Zumutbare Rücksicht

Wir sind zwar wieder negativ, der Liebste und ich, aber beide noch nicht wirklich wieder hergestellt. Wir husten noch immer und auch die Nasen sind noch nicht frei. Und beide sind wir nach selbst kleinsten Anstrengungen k. o. und brauchen viele Pausen. Offenbar hat die Des-Liebsten-Mama Covid besser weggesteckt als wir zwei – der ImpfungseiDank, sagt sie. Sie hatte wohl eine Art Erkältung, während wir beide je mehrere Tage mit Fieber flachgelegen sind. So gesehen stimmt die viel zitierte und meiner Meinung nach höchst fragwürdige und zudem ableistische Theorie, dass Covid ja ’nur die Alten und Behinderten‘ schlimm treffe, schon mal gar nicht.

Ich konnte die Argumente von Menschen, die Covid-Schutzmaßnahmen ablehnen, von Anfang an nicht nachvollziehen. Und jetzt, nach überlebter Covid-Erkrankung, noch weniger denn je. Das wünsche ich nun wirklich niemandem. Und wir hatten ja verglichen mit anderen noch immer ziemliches Glück und sind auf dem Weg der Besserung.

Der Mensch unterscheidet sich vom Tier unter anderem durch seinen Verstand und durch seine Vernunft und obwohl ich grundsätzlich an Evolution glaube, habe ich doch mit der sozial-darwinistischen Haltung – ‚the survival of the fittest‘ (‚etwas Schwund ist immer‘, ‚Kollateralschaden‘) – schon immer meine Mühe. Wir sind den Menschenrechten verpflichtet, wir sind ethikfähige, vernunftbegabte Wesen, wir dürfen darum solche Haltungen nicht auf uns Menschen anwenden und das Wohl der Schwächsten für die Maßnahmen-Faulheit der großen Mehrheit opfern.

Ich fühle natürlich mit allen Betreuenden und Pflegenden mit, da es für sie besonders mühsam ist, sich bei der Betreuung von Covid-Patient*innen entsprechend zu schützen, aber für alle anderen hält sich mein Mitgefühl dafür, dass sie Rücksicht auf andere nehmen sollen, in Grenzen. Meistens sind es nämlich jene Leute, die das Glück hatten, entweder selbst noch kein oder wenn dann kein schlimmes Covid gehabt zu haben und/oder niemanden zu kennen, der entweder schlimm oder gar tödlich an Covid erkrankt ist, kurz gesagt: Privilegierte! Und genau diese Menschen wollen dann die weniger Privilegierten nicht mit-schützen. Und ja: natürlich hatte sozusagen die Mehrheit Glück. Beim Hochrechnen der eigenen Erfahrungen auf das große Ganze vergessen viele Menschen die nicht privilegierte Minderheit, die nicht so viel Glück hatte.

Mich stört, dass Rücksichtnahme je länger je mehr als etwas der breiten Masse Unzumutbares gehandhabt wird. Die, die keine Rücksicht nehmen wollen, verlangen, dass auf sie und ihr Nicht-Rücksichtnehmen-Wollen Rücksicht genommen wird. Wie paradox ist das denn?

Es lässt sich nämlich, wie wir inzwischen alle wissen (könnten), vorab nicht sagen, wen es wie schlimm trifft. Und bei wem nach Covid noch etwas übrig bleibt, PostCovid, LongCovid. Ich wünsche das niemandem.

Natürlich sind wir alle pandemiemüde und die vielen Menschen, die die Maßnahmen abschaffen wollen, sind mehr und darum lauter, aber rechtfertigt das wirklich, dass darum jene, die Rücksichtnahme bräuchten, einfach ignoriert werden und noch mehr in die Isolation gedrängt werden?

Nicht alles, was gerade weltweit im Argen liegt, hat mit der Pandemie zu tun. Die Pandemie ist meiner Meinung nach ’nur‘ eins der vielen Symptome, an welchem die Menschheit als globaler Körper erkrankt ist, denn letztlich hängt, da bin ich ziemlich sicher, alles zusammen. Der Überbegriff ist ’soziale Ungerechtigkeit‘, daran hängen Klima- und Energiekatastrophe, der Ukrainekrieg, die iranische Menschenrechtsrevolution, wieder aufkommender Faschismus (Regierungen in Italien, Schweden, etc.) und was alles noch im Argen liegt.

Es ist die menschliche Gier nach immer mehr, dieses Ich-zuerst!, immer auf Kosten der Ärmsten (die Menschen und Tiere, die Natur im globalen Süden leiden am meisten an der Klimaekatastrophe, obwohl genau diese am wenigsten dazu beigetragen haben, dass es soweit gekommen ist … das ist bei fast allen Themen so.).

Wir können nicht viel an den großen Stellschrauben machen, aber wir können immerhin im Kleinen versuchen, mitfühlend und solidarisch zu sein.

Altlasten

Es hatte sich einiges angesammelt, und ich meine das sowohl metaphorisch als auch materiell, also beluden wir das Autochen und fuhren an jenem symbolträchtigen Tag, da wir beide wieder covid-negativ waren, zur Mülldeponie.

Die große Halle wird rege frequentiert, wann immer ich dort vorbeigehe. Meistens bringe ich nur Altglas und den ‚gelben Sack‘ vorbei, denn wir haben bei uns im Dorf keine eigene ‚Gelber-Sack‘-Sammelstelle. Da ich  meine Sackrolle habe ich hier gekauft habe, bringe ich auch meine vollen ‚gelben Säcke‘ hierher. Besser fände ich es natürlich, wenn die gelben – na ja, eigentlich ja durchsichtigen – Säcke wie der Restmüll von den Gemeinden abgeholt würde, vermutlich würden mehr Menschen ihren sogenannten Hauskehricht trennen.*

In meinem Autochen versammelten sich neulich also

  • 1 uralter Laptop (ohne Festplatte)
  • 1 kaputtes Waffeleisen (unreparierbar leider)
  • 2 angeschlagene Teekrüge aus meinen Zwanzigern, die mir beim Putzen in die Hände gefallen sind
  • Verpackungsstyropor
  • 1 paar Meter alte Kabel und Ladegeräte, für Geräte und Anschlüsse, die es nicht mehr gibt
  • Pet-Flaschen (nein, kein Pfand in der Schweiz)
  • Glasflaschen (nein, kein Pfand in der Schweiz)
  • 3 Bierdosen (nein, kein Pfand in der Schweiz)
  • 1 Kartonkiste voll, plus ein Bündel Altkarton
  • 1 Bündel Altpapier (Karton und Papier wird normalerweise innerhalb der Gemeinden abgeholt, allerdings sehr selten, und ganz oft genau dann, wenn ich beim Liebsten iin Deutschland bin)

Das Glas ist schnell in die Container vor der großen Halle geworfen. Zuweilen liebe ich es ja, etwas kaputtmachen zu dürfen, ohne dass ich danach aufräumen muss. Glascontainer sind darum eine sehr tolle Erfindung.

Für die anderen Dinge brauche ich teils ein bisschen Beratung. Papier, Alu und Karton sind groß angeschrieben, doch den großen Sack für das Styropor – hierzulande Sagex genannt – sehe ich nicht auf Anhieb. Außerdem kostet das etwas.

Die Elektrogeräte und die Kabel sind kostenlos entsorgbar, da in der Schweiz beim Kauf eines Elektrogerätes eine vorgezogene Entsorgungsgebühr bereits im Preis inbegriffen ist. Ich stehe eine ganze Weile mit offfenem Mund staunend vor der gr0ßen offenen Kiste herum, in der nun auch mein alter Laptop und das alte Waffeleisen zu liegen gekommen sind. Ich flüstere ein leises Ciao. All die anderen Geräte, die da liegen: was sie wohl alles erlebt worden haben? Wer sich wohl damals – und wie sehr! –, über sie gefreut hat, als sie neu waren? Und welche Geschichten ich meinem alten Laptop in seinen Blütenzeiten wohl alles so anvertraut habe?

Und die Teekrüge, beide uralt und zerdeppert, beide schon viel zu lange nur noch im Schrank, weil ich so eine sentimentale Socke bin. Auch hier tut das Zerdeppern irgendwie gut. Etwas Altes loslassen, etwas Vergangenes abschließen.

Mit jedem Ding, das ich in einen der vorgesehen Behälter werfe, fühle ich mich ein bisschen leichter. Genau einen Franken und fünf Rappen muss ich am Schluss dafür zahlen, dass sich andere um meine Altlsten kümmern.

Und das tue ich gern.


*Für meine nicht-schweizerichen Leser*innen: In der Schweiz ist der ‚gelbe Sack‘ respektive die ‚gelbe Tonne‘ (recylingbarer Kunststoffmüll) noch wenig bekannt, dabei lässt sich damit richtig Geld sparen. Der Liter Recycling-Abfall kostet deutlich weniger als der Liter Rest-Müll. Was ich gut und motivierend finde. Trennen tu ich den Müll aber vor allem aus ökologischen Gründen.

Zum Beispiel:
60 Liter Hauskehricht kostet pro Sack: CHF 3.00
60 Liter Kunststoffmüll kostet pro Sack CHF 2.20

Der neunte Tag und endlich ein kleiner, vorsichtiger Optimismus

Vor neun Tagen hatten wir die ersten Symptome. Von Anfang an habe ich privat darüber Tagebuch geschrieben.

Ich frage mich zwischendurch immer mal, ob es sinnvoll – im Sinnne einer Art öffentlichen Archivierung/Chronik – und möglicherweise sogar hilfreich für andere sein könnte, wenn ich (gelegentlich) mein privat verfasstes Corona-Tagebuch hier veröffentliche. Ich denke da noch darüber nach. Immerhin ist es ja noch nicht ausgestanden.

Die ersten Symptome waren beim Liebsten stärker als bei mir,. Er hatte ja auch einen Tag Vorsprung. Ich habe drei Tage lang ’nur‘ ein leicht benommenes, mit Schluckweh einhergehendes Unwohlsein mit Müdigkeit und matschigem Kopf, erst ab Tag 3, abends, kippt es. In dieser Zeit ist es Irgendlink, den das Virus regelrecht und buchstäblich für etwa sechzig Stunden in die Knie, respektive in die Horizontale zwingt.

Als er langsam wieder auftaucht, fängt es bei mir an, aber so richtig. Das Schluckweh glüht bis in die Ohren und die Temperatur klettert für über drei Tage – achtzig Stunden – stabil über 38 Grad. Einzig wenn ich ein Ibu futtere, sinkt sie für einige Stunden.

An Tag 2 annulliere ich traurig meinen 2. Booster-Termin. Schade. Knapp verpasst. Ich hätte ja lieber einen Impfarm als Covid gehabt.

Der PCR-Test vom – Tag 2 – ist noch negativ und auch die Selbsttests bleiben bis Tag 3 negativ, weshalb wir uns in der Wohnung mit Maske begegnen, außerdem haben wir getrennte Schlafzimmer, viel Lüften. Viel dösen, viel Hörbuchhören (ich), ab und zu ein bisschen Lesen, Social Media, Filme gucken.

Ich weiß innerlich spätestens ab Tag 4, dass ich positiv bin, aber den nächsten Schnelltest mache ich doch erst am Tag 6, weil ich kaum mehr Tests habe und damit ich an Tag 7, einem Samstag, nochmals zum Testen (für Statistik und Sicherheit) in die Apotheke gehen könnte. Was ich dann auch tue. Und der Liebste auch. Wir fahren nämlich, da es ihm zum Glück inzwischen deutlich besser geht, an die deutsche Grenze, wo er seine Tests (Schnell- und PCR-) gemacht bekommt und ich die online bestellten neuen Tests im Paketshop abholen kann. Beide sind wir positiv, auch noch am siebten Tag seit Symptombeginn. So ist das nämlich.

Seit Tag 7 ist mein Fieber auf dem Rückzug. Nur noch ab und zu guckt es noch raus. Was bleibt, sind Halsweh, Husten, Schnupfen und Schlappheit. Und dieses matschiges Gefühl im Kopf. Konzentrationsprobleme. Mitten im Satz nicht mehr wissen, was ich sagen wollte. Und immer wieder Erschöpftsein nach kleinen Tätigkeiten.

Letzte Nacht der Umzug zurück ins Schlafzimmer. (Ciao Sofa, war schön mit dir!)

Heute ist das Schluckweh endlich nur noch ein kleiner Nachhall, der Schnupfen schleicht sich ebenfalls langsam davon, noch brennen die überreizten Schleimhäute. Zum Glück ist der Husten ziemlich zur Ruhe gekommen.  Alles dauert bei mir länger als sonst.

Als Privileg empfinde ich, dass wir diese Krankheit, hier bei mir, Seite an Seite durchstehen konnten, uns gegenseitig unterstützen, mit Zugang zu Badewanne und Co., und mit zwei Rückzugsräumen. Dazu liebe Freund*innen im echten und im virtuellen Leben, die Mut machen und liebe Nachrichten schicken, die nachfragen und Hilfe anbieten. Das macht uns sehr dankbar.

Vermutlich hatten wir einen sogenannt leichten Verlauf, obwohl ich mich nicht erinnern kann, je vorher mal soo krank gewesen zu sein. Hoffentlich sind wir bald wieder ganz genesen. Und noch hoffentlicher bleibt nichts von alledem zurück.

Aber was wäre wohl gewesen, wenn wir die Ur-Variante (oder Delta) dieses Shaiz-Virus – dazu noch ungeimpft –, bekommen hätten? So ‚leicht‘ – äh, leicht war es nicht wirklich – wären wir vermutlich nicht davon gekommen.

Und ausgestanden ist es ja, wie gesagt, noch immer nicht. Aber da ist wieder vorsichtiger Optimismus irgendwo.

+++

Bitte tragt euch und euren Mitmenschen Sorge, lasst euch impfen und/oder boostern und tragt Masken. Für jene, deren Immunsystem nicht so stabil ist, aber eigentlich für alle.

Buchstaben, aneinandergereiht

Der Emil trägt die Schuld. Zum einen hat er mich neulich auf Elfchen* gebracht und zum anderen fragte er kurz darauf nach unseren schulischen Erfahrungen mit dem Aufsätzeschreiben. Darum versuche mich wieder einmal an dieser Buchstaben-Kreativität, die mir früher so leicht gefallen ist.

»Immerhin ein Elfchen«, sagte ich vor wenigen Tagen zum Liebsten, als wir am Telefon über unsere brachliegende Kreativitäten klönten, »ein Elfchen könnte ich wieder einmal versuchen.«

Wir hatten eben über orthographisch falsche Fremdsprache-Übersetzungen im Kontext mit Sprachkunst philosophiert – wo doch heute eine schnelle Verifizierung so einfach ist  – und auf einmal spinntisierten wir an einer unserer alten Ideen herum, nämlich einen Ur-Text via Translate-Software in mehrere verschiedene Sprachen und am Schluss wieder ins Deutsche übersetzen zu lassen. Stille Post sozusagen.

Ich kann übrigens keine Elfchen. Das hier ist nur eine abstrakte Spielerei.

Urtext:
Aufsatz
setzt auf
müpfig oder froh
immer wieder voller Zweifel
Wert

Persisch:
مقاله
بر اساس
شاد یا خوشحال
همیشه پر از شک و تردید
ارزش

Schwedisch:
Artikel
Baserat på
glad eller glad
Alltid full av tvivel
Värde

Japanisch:
論文 に基づく 嬉しいか嬉しいか いつも疑問でいっぱい 価値

Französisch:
papier
basé sur
heureux ou heureux
toujours plein de questions
la peine

Italienisch:
carta
basato su
felice o felice
sempre pieno di domande
la penalità

Deutsch:
Papier
bezogen auf
glücklich oder glücklich
immer voller Fragen die
Strafe

Urtext:
Aufsatz
setzt auf
müpfig oder froh
immer wieder voller Zweifel
Wert

Faszinierend, wie der Aufsatz zu Papier geworden ist und das Müpfige glücklich. Und wie ein Bezug zwischen Papier und Glück enstand. Aus Zweifel wurden Fragen und aus Wert Strafe. Sprachen spiegeln ganze Welten, Gesellschaften, Kulturen. Wörter lassen sich eben nicht 1:1 übersetzen ohne die Kenntnis ihrer inneren Architektur. Was zu beweisen war.

Dennoch: Ich mag die neue Fassung meines Ur-Textes. Obwohl meine Erfahrungen mit Aufsätzen absolut nichts mit Strafe zu tun hatten. Im Gegenteil. Außer dem Zeichenunterricht war mir Deutsch immer das liebste Schulfach und meine Noten entsprechend gut. Am liebsten war mir der Deutschunterricht, wenn wir Aufsätze schreiben sollten – und zwar von der ersten Klasse an bis hin zum Fachhochschulabschluss. Ob nun daheim oder während der Stunde war dabei egal.

Die Aufsatzhefte meiner Pflichtschulzeit liegen in einer Bananenkiste. Analoge kleine Schätze. An viele Texte erinnere ich mich noch genau. Wie ich mich gefühlt habe als ich sie geschrieben habe.

Damals, als Zweiklässlerin, hatte ich eines Tages realisiert, dass ich eine der wenigen oder gar die einzige war, die schon zwei- oder dreiseitige Texte schrieb, und erschrak. Und ich schämte mich sogar ein wenig, da ich doch keine Streberin sein wollte. Und wenn die Lehrerin meine Aufsätze vorlas, war es mir auch immer ein wenig peinlich. Schreiben war nämlich fast eine Art geheimer Vorgang für mich, sehr persönlich, sehr intim. Ich hätte allerdings als Drittklässlerin viel dafür gegeben, einmal heimlich alle Aufsätze von allen Klassenkamerad*innen lesen zu dürfen. Dafür benied ich meine Lehrerin.

Ich stellte mir vor, was sie alles über uns erfahren hatte, nachdem sie unsere Ferienberichte, unsere Erörterungen oder unsere Fantasie-Geschichten gelesen hatte. Manchmal mogelte ich allerdings beim Schreiben, wenn es um Familiensachen ging, um unsere Armut zu kaschieren. Einmal, das muss auch in der dritten Klasse gewesen sein, sollten wir einen Aufsatz darüber schreiben, was wäre, wenn wir xyz (frei wählbarer Gewinn) gewonnen hätten. Eine Million zum Beispiel. Ich erinnere mich noch, dass ich im Aufsatz Geld gewonnen und das meiste Geld auf die Bank gebracht hatte. Aber natürlich bekamen wir alle – meine Eltern, meine Geschwister und ich – je hundert Franken. Das war damals für mich schon eine unvorstellbar große Summe und ich schrieb wohl in meinem Aufsatz, was ich mir davon gekauft habe. Allerdings kann es nichts Spektakuläres gewesen sein, denn ich habe es vergessen. Vermutlich eine Hose aus dem Laden – nicht von der Mutter genäht – oder einen Pulli ohne Flicke. Was sich meine Lehrerin da wohl über unser Haushaltbudget ausgerechnet hatte?

Später schrieb ich sogar freiwillige Aufsätze. In der Fachhochschule legte ich diese dann meinem Deutschlehrer vor. Nein, der war nicht jung und hübsch, und ich wollte ihn auch nicht beeindrucken. Im Gegenteil war er eher alt – ich vermute mal über fünfzig – und er schielte. Aber genau darum hatte ich ja auch keine Angst vor ihm und wir diskutierten meine Texte sehr angeregt. Fällt mir ein, dass ich damals ein Erich Kästner-Gedicht auf Schweizerdeutsch übersetzt hatte. Wir fanden, dass es sich fast wie ein Mani Matter-Lied lese. Uns gefiel das.

Ha. Und so sind wir also wieder bei der Übersetzerei gelandet. Ist Sprache letztlich nicht immer Übersetzung? Von innen nach außen und wieder zurück?

In ’Vom Ende der Einsamkeit’ von Benedict Wells sagt jemand  sinngemäß –  Jules oder Alva vermutlich – dass Denken in Reden münde und Fühlen in Schreiben. Damit identifizierte ich mich sofort.

Vielleicht brauche ich ja das Schreiben, um den Gefühlen zu lauschen, die beim Reden zu Boden fallen?


*Das Elfchenschema (nach Wikipedia)

Zeile Wörter Inhalt
1 1 Ein Gedanke,ein Gegenstand, eine Farbe, ein Geruch o. ä.
2 2 Was macht das Wort aus Zeile 1?
3 3 Wo oder wie ist das Wort aus Zeile 1?
4 4 Was meinst du?
5 1 Fazit: Was kommt dabei heraus?

Stichwort Snowflake

In der Seitenleiste dieses Blogs findet ihr übrigens meinen kleinen Beitrag zur Umgehung von politischer Zensur, wie sie aktuell in Iran und in vielen anderen Ländern praktiziert wird.
Macht auch mit, gerne, falls es möglich ist.

Weiterführende Informationen und eine Anleitung findet ihr hier:
snowflake.torproject.org
und hier
Youtube.com

»Jede noch so kleine Fläche wird mit einem Solarpanel bestückt«

Wie so ein Schutzgitter aus ganz feinem Draht fühlt es sich an, was ich da um mich herum gesponnen habe vor den Ferien. Ich nenne es nicht digitales Entgiften – weder auf Deutsch noch auf Englisch – denn es ist ja nicht alles Gift. Es war einfach alles zu viel. Im nicht-virtuellen Leben ebenso wie im virtuellen, im persönlichen ebenso wie im öffentlichen. Zu viele Informationen, zu viele Katastrophen, zu viele Eindrücke und Reize, und darum herum auch zu viel Hitze.

Es war eine leise und eher halbbewusst getroffene Entscheidung, mich während der Ferien von jeglichen Nachrichtenfluten fernzuhalten und mich einfach mal nur auf das für mich Wesentliche zu fokussieren.

Da war die Wanderung. Der nächste Schritt, immer nur der nächste Schritt. Im Kleinen ebenso wie im Größeren: Wie sieht der nächste Streckenabschnitt aus? Muss ich meine Wasserflasche ganz füllen oder kann ich mich von Brunnen zu Brunnen satttrinken? Wo picknicken wir? Wo bauen wir das Zelt auf? Wo pinkle ich, wo kaufen wir ein, wo lassen sich unsere Solarpanels hinlegen oder aufhängen, damit wir unsere Handys laden können? Solche Dinge.

Das Nachrichtenfasten ist mir ziemlich gut gelungen, ich habe nicht einmal die Nachrichtennewsletter geöffnet. Außerdem gab es ja auch vor und nach der Rückkehr ins heimische Nest genug schwierige Nachrichten im persönlichen Umfeld, die mich, die uns beschäftigt haben.

Je näher nun mein Alltag mit Terminen und Arbeit wieder rückt, desto dünner wird mein Schutzgitter aus feinem Draht, das ich mir vor den Ferien gesponnen habe. Es erinnert mich an das Blasenpflaster, das ich mir in Naters gekauft und an die Ferse geklebt hatte. Eine dünne, durchsichtige Kunststoffhaut war das und es hieß dabei ausdrücklich, dass es nicht vor seiner Zeit abgelöst werden solle, denn es löse sich von allein ab. Tatsächlich. Die vorherigen Blasenpflaster, schon älteren Datums, hatten sich jeweils nach einem Tag mit Wasserkontakt und Wanderschuhstrapazen abends wieder gelöst und ein neues Pflaster erfordert, um die Blase zu schützen, die sich hartnäckig an meinem linken Fersenknöchel hielt.

Das neue Pflaster aber hielt fast eine Woche und als ich es schließlich dann doch entfernte, hatte sich darunter bereits neue Haut gebildet.

Unter meinem dünnen Schutzgitter, in das ich mich Anfang Ferien gesponnen habe, ist womöglich auch eine Art neue Haut entstanden, die mir hilft, dem Alltag wieder gelassener zu begegnen als davor, da meine eh schon dünne Haut noch dünner geworden war.

Gestern Morgen öffnete ich das erste Mal seit Ferienbeginn den samstäglichen Republik-Wochenend-Newsletter, überflog ihn und öffnete einen Artikel. In »Das Ziel Nummer zwei« erzählt Simon Shuster, wie es Olena Selenska nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine ergangen ist und wie sie sich heute schon auf die Traumafolgen der Menschen nach dem Krieg stark macht, indem sie unter anderem Weiter- und Ausbildungen für Therapeut*innen aufgleist, die den vom Krieg traumatisierten Menschen helfen werden. Da ist so viel verzweifelte Hoffnung in diesem Ansinnen. Das Ende des Krieges wird kommen. Hoffentlich bald.

Und ic? Ich habe, beschämenderweise, auch diese Katastrophe, diesen Krieg bereits in meinen Alltag integriert, irgendwo neben all den anderen Katastrophen, weil da kein Platz mehr für noch mehr Krise ist.

Der erwähnte Text hat mich jedenfalls zutiefst berührt und ist mir unter die neue, ein bisschen nachgewachsene Haut gefahren.

Mir geht es aktuell, und sogar schon eine ziemliche Weile, ziemlich gut. In mir drin, mit mir und in meiner kleinen Blase, habe ich meistens Boden unter den Füßen – trotz der schwierigen Dinge im nahen Umfeld, die mich mitbetreffen. Dennoch, nein, habe ich wenig Hoffnung, dass die Welt sich irgendwie noch zum Guten verändern könnte, grundsätzlich, langfristig. Gucke ich auf das Kleine, sehe ich viel Schönes, Gutes, Ermutigendes, Heilsames, aber der Blick auf das Große und Ganze zeigt ziemlich viel ScheiXXe.

Es fühlt sich an, sage ich zum Liebsten, als hätte ich fast zwei Wochen unter einer Decke gelebt, mich feige vor der Realität versteckt.

Wie kann ich (wie können wir) mit der Nachrichtenflut umgehen, ohne uns entweder vor Mitgefühl selbst zu zerfleischen und kaputt zu machen oder aber zu abgestumpften, nicht mehr mitfühlenden Menschen zu entwickeln? Wie könnte der Mittelweg aussehen?

Funktionieren Mittelwege überhaupt noch angesichts all der Katastrophen; müsste ich nicht viel konkreter denken, leben, handeln? Und wenn ja, wie? An welchem kleinen Ort wäre mein Handeln möglich, für mich, und sinnvoll, hilfreich?

Die Wasserfässer in Irgendlinks Garten sind noch recht gut gefüllt. Das im Winter und Frühling vom Dach gesammelte Regenwasser hat gute Ernten ermöglicht. Was aber, wenn es einfach nicht mehr regnet (oder schneit) und die Quelle hier oben auf dem Einsames-Gehöft-Berg versiegt, wie schon manche Flüsse?

Wir haben eigentlich nur eine Chance zu überleben: Es muss den Forschenden bald gelingen, das Meerwasser trinkbar zu machen. Außerdem braucht es auf allen Hausdächern, über allen Parkplätzen, auf jedem Stück Brachland und wo immer es möglich ist, Solaranlagen, die für Energie sorgen. Und Windräder an allen möglichen Stellen. Und Bäume. Überall. Teerplätze müssen aufgebrochen und an jeder freien Stelle Bäume gepflanzt werden.

»Jede noch so kleine Fläche wird mit einem Solarpanel bestückt«, sage ich.
»Jede Glatze!«, sagt der Liebste.
»Genau Glatzen! Und Hüte. Und Schirme. Jacken. Kleider. Und überall Powerbanken, die die Energie unmittelbar speichern. Das sollte doch möglich sein.«

Neulich schrieb ich auf Mastodon:

»Die Schweizer Flüsse haben noch gut Wasser.
versus
Die Schweizer Gletscher schmelzen so unaufhaltsam und endgültig wie die Polkappen.
Fertig mit Ewiges Eis.«
(Quelle)

und

»Es hat ganz schön abgekühlt da draußen. Die ganze Nacht war Durchzug. Auch die Wohnung ist nun wieder kühl. Es riecht nach Regen.
Dankbarkeit.

Dennoch denke ich oft: „Wir leben in der Galgenfrist!“ und „Lieber Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende?“«
(Quelle)

Dennoch habe ich noch Träume:

»Ich habe heute Nacht von schweizweit (oder auch andere Länder) flächendeckenden |en Sonntagen geträumt. Also ganzjährig, immer & überall. Nur noch ÖV lief.
War echt schön!«
(Quelle)

Vielleicht sind es doch die kleinen Dinge, mit denen wir es doch noch schaffen werden? Gemeinsam. Vielleicht.

Erstens kommt es anders …

Eigentlich dachten wir ja, dass wir fünfzehn Tage auf Wanderschaft sein würden. Mach keine Pläne, Sofasophia, sie werden eh nicht funktionieren! Nicht in einer Welt voller Katastrophen, großen und kleinen. Und dann ist uns tatsächlich dieses Leben dazwischen gekommen. Das Leben mit seinen Krankheits- und Gesundheitsdingen, dazu ein fertig gelebtes Leben. Ein Tod.

Und jetzt bin ich also wieder daheim und der Alltag schließt mich wieder in seine heißen Arme.

Acht Tage lang habe ich ziemlich erfolgreich alles, was nicht unmittelbar mit unserer Ferienreise und unseren nächsten Menschen zu tun hatte, ausgeblendet. Das fühlt sich immer wieder sehr ambivalent an. Einerseits so, als würde ich verdrängen, dass es da draußen Viren, Kriege und Katastrophen, Tod und Krankheit gibt, andererseits weiß ich, dass ich das hin und wieder brauche, dieses Auf-Durchzug-Schalten, weil es einfach notwendend ist und gut tut.

Ich habe trotz der Kürze unserer Reise Kraft geschöpft. Die in der Natur erlebte Ruhe hat meinen inneren Akku aufgefüllt. Hoffentlich hält die neue Energie eine Weile vor.

Falls ihr lesen mögt, was wir so erlebt haben: Im Flussnotenblog lässt sich alles chronologisch geordnet lesen. Dazu gibt es viele Bilder, die die liebe Ulrike für uns verbloggt und in Karte und Galerie eingebettet hat.

Fluss und Mensch, Wandern und Worte | #flussnoten22

Gestern habe ich das sechs Jahre alte Flussnoten-Blog, das Herr Irgendlink und ich für unsere Rheinreise ins Leben gerufen haben, entstaubt.

Wir könnten doch eigentlich?!, hatte Irgendlink neulich gesagt, als wir uns über unsere Reisepläne unterhalten hatten.

Die Rhône! Schon seit unserer präpandemischen Aarewanderung (2019) von der Grimsel nach Bern vor drei Jahren hatte sich die Rhône immer mal wieder in unsere Reisephantasien geschoben. M. und B. sind schuld, die uns damals,  als sie uns auf die Grimsel gefahren hatten, von der Rhône, die »gleich da drüben!«, am Furkapass, entspringt, erzählt haben.

Grimsel- und Furkapass sind Wasserscheiden, hier die Aare in die eine Richtung, dort die Rhône in die andere Richtung. Das gefällt mir. Ich mag außerdem Quellen. Ich mag Anfänge.

Beim Stöbern im sechs Jahre alten Blog finde ich einen Entwurf. Keine Ahnung mehr, wann ich ihn erstellt habe.

Der Fluss und der Mensch, das Menschenleben:
Kind = Quelle
Meer/Mündung = Sterben

So schrieb ich damals, denn von der Quelle am Tomasee in den Bündner Bergen bis zum Bodensee am Dreiländereck (A/D/CH) neben einem Fluss her zu wandern, lässt viel Zeit und Raum, über das Woher und das Wohin nachzudenken.

Vom Bodensee bis zur Mündung ins Meer ist Irgendlink anschließend allein mit dem Rad gefahren. (Alles steht im Flussnotenblog.)

Und auch er schreibt über die Metapher Mensch als Fluss.

»Bin ich ein Fluss, ist der Fluss ich, Menschenfluss, Flussmensch, Lebensfluss (das, was sich sowieso schon die ganze Strecke durchs Buch zieht).«
Zitat Irgendlink

Ich mag ganz besonders seinen letzten Text, verfasst am Ende der Reise:

»Ich phantasiere, sehe die Fische und die Vögel. Wie im Traum, in dem alles möglich ist. Bin ich der Fluss? Ist der Fluss ich? Das gute am Fluss ist, dass man von der Mündung zur Quelle zurückreisen kann, je nach Belieben. Mit dem Lebensfluss geht das nicht. Der Lebensfluss kennt nur die Härte und Wucht der Gegenwart.«

»Es geht meist nur tief im eigenen Innern, Frieden zu schaffen. Frieden mit sich selbst schafft auch ein bisschen äußeren Frieden, denke ich, einen Berg hochkurbelnd.«
Zitate Irgendlink

Wir könnten doch eigentlich?!, hatte er also neulich gesagt. Und dann habe ich also. Das Blog wachgeküsst nämlich. Damit wir unsere nächste Flussreise ebenfalls im Flussnoten-Blog dokumentieren können.

Los gehts in 20 Tagen. Wenn nichts dazwischen kommt. Keine Viren und keine Kriege. Das Leben lässt sich ja heute nicht mehr so leicht planen, wie wir es damals vor sechs Jahren noch geglaubt haben.

Mehr Infos zur geplanten Wanderung gibt es hier, denn wir könnten wirklich.

Ich freue mich sehr.

Jahrestag

Heute vor dreizehn Jahren habe ich mein erstes WordPress-Blog gestartet, das Vorvorgänger-Blog dieses Blogs hier. Die ersten paar Texte hatte ich dem Weblog, das ich davor – seit 2004 – geführt hatte, entnommen, auf dass in diesem neuen Blog nicht so viel Leere sei. Denn, ja, so ein leeres Blog hat durchaus etwas Forderndes, etwas Furchteinflößendes.

Ich erinnere mich noch genau an die Gefühle dieses Neuanfangs damals, als ich das neue Blogland zu bewohnen und zu betexten begann. Und mit welcher Leidenschaft ich die ersten Texte geschrieben habe. Lustvoll. Ohne zu überlegen, ob das, was ich schrieb, gefiel. Ich hatte ja eh kaum Follower.

Ausschlagend für den Umzug war gewesen, dass ich durchs Novemberschreiben und die Schreibsszene Schweiz ein paar Blogs zu lesen begonnen hatte. Dank dieser ersten Blogs hatte ich dank deren Blogrolls weitere Blogs entdeckt und auch diese zu lesen begonnen. Eins davon gefiel mir besonders gut. Es gehörte einem deutschen Künstler, mit dem ich irgendwie und irgendwann in jenem Frühling eine Art Brieffreundschaft begonnen hatte. (Die Fortsetzung davon ist Geschichte.)

Wieso also nicht auch selbst vom alten, handgestrickten Weblog in ein neues, leichter zu bedienendes WordPress-Blog umziehen, denn neugierig auf die Software war ich schon lange.

Ich habe es nie bereut. Obwohl das Schreiben nicht mehr diese früher erlebte Leichtigkeit hat. Dennoch: Was in diesen dreizehn Jahren Bloggerei alles entstanden ist, macht mich unendlich dankbar. Aus Gedanken und Texten sind unzählige Kooperationen gewachsen, Projekte, winzige, kleine und große. Aus Kommentarsträngen sind Beziehungen geworden, kürzer- und längerfristige. Und Freundschaften sind gewachsen, die nun schon viele Jahre andauern.

Ja, das Blog ist ein wilder Garten. Eine Metapher, die ausgerechnet heute auch der liebe Herr Irgendlink in seinem Blog erwähnt.

Was sich alles verändert hat hinter den Kulissen, ist ja auch nicht nichts. Dass ich im Laufe der Jahre sogar WordPress-Kurse geben und WordPress-Seiten für Kundinnen und Kunden erstellen würde, hätte ich damals, trotz all der technischen Affinität, die ich damals schon hatte, auch nicht gedacht.

Und wie sich die Welt verändert hat. Und Social Media. Was sage ich da? Die ganzen Möglichkeiten des Sich-Vernetzens und der Kommunikation haben sich verändert. Grenzenlos. Größer. Weiter.

Vielleicht darum zieht es mich zurück zu den Anfängen. Zurück zum einfachen, zum ambitonslosen Drauflos-Schreiben.

Ich überlege sogar, ob ich die Kommetare – wie früher – wieder öffnen soll. Obwohl ich mich gut daran erinnere, warum ich sie zugemacht habe. Akribisch hatte ich das Bearbeiten von Kommentaren früher gepflegt, zeitaufwändig war das gewesen. Dennoch: es ist einen Versuch wert.

Happy Blogbirthday und auf einen neuen Anfang!

Metapheröses

Ich mag ja Metaphern aller Art. Technisches und Alltägliches ganz besonders.

Heute Nacht lief ein längst überfällige Update auf dem weniger gebrauchten Teil meines Rechners. Nnennen wir das Kind doch beim Namen: auf Windows. Viele Stunden hat der Rechner dafür geschuftet, denn es muss irgendwann im November gewesen sein, als ich das Betriebssystem das letzte Mal benutzt hatte. Warum ich es noch immer auf dem Rechner habe, weiß ich nicht mehr so genau*. Jedenfalls gabe es viel upzudaten, sehr sehr viel.

Als ich mich heute Morgen an den Rechner gesetzt hatte, war endlich alles wieder so, wie es sollte. Alles lief rund (na ja, außer dass sich alle Browser nicht mit dem Internet verbinden konnten, obwohl das Internet lief, aber da es mir ja nur ums Updaten gegangen ist, war das ja egal).

Wie gerne ich mir selbst doch auch ab und zu so ein Update verpassen würde?, blitzt es in meine Gedanken.

+++

Ich dualboote also. Wenn ich den Rechner einschalte, entscheide ich in den ersten Sekunden, welches Betriebssystem ich starten möchte. Kurz gesagt führt mein Rechner also ein Doppelleben. Meistens halten wir beide uns im Ubuntu-Universum auf, wo ich mich wohl und heimisch fühle; und so sicher, wie es eben irgendwie auf dieser Welt geht.

Doppelleben führe ich selbst auch irgendwie, oder gar Mehrfachleben. So füttere ich zum Beispiel zwei (oder mehr) Blogs und zwei Kurznachrichten-Dienste.

Ja, ich gestehe es. Ich habe noch ein Blog mehr. Ein weiteres Text-Blog. Ich will wieder ins fiktive Schreiben gelangen. Etwas, das mir früher so wichtig war, mir aber in den letzten Jahren mehr und mehr abhanden gekommen ist. Möglicherweise hilft es mir ja, wenn ich mich in einem neuen Gefäß ausschließlich auf kleine fiktive Texte konzentriere? Vielleicht wird sogar eines Tages etwas Ganzes daraus, denn ich habe in meinem großen Vorrat an fiktiven Texten gelesen und versuche, den roten Faden zu finden, für den es sich zu schreiben lohnt.

+++

Ich bin dankbar dafür, dass es Menschen gibt, die wunderbare, tolle, wichtige, nahrhafte Texte schreiben. In solchen Texten finde ich immer wieder für mich so wichtige Erkenntnisse.

Nun stelle ich mir vor, wie die tollen Erkenntnisse eines anderen Menschen durch das Aufgeschriebenwerden konzentriert und komprimiert werden – verzippt sozusagen – und wie ich dann, während ich den Text lese, diese Erkenntnisse, diess ZIP, dieses Konzentrat, in meiner inneren Festplatte entpacke, öffne, installiere, mir zu eigen mache.

Sagte ich schon, dass ich Metaphern mag?



*Früher war es wegen Word gewesen, doch inzwischen sind meine Open-Source-Schreibprogramme Word längst ebenbürtig, zumal ich davon nur eine uralte Version habe, die heute längst überholt ist.
Auch wegen iTunes, also zur Datensicherung meines iPhones, brauche ich es im Grunde auch nicht mehr, denn iTunes gibt es eh bald nicht mehr. Außerdem sichere ich ja meine Bilder regelmäßig. Alle anderen Daten auf dem Handy gibt es noch anderswo auf meinem Rechner.

Er radelt wieder

Er radelt sogar schon fast eine von geplanten knapp drei Wochen. Von Herrn Irgendlink ist die Rede. Seine Fernrad-Reiseblog-Projekte waren vor der Pandemie geradezu legendär. Mitreisen konnten alle, die Lust auf velosophische Radabenteuer zwischen Nordkap, Gibraltar, Bodens- und Nordsee und um das eine oder andere Bundesland hatten. Lesend konnten wir ihn begleiten – im Blog und auf Twitter. Und dann kam die Pandemie.

Vor dem Lockdown hatte er geplant, ein drittes Mal innerhalb von zwanzig Jahren, nach Andorra zu radeln, um herauszufinden, wie sich das Land und der Weg verändert haben. Doch dann kam ihm der Lockdown dazwischen. Diesem jedoch verdanken wir zwei fiktive Reisebücher, die sich lesen, als wäre der Reisekünstler höchstpersönlich unterwegs.

Sehr sehr lesenswert:
1. Zweibrücken-Andorra, die Dritte.
2. Radlantix

Die pandemische Lage lässt es inzwischen wieder zu, dass er das im Sommer 2019 wegen Starkregen und Überschwemmungen abgebrochene Reiseprojekt #Umsland/Bayern weiterführen kann.

Kommt alle. Reist alle mit.

Reiserad geleht an rote Metallbank auf Brücke, vor Fluss und Bergen im Hintergrund, darüber Blauhimmel

Hier gehts zum verbloggten E-Book der 2018 und 2019 erradelten Streckentexte.

In seinem täglichen Blog servieren wir euch wieder Texte und Bilder in gewohnter Manier. Ich bin erneut als Homebase an Bord und füttere euch mit Kartenlinks und kleinen abendlichen Zusammenfassungen.

Ich stelle fest, dass mir dieses Mitreisen sehr gut tut. Ein wenig Altes im Neuen, ein Stück Heile Welt, ein bisschen Frieden im Alltag, der von Krisen geprägt ist.