Von Möchtegern-Wahrheiten

Er will bestimmt zum Wehr spazieren, zur Brücke bei der alten Spinnerei. So notiere ich es mir ins Handy. Keine fünf Minuten nachdem wir das Haus verlassen haben. Ziel: unbekannt. Einzig haben wir abgemacht war, dass er heute sagen würde, wohin wir wandern. Tags zuvor hatte ich nämlich die Route unseres Spaziergangs gewählt. So machen wir es zuweilen, wenn beiden egal ist, wo wir hin gehen, Hauptsache, ein bisschen raus. Hauptsache, ein bisschen die Füße vertreten.

Hätte ich nicht gesagt, dass ich wisse, wo es ihn hinziehe, als er die erste Richtungswahl vor dem Haus getroffen hat – ganz rechts, den Rain abwärts – wären wir ziemlich sicher genau dort gelandet. Beim Wehr. Bei der alten Spinnerei. Wie von mir vorausgesagt. Vielleicht ziemlich sicher.

Hätte ich nichts gesagt, hätte er nicht geantwortet. Hätte er nicht gesagt: Bin ich so leicht vorhersehbar? Und ich hätte wohl auch nicht lachend mit: Nicht immer, nur heute! geantwortet.

Wären wir woanders hin als da, wo wir hin sind, wenn ich nichts gesagt hätte? Und wenn ich nichts gedacht hätte? Oder wären wir doch genau dort, wo er – auf einer Metaebene, die ich nicht erahnen kann – im Grunde der Dinge die ganze Zeit schon hingewollt hatte?

So wandern wir also quer durchs Dorf, über eine Aarebrücke in die kleine Nachbarstadt, queren auch diese nur am Rand und sind schon bald am Fuß des Stadtberges. (Dass das ein Berg ist, wenn auch nur ein kleiner, merkt man erst, wenn man ihn ersteigt. Ansonsten würde ich Schweizerin ihn ja eher Hügel nennen. Schweizerische Bescheidenheit? Vergiss es. Oder gab es sie damals, als man den Hügel Berg nannte, vielleicht noch gar nicht?)

Am Fuße des Berges erneut die Diskussion, ob wir hier gelandet wären, wenn ich nicht gesagt hätte, dass ich weiß, wo es hingeht.
Ja, wir wären trotzdem hier gelandet. Weil selbst deine Aussage, du wüsstest, wohin es geht, meine Wahl im Voraus beeinflusst hat, Oder auch nicht, und ich einfach die ganze Zeit schon hier her wollte, sagt er.
Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Wir hätten unterwegs zig Möglichkeiten für neue Entscheidungen gehabt. Aber sicher bin ich mir nicht. Vielleicht ist es so. Vielleicht war es einfach unser Schicksal, hierher zu kommen?, sage ich.

Schließlich steigen wir auf einem kleinen, sehr steilen, sehr rutschigen Weglein den Berg hoch. Was für ein Abenteuer! Den Weg haben wir nur zufällig gefunden. War auch er unser Schicksal oder war es nur der Baumstamm, unser vorläufiges Ziel, auf den wir uns – oben angekommen – setzen um durchzuatmen? Wir keuchen und fühlen uns so gut, wie Erstbesteiger es immer tun.

Und nun: Rechts oder links? Rechts wäre wohl eine recht weite Wanderung zurück nach Hause, zumal es bereits eindunkelt. Also links? War auch das der Weg, den wir zu gehen hatten? Und wer oder was ist es, der oder das diese Wege weiß. Gibt es, wäre es so, denn überhaupt Wege, die wir wirklich-wirklich frei wählen können?

Ach, dieser mein Was wäre wenn-Determinismus, an den ich mal glaube, mal nicht? Oder gibt es sie doch, die Selbstbestimmung? Ich kann darüber nachdenken, so oft ich will und weiß hinterher weder mehr noch weniger. Und schon gar nicht, was wirklich wahr ist. Weil es womögliich, so dünkt es mich heute, kein wirkliches Wahr gibt, kein letztes zumindest. Oder doch?

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Der Determinismus (lat. determinare „abgrenzen“, „bestimmen“) ist die Auffassung, dass alle – insbesondere auch zukünftige – Ereignisse durch Vorbedingungen eindeutig festgelegt sind.[1] Die Gegenthese (Indeterminismus) vertritt, dass es überhaupt oder in einem bestimmten Bereich der Realität Ereignisse gibt, die auch hätten anders eintreten können.

In der heutigen Naturphilosophie wird üblicherweise „Determinismus“ spezifischer auf Ereignisse der Natur – oder einen bestimmten Bereich derselben – bezogen. Gestützt wird ein allgemeiner Determinismus zumeist durch die Annahme, dass strikte, nicht-probabilistische Naturgesetze über sämtliche natürlichen Prozesse regieren. Ob wiederum die besten physikalischen Theorien diese Annahme stützen, ist umstritten. Wenn geistige Zustände ebenfalls natürliche Zustände sind, scheint ein Determinismus Probleme für die Realität eines freien Willens zu erzeugen. Ob dieser Gegensatz besteht ist ebenso umstritten wie die jeweiligen Konsequenzen.

Quelle: Wikipedia

Der Konjunktiv des Samens

Ich verabschiede mich bis auf weiteres – vielleicht sogar bis im neuen Jahr von meinen lieben, wunderbaren Leserinnen und Lesern.

Euch und euren Lieben wünsche ich einfach nur das Allerallerbeste für die Rauhen Weihe-Nächte und den Jahreswechsel. Bleibt euch treu – u löht euch jo nie-nüt loh gfalle! (Lasst euch bloß nichts gefallen!)

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Hier noch ein paar Kaugummis, Post-it-Notizen und Sofasophien auf den Weg …

Kann man Erinnerungen wirklich einfach verlieren? So verlieren, wie man Handschuhe und Taschentücher verliert (und Regenschirme)? Und sind sie dann auch einfach weg – weg mit dem ganzen Gefühl, das sie auf der Haut hinterlassen haben, weg mit dem ganzen Gefühl von Wärme und Weichheit …?

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Empathie ist – unter anderem – eine Art auf andere fokussierte Selbstliebe; so gut getarnt, dass kaum jemand merkt, dass das, was du teilst und schenkst auch das ist, was du dir wünschst. Weil du fühlst, was jemand brauchen könnte. Weil du ein fühlendes Wesen bist.

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Vielleicht gleicht die Seele ja einem Samen und weiß alles wie dieser, weiß was aus uns werden könnte, wenn die Umstände ideal wären. Weiß auch, was werden könnte, wenn die Umstände schädlich sind. Der Konjunktiv des Samens. Nur gleicht sie ihm darin nicht, dass der Same keine Wahl hat.
(Notiz an mich: Ist körperliches Leid womöglich ein Ausdruck der Diskrepanz zwischen idealen und schädlichen Voraussetzungen?)

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Eine weitere nerdosophischer-philonerdischer Erkenntnis:
In meiner biologischen Cloud ist immer alles da. Alles ist verfügbar, jede Software (sinnvolle Programme, Malware, Viren) – jederzeit. Ich kann sie downloaden, wenn ich mein eigener Superuser bin. Und wenn ich das Passwort kenne. Es ist meine Verantwortung.

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Möge unsere Kunst unsere Seelen und unsere Säckel füttern.
(Ich mag zum Beispiel Seidenfutterstoff …)

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Synkopenatmung? Das ist, wenn wir zusammen atemlos atmen.
(Na, du weißt schon …)

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Winkewinke und auf bald.

[Kommentare werde ich erst irgendwann oder gar nicht moderieren … 🙂 ]

Mein neues Leben

Seit ich meine Arbeitsstelle Ende Juni freiwillig verlassen habe (StammleserInnen erinnern sich?), habe ich konstant das Grundgefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ein für mich fast neues Gefühl übrigens. Jedenfalls im Bereich Arbeit-Beruf-Berufung. Der Plan, mich nur noch selbständig durchzubringen, fühlt sich noch immer genau richtig an, obwohl ich mich nun doch wieder „offiziell arbeitslos“ gemeldet habe. Ein bisschen finanzielle Unterstützung hat noch nie geschadet. Eine kleine feste Stelle zum Beispiel als Verlagskorrektorin oder -lektorin wäre doch auch toll? Sicherheit und so. Geld? Leider noch immer so etwas wie ein Reizwort für mich alte Anarchistin. Oder Idealistin. Oder Naivistin. Was auch immer …

Seit ich Bürgerin von Secessionistan! geworden bin (Blogleserinnen erinnern sich?), denke ich oft über Satz 5 in der Verfassung (siehe unten) dieser Kunstrepublik nach. Doch auch die andern Satzungen sprechen mir zutiefst aus dem Herzen! Es geht um Solidarität, Teilen, Gleichheit im Sinne von Gleichwertigkeit. Eine Verfassung, die – würde sie so auf der Welt so umgesetzt – allen ein menschenwürdiges Leben erlaubt. Und das Bedingungslose Grundeinkommen dürfte eigentlich auch noch gleich mit drin stehen. 🙂

Geld. Das liebe Geld. Das dreckige Geld. Und die Möglichkeiten des Lebens, über die Irgendlink heute Morgen gebloggt hat und die man als Selbständige, als Freischaffende, als Lebenskünstlerin hat … Wie anders könnte man leben, wenn …

Gestern las ich einen spannenden Artikel über bedingungslose Geldgeschenke:

Ein erstaunliches Experiment mit einer Gruppe von Menschen zeigte, wie tief das Geld mit dem Selbstwert des Menschen verbunden ist. Um unsere Beziehung zum Geld zu heilen, müssen wir es in den hellen Spiegel bringen, in dem es der Ausdruck unserer Wertschätzung und Liebe ist. […]

Vor einigen Jahren, im Mai 2010, nahm ich an einem fünftägigen Seminar teil, bei dem es um die spirituelle Bedeutung von Geld ging. Eine Übung, die wir machten, bestand darin, dass die Seminarleiter eine Glasschüssel mit Geld vorne hinstellten. In dieser Schüssel befanden sich 4000 € in zerknitterten Scheinen. Dadurch, dass die Scheine zerknittert waren, füllten sie die ganze Schüssel. Es sah aus wie ein Salat aus Geld. Das Geld verschenkten sie.

Die Übung bestand darin, dass man freiwillig vortreten konnte, um Geld aus der Schüssel zu nehmen. Die einzige Bedingung war, dass man offen sagte, wie viel und wofür man das Geld haben möchte. […]

Der 500-€-Schein lag sehr, sehr lange in der Schüssel und niemand traute sich, ihn zu nehmen. Irgendwann trat eine Frau vor. Sie erklärte, dass sie als Kind nie Taschengeld bekommen hatte, aber von ihrem Vater für kleine Arbeiten bezahlt wurde und er ihr die Groschen in einer mahnenden Weise vorgezählt hatte, was sie sehr beschämte und erniedrigte. Sie wollte Geld nehmen, einfach um mal etwas zu bekommen, ohne dafür etwas leisten zu müssen. Der Seminarleiter fragte sie, wie viel sie denn nehmen wolle. Es wurde deutlich, dass es hier um ihren Selbstwert ging, der in ihrer Kindheit schon verletzt worden war. Sie war sehr unsicher und hatte Tränen in den Augen. Sie zögerte und traute sich nicht an die Schüssel zu treten. Der Seminarleiter musste sie mehrfach auffordern, aber sie konnte keinen Betrag nennen. Schließlich musste sie sich direkt vor die Schüssel stellen und nahm schließlich einen 20-€-Schein. Alle im Raum waren sehr betroffen. Waren es 20 €, die sie sich wert war? Hatte sie so viel Angst und Scham, sich mehr zu nehmen, wenigstens 50 € oder vielleicht 70 €? Sie zitterte und weinte. Der Seminarleiter trat zu ihr, nahm sie in die Arme, griff in die Schüssel und gab ihr den 500-€-Schein. Da brach sie zusammen. In dieser Geste verdichtete sich das ganze Leiden ihres Lebens, die Erniedrigung als kleines Kind und ihr Leben als Frau, die nie die Chance hatte, Selbstwert zu entwickeln. Es war wirklich bestürzend, welche Kraft das Geld hatte und wie stark es in den Selbstwert eingriff.

Quelle: www.tattva.de

Geld ist in unserer Gesellschaft, auf der ganzen Welt wohl gar, das Gefährt, das Mobil, das Werkzeug, das Ding geworden, über das wir alle unsere Werte definieren. Gut oder schlecht? Egal. Es gilt einfach, sich das bewusst zu sein. Und zu verstehen, wie sehr es uns beeinflusst. Was es mit uns macht, wenn es fehlt oder im Überfluss da ist.

Im Moment läuft es bei mir oft so, dass ich in Bezug auf Dinge, die ich zu brauchen glaube oder die ich haben möchte, überlege, ob es eine Tauschmöglichkeit dafür gibt. Mit einer Künstlerin aus Norddeutschland verhandle ich aktuell über Kunst gegen Kunst. Auch in anderen Beziehungen scheinen sind neue Wege aufzutun. Tauschhandel ist womöglich der Handel der Zukunft?

Ooops, schon nach zwei! Ich müsste so langsam die Rechnung für meine letzte Kundin schreiben – damit Geld reinkommt und ich die Miete zahlen kann. Und ein paar Werbeaktionen müsste ich auch mal angehen … 🙂

Von klitzekleinen Unterschieden

Der Frauenversteher hat gemeinhin hüben wie drüben einen eher zweifelhaften Ruf. Ist er bei den „richtigen“ Männern – whatever this means – eher das Weichei schlechthin, wissen selbst die von ihm so verstandenen Frauen nicht so recht, ob sie ihm trauen dürfen oder ob das alles nur eine Masche ist. Anmache – nein, liebe Mit-KunstzwergInnen, nicht Pappmaché und auch nicht Papiergeschleimtes, schlicht und einfach Schleim pur. Wenn frau der Sache im Weltweiten Netz nachgehen will, findet sich wenig Hilfreiches. Dass der Frauenversteher Bescheid über ihre Lieblingsblumen, Modemarken, Spinnen- und Mäusephobien wissen sollte, macht ihn aber für mich noch lange nicht zum echten Mäuse- ähm Frauenversteher (oh, Freud!). Hingegen der Echte Frauenversteher | EFV® ist in Wahrheit einer, der die Straßenseite wechselt, wenn er merkt, das die Frau, die spätnachts vor ihm durch die ansonsten leere und stille Straße geht, nur deshalb immer schneller geht, weil sie in ihm einen potentiellen Verfolger vermutet. Das weiß auch Blogger Glumm und macht’s.

Ein Echter Frauenversteher | EFV® ist in Wahrheit einer, der sich der latenten Angst der Frau vor der physichen Übermacht der Mannheit bewusst ist, einer, der weiß, dass Frauen eher intuitiver und irrationaler als der Durchschnittsmann, so es den überhaupt gibt, wahrnehmen und handeln. Damit höre ich aber mit der Verallgemeinerung der Frau und ihrer Reduzierung auf einzelne Eigenschaften auch schon auf. Der einzige Unterschied zwischen Mann und Frau besteht nämlich – mann höre und staune – einzig im unterschiedlichen Geschlecht. Genauer gesagt, am etwas andern Mix der Hormone. Ansonsten sind sich Mann und Frau nämlich gar nicht mal so unähnlich. Beide haben Angst. Beide haben Mut. Beide mögen das eine und verabscheuen das andere. So haben wir zum Beispiel am letzten Wochenende, am besagten Kunstzwergfestival, herausgefunden, dass Menschen, die Lakritze, Salmiak und ähnliche Süßigkeiten NICHT mögen, gewisse eher schräge Musik dafür mögen, während Menschen die Süßigkeiten wie Lakritze & Co. mögen, dafür gewissen Musik NICHT mögen.Eine Inkompatibilität von Geschmäckern sozusagen.Und dies sogar unabhängig vom Geschlecht! Zugegeben, die Umfrage war womöglich nicht repräsentativ genug um wissenschaftlich anerkannt zu werden, doch die Tendenz war so deutlich, dass wir durchaus gewisse marktrelevante Schlüsse ziehen könnten. Womit wir bei der Männerversteherin, der Echten Männerversteherin | EMV® wären.

Will ich nämlich Männer wirklich verstehen, muss ich zuallererst aufhören damit, voreilige Schlüsse zu ziehen. Auf die Gefahr hin, meinen Ruf als die emanzipierte Frau, die ich bin (und das sowohl gerne als auch aus Notwendigkeit), einzubüssen (was mir allerdings ziemlich am A*** vorbei geht), oute ich mich hiermit als Echte Männerversteherin | EMV®. Richtig, liebe Frauen und liebe Männer, echt und Männer und verstehen stecken da drin. Geht das überhaupt zusammen? Und wenn ja, warum behaupte ich sowas von mir? Na ja, ich habe immerhin ein Kunstzwergfestival mit nur einer andern Frau und Herrscharen – ja, das muss so, ist kein Tippfehler! – von Männern heil überlebt. Und es ging mir sogar ziemlich gut dabei. Nein, man muss sich dabei nicht verbiegen, man muss sich auch nicht so sehr integrieren oder gar wie ein Gummibärchen in Wasser auflösen, dass man selbst zum Quasi-Mann wird (obwohl ich ja dank Whiz Freedom® nun auch im Stehen … aber das ist ein anderes Thema).

Item. Es reicht schon, den Mann als Menschen der selben Spezies mit leicht veränderter (zugegeben ein wenig vereinfachter) Mixtur wahrzunehmen, ihn nicht zu fürchten, seine Ängste zu wahrzunehmen, genau hinzuschauen und hinzuhören, sich auf ihn einzulassen. (Wie es allerdings zugeht, wenn Männer ganz unter sich sind, werde ich nie wissen. Will und muss ich zum Glück auch nicht. Obwohl …Vielleicht werden sie ja endlich ganz weich und offen und authentisch? Oder werden sie eher derber als ich ahnen kann, weil sie – ähnlich wie zickenkriegerische Frauen – stets den Platzhirschstatus anstreben oder verteidigen müssen? Das hängt vermutlich von Alter, Reife, Bildung und anderen Faktoren ab …). Die Echte Männerversteherin | EMV® muss das jedoch nicht kümmern. Sie interessiert sich dafür dafür (ja, das Wort muss doppelt) zu verstehen, wie der Graben zwischen Mann und Frau entstand, wozu er schlecht ist und warum noch immer so viel polarisiert und Halbwissen mit Vorurteilen aufgebauscht wird, statt dass wir von beiden Seiten die herumliegenden Steine statt zu Mauern zu Brücken verbauen.

Die Echte Männerversteherin | EMV® ist eine Forscherin, sie ist eine, die nicht glauben will, dass die beiden Geschlechter sich ihres Geschlechtes und des kleinen Unterschieds wegen bewerten und bekämpfen müssen, sie ist eine Idealistin, eine Träumerin, eine, die die Hoffnung nicht aufgibt, dass Frieden zwischen den Geschlechtern irgendwie machbar und sogar langfristig möglich ist. Denn ganz ehrlich: Obwohl ich mehr Rechte für die Frau will (ebenso viele wie sie der Mann ganz selbstverständlich hat), will ich wiederum nicht, dass der Gemeine Mann (der sich vom Kaputten, vom Bösen, vom Gewalttätigen, vom Etcetera-Mann deutlich durch seine Harmlosigkeit unterscheidet) nur aufgrund seines Geschlechts eine Kollektivschuld tragen muss wie wir Frauen sie – hierzulande weniger, aber anderorts noch immer sehr – kennen und kannten. Es darf nicht sein, dass physische Vorteile (hier sind Muskeln gemeint) so gewichtig sind, dass sie höher gewertet und gewichtet werden als die Summe aller Einzelteile, die einen Menschen ausmachen – unabhängig seines Geschlechts. Auch fehlende Phantasie, fehlende Empathie, fehlende Einfühlsamkeit in das andersgeschlechtliche Gegenüber dürfen nicht verallgemeinert und auf den Rest der Mannheit übertragen werden.

Give Men A Chance!, also. Mein kleines Plädoyer für Integration statt Segregation schreibe ich in der womöglich trügerischen Hoffnung, ein klein bisschen zum Weltfrieden beitragen zu dürfen. Selbst wenn es, wie die geneigte Leserin und der geneigte Leser gemerkt haben dürften, ein klitzekleinebisschen satirisch daherkommt.

Fragen

Wohin verschwinden die Dinge, die wir löschen?

Ist die Deletetaste der Schlüssel zum Datennirvana?

Wo ist das Nichts? Gibt es auch ein Alles?

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Stell dir vor, du bist Kunstmaler. Eines Tages kommt eine Kunstsammlerin in dein Atelier und will alle deine Bilder kaufen – sie hat genug Geld für alles.

Stell dir vor, du bist Fotografin. Eines Tages kommt ein Galerist und will alle deine Bilder für eine ständige Ausstellung kaufen. Er hat genug Geld dafür.

Stell dir vor, du bist Journalist. Eines Tages kommt die bekannteste Zeitschrift der Welt und will eine Nummer mit deinen besten Artikeln herausgeben und dich als Exklusiv-Journalisten haben. Dass sie genug Geld dafür haben, ist kein Thema.

Stell dir vor du bist Schriftstellerin. Eines Tages entdeckt ein Verleger zufällig dein Exposé und will alles von dir lesen, dann alles von dir drucken und macht aus dir eine Bestsellerautorin.

Wie würde das alles sich auf deine künstlerische Arbeit auswirken?

Zerlegen. Zusammensetzen.

Es gibt da ein paar Apps, die Bilder zerlegen. Allen voran Decim8. Und natürlich Frax und Segmentix. Anders als die üblichen Bildbearbeitungsprogramme zerpflücken sie ein Bild nach bestimmten mathematischen Gesetzen in Einzelteile und setzen sie – Simsalabim – neu zusammen. Du gähnst? Sorry, ich will dich nicht mit technischen Dingen langweilen, doch was ich eben erzählt habe, taugt ganz gut als Metapher.

Ich nehme mich zuweilen zerlegt wahr. In Einzelteile aufgelöst. Sehe nur einzelne Anteile von mir. Wie ich reagiere. Wie ich agiere. Wie ich träume. Wovon. Wie ich leide. Woran. Und warum ich mich verweigere. Oder mich hingebe und wann. Und wem.

Teile von mir. Teile, die manchmal ohne Kontakt und Absprache mit der Zentrale – Herz? Hirn? – handeln. Und das nicht mal unbedingt intuitiv richtig, sondern aus Gewohnheit. Einzelteile, die agieren. Die reagieren.

Das Ganze ist mehr als die Summe ihrer einzelnen Teile. Nicht neu. Aristoteles hat schon begriffen, dass – außer in der Mengenlehre – nicht das bloße Zusammenfügen von Dingen etwas zu einem Ganzen macht. Dass das Ganze eben nicht identisch mit Summe ist. Auch Decim8, das auf geniale Weise ein Bild in seine einzelnen Teilchen zerlegt und neu zusammensetzt, kann mir nicht dabei helfen, ganz die zu sein, die ich bin.

Zufällig habe ich heute morgen einen Schnappschuss von mir gemacht, als ich diese App (Decim8) für die Bearbeitung eines andern Bildes öffnen wollte. Aus lauter Spaß habe ich das grimassierende Selfie darauf ein paar Mal durch die besagte App genudelt, mit andern Apps nachbearbeitet und ständig die Frage im Kopf gedreht, was eigentlich ein Selbstbildnis über mich aussagt. Wird es anderen je zeigen können, wie ich mich fühle? Wie ich mich wahrnehme? Ist es nicht auch bloß ein weiteres dieser Teile meiner Selbst? Und wer oder was bin ich überhaupt …? IMG_8774Kann ich mich je, kann jemand mich je als Ganzes wahrnehmen?

Das Ganze? Das wäre ja nur unter Einbezug meiner Mitwelt wahrzunehmen … Jedenfalls annähernd. Ich kann einen Menschen nur erahnen, wenn ich ihn in seiner Umgebung erlebe. Wie ein Mensch mit Tieren umgeht, sagt ebenso etwas über ihn aus als auch wie er Pflanzen behandelt. Oder wie er sich fortbewegt. Wo er Pause macht. Was er isst. Wie er trinkt. Worüber er stolpert.

Ja-ja, ich schweife ab. Über die Zerlegung wollte ich mich auslassen. Und dass Zerlegung und Zusammenfügung zentrale Elemente unseres Alltags sind. Wenn ich mich nicht immer wieder zerlege und von meinen Mitmenschen zerlegen lasse, laufe ich Gefahr, zu stagnieren.

Letzten Sonntag – unterwegs mit Irgendlink über Wiesen und durch Wälder – sprachen wir über die Fallgruben des Alltags und des Lebens …
Am schlimmsten, sagte ich, am schlimmsten finde ich, wenn wir aufhören, uns zu bewegen. Nicht unbedingt von Ort zu Ort, aber in uns drin. Wenn wir stagnieren.

Heute, wie ich hier sitze und diese Zeilen hacke, hallen diese Worte in mir nach. Und ich begreife auf einmal, warum ich als Kind den folgenschweren Satz aussprach, dass ich nie in einem Haus wohnen wolle, wenn ich groß sei.
Ich will immer in Wohnungen wohnen, dann kann ich immer den Ort wechseln, wann immer ich es will, schwor ich mir. Wie alt war ich da? Vielleicht elf oder zwölf? Aufgewachsen in einem Einfamilienhaus an einer kleinen Einfamilienhaus-Wohnstraße in den Siebzigern. Eine Kindheit mit viel Natur. Mit Wald in der Nähe. Mit Garten. Mit Spielkameraden in der Straße. Und mit einer subtilen Ahnung davon, was Stagnation mit Menschen macht. Mit meiner Mutter vor allem. Mit meinem Vater auch, aber weniger.

Heute könnte ich mir durchaus vorstellen, in einem Haus zu wohnen, denn ich habe die Mechanismen der Stagnation durchschaut und laufe wohl nicht Gefahr, ihnen zu erliegen. Dennoch war jeder meiner über zwanzig Umzüge ein heilsames Abenteuer der Zerlegung meines Lebens. Eine Fragmentierung. Ein Chaos.
[Oops, mein Mailprogramm bimmelt. Die Adressänderung einer Freundin, die im Kistenchaos sitzt und in ein paar Tagen umzieht.]

Das wichtigste am Prozess der Selbstzerlegung ist die Erkenntnis, dass wir ihn als vorläufig begreifen. Dass er übergeht in eine kreative Phase der Neuordnung. Und dass auch diese nur vorläufig ist.

Ordnung muss man machen, Unordnung kommt von allein. Shit happens. Ausgleich gibt es immer nur für den Bruchteil einer Sekunde. Dann bricht die Welle und das Wasser fällt. Und die Schaukel baumelt auf die andere Seite zurück. Das Gesetz der Schwerkraft macht auch vor immateriellen Prozessen nicht Halt.

Wie viel, wie wenig, kann ich die Neugestaltung meines Lebens wirklich beeinflussen? Mehr als ich bisher dachte, vermutlich. Aber auch weniger als ganz und vollständig. Denn da sind so viele Einflüsse, die mitwirken. Nicht nur die Gesetze der Mathematik, denn das Leben hat mehr zu bieten als Nullen und Einsen.

satzzeichnen

Ich bin gar nicht mehr so sicher, ob ich wirklich einen bitterbösen Artikel über Satzzeichen und Leerschläge schreiben soll will. Ich meine, was soll das bringen? Jene, denen richtige Rechtschreibung wichtig ist, praktizieren sie eh schon mehr oder weniger (von Tippfehlern mal abgesehen) und die andern werden meinen Artikel sowieso ignorieren oder belächeln. Wie neulich auf fb. Da war eins dieser ach-so-weisen Textbilder, das sie darüber mokiert hat, dass sich gewisse Menschen gerne über Genitiv-Apostrophe auslassen um sich als gebildete Menschen zu profilieren. Okay, was immer jemandes Motivation für Kritik ist, sei dahingestellt. Und die Sache mit den Genitiv-Apostrophen lassen wir mal. Die habe ich früher schon diskutiert und ehrlich gesagt habe ich diesen Windmühlenkampf längst aufgegeben. Schreibt doch eure Apostrophe, wo immer sie nicht hingehören (bei Peter’s Salon und bei LKW’s und wo immer ihr wollt. Mir doch egal), aber nehmt bitte um Dudenswillen wenigstens den richtigen Apostroph (‚) und nicht einen armen unschuldigen Akzent (`oder ´). Bitte!

Womit wir schon beim nächsten Thema wären: die richtigen Akzente benützen. Sie sollten eigentlich heute – im Zeitalter freier digitaler Wörterbücher – auch in Unkenntnis einer Sprache nicht mehr Glückssache sein. Eigentlich. Denn wenn du nicht sicher bist, kannst du ja einfach Online-Leo, Google-Translater und Konsorten fragen. Die wissen es nämlich, auch wenn sie im Übersetzen ganzer Satzkonstrukte immer mal wieder ziemlich komisch sind.

Was ich sagen will: Für (fast) alles, was wir im Reich der Rechtschreibung NICHT selbst wissen, gibt es eine Antwort auf Duden oder auf Wikipedia. Sogar für die richtigen Satzzeichen. Und für Leerzeichen ebenfalls. In letzter Zeit entdecke ich die Sache mit den zu-vielen Leerschlägen immer häufiger. Als habe sich die englische Praxis nun (nach dem vermaledeiten Genitiv-S) auch die Unterwanderung der deutschen Leerschlag-Praxis vorgenommen. Vor und nach einem Slash/Schrägstrich kommt in der deutschen Sprachgebrauch nämlich kein Leerschlag, ebensowenig hat es nach einer Öffnungsklammer einen Leerschlag und ganz sicher nicht vor einem Punkt, Komma, Fragezeichen oder Ausrufezeichen. Nein. Weil Duden es so sagt. Natürlich kann man sich fragen, wozu Rechtschreibung überhaupt dient. Klar. Und warum Duden das Maß aller Dinge sein soll. Darf. Muss. Fragst du dich auch, warum du bei Rot nicht über die Straße solltest? Eben …

Damit wären wir nun bei der Sache mit der Freiheit. Natürlich kannst du schreiben wie du willst. Ich zum Beispiel schreibe in eher persönlichen Texten wie Mails und Blogkommentaren fast immer rein klein, wobei ich alle andern Rechtschreiberegeln beachte. Weil ich meine schnellen Gedanken so nackt und frei ins Netz werfen will, wie sie mir durch den Kopf gehen. Oft schreibe ich dabei eben so schnell, dass ich keine Zeit für die Großstelltaste habe.

Schreibe ich aber einen Text, mit dem ich vor mir oder andern Gedanken ausbreiten oder eine Geschichte erzählen will, einen Text also, der meine Ansprüche an einen guten Text erfüllen soll und/oder mit dem ich mich an ein Publikum wenden will, habe ich das innere Bedürfnis, damit ein gewisses ästhetisches Verlangen in mir zu nähren. Sprach- und Textharmonie sowie Sprachkomposition hängen bei mir mit möglichst richtig angewandter Rechtschreibung zusammen. Man mag das (oder gar mich?) kleingeistig nennen und Rechtschreibung als unkreativ verteufeln, doch dann übersieht man etwas für mich sehr Wesentliches: Ähnlich wie eine Kunstmalerin die Regeln der Farbenlehre intuitiv verinnerlicht hat, gelten für mich auch in der Sprache gewisse Gesetze – eben die „Gesetze der richtigen Schreibung“ – als Leitplanken, innerhalb derer ich mich umso freier tummeln kann, den Verkehrsregeln, wie gesagt, nicht unähnlich. In diesem meinem Sprachuniversum – meinem Sprachaquarium sozusagen – können bei mir alle möglichen bunten Fische schwimmen. Da hat es auch Platz für sprachliche Neuschöpfungen und andere übermütige Satzkonstruktionen und schrille Inhalte. Nur zu!

Leitplanken sind nicht mehr und nicht weniger als Leitplanken. Will ich möglichst genau verstanden werden, ist es an mir, mich möglichst verständlich auszudrücken und meine Leserinnen und Leser nicht noch mit seltsamer Interpunktion und sonstigem pseudokreativem Zugemüse interpunkuteller oder rechtschreiberischer Art zu verwirren. Ich brauche meine kreative Energie lieber für Inhalte als für neo-originelle Zeichensetzung.

NACHTRAG: In diesem Artikel über den Sinn der Rechtschreibung kritisiere ich keineswegs Menschen mit einer Rechtschreibeschwäche. Ich kritisiere auch nicht Menschen, die mit der Sprache kreativ arbeiten.

Back to topic: Leerschläge sind wichtig, keine Frage! Sie sind die Pausen im Satz, die Auftakte vor jedem neuen Wort. Sie sind in Geschichten ebenso wichtig wie in Melodien. Sie trennen, was nicht ein einziges Wort sein soll und fehlen dort, wo etwas zusammengehört. Sie geben der Sprache Rhythmus und Luft, sie sind das Atemholen in der Sprache.

Ebefalls ganz luftig sind die Gedankenstriche (Halbgeviertstriche), die länger sind als die kurzen Bindestriche (Details kennt Wikipedia). Richtig, meine geliebten Gedankenstriche sind von je einem Leerschlag flankiert und stellen eine Aussage frei, die als Ergänzung des restlichen Satzinhaltes zu verstehen ist. Diese Ergänzung könnte eigentlich genauso gut nicht da stehen, denn der Satz geht nachher so weiter wie er davor aufgehört hat. Wie bei Klammern. Und doch ist der Inhalt nicht unwesentlich, enthält er doch oft einen kleinen Blick hinter den Vorhang … Er ist das Flüstern im Satz, der Zwischenraum.

Sprache ist für mich so viel mehr als die Aneinanderreihung von Buchstaben, Wörtern, Zeichen, Sätzen und Abschnitten zu Artikeln oder Geschichten. Meine Beziehung zu Sprache ist eine Art Liebesgeschichte. Ich liebe Wörter. Und ich liebe den Raum zwischen den Zeilen. Ich liebe die Luft, die Wörter dann aufwirbeln, wenn sie etwas Wesentliches sagen oder etwas noch Verborgenes ist mir aufwecken. Ich liebe die Abenteuerreise, auf die mich Wörter mitnehmen, wenn ich ihnen genau und mit dem Herzen zuhöre. Ach, ich könnte euch noch so viel erzählen über die Feinheiten der Sprache. Doch wen interessiert das schon?

Nein, bitterböse ist mein Text nun wirklich nicht geworden. Doch vielleicht macht er ein bisschen Mut, sich auf die Welt hinter den Wörtern einzulassen und die Rechtschreibung als das anzusehen, was sie ist: als Hilfe für eine möglichst missverständliche Verständigung.

Teilen? Ja, aber …

Wie wäre mein Leben, wenn ich es wirklich leben würde. [Ohne Fragezeichen]. Nicht nur so tun, als ob. Nicht nur dieses seichte sinnlose Mich-Treiben lassen, das ich zuweilen praktiziere und dann Leben nenne.

Es ist eine Art Leben, von der ich träume, die mit Wirklichsein zu tun hat. Wenn ich unter der Dusche stehe und den Duschstrahl genieße. Wenn ich das Wasser auf meinem Körper spüre. Und meine Hand auf seiner Haut. Wenn ich am Bach sitze und sein Rauschen höre. Wenn ich einfach bin – ohne mich von andern Dingen, die in meinem Kopf herumturnen, ablenken zu lassen.

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Wenn ich einfach nur bin, lebe ich. Manchmal kommt mir alle Dinge, die ich tue – Denken, Lesen, Filmeschauen, selbst Geocaching oder Appen – wie Ersatzhandlungen vor. Ersatz für jene Essenz des lebendigen, wirklichen Lebens, der ich, seit ich Kind war, nur noch selten begegnet bin: Meiner Wildheit. Meiner eigenen Kraft. Meiner Mitte. Alles nur Ablenkung. Aber will ich denn zu-gelenkt werden? Zu-mir-hin-gelenkt werden? Nein, ich will nicht werden. Ich will sein. Ich will aktiv nicht passiv. Ich will Präsens nicht Konjunktiv. Ich will sein und handeln, was ich will. Was immer ich will. [Was will ich denn?]

Doch da ist auch diese Wut noch. Ach, und wie mich dieses Doch stört. Auch der Trotz stört. Als wäre ein Fleck auf der Linse. Ein Klecks, der das ganze Bild stört. Mein Bild von mir und mein Bild von Wirklichleben, vom Wirklichsein.

Ich schreibe, bis ich leer bin. Mit geschlossenen Augen. Hinterher nur die Tippfehler wegmachen, sonst nicht. Sonst nichts? [Na ja, ein bisschen Stilarbeit, aber nur minim, ehrlich!]

Und dann teilen. Teilen? Wieso? Immer? Alles? Teilen? Sind wir, ich zumindest, teilgeil? Postings da und dort. Blog. Mail. Wozu? [Das Kind auf der Schaukel ruft: Mama, schau her!].

Um gesehen zu werden? Um mich selbst zu spüren. Meiner selbst gewiss zu sein und bewusst. Kanten spüren. Und den Sprung im Kopf. Wörter, die purzeln. Sich lieben und aneinander reiben. Sich die Hände reichen. Eins zieht das andere über die Grenze: Komm auch. Komm mit. Teile. Wer du bist: Sei.

[Und teile …]

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Appspressionismus: Bild von A-Z auf dem iPhone kreiert (mit Decim8 bearbeiteter Screenshot, mit Polamatic montiert ).

Alltag und so

Eine Woche ist es her, seit ich das letzte Mal gebloggt habe – Lust-Bloggerin, die ich geworden bin.

Was soll ich schon im Alltag bloggen? Mein Alltag tut so als seien alle Tage allen Tagen ähnlich. Sind sie auch, äußerlich zumindest.

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Da sind zum einen jene Tage, an denen ich im Büro arbeite – noch reduziert, da ich noch immer im Schongang unterwegs bin – und mein Weg dorthin (drei Stunden täglich im öffentlichen Verkehr unterwegs, Bücher lesend, Menschen beobachtend, mich gut schützend). Und da sind jene Tage, die mit Schreib- oder Lektoratsaufträgen, Hausarbeit, Einkaufen und Begegnungen gefüllt sind.

Doch dann sind da noch die Zeiten, die nur mir gehören. Ja, ich erlaube mir Pausen, halte an, halte inne, gönne mir Sofastunden. Mit oder ohne Buch. Dösend zuweilen, manchmal gar nichts tuend, nur sitzen und sein. Und nachdenken zuweilen, über die Ursachen von Problemen. Über die Welt und warum sie beim Um-sich-selbst-Drehen eiert.

Nachgrübeln über Widersprüche. Über meinen Wunsch, voranzukommen. Erfolgreich sein zu wollen, zum Beispiel mit meinen noch immer unfertigen Manuskripten, obwohl ich doch gar nicht wirklich an mich selbst glaube. Und schon trifft die Illusion von irdischem Erfolg auf die Frage, ob Erfolg nicht einfach Zufriedenheit und Glück sein könnte. Und dann taucht ein Wunsch auf: Genug Geld zu haben, um tun und lassen zu können, was ich will (schreiben zum Beispiel) – aber dabei bloß keine Kapitalistin zu sein. Natürlich nicht. Und bin es doch. Teil einer Maschinerie zu sein, die mir gar nicht wirklich gefällt.

Widersprüche, die mich innerlich beinahe zerreißen. Gewissensfragen. Das Karussell, auf dem ich sitze, eiert.

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Appspressionismus: auf dem iPhone kreiert (genau so mit der App Hipstamatic fotografiert). Geschrieben &  hochgeladen ab Laptop

Reblog yourself!

Auf der Suche nach einem ganz bestimmten alten Artikel finde ich diesen hier: Von schiefen Bahnen, Sandburgen und andere Fallmaschen.

Dort lese ich heute:

2.)
Ein bisschen bin ich wie die Hipstamatic-App, wo man – je nach Belichtungsverhältnissen und Motiv, das man fotografieren will – eine individuelle Filter- & Blendenkombination auswählen kann. Es gibt sogar den Zufallsmodus, der durch kurzes Schütteln des iPhones generiert wird.

coffeeplottie

Ich schüttle mich kurz und schon bin ich kleine Schwester. Oder schräge Tante von mir aus. Nichte auch oder Cousine. In dieser Rolle bin ich oft ein bisschen schusselig, wie damals, als Kind, und stoße schon mal ein Glas um oder so. Keine Ahnung, wie das funktioniert.

Ich schüttle mich erneut und bin Freundin. Mit M., einer Freundin, die ich schon sehr lange kenne, bin ich mehr so und so und mit Freundin C., die ich erst sechs Jahre kenne, mehr so und so. Als würden jeweils andere Teile meines Hirns aktiviert, je nachdem mit wem ich kommuniziere.

Ich schüttle mich von neuem und bin Partnerin. Mit Irgendlink spreche ich zudem in einer Fremdsprache. Meiner ersten, was das Hochdeutsch faktisch tatsächlich für mich ist.

Ich bin mehr als die Summe all dieser Aspekte.
Ich bin ein Farbenkreis.
Ich bin eine Sandburg.
Ich bin ein Fotoalbum.

Und manchmal bin ich mir fremd. Wenn ich mich erzählen höre, stehe ich manchmal neben mir. Sage ich das wirklich? Meine ich, sehe ich das wirklich so? Noch immer? Manchmal stelle ich fest, dass innere Veränderungen sowie veränderte Verhaltens- und Sichtweisen noch nicht in allen Zellen angekommen sind. Updaten ist angesagt. Wäre es doch so einfach wie beim PC.

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Manchmal staune ich über meine Texte: keine Erinnerung. Ein bisschen Verblüffung über meine Gedanken. Wiedererkennen. Sich fremd sein. Eine Mischung aus alledem.