Das fleissige Huhn und der gute Apfelbaum

Wie ich gestern mit Irgendlink einen Freund besuchte, der schon länger gesundheitlich sehr eingeschränkt ist, sprachen wir zwangsläufig einmal mehr über all die ganz und gar überflüssigen Behinderungen durch die Gesellschaft, die sich vordergründig sozial nennt, doch vor allem eins will: wirtschaftlich sein.

Irgendlinks Huhn beim Eierlegen

Heute las ich im Internet von einem Antrag jener deutschen Partei, deren Namen ich in meinem Blog nicht nennen will. Sie will Kosten bei der Förderung kranker Kinder sparen.

Ach, und da ist ja auch noch dieser unsägliche deutsche Politiker, dessen Namen fast wie Wahn klingt und der Menschen, die einen Großteil ihrer Lebensqualität dem Zuhausewohnen trotz Beatmungsmaschinen verdanken, in Heime stecken will. Ebenfalls um Kosten zu sparen.

Ja, kranke Menschen kosten viel.

Dieser Satz ist je länger je mehr negativ statt wertfrei mit der Botschaft konnotiert, dass  kranke Menschen auf Kosten anderer leben und dass dass eben nicht gut sei. Denn die Andern, die Gesunden, die Normalen, die Guten wollen schließlich nicht ihr ganzes Geld den Kranken in den Rachen werfen. Die können schließlich nichts dafür, dass die Kranken krank sind und die Andern anders.

Sozial und solidarisch war gestern, heute ist Profit und Geiz.

Ohne zu übertreiben könnte ich aus dem Stehgreif ziemlich viele sehr persönliche Geschichten aus erster Hand erzählen, Geschichten von Menschen, denen der politisch verordnete Spardruck die Lebensqualität immer weiter in den Keller schraubt. Menschen, die sich darum unwert fühlen. Menschen, die über Suizid nachdenken. Die ihres Lebens im Kampf gegen die Windmühlen des Sozialstaats müde geworden sind. Die sich diesen Schuh angezogen haben und sich, obwohl sie für ihre Krankheit – körperlich oder mental – nichts können, als Schmarotzer fühlen. Nein, gesund wird davon niemand.

Druck. Überdruck. Spardruck. In den reichsten Ländern, die Überschüsse wie noch nie erwirtschaften. Für wen da Geld gespart wird, ist doch die große Frage. Ein Schelm, wer sich hier Übles denkt. Nicht.

Gestern, vorm Einschlafen, fiel mir auf einmal ein Song ein, den ich vor vielen Jahren kannte, als ich noch jung war und an den lieben Gott aus jenem Märchenbuch namens Bibel glaubte. Das Lied besang eine Bibelstelle worin dieser liebe Gott wie ein Gärtner seine Bäume pflegte und die schlechten Bäume, also jene, die keine Früchte bringen, abschneidet und ins Feuer wirft. So weit so schlecht. Als ich über das mir inzwischen ganz und gar fremdgewordene biblische Menschenbild nachdachte, realisierte ich wieder einmal, wie ableistisch es im Grunde ist.

In der Bibel kommen behinderte oder sonst wie andere zum Beispiel queere Menschen eigentlich nur darum vor, um vom lieben Gott oder seinen Jungs repariert zu werden. Aber nur, falls sie oder ihre Mitmenschen genug glauben.

Der Sprung zu den sogenannt christlichen und/oder noch mehr rechts angesiedelten Parteien, die behinderten und anderswie aus dem Raster fallenden Menschen ans Eingemachte gehen, ist klein. Kapitalismus wächst auf dem Boden von Christentum und Nationalismus bestens. Und umgekehrt. Einer der Gründe, warum ich letztlich diesem Weltbild den Rücken gekehrt habe.

Folgendes schrieb ich neulich auf Twitter:

»Ein kleiner Rant über Scheinheiligkeit:
Gucken wir uns doch mal die sehr bibelgläubigen Freikirchler*innen oder auch die sogenannt christliche Politiker*innen an. Menschen halt, die sich den ’Richtlinien der Bibel’ verschrieben haben. Diese Menschen bezeichnen Homosexualität des Teufels. Gleichzeitig aber häufen viele von ihnen Reichtum auf ihre Konten an. Ich bin zwar nicht bibelfest, meine mich aber zu erinnern, dass Jes^s im Neuen Testament sagt, dass kein*e Reiche*r in den Himmel kommt. Ob er etwas über Homosexuelle sagte, weiß ich grad nicht, aber vor allem redete er über Liebe und Selbstliebe. Nicht, dass ich an solche Überlieferungen noch glaube, aber an Liebe glaube ich. Dennoch. An bedingungslose Liebe. Götter, die dieses ’Bedingungslos’ nicht können, kann ich nicht ernstnehmen.«

Ach, und was war da gleich noch mit dem fleißigen Huhn im Titel? Es legt noch immer fast jeden Tag ein Ei, obwohl es schon recht betagt ist. Als einziges von Irgendlinks drei Hühnern. Futter bekommt es nicht mehr als die beiden anderen. Für alle gleich viel. Denn solange sie leben, sollen sie es gut haben. So gut wie möglich. Sie sind es wert.

Depression zwischen Buchdeckeln #8 | Ausgelesen #31 | Marianengraben von Jasmin Schreiber

»Es geht um Depression, Trauer, kleine Brüder und um die langsamste Verfolgungsjagd in der Geschichte der Verfolgungsjagden.« So beschreibt die Autorin Jasmin Schreiber ihr Buch Marianengraben auf ihrer Webseite. Was irgendwie stimmt, aber irgendwie auch viel zu tief stapelt. Denn das Buch ist mehr. Es ist eine Liebeserklärung an das Leben. Nun ja, nicht von Anfang an, denn am Anfang wird gestorben. Paulas zehnjähriger Bruder Tim ertrinkt. In den Ferien. Und Paula, die Ich-Erzählerin, ist nicht da, um ihn zu retten.

Das Buchcover hat einen dunkelblauen, tiefseefarbigen Hintergrund. Darauf in hellviolett die Tentakeln eines Tintenfisches. In der Bildmitte in hellblau der Buchtitel, darüber kleiner der Name der Autorin, darunter der Begriff Roman, ganz unten am Bildrand der Verlagsname.
Cover des vorgestellten Buches

Paula, die kurz vor ihrer Doktorarbeit als Biologin steht, fällt in eine tiefe Depression. Zwei Jahre lang mäandert sie in tiefer Trauer durch ihr Leben und beginnt schließlich und endlich mit einer Therapie. Ihr Therapeut, mit dem sie – um dem Kern ihres Schmerzes nicht in die Augen schauen zu müssen – stundenlang über Kochrezepte diskutiert, gibt Paula den entscheidenden Schubser, der dazu führt, dass Paula eines Nachts Helmut kennenlernt. Eine turbulente Begegnung mit Folgen, die weder Paula noch Helmut hätten ahnen können. Und Hündin Judy schon gar nicht.

Paula begibt sich spontan zusammen mit Helmut auf eine abenteuerliche Reise. Und es wird eine von jene Reisen, die Menschen zuweilen brauchen, um zu sich selbst zurückzufinden. Paula, von Helmut zuweilen Heulboje genannt, da sie beim kleinsten Anlass in Tränen ausbricht, erzählt hier von ihren Erlebnissen nach dem Tod ihres Bruders und so ist dieses Buch letztlich ein einziger langer Brief an Tim, in welchem sie sich immer wieder an Gespräche mit ihm erinnert. Und an seine Begeisterung für das Meer, deren tiefste Stelle, der Marianengraben, den Titel für das Buch liefert. Aus Gründen. (Und ganz nebenbei lernen wir auch viel über die Tiefen der Tiefsee.)

Weil sich Paula an Gespräche erinnert, erfahren wir viel über die Dynamik ihrer Beziehung zu Tim. Ihre Kapitel benennt Paula nach der jeweils aktuellen Tiefe ihres persönlichen Marianengrabens, dem Synonym für ihre Trauer.

»Jetzt liebe ich dich nur noch gefangen in einer Zwischenwelt aus Präteritum und Konjunktiv und in einer Realität, die vor deinem Tod ein Leben und danach nur noch ein Zustand war.« (S. 9.)

»Ich hatte schon oft in meinem Leben das Gefühl, einsam zu sein. […] Aber erst jetzt verstand ich, dass man nur wirklich einsam ist, wenn man zurückbleibt, wenn man übrig ist. Und dann fährt man in die Berge, weil sie so unendlich groß und mächtig sind und man selbst so klein, und man hofft, dass das irgendetwas kompensiert. Dass die Weite des Gebirges den Raum ausfüllen kann, den der andere zurückgelassen hat, dass das Schmelzwasser der Gletscher in alle kleinen Ritzen und Lücken eindringt und alles wieder mit Leben befüllt. Aber kein Gebirge der Welt kann diese Leere kompensieren.« (S. 52)

Jasmin Schreiber, ursprünglich Biologin wie Paula, schöpft, was das Sterben betrifft, aus einem tiefseetiefen Erfahrungsschatz. Sie begleitet ehrenamtlich Eltern, deren Kinder im Sterben liegen oder gerade gestorben sind. Als ehrenamtliche Trauerbegleiterin weiß sie, wovon sie redet. Und auch Depressionen sind ihr persönlich bekannt.

Ihre beiden Figuren hat sie sehr glaubwürdig und vielschichtig gezeichnet. Helmut und Paula kommen sich im Laufe der Reise, die sie zusammen unternehmen, innerlich näher und teilen Gefühle und Gedanken um geliebte und verstorbene Menschen. Sie sprechen sozusagen die gleiche Sprache, die Sprache der Trauer.

»Wenn Trauer eine Sprache wäre, hätte ich jetzt zum ersten Mal jemanden getroffen, der sie genau so flüssig sprach wie ich, nur mit einem anderen Dialekt.« (S. 96)

Wer jetzt aber meint, dass Marianengraben ein furchtbar trauriges Buch sein muss, täuscht sich. Und zwar mega. Noch nie habe ich über Trauer so ein witziges Buch gelesen, und das ohne jegleiche Plattheiten, Geschmacklosigkeiten oder Kitsch. Wer allerdings Heile-Welt und Happy End sucht, ist hier falsch.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal gleichzeitig so viel gelacht und geweint habe. Trotz aller Situationskomik erzählt die Autorin hier eine sehr schmerzhafte Geschichte, eigentlich sogar mehrere. Geschichten aber,  die mich allesamt – mit meinen eigenen Trauergeschichten – ein bisschen getrösteter zurücklassen. Und die mir Hoffnung schenken. Und immer wieder ein Lächeln.

Ich bedanke mich sehr herzlich bei der Autorin und beim Eichborn-Verlag für das nicht nur innen, sondern auch außen wunderschön gestaltete Buch.


Eichborn Verlag

Webseite der Autorin: www.jasmin-schreiber.de

Fehlhaltungen

Ein kleines anatomisches Gleichnis zum Samstag gefällig? Na dann los. Wir widmen uns dem Thema Fersensporn.

Laut Wikipedia ist das ein knöcherner Sporn am Fersenbein. Der untere Fersensporn geht gelegentlich mit einer Entzündung der Plantarsehne an der Fußsohle einher. (Und, pssst, so eine Entzündung tut verdammt weh.) Heißt: Nicht der Fersensporn an sich entzündet sich und tut weh, sondern es schmerzen die involvierte Nerven und Sehnen. Die eigentlich therapiebedürftigen Beschwerden treten, laut Wiki, bei […] einer Entzündung in diesem Bereich, auf. Da ein abgesenktes Fußlängsgewölbe als Ursache einer chronischen Zugbelastung der Sehnenansätze am Fersenbein anzusehen ist, in dessen Folge es zu einer Ansatzverkalkung (dem sogenannten Fersensporn als Röntgendiagnose) kommen kann, besteht die wichtigste therapeutische Maßnahme in der passiven Korrektur mittels Schuheinlagen.

Mit https://photomosh.com/ gemachte Bildanimation, aus einer Ölpfütze, die aussieht wie ein stilisiertes, tanzendes Paar.
Mit https://photomosh.com/ gemachte Bildanimation

Supervereinfacht gesagt bewirkt eine zu große Belastung an der einen Stelle eine Verkalkung an der anderen Stelle, die wiederum zu einer schmerzhaften Entzündung führt. Eine falsche Körperhaltung, die wir uns aus Gründen über eine lange Zeit angeeignet haben, macht, dass der Körper zu Selbstreparatur(re)aktionen greift und mit Kalk hantiert. Allerdings sind solche Aktionen nicht immer dasjenige, was eigentlich wirklich langfristig heilsam wäre, sie dienen eher der Schadensbegrenzung und Stabilisierung.

Ich bin weder Ärztin noch sonstwie medizinische Fachperson und das eben Gesagte habe ich vermutlich – oder sogar ziemlich – sicher anatomisch nicht ganz korrekt interpretiert, aber als Gleichnisgrundlage passt so ein Fersensporn allemal.

Es gibt ja nicht nur unsere Körperhaltung, sondern wir haben auch dem Leben gegenüber eine innere Haltung eingenommen. Da sind die Gedanken, die wir denken. Die Gefühle, die wir empfinden. Da ist die ständige Wechselwirkung zwischen all unserm Erleben und unserem Weltbild, das wir uns im Laufe unseres Lebens zurechtgezimmert haben.

Kann es da die eine ’richtige Haltung’ überhaupt geben? Ich glaube nicht, aber vielleicht kann ich immer wieder neu die für mich am besten passende, mich am besten fördernde Haltung herausfinden. In dem ich laufend reflektiere, welche Haltung zu welchen Reaktionen führt und welche Haltung welche Schmerzvermeidungsmuster erzeugt – ob nun auf der Körper- oder auf der Seelenebene ist letzlich egal, den beide sind miteinander verbunden. Körper und Seele versuchen beide ’von Natur aus’, Schmerzen zu vermeiden. Darum hilft es mir, in Kontakt mit mir und meiner Natur zu sein.

So weit so gut? Jetzt gehen wir einen Schritt weiter und übersetzen unser hübsches Gleichnis vom Fersensporn auf die menschliche Gesellschaft, denn auch hier wirken sich kollektiv eingenommene Haltungen heilsam oder schmerzhaft auf die besonders sensiblen Stellen des Gesellschaftskörpers aus.

Gesellschaft, zeige mir deine wunden Stellen und ich sage dir, welche Haltung du hast!

Ich denke da politisch. Mir fallen Gesetzesentwürfe* ein, die es – wenn sie zu Gesetzen werden – Menschen, die aus Gründen eh schon wenig Ressourcen haben, noch schwieriger machen, in Würde zu leben.

Wir brauchen alle mehr Solidarität.

’Von Natur aus’ kümmert sich ein gesunder Mensch um die Stellen an Körper undn Seele, die schmerzen. Er verhält sich sich selbst gegenüber solidarisch. Er sucht nach Lösungen, Selbsthilfe, Hilfe, Besserung. Das ist das Natürlichste der Welt. Wäre es jedenfalls.

Wieder schreibe ich ’von Natur aus’ und wieder mit Gänsefüßchen. Ich beobachte, wie uns – als kapitalistische Gesellschaft – diese Natur mehr und mehr abhanden kommt, diese Natur-in-uns (Selbst-Natur-Sein) ebenso wie diese Natur da draußen (Nahrungsanbau, Tiere, Werden und Vergehen). Vor allem aber fehlt uns der Zusammenhang zwischen mir selbst und der Natur da draußen, denn da wäre eigentlich keine Trennung. Natur ist Natur, ob nun innerhalb oder außerhalb meines und deines Organismus. Das Wissen um den kleinen (internen) und großen (externen) Zusammenhang fehlt uns immer mehr. Fehlen im Sinne von Lücke, von Verlust, von Sehnsucht.

So kann ich, kannst du auch nicht wirklich solidarisch sein, weder innerhalb des eigenen Organismus noch innerhalb der Gesellschaft.

Wir haben von klein auf gelernt, Schmerzen zu ignorieren, Druckstellen auszublenden. Wir ignorieren Störfaktoren, bis die Schmerzen nicht mehr nur Schmerzen sind und die Symptome sich nicht mehr ohne weiteres behandeln lassen. Wir Menschen tun es bei uns selbst und wir Menschen tun es auch in der Politik, wir tun es mit der Erde, wir tun es bei unseren Mitmenschen.

Wie sagte neulich eine kluge Frau zu mir? Wäre da mehr Selbstliebe, sähe die Welt ganz anders aus.

Selbstliebe, Selbstfürsorge, Mitgefühl für sich und andere, Empathie. Nenn es wie du willst. Im Grunde meine ich hier einfach das Gegenteil von Egoprofilierung, Selbstbeweihräucherung, Ich-zuerst-Denken.

Wir brauchen wieder mehr von diesem Ding, das wir ’von Natur aus’ in uns drin haben. Hätten. Von diesem Ding, das macht, dass wir merken, wenn etwas nicht mehr rund läuft. Wenn die Erde brennt zum Beispiel. Oder wenn die Füße schmerzen.


* Aktuell in der Schweiz (Abstimmung vom 9. Februar 2020) empfehle ich herzlich folgende Parolen. Fpr ein lebenswerteres Miteinander.

  • Gesetz über das Kantons- und das Gemeindebürgerrecht (KBüG); Änderung vom 7. Mai 2019: NEIN
  • Volksinitiative vom 18. Oktober 2016 „Mehr bezahlbare Wohnungen“: JA
  • Änderung vom 14. Dezember 2018 des Strafgesetzbuches und des Militärstrafgesetzes (Diskriminierung und Aufruf zu Hass aufgrund der sexuellen Orientierung): JA

Lebenswege

Zwölf Tage her, bereits, dass Irgendlink und ich uns endlich wieder einmal mit Frau Lakritze zusammen auf den Weg gemacht haben. Die Pfalz erkunden war unser Ziel. Einen kleinen Ausschnitt derselben jedenfalls.

Und zwar wollten wir dort anfangen, wo die Alsenz entspringt: in Alsenborn. Dass es diesmal keine Winterwanderung werden würde, ahnten wir bereits im Voraus. Eher noch würde es regnen denn schneien. Das als trocken angekündigte Zeitfenster war nicht allzu groß und so machten wir uns schon bald auf den Weg, nachdem wir Frau Lakritze am Enkenbach-Alsenborner Bahnhof eingeladen hatten.

Den Alsenborner Lebenspfad hatten wir zu gehen beschlossen, da selbiger sich auf einer Wanderwebseite in Irgendlinks Blickfeld geschoben hatte; eine nur paar Kilometer lange Wanderung, die meiner aktuellen Befindlichkeit – Fersensporn und Knieschmerzen – sehr entgegen kam.

Unterwegs gab es ein paar Stationen wie beispielsweise ’Unfalltod’ nahe der Autobahn oder ’Familienbaum’, die zum Innehalten und Nachdenken einluden. Natürlich waren wir eh gemütlich unterwegs, denn es gab so viel zu sehen und zu fotografieren, so viel zu erzählen und zu erfahren. Mittendrin, am langen Tisch der Gemeinsamkeit, teilten wir Speis und Trank.

Höhepunkt der Wanderung war für mich definitiv das wunderschöne Labyrinth – gelegt aus Rindenmulch mit roten Sandsteinkanten – das wir still von außen nach innen gehend abschritten. Einen Kilometer Weg lege man zurück, wenn man ihn gehe, las ich eben auf der verlinkten Webseite. Hoppla, soo weit? Dieses Im-Kreis-Gehen hat echt was und beruhigt sehr.

Zurück im Ort besuchten wir das kleinste mir bekannte Museum. Es ist den früher hier ansäßigen Zirkusfamilien gewidmet und erzählt unter anderem die Geschichte vom Ackerelefanten, den wir auf einem Kreisel im Ort bereits gesehen haben. Lakritze berichtet.

Nach einer kleinen Stärkung mit Torte und Heißgetränken fanden wir beim Spazieren eine Kathedrale, die mich – obwohl ich sonst so gar nicht mit Kirchen und sakralen Dingen kann – sehr anrührte. Diese Stille tat einfach gut.

Wie Lakritze so schön schreibt: Ja, so was dürfte ruhig öfter mal stattfinden, so ein pfälzisches Wandertreffen! Und das nicht erst wieder im nächsten Winter.

(Mit Bildbeschreibungen)

Auch Frau Lakritze hat hier und hier über unsern Wandertag berichtet und gebildert.

Lesenswert, unbedingt!

Spielen #2 | Die vergessene Pointe

Betriebsblindheit nennt sich das wohl, wenn wir das Wichtigste zu erwähnen vergessen. Weil es so selbstverständlich für uns ist, das wir es schlicht und einfach als gegeben voraussetzen.

Erst vorhin, als ich mit einem Von-außen-Blick nochmals meinen gestrigen Blogartikel mit den Spielregeln unseres Würfelspiels Erben durchlas, erkannte ich mein Versäumnis. Asche auf mein Haupt. Bitte verzeiht.

Erben heißt nämlich Erben, weil du dabei die Punktzahl deiner Vorwürflerin, deines Vorwürflers erben kannst.

Und das geht so:
Erwürfelt die Person vor dir nämlich eine bestimmtes Punkteguthaben und beschließt mit Würfeln aufzuhören und ihr Guthaben aufzuschreiben, kannst du als nächste Person ihre leeren Würfel erben und, wenn du Glück hast, mit dem richtigen Wurf ihr Guthaben erben.

Zum Beispiel liegen von ihrem  letzten Wurf einige 1en und 5en auf dem Tisch, die anderen übrigen Würfel sind leer, das heißt sie zählen nicht.

Du kannst nun diese leeren Würfel nehmen und dein Glück versuchen: Gelingt es dir eine oder mehrere 1 oder 5 zu würfeln, erbst du das Guthaben und kannst genau dort weiterzumachen, wo die Person vor dir aufgehört hat. Fliegender Wechsel sozusagen. Oder eben: Erben.

Und auch hier gilt die 6er-Regel. Die 6 gilt als Auffüll- oder Pufferwürfel.

Auf diese Weise könnt ihr euch reihum weiter im Kreis beerben – daher auch der Name des Spiels:

Wichtig: Jede*r kann jederzeit aufhören und entscheiden mit allen Würfeln wieder bei Null anzufangen. Oft entscheidet das Schicksal und jemand würfelt einen leeren Wurf und alles fängt wieder von vorne an.

+++

Ich mag das ja: Manchmal kann man mit allen fünf Würfeln einen leeren Wurf würfeln, und manchmal kann man mit einem einzigen Würfel eine 1, eine 5 oder eine 6 würfeln und das erwürfelte Guthaben der*s Vorspieler*in eben erben.

Manchmal hast du eben einfach Glück und manchmal ich.


Spielregeln als PDF

Spielen #1

Zwischen den Jahren haben der Liebste und ich ab und zu gewürfelt. Ein Würfelspiel, das ich vor vielen Jahren gelernt, aber längst vergessen geglaubt hatte. Doch es war noch da, irgendwo in meinen Herzkammern, und ich habe es wieder zum Leben erweckt.

Erben heißt es. So jedenfalls habe ich das Ganze damals – vor nahezu dreißig Jahren – überliefert bekommen. Zwar ist Erben ein Glücksspiel, aber es müssen doch immer wieder Entscheidungen getroffen werden: Will ich mit einem oder zwei mir gebliebenen Würfeln die hohe Punktzahl, die Irgendlink erwürfelt hat, versuchen zu erben, oder fange ich mit allen fünf Würfeln wieder bei Null an?

Zugegeben, ich spiele nicht mehr so viel wie früher. Schade eigentlich, denn Spielen ist wichtig. In einer Welt, in der unsere Lebenszeit genau verplant ist, wo kaum mehr Freiraum für eigenes ist, wo alles verdichtet und reglementiert ist, in einer Welt des Konsumierens warum nicht einfach wieder einmal spielen? Nur um des Spielens willen.

Für unser Würfelspiel Erben braucht es zwei oder mehr Spielfreudige und gerade mal fünf Würfel, einen Block und einen Stift.

Würfelspiel mit Block und Stift, Bild posterisiert
Würfelspiel mit Block und Stift

Hier sind die Spielregeln:

(Diese Regeln bekam ich mündlich überliefert. „Erben“ ist eine Variation des Würfelspiels „Zehntausend“)

Erben ist ein Spiel für 2 und mehr Spieler*innen. Es braucht für dieses Spiel fünf Würfel, einen Stift und einen Block. Wer zuerst 15’000 Punkte erreicht, hat gewonnen.

  • Es wird reihum gewürfelt. Lediglich die Zahlen 1 und 5 erzielen Punkte, wenn sie einzeln gewürfelt vorkommen. Alle anderen Zahlen zählen nur ab Dreierpasch. (Siehe unten)

  • Die 1 ergibt 100 Punkte, die 5 ergibt 50 Punkte. (Päsche ab Dreierpasch siehe unten)

  • Nach jedem Wurf addierst du alle zählenden Würfel, lässt diese auf dem Tisch liegen und würfelst mit den übrigen Würfeln weiter.

  • Die Zahl 6 ist ein Pufferwürfel. Würfelst du zum Beispiel 1, 1, 5, 5 und 6 berechtigt dich die 6, dass du alle Würfel wieder aufnehmen kannst. Desgleichen bei 2x 6, wenn die anderen gewürfelten Zahlen ’etwas zählen’. (z. B. 2, 2, 2 und 6, 6). Kurz: Die 6 berechtigt dich dazu, wieder mit allen Würfeln weiterzuwürfeln, wenn alle andern Würfel gezählt werden können.

  • Solange du mindestens eine 1 oder eine 5 würfelst, kannst du immer weitermachen und deine Punkte laufend addieren. Du kannst deine Runde aber auch jederzeit beenden und die erwürfelten Punkte aufschreiben.

  • Sobald du aber einen Wurf ohne 1 oder 5 machst, sind alle in dieser Runde erzielten Punkte verloren und der oder die Nächste ist dran.

  • Wer zuerst 15’000 oder mehr Punkte hat, hat gewonnen.

Straßen

Würfelt jemand eine 1, 2, 3, 4 und 5 ODER eine 2, 3, 4, 5 und 6 hat er 700 Punkte erwürfelt und darf mit allen Würfeln weiterwürfeln, wahlweise aber natürlich auch aufschreiben und seine fünf Würfel weitervererben.

Feldwege (ganz neu in unsere bestehenden Regeln eingefügt)

Würfelt jemand eine 2, 3 und 4 kann er sie wahlweise als Feldweg zählen ODER aber die Würfelpunktzahlen anders verwerten. Ein Feldweg zählt 200 Punkte

Punktetabelle von Päschen

  • 2, 2, 2: 200 Punkte
  • 3, 3, 3: 300 Punkte
  • 4, 4, 4: 400 Punkte
  • 5, 5, 5: 500 Punkte
  • 6, 6, 6: 600 Punkte
  • 1, 1, 1: 1000 Punkte
  • 2, 2, 2, 2: 2000 Punkte
  • 3, 3, 3, 3: 3000 Punkte
  • 4, 4, 4, 4: 4000 Punkte
  • 5, 5, 5, 5: 5000 Punkte
  • 6, 6, 6, 6: 6000 Punkte
  • Pasch aus allen fünf Würfeln: Automatischer Sieg

Zur noch fehlenden Pointe und warum das Spiel Erben heißt, geht es ⇒ hier lang!

+++

Wann hast du das letzte Mal gespielt?


Spielregeln als PDF

Dankeschön

Liebe Menschen

Blogbuchcover mit Blogtitel und Jahreszahl. Im Hintergrund blaue Kennzeichnungen auf dem rauh gesägten Holz eines gefälltem Baumstammes
Blogbuchcover mit Blogtitel und Jahreszahl. Im Hintergrund blaue Kennzeichnungen auf dem rauh gesägten Holz eines gefälltem Baumstammes

Auch wenn ich nicht blogge, schreibe ich, denn Schreiben ist für mich wie Atmen: überlebenswichtig.

Obwohl ich die Kommentarfunktion fast immer ausgeschaltet habe, nehme ich euch wahr. Ich danke euch dafür, dass ihr in eurem Leben eine kleine Nische für mich freigeräumt, in welcher ich meine Gedanken ausbreiten kann.

Mal kürzer, mal länger, die runden ebenso wie die kantigen. Die halbgaren Ideen ebenso wie manche Geschichten, die mir durch den Kopf und von da aus in die Tasten gehen. Aus meinen Blogtexten des vergangenen Jahres ist erneut ein Buch geworden, ein Blogbuch.

Ich bin dankbar für jede und jeden einzelne*n von euch. Auch für all jene Leserinnen und Lesern, die ich weder persönlich noch virtuell kenne. Danke für all die vielen stillen Mitlesenden. Danke, dass ihr an meinem Leben teilnehmt. Danke, dass ihr da seid.

Herzliche Grüße aus meiner Wörterwebstube
Sofasophia

+++

Diese Bücher dienen mir zur Erinnerung für das, was ich gedacht, gefühlt, erlebt und in Worte gefasst habe. Wider das Vergessen. Wenn ich sie euch hier zur Verfügung stelle, dann in der Hoffnung, dass ihr das Copyright respektiert und sie nur zum Eigengebrauch nutzt. Die Tippfehler gibts gratis obendrauf.

Verständnis

Drei rotbemützte Bäume
Drei rotbemützte Bäume, verfremdet

Ich verstehe, warum wir uns Halstücher und Mützen anziehen. Krawatten werden mir wohl immer ein Rätsel bleiben.
Ich mag Barfußgehen auf der Erde und durch nasses Gras. Gehen in Stöckelschuhen tut mir nur schon beim Zuschauen weh.
Ich verstehe mich auf Schönheit und Ästethik. Nicht auf Effekthascherei.
Ich kann Stimmungen hinter der Schminke lesen. Von Maskeraden und Make-Up verstehe ich nichts.
Ich verstehe etwas von der Sprache der Liebe. Nichts aber von jener der Image- und Machtsymbole.
Ich erkenne, wenn jemand Hilfe braucht. Von Intrigen und Powergames habe ich keine Ahnung.
Ich liebe es, spontane Geschenke zu machen, aber mit Schenken-auf-Befehl kann man mich weit weg jagen.
Ich verstehe etwas von Gefühlen, mit dem Missbrauch derselben bin ich allerdings immer wieder überfordert.
Ich mag es, mir eine eigene Meinung zu bilden, sie aber als die einzig richtige zu betrachten, geht mir gegen den Strich.
Ich freue mich über Rückmeldungen für mein Tun. Auf Lob zu warten mag ich dennoch nicht.
Ich mag es, Herzblut und Zeit an Freundinnen und Freunden zu verschenken. Mich aber von Menschen ausnutzen und klein machen zu lassen ist überflüssige Kraft- und Zeitverschwendung.
Ich echauffiere mich immer mal wieder über Dinge, die andere tun oder lassen. Hasskommentare und Hassaktionen* gehen dennoch absolut nicht.
Ich verhalte mich solidarisch. Ausgrenzung und Ausbeutung toleriere ich nicht.
Ich stehe für Würde. Sie ist weder freiwillig noch ein Konjunktiv, sondern ein Menschenrecht.


*Bitte Petition unterzeichnen: Effektiver Opferschutz von Betroffenen der Onlinekriminalität
Danke im Namen der Betroffenen.

Ausgelesen #30 | nichts – Gedichte von Manfred Keitel

Dass Manfred Keitel ein sehr inniges Verhältnis zu Sprache hat, wird mir spätestens beim Öffnen des kleinen Büchleins klar. Schnell bekomme ich den Eindruck, dass der Autor inmitten von Wörtern lebt. Da ist etwas Organisches, Selbstverständliches, das mich sofort berüht. In seinen fünf Kapiteln lädt er uns ein, die Welt durch seine Augen und mit seinen Worten im Ohr zu betrachten und zu erfahren. Eine sinnliche, eine feinsinnige Reise.

Mal sind es melancholische Texte, mal heitere, mal absurde, komisch-verspielte, liebevolle, mal dem Tod hin-, mal der Liebe zugewandte. Allesamt mit einem feinen Gespür für die vielen Schichten mancher Worte, für Wendungen und Kontraste, für Quer-im-Raum-Stehendes und für Paradoxien geschrieben. Wenn ich mich auf die oft nur kurzen Texte einlasse, horche ich ihrem Nachhall; manche einzelnen Zeilen lese ich wieder und wieder, weil ich ihren Sinn und den Sinn dahinter und den darunter hören will, verstehen vielleicht sogar. Und jedes Mal sehe ich irgendwo noch ein weitere Bewegung, die ich beim ersten Lesen nicht gesehen habe. Das hier ist ein leises Buch, eins das inspiriert und zum Innehalten einlädt. Ich bin sehr angetan.

Es folgen ein paar Zitate.

+++

weiter hin

der Träumer ist weiterhin erwacht
Der Träumer ist weiterhin eine Katze

Zwischen Sternen ruhen Nächte
und er schläft doch nie
Was schläft ist anders wach

Es ist Gesang nur
und damit Welt
Weite weit aus die Ströme der Nacht

S. 9

+++

Ohne Deckel (Luftbestattung)

Ich wünsche ich könnte
Am dem Loch sterben

An der Lücke die er
In meinem Herzen
Dem daSein hinterließ
Mein Leben wäre erfüllt

[…]

S. 10

+++

Sternlüstergeflüster

ich bin den Sternen
von den Maschen gerutscht

für zu leicht befunden
im Staub zusammengekehrt
herab zum Ich geballt

nur wir im Dunkeln funkeln
glitzern sternschnuppenleer

S. 29

+++

alles rundum ist randvoll mit Heißhunger gestillt

keiner ist frei
Jeder bei sich
Selbst Wurzeln schlängeln

S. 51

+++

Kurz gesagt: Herzliche Leseempfehlung!

(Und nein, mein Büchlein ist kein Rezensionsexemplar. Ich habe es mir selbst geschenkt.)


Manfred Keitel | nichts | Gedichte

Mit einem Nachwort: Erratanomicon.
Mai 2019. 62 S.
Titelbild von Peter Thiersch. Umschlaggestaltung von Anke Enzmann
Format 12,8 x 20,8 cm.
ISBN 978-3-936905-71-7
Verlag ERV
13,80 €

Zur Webseite des Autors gehts hier lang.

Die Ochsen mal wieder

Bereits vier Jahre und elf Monate ist es her, seit ich die Ochsen das letzte Mal in der Kupferschmiede Langnau spielen hörte. Natürlich war das nicht das letzte Konzert von Patent Ochsner, das ich seither gehört habe, doch gehe ich im Gegensatz zu früher aktuell nur noch selten an Konzerte. Den Ochsen und Ochsinnen aber halte ich die Treue.  Jahr um Jahr. Wann immer es geht.

Letztes Jahr tourte die Band leider nicht, darum besuchten wir, um das Leck zu füllen, vor elf Monaten ein Konzert, das Mimmo Locasciulli zusammen mit Büne Huber, dem Kopf von Patent Ochsner, ausgerichtet hatte (ich habe berichtet).

Langnau und Kupferschmiede? Das heißt endlich mal wieder Freundin B. (2) zu sehen. Vermutlich habe ich die meisten Ochsner-Konzerte mit ihr besucht. Mit ihr und immer wieder anderen Begleitungen. Auch Irgendlink war jetzt schon das xste Mal mit dabei – in über zehn gemeinsamen Jahren kommt da ja schon so einiges zusammen.

Nun ja, mit B. geht es irgendwie nicht anders als ganz vorne an der Bühne zu stehen. Und obwohl ich in den letzten Jahren deutlich lärmempfindlicher geworden bin, war es auch diesmal nicht zu laut. Vorne ist zudem am wenigsten Ablenkung durch tuschelnde Menschen, durch Unruhe im Publikum; und maximale Fokussierung auf die Musik ist möglich. Neben der tollen Musik ist man vorne einfach irgendwie ganz anders mitten drin. Die Menschen, die für uns ihre Tasten, Blechinstrumente, Saiten und Felle in Aufruhr versetzen, die uns mit ihrem Lachen, mit ihrer Kreativität, Übermut, Lebensfreude und Musikalität verzaubern, sind vorne ganz nah. Unmittelbar erlebbar.

Die Band hat eine Bühnenpräsenz, die mich jedes Mal mitreißt. Das hier ist nicht einfach nur eine tolle Show, das hier sind Menschen, die sehr präsent sind, sehr begeistert von dem, was sie tun, sehr lebendig und stark. Büne schiebt da und dort ein paar Worte ein. Zur Weltlage zum Beispiel. Über das Gute, das wir dem Hass entgegenhalten sollen. Er bezieht Stellung, er hat eine klare Haltung. Das Publikum, Jung und Alt, Kinder und Seniorinnen, hört aufmerksam zu. Es geht uns alle an. Wir alle können die Welt, unsere Umwelt, lebenswerter machen.

Eine Pause gibt es keine. Nach zwei Stunden ist das saugut zusammengestellte Konzert zu Ende gespielt und meine Füße sind müde vom Stehen und Tanzen. In mir drin diese Jetzt-Freude, wie ich sie bis jetzt an jedem Ochsen-Konzert erlebt habe. Eine Energie- und Akkuladung der ganz besonderen Art. Ich liebe diese Verbundenheit mit allem. Mit den Klängen, mit den lieben Menschen neben mir, mit den Musiker*innen auf der Bühne, mit mir selbst. Glück? Ja. Nennen wir es Glück.

Natürlich gibt es eine Zugabe. Und dann kommt er, dieser Moment, den ich jedes Mal habe, wann immer ich das Lied Für immer uf di höre. Ich löse mich auf. Ein Lied, das buchstäblich so schön ist, dass es weh tut. Dass mir jedes Mal, wenn ich es höre, von neuem die Tränen über die Backen rinnen lässt.

Vor der letzten Zugabe gibt es noch so einen Gänsehautmoment, einen, wie ich ihn noch an keinem einzigen meiner unzähligen Ochsner-Konzerte erlebt habe: Um die Ochsen und Ochsinnen wieder auf die Bühne zu locken singt der Saal den Refrain von Scharlachrot:

I boue mir myni tröim uuf rund um di
& male se scharlachrot a
I brönne mir di name z mitts i mys härz
chönnt schwöre dass I ewig blybe we üs nüt
drzwüsche chunnt.
(Lyrics)

Und jetzt passiert es: Auf einmal singt der ganze Saal mit. Kein Zugabe-Klatschen mehr. Kein Getuschel. Keine andere Geräuschen außer die singenden Stimmen. A cappella und saalfüllend.

Und natürlich kommt die Band nochmals. Und natürlich singt sie zum Abschluss Scharlachrot für uns. Eins der Lieder, die mir auch nach über zwanzig Jahren noch unter die Haut fährt.

Ich glaube, das war das berührendste und beste Oxenkonzert ever, sagte Irgendlink am Schluss.

Ich habe zwei kleine Videos auf Instagram eingestellt.
Büne über Gutmenschen
Monic rockt die Kupferschmiede

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Kleine Bildergalerie

Und jetzt noch zwei Screenshots aus den Stories* des Patent Ochsner-Accounts auf Instagram. Gescreenshotet, weil wir da drauf sind. Und weil ich mich so freue, dabeigewesen zu sein. (Die Pfeilchen zeigen, wo wir standen.)

EDIT: *Die Filmsequenz, aus welcher ich den ersten Shot geklaut habe, ist jetzt, 11.11.19, in den Ochsen-Highlights zu sehen.

Auf dem Screenshot ist die violett beleuchtete Bühne mit den Musiker*innen zu sehen, davor ein paar Reihen Publikum, ganz vorne sind wir drei, mit drei Pfeilen markiert.
Screenshot der Instagram-Stories von Patent Ochsner

Büne Huber singt ins Mikrofon, hellgrünes Licht, neben Bühne der Keyboarder. Auf dem Bild folgender Text: Always be yourself aber immer alwayser be a Gummibaum, in Anspielung auf das Lied Gummibaum. Rechts im Bild Irgendlinks halber Kopf als Schatten von hinten.
Screenshot der Instagram-Stories von Patent Ochsner