Figuren kreieren

Sie sitzen im Kreis. Mit offenen Mündern, die Augen weit aufgerissen, hören sie zu. Bei den einen glitzert es sogar ein wenig in den Augenwinkeln und als die Heldin die wackelige Brücke überquert hat, geht ein Aufatmen durch den Raum und die angespannten Glieder bewegen sich wieder. Die Kindergärtnerin klappt das Buch zu und auf einmal wird aus dem mäuschenstillen Menschenknäuel wieder ein wilder Haufen Piraten und Zauberinnen.

Die Heldin ist gerettet. Der Protagonist hat sein Ziel erreicht. Wir brauchen sie, diese Figuren aus den Geschichten, die wir lesen oder uns im Fernsehen oder Kino ansehen. Sie vertreten uns und helfen uns, zu leben. Gemäß eines Creative Writing Workshops in den USA – nein, ich habe keinen besucht und werde es höchstwahrscheinlich auch nie tun – soll unsere Heldenfigur innerhalb der ersten vier Seiten eines Romans eine sympathische Tat vollbringen. Weil sonst unsere Lesenden, so geht das Gerücht, das Buch zuklappen. (Hat mir ein Bekannter erzählt, der einen solchen Workshop besucht hat. Oder jemanden kennt, der einen besucht hat. Oder so.)

Na ja, solche Vorgaben finde ich stereotyp und nicht besonders kreativ, aber die Idee hat was. Die Figur, die ich für die nächsten hundert, ein-, zwei-, dreihundert Seiten begleiten werde, muss es wert sein. Sie muss mir also so weit sympathisch sein, dass ich mitgehen will. Selbst wenn diese Figur ein Schelm und ein Kunstdieb ist. Ich denke dabei an Martin Suters Figur Allmen oder Jo Nesbøs Headhunter.

Wir Schreibenden manipulieren. Immer. Bewusst oder unbewusst. Sobald wir an einem Text arbeiten, den wir nicht nur ausschließlich für uns selbst schreiben, angefangen beim Brief hin zum Artikel fürs Blog bis zur Romangeschichte, überlegen wir uns genauer, wie wir was sagen. Ich lese Sätze, die ich ins Tagebuch schreibe, selten durch, doch bereits Briefe und Mails lese ich (meistens) mindestens einmal durch. Ich formuliere manchmal kopfgesteuert oder ich lasse meine Gedanken einfach intuitiv aufs Papier oder in die Tasten fließen. Eins ist dabei klar, auch wenn ich nicht jedes Mal darüber nachdenke: ich will eine Aussage machen und mit dieser eine ganz bestimmte Wirkung erzielen. Ich will verstanden werden und darum unterstreiche ich meine Absicht mit möglichst passenden Worten. Wie es eine Kundenmalerin tut, wenn sie einen Raum neu streicht. Sie wählt jene Farbe aus, die den gewünschten Effekt erzielen soll. Oder der Koch: er hat die Zutaten und dazu eine Idee, wie das Ergebnis auf dem Teller aussehen und im Gaumen schmecken soll. Alle sind wir in irgendwas gut und darin wissen wir, wie wir die richtige, die von uns gewünschte Wirkung erzielen können.

Worte sind meine Gewürze, meine Farben, meine Klänge. Die Tastatur ist mein Instrument, mein Medium, mein Kochlöffel.

Zurzeit arbeite ich mehr oder weniger intensiv an der Fertigstellung eines Romanes, an dem ich schon seit Jahren brüte. Ich balanciere dieser Tage ständig zwischen innen und außen. Ich will die Geschichte um ihrer selbst willen erzählen (einzig das Wie ist noch nicht in jedem Detail klar). Ich will dieses Geschichte erzählen, weil ich sie erst dann wirklich loslassen kann. Und auch, weil ich sie erzählenswert finde. Ich erzähle sie, weil sie sich mir aufdrängt. Es gäbe nettere Geschichten zu erzählen, gewiss. Meine ist nicht nett. Es ist keine Mainstreamgeschichte, keine laute, schrille, die das Zeug zum Bestseller hat – nicht jedenfalls um ihres Inhalts willen. Meine Geschichte ist mein Stein, der sich mir zum Behauen in den Weg gestellt hat. Weil ich die Kenntnisse und das Werkzeug habe und weil ich die Form im Stein sehe, die ich freilegen soll, habe ich mich zur Dienerin des Steins gemacht.

Die Werkzeuge der Steinhauerin dienen der Manipulation des Steins. Hier zuckt niemand beim Wort Manipulation. Auch bei Bildbearbeitung mit Photoshop und Co. stolpert niemand allzu sehr über dieses Wort. Aber beim Schreiben, oh weh, da bekommt das Wort schnell einen negativen Beigeschmack und wir denken an Werbung, an Propaganda und an Diktaturen.

Sobald ich mit einem Text den Innenraum meiner Gedanken und den Innenraum meiner Festplatte verlassen und ihn einer Leserin oder einem Leser zeigen will, ist es nicht mehr egal, wie ich schreibe. Mir nicht, meiner Leserschaft nicht. Der Balanceakt beginnt. Ich schreibe so, dass ich möglichst so verstanden werden kann, wie ich verstanden werden will. Und doch bleibe ich mir treu. Mir und meinem Schreibstil. Meiner Denkart. Meinen Bildern.

Und genau hier wird es schwierig: Ich-du-er-sie-es-wir alle können nicht anders als von uns und unserer Bilderwelt auf jene der andern zu schließen. Weil wir nur diesen einen Einblick in ein menschliches Denk- und Wahrnehmungskonzept haben – dazu noch sehr lückenhaft. Was ich hartnäckig türkis nenne, nennt Freundin L. genau so hartnäckig grün, nur so als Beispiel.

Ist meine Figur A. für alle, die meinen Roman lesen, sympathisch? Und falls ja, verspielt sie sich diese Sympathie womöglich schon auf den ersten zehn Seiten, weil sie etwas auf eine bestimmte Weise macht, denkt, sagt, schreibt, die meine Lesenden doof finden? Sie für alle und um jeden Preis sympathisch machen zu wollen, kann also nicht funktionieren. Muss auch nicht.

Momentan lese ich ein eBook. Der Protagonist dieses Romans ist ein snobistischer Kotzbrocken. (Ich bin allerdings erst im ersten Viertel und lese das Buch weiter, weil ich die Hoffnung nicht aufgebe, dass er mir vielleicht doch noch sympathisch wird). War es Absicht des Autors, seinen Protagonisten so unsympathisch zu erschaffen? Weil dem Autor die Leserinnenschaft völlig egal ist? Als Experiment? Oder, und das ist die Frage, die mich am meisten beschäftigt, ist der Protagonist womöglich andern Lesenden durchaus sympathisch? Dass nicht alle allen sympathisch sind, wissen wir. Aber …

Für meine Schreibarbeit extrahiere ich aus meiner aktuellen Leseerfahrung folgende Frage: Kann und darf eine Figur, die wir uns als Schreibende auf eine bestimmte Art vorstellen, auf andere ganz anders oder sogar völlig gegenteilig wirken, als wir es uns vorgestellt hatten?

Ich folgere, dass unsere manipulativen Fähigkeiten nur bis dahin reichen, wo unsere Lesenden ihre Erfahrungsschätze und ihre Phantasie auspacken. Somit ist jede Geschichte immer mehr als das, was ich erzählen kann. Sie ist immer eine Synthese zwischen meinem Text und dem Lesegaumen meines Gegenübers.

Was eine Figur sympathisch oder unsympathisch macht? Obwohl sich diese Frage kaum abschließend und verallgemeinernd beantworten lässt und schon gar nicht befriedigend, gibt es wohl ein paar generelle Kriterien: Eine Hauptfigur muss menschlich sein und fehlerhaft . Sie soll ein paar nicht allzu schlimme Schwächen haben und weder darf sie zu schön noch zu hässlich sein, sonst macht sie uns Angst oder stößt uns ab. Hier betrete ich bereits wackeligen Boden. Denn es gibt durchaus hässliche Romanfiguren, die mir ans Herz wachsen können. Und sogar wunderschöne. Lassen wir es also einfach bei den erstgenannten: menschlich und unvollkommen.

Umgekehrt stellt sich die Frage, was eine Figur unsympathisch macht. Unsere Feindbilder sind so individuell wie unsere Geschichten. Als möglicherweise allgemein akzeptierte Kriterien nenne ich deshalb nur Arroganz, Korinthenkackerei, Besserwisserei, Hochnäsigkeit und Unsensibilität.

Stellt sich die Frage, ob solche Eigenschaften wirklich auch als solche wahrgenommen werden (siehe das erwähnte eBook). Womöglich wirken auf andere Leserinnen und Leser Besserwissertum und Arroganz ja als Gelehrtheit und Abgeklärtheit?

Sich gute Geschichten auszudenken ist eins, sie in lesbare Texte umzusetzen, damit andere Menschen sie lesen, mitgehen und im Idealfall etwas mitnehmen können, das ihr Leben bereichert, etwas anderes.

Ohne gute Geschichten wäre mein Leben grau. Eine gute Geschichte muss mich berühren. Ziemlich einfach eigentlich.

Und für dich?

Nostalgia – Gedanken einer Heimatlosen

Sehnsucht und Heimweh … es gibt sie nur, weil es Liebe, weil es Heimat gibt, spreche ich unterwegs ins iPhone. Schreiben kann ich ja nicht beim Autofahren. Sehnsucht und Heimweh – zwei Schmerzen, die sind, weil wir Fühlende sind. Und warum tut Erinnern meistens weh? Bedeutet das, dass ich damals Fehler gemacht habe? Oder einfach, dass etwas unwiederbringlich vorbei ist? Ich möchte das, was damals war, hier und heute nicht mehr in meinem Leben. Ich lebe jetzt.

Dennoch ist es da, dieses Heimweh, wann immer ich in der Region Bern, wo ich etwa zehn lange Jahre gelebt habe, unterwegs bin – ganz besonders wenn ich Richtung Oberland fahre. Ist es Heimweh längi Zyti, wie die BernerInnen so schön sagen? Muss man einen Weg nur oft genug gefahren, gewandert, geradelt und geschlendert sein, um ihn später als Heimat wiederzuerkennen? Muss man alle Nischen, Schleichwege und Abkürzungen einer Stadt oder eines Dorfes kennen, damit sie Heimat genannt werden dürfen? Müsste dann nicht auch meine aktuelle Wohnumgebung heimatliche Gefühle in mir auslösen – zumal ich ja hier in der Gegend aufgewachsen bin und immerhin etwa fünfundzwanzig Jahre gelebt habe, jedenfalls im Umkreis von etwa zehn Kilometern. Warum überfallen mich diese heimatlich-sentimentalen Gefühle vorwiegend im Kanton Bern? Nur dort wird mir das Herz auf diese ganz bestimmte Art weit und ich fühle mich als Nachhausekommende.

Nach meinem heutigen Recherche-Termin in Thun habe ich mir den Rest-Nachmittag freigegeben.
Du sollst morgen baden gehen!, habe ich gestern – im besten Scheffintonfall – zu mir gesagt. Und zwar sollst du zu deinem Lieblingsbadesee fahren. Und so packte ich, trotz der nicht so tollen Wettervorhersagen, heute meine Badesachen ein. Der Himmel schien sich zum Glück nicht wirklich an die Wettervorgaben halten zu wollen. Jedenfalls kein Regen in Sicht. Nur ein paar Wolken.

Gerzensee_sm

Kurz vor sechzehn Uhr. Ich und der See, allein zu zweit. Das Wasser zwanzig Grad. Wärmer als die Luft. Ich ziehe mich um und steige hinab. Wie schön es doch ist, mich auf dem Rücken zwischen den Seerosenblättern hindurch in die Mitte des Sees treiben zu lassen. Ich schwimme auf dem Rücken, die Ohren im Wasser, und lausche. Nur meine Schwimmbewegungen höre ich so. Wenn ich brustschwimme, höre ich nur die Kühe auf der nahen Wiese, die sich die Neuigkeiten des Tages erzählen, und einen Traktor am andern Ufer des Sees. Eine Stunde später spaziere ich erholt zurück zum Auto. Auf dem Weg zur Straße treffe ich eine Frau. Wir grüßen uns und grinsen uns wissend zu: sie geht dorthin, wo ich war. Der See ruft. Ich bleibe fünf Meter später stehen und drehe mich um. Aber … das ist doch … Im gleichen Augenblick hat sie sich ebenfalls umgedreht und sieht mich an.
Wir kennen uns! Du warst doch ein paar Jahre mit M. zusammen!, sagt sie.
Genau, und du, du bist … Moment, ich hab’s gleich, du bist H.!
Viele Jahre haben wir uns nicht mehr gesehen, darum schwatzen wir ein wenig und dann geht jede ihres Weges. Noch im Auto grinse ich über diesen Zufall.

Wie ich durch Wichtrach fahre, kann ich nicht widerstehen. Ich halte an und überfalle den örtlichen Käseladen, während draußen die Kinder aus dem Schulhaus strömen. Fünf Uhr. Wochenende. Friedliche Dorfszene. Wie ich diesen Augenblick geniesse! Das Teeniegirl vor dem Laden, das, mondän gekleidet, an seinem Smartphone fummelt, will so gar nicht vor diesen altmodischen Laden passen. Bestimmt verflucht sie es, in einem solchen Kuhdorf zu leben.

Ich betrete schmunzelnd den kleinen Dorfladen, wo der Käse, aus der Gegend, noch offen zu kaufen ist, die Joghurts ebfalls aus der Region stammen, alles so kühl und frisch duftet und die Verkäuferinnen alle Zeit der Welt haben. Ich gebe mich als Heimwehbernerin zu erkennen, doch mein falscher Dialekt verrät, dass ich nicht wirklich von hier bin. Nein, konstatiere ich, wie ich Minuten später den Motor wieder starte, auch hier bin ich nicht zu Hause, aber auch dort nicht, wo meine Sprache gesprochen wird … Weder noch. Am einen Ort fehlt mir die richtige Sprache, am andern das richtige Herzklopfen.

Würde ich wieder in der Region Bern wohnen, hätte ich gewiss bald andere Dinge, Orte und Menschen, nach denen ich mich sehnte. So war es schon immer. Ankommen ist leichter gesagt als getan und das Leben ist eben nicht ideal, wie meine Freundin M. so schön sagt. Und wie sich ein Leben ohne Sehnsucht anfühlt, wage ich mir lieber gar nicht erst vorzustellen.

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Bild:
undogmatischer Appspressionismus (iPhoneArt mit Gimpunterstützung)

sollen oder wollen?

Ich sollte wohl mal wieder bloggen!, murmelte ich vorhin. Denke ich seit Tagen. Kann das gut gehen, wenn ich so etwas denke? Kann es gut gehen, wenn wir Dinge tun, weil wir meinen, sie tun zu sollen? Wie ist es mit den ersten fünfzehn Seiten meines Romanmanuskripts, die eine Schreibkollegin lektoriert, sprich: mit Korrekturen, Tipps und Vorschlägen versehen hat. Will ich, soll ich ihre Anmerkungen annehmen? Ja. Und nein. Die einen habe ich umgesetzt, andere nach einigen Überlegungen verworfen. Und heute hat mir auch der Liebste den einen oder andern Vorschlag zum gleichen Text angekündigt.

Werde ich je einen Text schreiben, den alle perfekt finden, an dem niemand etwas zu verbessern hat? [Will ich das überhaupt?]

Können Du solltest!-Dinge funktionieren – wenn ja: besser oder schlechter als Ich will!-Dinge? Und wie verhält es sich mit meiner Disziplin in Bezug auf Zu-sollendes? Wie fast immer war meine To-Do-Liste auch heute wieder viel zu lang um realistisch zu sein. Gemessen jedenfalls am schönen Wetter, das nicht einfach ignoriert und verschwendet werden darf (zumal ich meine Tage zurzeit noch frei einteilen kann).

Anders gefragt: Bin ich  möglicherweise einfach nur faul und rede mich hier mit Wollen-statt-sollen-Parolen aus der Affäre?

Verliere ich meine Linie, meine Ziele, meinen Stil aus den Augen, wenn ich tue, was andere mir zu tun raten oder dient es gar meiner Entwicklung? Wann das eine und wann das andere?

Heute hieß mich meine Scheffin (moi-même), endlich den Papierkram – einen Teil des Papierkrams zumindest – aufzuräumen. Neulich habe ich mir für mein Geschäft extra zwei wunderschöne Ringordner gekauft: einen hellgrünen für die Finanzen (die Farbe des Wachstums, wohlgemerkt!) und einen orangefarbenen für alle administrativen Belange (die Farbe der Heiterkeit und des Sonnenuntergangs), damit ich endlich Ordnung schaffen kann. Könnte. Also sagte meine Scheffin heute Morgen zu mir: Schick deinen inneren Schweinehund in die Wüste und fang an.

Erste Auslegeordnung. Das hier, das dort, lochen, einheften … Zwar fehlt mir noch das optimale System, wie ich auf möglichst simple Weise meine Einnahmen und Ausgaben handhabe, doch das hat Zeit. (Ich werde nach einer Weile sehen, was am sinnvollsten ist. Das Buchhaltungssystem, das ich geladen habe, scheint mir doch ein bisschen großspurig. Doppelt muss sie ja nun wirklich nicht sein …). Oh, das macht ja richtig Spaß, dachte ich nach fünf Minuten. Und schon bald war ich fertig.

Der zweite fette Papierstapel, auf den meine Scheffin zeigte, umfasste sämtliche Bewerbungsbriefe-Kopien des letzten Jahres, sämtliche angeschriebenen Stelleninserate, sämtliche Aufforderungen und Infos vom Arbeitsamt und der Arbeitslosenkasse. Alles kalter Kaffee. Und alt dazu. Eine spannende Reise in die Vergangenheit. Eine Papiertragetasche voll Papier zum loslassen. Ein gutes Feuer wird das geben, nächste Woche, auf dem einsamen Gehöft. Ein Feuer, in welchem ich mit dem Liebsten Kartoffeln braten kann – nichts geht verloren.

Am Nachmittag endlich der wochenlang prokrastinierte Werbeversand – draussen auf dem Gartensitzplatz. Nach dem Multiplikationsprinzip für mein Geschäft zu werben, scheint mir im Moment der logischste nächste Schritt zu sein. Menschen, denen ich gerne mal wieder ein Lebenszeichen von mir zukommen lassen wollte, aber in den letzten Monaten und Jahren aus den Augen verloren habe, schrieb ich eine freundliche Postkarte, die ich mit einigen meiner Werbekarten in einen Umschlag steckte. Mit der Bitte, meine Karten nach Bedarf zu verwenden, auszulegen, weiterzureichen. Von Hand geschriebene Karte, von Hand angeschriebene Umschläge. Jedes Mal ein persönlicher Text. Damit steigt in meinen Augen die Wahrscheinlichkeit, dass die Briefe wahrgenommen werden und frühestens danach, bei Missfallen, im Altpapier landen – oder gar nicht, sondern ankommen. Wirken. Multiplikation durch persönliche Empfehlung. Ob das funktioniert? Funktioniert hat jedenfalls, was viele behaupten: Handschreiben ist tatsächlich Übungssache. Ich schreibe leider viel zu selten von Hand, so dass mein Gekritzel am Anfang kaum lesbar war. Besser ging einfach nicht. Erst bei der letzten Karte fand ich meine Schrift so langsam wieder vorzeigbar. Ob diese Aktion nun eher kontraproduktiv ist oder ich nur mal wieder zu selbstkritisch bin, wird sich zeigen.

Neue Anfänge bezaubern – so oder so. (Wusste schon Hesse. Wissen wir alle.)

Was am Anfang des Tages mit einem Du solltest! meiner Scheffin, die ich ja selbst bin, angefangen hat, wurde ein arbeitsreicher, schöner Tag. Sogar Dinge, die wir tun, weil wir sie sollen, auch wenn wir auf Anhieb keine Lust dazu haben oder lieber etwas anderes täten, können offenbar gut herauskommen.

Im Arbeitsleben die Balance zwischen Lust und Pflicht zu finden, fasziniert mich: Will ich oder soll ich –  und wenn ja, wieso?

gleich oder besser

Wir brauchen die Gewissheit, dass das Leben heute und morgen mindestens gleich gut oder besser ist als gestern um weiterleben zu wollen, sagt sie, morgens im Bett,

Ist das nicht der kapitalistische Wachstumsgedanke?, sagt er.

So gesehen schon … Ich meinte allerdings in erster Linie den Zufriedenheitsfaktor mit gleich oder besser. Beim Kapitalismus wäre sowieso „gleich gut“ schon ein Rückschritt, sagt sie. Das Leben jeden Tag neu anfangen als Schöpferin meiner Zufriedenheit. So wird jeder Tag zum Geburtstag.

Kleine Unterschiede?

Wie wir gestern das Haus verlassen, um eine kleine Radtour zu machen, steht die Haustür offen. Auch die vom Haus vis-à-vis: weit offen, Geräusche von Staubsaugern. Samstagsstimmung im Quartier. Bei meinem Haus scheinen einige MitbewohnerInnen dazusein, denn einige Autos stehen davor und einige Fenster offen. Wir befinden uns in einem ruhigen Wohnquartier eines großen Schweizer Dorfes.

Ich setze mir den Helm auf, als Irgendlink meint:
Ähm, willst du die Haustür nicht zumachen? (Anzumerken ist, dass es sich um Sechsparteien-Haus handelt und wir vorhin die Wohungstür abgeschlossen haben.) Ich muss wohl ziemlich verdutzt geguckt haben. Zucke die Schultern.
Soll sie schließen, wer sie geöffnet hat, sage ich.
Irgendwie, setzt Irgendlink an, irgendwie ist das ja schon paradiesisch. Du lebst in einem Land, wo auch nicht abgeschlossene Dinge als jemandes Besitz verstanden werden. Wo nicht automatisch alles, das nicht abgeschlossen ist, niemandem und allen gehört. Bei uns in Deutschland gilt: Wer nicht abschließt, ist selbst schuld, wenn etwas geklaut wird.

Darüber muss ich erst einmal nachdenken – und das nicht zum ersten Mal. Wieder geht es hier (wie im vorletzten Artikel meines Blogs) um Vertrauen in die Gesellschaft, in der wir leben. Und natürlich geht es letztlich auch um Respekt vor dem Gut anderer. Vor Besitz. Vielleicht ist es hier so, dass wir in diesem Land, das Irgendlink manchmal Puppenstubenwelt nennt, den eigenen Besitz so überhöht haben, dass wir eben auch den Besitz anderer mit diesem Blick betrachten? Vielleicht ist der Satz „was du nicht willst, das man dir tue, das füg‘ auch keinem andern zu“, den ich quasi mit der Milchflasche eingetrichtert bekommen und verinnerlicht habe, auch bei andern SchweizerInnen Erziehungsprogramm gewesen? Vielleicht hat dies alles auch mit dem politischen Gedanken der Mitverantwortung zu tun, den wir hier – in diesem basisdemokratisch regierten Land – ganz praktisch leben.

Vorgestern Abend erinnerte mich mein virtueller Kalender daran, dass ich abstimmen soll. Ich soll mitentscheiden, ob ich für eine neue Umfahrung bin (eine Abstimmung auf der kantonalen Ebene > Aargau), ob ich dafür bin, dass das Asylgesetz verschärft wird und ob das Volk direkt den Bundesrat wählen soll (zwei nationale Abstimmungen). Ich habe mir in den letzten Wochen so meine Gedanken zu diesen Vorlagen gemacht, konsultiere aber nun noch die Webseiten der von mir sympathisierten Parteien, um deren Wahlparolen zu beachten. Die Parteien und ich sind einer Meinung. Dreimal Nein schreibe ich auf die drei Wahlzettel und stecke sie in einen verklebbaren kleinen Umschlag. Danach unterschreibe ich den dem Umschlag beigelegten Stimmrechtsausweis, auf dem meine Adresse und meine Kennnummer stehen und stecke alles in den Rücksende-Umschlag, den ich theoretisch entweder per Post (dazu ist es aber zu spät) oder per Briefkasten des Gemeindehauses dem Wahlbüro zukommen lassen kann. Irgendlink hat zuerst gekichert, als ich den Umschlag sorgfältig bei der Perforation geöffnet hatte, dann gestaunt. Tricky, dass der gleiche Umschlag auch für die Rücksendung verwendet werden kann.

Ich gestehe, ich bin manchmal ein klein bisschen stolz auf solche Errungenschaften wie Basisdemokratie, Respekt und weltweit höchte Recyclingquote trotz keinerlei Flaschenpfand – zwar sind sie nicht mein Verdienst, doch habe ich sie verinnerlicht und praktiziere sie alltäglich und selbstverständlich. Natürlich habe ich auch all die spießigen Seiten meines Landes verinnerlicht und bin dadurch bei Abweichungen von meinen Werten auf eine Weise intolerant, die Deutsche manchmal kopfschüttelnd betrachten.

Wir radeln los. Zu einem Punkt, den wir aus Zufallszahlen generiert haben. 191 Grad und 7 km Luftlinie vom Ausgangspunkt – so definierten wir noch zu Hause unser gestriges Tagesziel. Alles Radwege, hat Irgendlink gejubelt, wie er sich die Karte auf dem iPhone angeschaut hat.
Bei uns gibt es kaum eine Straße, außer der Autobahn, die keinen Radstreifen hat, murmle ich kleinlaut. Das muss also nicht heißen, dass das alles nun speziell ruhige Radwege sind.

Ich habe einige Caches in der Nähe des Ziels und für unterwegs aufs iPhone geladen und so machen wir noch einen kleinen Bergwald-Schlenker und finden eine wunderbar idyllische Waldecke, wo ich bestimmt nicht das letzte Mal war. Später radeln wir über Felder und durch die kleine Orte meiner Kindheit und Jugend (da und dort hat der und die gewohnt) und finden schließlich unser Tagesziel inmitten einer Nutzwiese in der Nähe von Möriken. Wir stellen uns so auf, dass wir uns gegenseitig fotografieren können, Spinner wir, und fahren dann weiter zum nächsten Geocache.

Auf dem Rückweg Gespräche darüber, dass sich alle Leute irgendwie abreagieren. Auch in dieser sauberen Zuckerpuppenwelt.
Hier, über Land, tun sie es mit rasen, meint Irgendlink.

Die Welt geht vor die Hunde, resümmiert mein Liebster, wie wir uns unserm Wohnquartier nähern. Die Menschheit wird immer kaputter. Alle tun irgendwas, um das Leben aushalten zu können. Die einen rasen, andere werden kriminell, wir leben in einer immer kränker werdenden Gesellschaft, die sich selbst zerstört in ihrer Gier und ihrem Egoismus… Ich sehe von der Seite, wie seine Augen funkeln – wie immer, wenn er ein bisschen übertreibt.
Hat das alles nicht schon Sokrates gesagt?, frage ich. War die Menschheit nicht immer schon so?

Und hindert uns das daran, zu versuchen, so gut wie möglich zu leben?, frage ich mich selbst, wie ich das Fahrrad vor dem Haus mit einem Ringschloss vor Dieben schütze während Irgendlink seins vorsorglich in den Keller trägt.

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Übrigens: auch Irgendlink hat über unsere Zufallsradtour gebloggt.

* Geocaching ist eine Outdoor-Schatzsuche in der realen Welt. SpielerInnen dieses Spieles versuchen, versteckte Behälter, Geocaches genannt, mithilfe eines Smartphone oder GPS-Gerätes zu finden, um anschließend ihre Erfahrungen online zu teilen. Mehr auf www.geocaching.com.

Ein Sommertag

Ein weiterer Nachmittag voller Sonne. Eine Geocaching*-Runde mit sieben Cachefunden in der Nähe von Wettingen im Aargau.

20130607-233924.jpg

Komm mit mir auf den Barfußpfad!

[youtube=http://youtu.be/poaUREZMUig]

Viel Spaß!

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Bilder:
undogmatische Appspressionismen (iPhoneArt)

* Geocaching ist eine Outdoor-Schatzsuche in der realen Welt. SpielerInnen dieses Spieles versuchen, versteckte Behälter, Geocaches genannt, mithilfe eines Smartphone oder GPS-Gerätes zu finden, um anschließend ihre Erfahrungen online zu teilen. Mehr auf www.geocaching.com.

Alea jacta est

Wenn ein Würfel fällt, zeigt er Zahlen, die wir uns vielleicht so, vielleicht anders gewünscht haben. Aber weil der Würfel eine klare Sprache redet, gehorchen wir ihm. In der Regel. Ähnlich wie wir der Ampel gehorchen (außer wir sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs und rennen oder radeln – auf eigene Gefahr – über die Straße). Wir gehorchen und vertrauen Dingen, die sich von uns nicht beeinflusssen lassen, ohne uns groß darüber den Kopf zu zerbrechen. Das Leben ist ja so schon kompliziert genug.

Darum vertrauen wir den andern Verkehrsteilnehmenden unterwegs. Anders könnten wir uns nicht angstfrei ins Auto, aufs Fahrrad, in den Zug setzen. Und wir vertrauen den andern Menschen auf der Straße, dass sie uns nicht auf offener Straße umbringen, sonst könnten wir das Haus nicht verlassen.

Worauf ich hinaus will? Das Leben setzt Vertrauen voraus. Anders ist es unerträglich. Vertrauen in unbeeinflussbare Bewegungen, Vertrauen in die Gezeiten des Schicksals,
Vertrauen in die Entscheidungen unserer Mitmenschen und ihr grundsätzliches Wohlwollen (gepaart mit ihren persönlichen Zielen).

Vertrauen wir also Mächten, die wir nicht kennen und nicht beeinflussen können?

Vertraue ich nicht letztendlich vor allem darauf, dass das Leben, das ich lebe, Teil eines großen Gewebes ist, das, wenn es fertiggewoben ist, ein Bild ergibt. Ein ganzes Bild. Mein Lebensbild. Zusammengesetzt aus Scherben, aus bunten Schnipseln, aus Mörtel, aus Blut- und Schweisstropfen, gewoben aus weichen und harten Stoffen … alles so, weil ich mein Leben so webe, wie ich es lebe – und lebe, wie ich es webe. Weil ich jetzt hier bin und weil ich jetzt diese oder eine andere Weggabelung wähle und dort diese eine oder andere Person treffe. Jeder Mensch, den ich treffe, liefert mir ein neues Teilchen, das ich einbaue. Auf meine Weise. So gesehen ist jedes Leben das Stoffwechselprodukt all seiner Prozesse.

(Ach, übrigens, ich habe bei Stelle zwei zugesagt. Die Würfel sind gefallen. Ab Anfang Juli werde ich mich also wieder in den Mahlstrom der Angestellten einspeisen. Ich freue mich auf mein neues Team und die vertraute Arbeitsgeberin und darüber, wie willkommen ich dort bin. Der Umstand, von ihnen angeworben worden zu sein, macht das Ganze noch stimmiger. Einzig an den langen Arbeitsweg werde ich mich gewöhnen müssen. Ein weiteres Stück Gewebe, das auch seinen Platz finden wird.)

Wenn Bilder duften könnten

Kleine ekstatische Glückseligkeit mitten im Alltag: Mit dem Fahrrad bei Sommerwetter dem Liebsten entgegen fahren. Am Waldrand entlang. Später auf holprigen Wegen zwischen frisch gemähten Wiesen. Den Liebsten treffen, der eine fünfundsechzig Kilometer lange Radtour an Aare und Rhein entlang unternommen hat. Gemeinsam einen Geocache* heben. Pause machen. Erzählen. Lachen. Zusammen in den Abend fahren und zuhause ankommen.

Daheim sein. Beieinander. Miteinander. Nebeneinander.

Einziger Haken ist, dass Bilder nicht duften können. Frisch gemähtes Gras, von der Sonne getrocknet … gibt es einen göttlicheren Geruch? Dagegen ist jedes Bild ein kläglicher Abklatsch.

heu-pano

Zwischen Riniken und Remigen über Land …

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Bild:
undogmatischer Appspressionismus (iPhoneArt)

* Geocaching ist eine Outdoor-Schatzsuche in der realen Welt. SpielerInnen dieses Spieles versuchen, versteckte Behälter, Geocaches genannt, mithilfe eines Smartphone oder GPS-Gerätes zu finden, um anschließend ihre Erfahrungen online zu teilen. Mehr auf www.geocaching.com.

Schlaflos

Laut gedacht …

Wo ich hingehöre? Wer kann es mir sagen (und könnte ich mich falsch entscheiden)? Wer schreibt mein Drehbuch und wer trägt die letzte Verantwortung? Kann ich auf diese Fragen überhaupt anders antworten als mit ICH?

Schäfchenzählen rückwärts geht nicht. Seit 4:15 bin ich wach und das Sandmännchen hat sich aus dem Sand, ähm Staub, gemacht … Und sogar die Notfalltropfen wirken nicht. Kopfkino vom feinsten. Mir ist fast schlecht vor Müdigkeit und auch dass der Liebste neben mir tief und fest schläft, ändert nichts an meinem Zustand. Aufgekratzt bin ich. Adrenalin und Cortisol im Überfluss …

Wenn ich könnte, wie ich wollte, ich würde wohl Stelle eins nehmen. Denke ich. Konjunktiv, du Kehrreim meines Lebens! Andererseits hätte ich Stelle zwei auf sicher und der Hilfswerkbetrieb wäre mir von früher vertraut. Dafür wäre der Arbeitsweg sehr lang.

Stelle eins oder zwei – so oder so eine gute Ergänzung zur Selbständigkeit sagt der Verstand und die Abenteuerlust gibt zu Bedenken, dass ich – womöglich – meine Träume dem Sicherheitsdenken opfere, wenn ich eine feste Stelle annehme. Vierzig Stellenprozent oder fünfzig sind ja nicht viel, antworte ich mir. Damit wären die Grundkosten gedeckt und der Stress vom Tisch.

So what?

Wie viel Freiraum brauche ich und bliebe so nicht meine Kreativität auf der Strecke?

Jede unserer Entscheidungen hat Konsequenzen. Für uns, für andere. Wir sind nicht allein. Wie würde mein Leben sich weiterentwickeln? Wie und wohin?

+++

Nach dem Vorstellungsgespräch in B. fahren wir gestern Nachmittag nach Biel. Wir treffen den Künstler Marc Kuhn, den Schöpfer der Kunstbewegung Col-Art und seine mexikanische Frau Rossana. Es gilt noch einiges an Material und Gedanken zur baldigen Ausstellung im Zweibrücker Prisma auszutauschen.

Wie wir zu viert gemütlich am Bielersee über Kunst, die Welt und das Leben philosophieren, bitte ich Marc zum Jux, mir meine Zukunft aus dem Kakao-Satz zu lesen, denn vor bald vier Jahren hat er Irgendlink und mir aus unsern Handlinien gelesen.

In zehn Jahren …, hebt er an. Nein, den Rest seiner Rede werde ich hier nicht verraten.

Was die Zukunft bringen wird? Leben kann ich eh nur die Gegenwart …

So what?

(Falls jemand heute Abend dem Sandmännchen begegnen sollte, dann schicke er oder sie es bitte zu mir!)

Sehnen, suchen und der Hunger nach Heimat

Sehnen wir uns denn nicht immer nach dem Unerreichbaren? Gibt es ein Leben ohne dieses allgegenwärtige Gefühl von Unzulänglichkeit und Nicht-Genug? [Können andere das? Und wenn ja, wer und wieso? Und wie geht es?]

Was müssten wir schon groß verändern und weiterentwickeln, wenn alles bereits gut genug wäre, alles erreichbar, alles da? Könnten wir leben, ertrügen wir das Leben, wenn alles gut wäre? Ist es nicht letztlich unsere Sehnsucht nach Mehr und nach Besser, welche die Basis für jegliche Evolution ist? Und brauchte es deshalb so etwas ähnliches wie einen Sündenfall? Die Vertreibung aus der Heimat als Katalysator, Heimatlosigkeit als Motor für Entwicklung … [Und der Sinn des Lebens das Finden meiner Heimat in mir?]

Wenn ich meinem gierigen, immer hungrigen Monster Heimatlosigkeit all meine inzwischen gefundenen und benannten Heimaten vorstelle, was dann? Es schüttelt leise den Kopf, grinst ziemlich fies und verdreht ein klein bisschen seine schielenden Augen.
Und das reicht dir?, fragt es. Als wäre nicht all das tausendmal besser als dieses zermürbende innere Gefühl, das dieses Monster in mir nährt, dass ich nämlich nirgends wirklich Zuhause bin. Tauziehen einmal anders. Ich setze mich hin. Ich betrachte mein Monster, das mit mir am Tisch sitzt, seit ich denken kann.
Das sind nicht deine Eltern, die haben dich bloß adoptiert!, war seine erste (verlogene) Einflüsterung, an die ich mich erinnern kann. Da war ich noch in der Unterstufe. Keine Frage, Monster Heimatlosigkeit weiß, wie man Menschen klein kriegt und weich kocht. Doch was ich nicht verstehe: Wozu? Die älteste Frage der Menschheit: Woher und wozu kommt das Leid und hängt es immer an der Sehnsucht mit dran?

Nein, keine Antworten, weder hier noch jetzt noch irgendwann. Jedenfalls keine endgültigen. Und nein, ich kann die Welt nicht retten. Höchstens mich. Mit Heimat-in-mir der Heimatlosigkeit-in-mir (und überall) ein wenig Gegengewicht geben. Ein wenig die Welt verbessern mit der Freude darüber, in mir mehr und mehr sesshaft geworden zu sein und all jene materiellen Dinge, die mir Heimat sind (oder zumindest so tun als ob), immer weniger zu brauchen.

Ist das womöglich Freiheit?
Heimat und Freiheit – sind die zwei überhaupt kompatibel?
Oder ist Freiheit gar nur möglich, wenn ich in mir ganz und gar beheimatet bin?

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weiterhin stellen wir Bilder aus zum Thema „heimatlos“ auf pixartix_dAS bilderblog