleitungen, Tutorials und Co. nicht wirklich gut klar, da ich alle geschriebenen Theorien immer gleich nach dem Lesen und Sehen wieder vergesse. Ich muss etwas verstehen können, die Logik dahinter fühlen, und ich muss einen Prozess in der Praxis erleben, muss etwas mit meinen Händen tun können, damit ich mir einen Vorgang merken kann.

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Müüsli
Stellanera – längst im Müüslihimmel
Tja und so klicke ich mich also heute weiter durch mein Leben. Erinnere mich. Grinse zuweilen. Über die Mäuse zum Beispiel. Hach meine Mäuse! Anno Tubak 2005 und 2006 muss das gewesen sein.

Ich reise weiter durch mein Leben. Werde meine Lebensreise betrachten. Werde zurückblicken. Werde, was ich da mit Schnappschüssen illustriert habe, zu verstehen versuchen. Werde meine Gedankenspuren aufnehmen und den roten Faden auf- und abwickeln … Entwicklungen betrachten.

Dankbar bin ich über die menschliche Fähigkeit zur Reflexion.

Reisende sein

Ich glaube ja, dass es Reiseblogs schon in der Steinzeit gegeben hat. Nun ja, ein bisschen anders als heute vielleicht. Ich glaube jedoch, gerade Reiseberichte gibt es, seit der Mensch reist und erzählen kann. Zurück von der Jagd haben schon Steinzeitmenschen ihre Erfahrungen geteilt. Geschichten und Geschichte − sie werden nicht nur zur Unterhaltung erzählt, sondern auch zur Weiterbildung; zur Seelen- und Herzbildung ebenso.

Reisen also. Selbst eine Reisende zu sein, wurde mir nicht in die Wiege gelegt, und es gab Zeiten, in denen ich meine Höhle, mein Zuhause, nur schwer verlassen konnte – aus gesundheitlichen Gründen.

Heute aber reise ich wieder gerne. In meinem Tempo, auf eine mir entsprechende Weise, mit den mir liebsten Möglichkeiten und Fortbewegungsmitteln.

Nun ja, zu reisen ist das eine, das andere aber, über das eigene Reisen zu erzählen. Und noch was anderes ist es, Reiseberichte anderer zu lesen. Das mag ich sehr, allerdings müssen mich Inhalt und Schreibstil der Berichte begeistern.

Reiseberichte zu schreiben bringt den Vorteil, dass wir nach der Reise, wenn wir nicht mehr unmittelbar Reisende sind, erneut in unsere notierten Erfahrungen eintauchen können. Das gute alte Reisetagebuch sag ich da nur.

Und ich sage natürlich auch gerne und nochmals Reiseblog. Das Reiseblog hat sich im Laufe der letzten Jahre sehr weiterentwickelt und verändert, und vor allem etabliert. Gemacht wird es unterschiedlich. Über verschiedene Kanäle auch. Und mit unterschiedlichen Medien. So schreiben manche lieber erst im Nachhinein über ihre Erlebnisse und Erfahrungen, Tage, Wochen später, von zuhause aus, andere mögen es lieber, beinahe in Echtzeit, zu berichten. Wieder andere fassen ihre gesammelten Echtzeitberichte zyklisch im Nachhinein zusammen.

Die einen bloggen eher Bilder, um die sie ihre Geschichten spinnen, andere bloggen eher Erfahrungen philosophischer Art, die sich ihnen beim Reisen erschloßen haben, wieder andere bloggen unmittelbare Erfahrungen und illustrieren sie mit ihren Aufnahmen von unterwegs.

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Mit einer kleinen Mail hat alles angefangen. Vor einigen Jahren war es und Annette meine erste Geschäftskundin, die ich nicht schon vor der Geschäftseröffnung gekannt hatte. (Zu sagen ist allerdings, dass ich meine Geschäftstätigkeit eben erst gestartet hatte.)

Ein Reiseblog wolle sie führen, schrieb sie, zusammen mit ihrem Mann Beat. Sie würden im Frühling 2014 aufbrechen und mit dem Bus kreuz und quer durch Europa reisen. Noch hätten sie sehr wenig Erfahrung mit internetter Technik, insbesondere Blog- und Bildbearbeitungssoftware. Als sich kurz darauf ein zweiter Bloglehrling anmeldete, führten wir, Irgendlink und ich, unseren allerersten Bloglernworkshop durch. Was uns allen sehr viel Spaß gemacht hat.

Heute sind Annette und Beat längst keine Lehrlinge mehr, weder in Sachen Blogbetreiben noch in Sachen Bildbearbeitung. Seit nunmehr zwei Jahren bereisen sie Europa. Kreuz und quer.

Und werden dabei immer langsamer, wie uns Beat gestern erzählte. Auf ihrem Weg von Nord nach Südost haben sie dieser Tage bei Verwandten in der Schweiz haltgemacht und auch uns mit einem kleinen feinen Besuch beehrt. Der NOBIS, wie sie ihren Bus liebevoll getauft haben (wie es dazu kam? hier → klicken), hat mit seinen sechs Metern Länge sogar knapp Platz auf dem letzten Parkplatz vor meinem Wohnhaus.

unserwegs
Diese Europakarte zeigt die vom Unserwegs-Team schon bereisten Länder

Bei Kaffee, Tee und Kuchen erzählen wir uns gegenseitig von unseren Lebensreiseerfahrungen, tauschen Blogwissen und Reisetipps aus und genießen die Sonne.

In einen paar Tagen brechen Annette und Beat wieder auf. Diesmal ostwärts. Doch lest selbst! Ihr Blog unserwegs.com macht Reiselaune, weckt Fernweh und füttert die Augen.


Weitere Reisende, die ich diesen Frühling gerne auf ihren Touren begleite:

Pattafeufeu radelt seit Anfang Mai ans Nordkap. Er twittert und bloggt darüber. Nun stehen ihm seine letzten Tage im hohen Norden bevor, denn in wenigen Tagen wird er das Nordkap erreichen und danach via Alta zurück nach Deutschland fliegen.
Blog
Twitter

Frau Rebis ist ebenfalls eine passionierte Radlerin. Diesmal, will heißen in den Pfingstferien, hat sie die Poebene erfahren, auf dem Rad. Zuerst war sie eine Woche allein unterwegs, dann noch zwei Tage mit ihrer Tochter.
Blog
Twitter

Tönen, hören, verstehen.

Alle Begriffe, alle Wörter, die wir sprechen, sind gefüllt mit unseren Erfahrungen. Alles ist Interpretation. Neutrale Begriffe gibt es nicht. Und zum Begriff kommt der Kontext.

Das Wort normal zum Beispiel, wie ich neulich auf Twitter gemerkt habe, ist je nach unserer Herkunft, sehr unterschiedlich gefüllt. Für mich ist und war es immer eine latenter Sehnsuchtsbegriff. Normal zu sein, nicht anzuecken, nicht aufzufallen, hatte ich mir schon als Kind gewünscht. Einfach weil ich nicht gerne anders bin.

Auch das Wort anders hat viele Gesichter. Ich plädiere für Weitung des Begriffes Normalität. Und es fragt sich, ob es ihn im menschlichen Umfeld überhaupt braucht. Wenn Papiergrößen, Schraubenmuttern und Litermaße genormt sind, ist das etwas anderes, aber bei Menschen? Denn, seien wir ehrlich, jede und jeder von uns hat einen Bereich in dem sie oder er von der sogenannten Norm abweicht.

Und wie sagt Frau Lakritze so schön? »Die einzig normalen Menschen sind die, die man nicht besonders gut kennt.« Recht hat sie.

Was der einen arrogant vorkommt, empfindet der andere frustriert.
Was der eine so, findet die andere so. Und dabei spielen nicht nur persönliche Unterschiede und Prägungen eine Rollen, sondern oft auch kulturelle. Nehmen wir Kuchen.

In der Schweiz zum Beispiel bedeutet Kuchen je nach Region etwas anderes. Im Kanton Bern ist der Kuchen das, was im Kanton Zürich die Wähe. Nämlich so was ähnliches wie die Quiche in Frankreich. In Zürich ist Kuchen das, was in Bern ein Cake oder eine noch nicht gefüllte Torte. Und die Wähe des Zürchers und der Kuchen der Bernerin? Sie ist ein dünn ausgewallter Teig mit Früchten oder Gemüse gedeckt und mit süßem oder salzigem Eiermilchguss gebacken. Eben Wähe, Tünne, Kuchen.

Gehen wir einen Schritt weiter zum

KäsekuchenCH

ChäswäheKäsekuchen in der Schweiz? Logisch: salzig, aus Käse, ein herrliches Mittagessen.

 

 

KäsekuchenKäsekuchen in Deutschland? Das heimatlichste Gebäck ever, sagen viele. Logisch, dass es süß ist, aus Quark, ein köstlicher Nachttisch.

 

 

Als ich vor sechseinhalb Jahren, Irgendlinkseidank, meine deutschen Nachbarinnen und Nachbarn besser kennenzulernen begann, stießen wir auf mancherlei Wörter und Begriffe, die unterschiedliche Bedeutung haben.

Paprika nennen meine deutschen NachbarInnen das, was ich Peperoni nenne, und ihre Zucchini heißt bei uns im Laden Zucchetti.

Estrich ist in der Schweiz das, was den Deutschen der Dachboden.
Estrich ist in Deutschland das, was in der Schweiz der Fußboden (oderrr???) und wenn ihr Deutschen diesen kehrt, wischen wir ihn. Wenn wir wischen, kehrt ihr. Darüber stolpere ich auch nach heute noch zuweilen, über Besen und Schrubber sozusagen.

Mir ist heute, als ich mit einem vierzehnjährigen Eritreer, der seit sechs Monaten mit seiner Familie in der Schweiz lebt und an unserer Schule den Integrationskurs besucht, am Tisch saß, bewusst geworden, wie mächtig Gewohnheiten sind, wie stark Wörter wirken, wie unterschiedlich Musik verstanden wird und auch auf wie viele Arten sie klingen kann. Und wie sehr wir Geprägte sind, wir alle, Geprägte unserer Kultur.

KrarCeder400Im Werkunterricht, so erzählte er, baue er zurzeit sein Instrument, Krar, das er in Eritrea gespielt habe. Er zeichnete uns, die wir mit ihm am Tisch saßen, etwas auf Papier, das wir Zither nannten. Mit Saiten. Und ich hoffe so sehr, dass er, wenn er das Instrument fertig gebaut hat, darauf ein Stück Heimat finden wird.

Frühlingsgefühle

Ja, ich bin ein Frühlingskind. Es ist definitiv meine Lieblingsjahreszeit. Dieses Aufbrechen spüre ich fast körperlich, trotz der aktuellen Oft-Müdigkeit, nistet sich etwas, das nach Neuanfang riecht, in mir ein.

Der Wald hat mich gerufen, gestern schon. Heute auch. Ja, er ruft oft. Manchmal gehorche ich.

Dann horche ich. Höre. Schaue. Rieche.

Das Fieberorakel zu Dada

Ich bin nicht der einzige Weg zu einem anderen Land. Und die Kinder sind wir. Uns. In den nächsten Wochen, in den nächsten Jahren. Nicht so viel – zu viel?– für mich. Nicht so viel Geld zu verlangen. Und der andere? Nicht aus den Federn? Zu den Favoriten hinzugefügt, in der Stadt und Land …

Mein Handy kann Dada. Dank des neuen Betriebssystems werden mir, wenn ich etwas schreiben will, immer jene Wörter angezeigt, die ich meinen/denken/schreiben wollen könnte. Es erinnert sich sogar an meine selbstkreierten Wörter und es zeigt sogar dann mögliche Wörter an, wenn ich noch keinen ersten Buchstaben getippt habe. Dann entsteht sowas wie der kurze Text oben. Nur die Satzzeichen habe ich nachträglich eingefügt.

Mein Handy ist ein Orakel? Vielleicht. Ich gestehe, dass zwischen uns eine Art Liebesbeziehung besteht. Eine einseitige allerdings, denn mein Handy hat mir noch nie gesagt, dass es mich liebt. Und weder Liebe noch lieben hat es mir je spontan zu schreiben vorgeschlagen. So weit geht seine Erinnerung noch nicht. Wenn es nur lang genug bei mir ist und meinen Wortschatz besser kennt, vielleicht dann? Ob es lieben kann, steht eh nicht zur Diskussion. Was immer Liebe ist.

Mein Handy braucht mich nicht. Doch das erste Wort, das es anzeigt ist immer Ich. Immer. Es braucht mich trotzdem nicht.

Mein Handy ist nicht Ich. Ich bin nicht mein Handy.

 

Es ist das Leben, das zählt. Und das Schreiben ist Teil des Lebens. Ohne Verdauung würde ich krepieren.

Das Leben. Mein Leben. Zählt. Ja. Aber nur für mich. Und immer nur jetzt. Nicht morgen. Nicht gestern. Illusionen nur. Nehmen wir uns nicht zu wichtig. Aber wichtig genug. Denn wir wissen es nicht. Wir wissen nichts. Ich bin nicht der einzige Weg zu einem anderen Land. Wäre ich Weg, wäre ich jenen zu mir. Durch die Fieberträume hindurch. Durch das Dunkel, das nie dunkel genug ist, um nicht irgendwo doch noch ein kleines Lichtlein unter der Tür zuzulassen. Keine Dunkelkammerschwärze. Die gibt es nur künstlich.

Der Schweiß auf der Haut stört mich erst, wenn er den Pyjama erreicht, dann kühlt er mich, und ich föhne mich morgens um fünf Uhr trocken. Kalter Schweiß. Das Fieber sinkt wie ein Mäusebussard und macht mutig, dem Leben zu erlauben, zu sein, wie es ist. Dem Körper auch. Der Liebe sowieso. Und mir. Und die Kinder sind wir. Immer. Auch wenn wir alt sind.

Die Ochsen im Rückspiegel

Das Konzert in der Kupferschmiede, das Patent Ochsner gestern gegeben hat, war echt eine der besten Liveshows, die ich je gesehen habe. Nicht zuletzt, weil wir – dank Freundin B. (2) – einen Platz direkt vor der Bühne gefunden habe. In Spuckweite der Band sozusagen. Sehe ich die Bilder, höre ich die Songs gleich wieder.

Hier noch ein paar visuelle Impressionen Irgendlinks, die er mir freundlicherweise fürs Blog zur Verfügung gestellt hat.

Fast ohne Worte

Mein kleiner Spaziergang führt mich durch den Wald, am Waldkindergarten vorbei zu einer Bank, von der ich Weitblick vor mir habe. Ich genieße die natürliche Stille, die aus dem Ruf der Krähen, einem Flugzeug (ziemlich weit weg) und dem Rascheln des Windes im Wald hinter mir besteht. Würde die Sonne tönen, wäre ihr Ton bestimmt ein sanftes Summen. In Moll. Heute jedenfalls. Sie wärmt mich ein bisschen und erinnert mich dran, dass Schönheit und Liebe die einzigen und die einzig tauglichen Antworten auf Gewalt, Hass, Terror und Mord sind.

Novemerlicht2wz